Die öligen Körper
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»Außerhalb des Blicks der Mehrheit der Niederländer«: Nigerdelta, verseucht durch Shell-Pipelines
Foto: REUTERS/Stringer
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Am Sonntag beschmierten Aktivisten des international agierenden Künstlerkollektivs »Fossil Free Culture« (FFC) die Fenster des Amsterdamer Musentempels »Concertgebouw«. Sie pressten ihre mit Erdöl übergossenen Körper gegen die Glasscheiben der Musikhalle, um gegen einen von deren Hauptsponsoren zu protestieren. »Die öligen Körper erinnern an die Frauen, Männer und Kinder, die weltweit gezwungen werden, den Dreck sauber zu machen, den Shell hinterlässt – oft mit ihren bloßen Händen«, erklärten die Künstler. Nicht nur im Delta des Niger passiere das »normalerweise außerhalb des Blicks und des Denkens der Mehrheit der Niederländer«.
Die Aktion mit dem Titel »Writing on the Wall« hole das Problem »in das Klubhaus von Shell, das ›Koninklijk Concertgebouw‹«. Die Halle sei Treffpunkt der niederländischen Eliten. Die »Shell-Lobbyisten« gingen mit denen »auf Tuchfühlung, um ihre weltweiten, zerstörerischen Geschäftspraktiken normal werden zu lassen«, so das Kollektiv auf Facebook.
Es sei höchste Zeit, dass der Konzertsaal die Allianz mit einem der »größten Umweltverschmutzer« kappe. Dass es ohne Petrodollar geht, macht seit 2017 das berühmte Rijksmuseum vor: Es beendete damals die Zusammenarbeit mit Saudi-Arabien.
Das Van-Gogh-Museum zog im vergangenen Sommer nach und verzichtet seither auf Unterstützung des Shell-Konzerns. Diese Zusammenarbeit bestand, seit das Museum vor 18 Jahren mehr über die Farben wissen wollte, die van Gogh für seine Bilder benutzt hatte; Shell stellte ein Labor zur Verfügung.
Auch dem Van-Gogh-Museum musste FFC auf die Sprünge helfen: Im Juni errichtete das Kollektiv in dem Museum überfallartig eine Textinstallation. Einige Monate zuvor hatten Aktivisten in den heiligen Hallen der Kunst zähflüssigen, braunen Sirup aus ihren Mündern auf den Boden tropfen lassen.
»Shell spannt kulturelle Einrichtungen vor seinen Karren, um sein Image aufzupolieren«, erklärte FFC schon damals. »Eine kulturelle Einrichtung sollte sich dafür nicht hergeben.« Nach Angaben der Museumsleitung wurde die Zusammenarbeit mit Shell nicht wegen der Proteste beendet – die Direktion habe das ohnehin vorgehabt. Das Kollektiv sah das im August gegenüber der Amsterdamer Tageszeitung Het Parool ein wenig anders. »Auch wenn das Museum es nicht zugibt: Unsere Arbeit hat sicher dazu beigetragen, das zu beenden«, zitierte Het Parool das Künstlerkollektiv.

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