Montag, 21. Januar 2019

[Hoppetosse] Verkehrswende/Autofrei-Initiativen: Seminar zu Verkehrspolitik, Aktionstraining, immer mehr lokale Autofrei-Gruppen, Ratschlag Nulltarif in Kassel usw.

Ein erneutes Hallo an Aktionsgruppen zu Verkehrswende, Nulltarif usw.!
Ein paar spannende Termine stehen bevor. Zuerst das Seminar über Verkehrspolitik (also weniger Aktionen, als Fragen der sinnvollsten Verkehrskonzepte, leistungsfähigsten Verkehrsmittel, Pro und Contra Nulltarif usw.), dann ein Aktionstraining und schließlich das Bundesvernetzungstreffen in Kassel:
  • Seminar vom 25.-27.01.2019 (Freitag ab 19 Uhr in der Projektwerkstatt Saasen (Ludwigstr. 11, 35447 Reiskirchen-Saasen bei Gießen - Bahnhof "Saasen" in direkter Nähe, per Trampen über A5/Raststätte Reinhardshain) 
    FREIE FAHRT FÜR ALLE! UMWELT- UND MENSCHENFREUNDLICHE VERKEHRSSYSTEME, NULLTARIF, SCHWARZFAHREN ... 
    Wie sieht Mobilität heute aus - und wie würden wir uns fortbewegen, wenn nicht Herrschafts- oder Kapitalinteressen Autos und LKWs den (Asphalt-)Weg freiräumen würden? Wir schauen uns Verkehrskonzepte in Fahrrad- und Nulltarifsstädten an, vergleichen verschiedene Verkehrssysteme wie Straßenbahnen, Zug, Busse, E-Mobilität und die vor allem im globalen Süden immer mehr verbreiteten Seilbahnen. Wie lässt sich Fuß-, Rad- und öffentlicher Verkehr fördern? Welche Rolle würde die Einführung des Nulltarifs spielen (keine Fahrkarten mehr)? Welche Aktionsideen und -erfahrungen gibt es, um gute Ideen auch durchzusetzen? 
  • 8.-10.2.2019 in der Projektwerkstatt Saasen (Ludwigstr. 11, 35447 Reiskirchen-Saasen; Freitag ab 19 Uhr, Sa/So ganztags)
    DIRECT-ACTION-TRAINING
    Du findest, in der Welt läuft einiges verkehrt? Und fühlst dich ohnmächtig, weil du oft nicht weißt, wie das Bessere gelingen oder durchgesetzt werden kann? Umweltzerstörung, Menschenrechtsverletzungen in Zwangsanstalten, Diskriminierung und Ausbeutung - so vieles passiert täglich, aber kaum etwas hilft dagegen? Dann könnte dieses Direct-Action-Training helfen. Denn ganz so ohnmächtig, wie es scheint, sind wir nicht. Im Gegenteil: Es gibt viele Aktionsformen, die wir kennenlernen und üben können, um uns wirksamer wehren zu können, um lauter und deutlicher unsere Stimme zu erheben oder uns politisch einzumischen: Kommunikationsguerilla, verstecktes Theater, gezielte Blockaden oder Besetzungen, intelligente Störung von Abläufen und vieles mehr schaffen Aufmerksamkeit für eigene Forderungen und Visionen. Wir werden konkrete Aktionsideen besprechen, den rechtlichen Rahmen durchleuchten und einiges ausprobieren.
    Infos: www.direct-action.* ... wer am Freitag abend nicht kommt, bitte den Einführungsfilm vorher auf der Internetseite angucken! 
  • Sa, 6.4.2019 von 11-18 Uhr in Kassel, Stadtteilzentrum Vorderer Westen, Elfbuchenstraße 3, 34119 Kassel 
    Bundesweites Vernetzungstreffen zu Nulltarif und Verkehrswendeaktionen (Gastgeber: Initiative "Nahverkehr für Alle" aus Kassel)
    Ankündigung der Veranstalter*innen: https://www.facebook.com/events/313213915977521/
    Kleine Kommentierung: Seit dem letzten Ratschlag im Juni letzten Jahres gab es das dort vereinbarte Vernetzungstreffen in München und ein weiteres (dort wiederum abgemachtes) in Dresden. Entstanden sind etliche lokale und regionale Vernetzungen. Auf Bundesebene hat es aber eher mehrere Spaltungen gegeben, unter anderem gut zu sehen, dass vom letzten Kasseler Treffen auf dem dort abgesprochen Nachfolgetreffen in München nur aus Gießener und Stuttgarter Basisgruppen Akteur*innen wieder dabei waren. Einige neue Kampagnen wollten von Beginn an mit den bestehenen Initiativen und Vernetzungen nichts zu tun haben, um ihr eigenes Ding durchzusetzen. Neben einem erneuten Treffen wird schlicht ein anderer Wille nötig sein, um sich nicht nur einmal im Jahr zu sehen und irgendwas zu vereinbaren (was dann niemensch interessiert). Ich wünsche mir ein Treffen, aus dem dann mehr auch tatsächlich folgt ...

Immer mehr lokale Gruppen

Potsdam, Berlin, Dresden, Halle/Leipzig, Bonn, Mönchengladbach, Gießen, Stuttgart, München, Nürnberg, Regensburg ... die Liste wird länger, wo Menschen mit Gehzeugen, als Aktionsschwarzfahris, per Blockaden und/Demorecht geschaffenen autofreien Zonen oder auf andere Art für autofreie Orte, Nulltarif, Fahrradstraßennetze usw. kämpfen. Langsam wächst das Potential, auch größere gemeinsame Aktionen zu machen. Dabei soll es keinen Apparat oder irgendeine überregionale Struktur geben, also auch kein einheitliches Label, zuständige Personen für Außenkontakt oder was auch immer. Wie andere Organisierungen zeigen, fördert das stets Hierarchie, Beeinflussung von Außen und zieht Personen an, denen es um Dominanz bzw. Vereinnahmung geht.
Unsere Idee: Überall bilden sich Gruppen oder werden bestehende Gruppen im Thema Verkehrswende aktiv - und vernetzen sich. Ob sie unabhängig sind, einen festen Namen tragen oder gar einem Verband angehören, ist nicht wichtig. Kooperation und größere Aktionen entstehen, weil aus einer oder mehreren Gruppen heraus eingeladen wird und sich andere Gruppen oder Einzelaktive entschließen, dort mitzumachen.
Beispiele:
  • Eine Gruppe plant in ihrer Stadt eine größere Autofrei-Aktion ... und aus anderen Städten fahren welche hin, um mitzumachen.
  • Der Vorschlag, an einem Tag mal in mehreren Städten gleichzeitig was zu machen, findet Resonanz. Eine Gruppe übernimmt es, die Termine zu sammeln und einen Überblick zu erstellen. Eine andere macht ein Presserundschreiben usw.
  • Zu Vernetzungstreffen anderer (z.B. der mehr verbandsorientierte BUVKO oder der weniger aktivistische Nulltarifs-Ratschlag) fahren einzelne hin und berichten den anderen Gruppen, was geschehen ist - oder werben dort für schon vereinbarte Aktionen.
  • usw.
Das ist ein Experiment. Selbstorganisierte Bewegung von unten ist gerade nicht "in". Viele freuen sich über Führung, vorgekaute und fremdfinanzierte Aktionen zum reinen Mitmachen. Das wollen wir nicht. Unsere Vernetzung besteht aus Treffen, gegenseitigen Besuchen und der Verkehrswende-Mailingliste (siehe unten). Sie ist unzensiert. Wer mitmachen will, ist herzlich eingeladen.

Schwarzfahr-Debatte

Das nächste Bundesland und erstmals die FDP überlegt, den Paragraphen zu streichen - und der Koblenzer Oberstaatsanwalt findet sogar, dass Schwarzfahren ohnehin keine Straftat ist
Aus "Justizminister will Schwarzfahren weniger hart bestrafen", in: Trierer Volksfreund, 15.1.2019
https://www.volksfreund.de/nachrichten/rheinland-pfalz/justizminister-will-schwarzfahren-weniger-hart-bestrafen_aid-35669187
Der Koblenzer Generalstaatsanwalt und ehemalige Trierer Leitende Oberstaatsanwalt Jürgen Brauer ist denn auch dafür, die Beförderungserschleicherung nur dann zu bestrafen, wenn Eingangskontrollen umgangen worden seien. Mit anderen Worten: Wo keine ausreichende Kontrolle, da hat der Schwarzfahrer auch keine Straftat begangen. Allenfalls eine Ordnungswidrigkeit.
Als solche muss Schwarzfahren nach Meinung des rheinland-pfälzischen Justizministers Herbert Mertin auch in Zukunft bestraft werden. Ansonsten hätten Personen, die über kein pfändbares Vermögen verfügen, praktisch keinen Anreiz mehr, eine Fahrkarte zu erwerben, sagte Mertin.
Aus gegebenem Anlass: Nach erneuter Kritik über den Begriff "Schwarzfahren" möchte ich nochmal herausheben, dass dieses Thema unter Aktionsschwarzfahris mehrfach diskutiert wurde. Es sind verschiedene Sichtweisen denkbar und auch legitim. Schon seit Langem findet sich eine Stellungnahme dazu auf www.schwarzstrafen.tk - ich habe die jetzt nochmal überarbeitet und präzisiert. Über Rückmeldungen dazu freue ich mich - das kann gar nicht oft genug reflektiert und entsprechend noch klarer ausgedrückt werden!

Mehr auf unseren Internetseiten:

  • Verkehrswende (Nulltarif, Verkehrssysteme im Vergleich, Aktionen usw.): www.verkehrswende.*
  • Verkehrswende in und um Gießen (ganz konkrete Vorschläge für die Umgestaltung, u.a. als Präsentationsfilme): www.giessen-autofrei.* und www.wiesecktal.*
  • Aktionsschwarzfahren für eine Verkehrswende: www.schwarzstrafen.*
  • Und wer sich vernetzen will, ist auf der Verkehrswende-Mailingliste genau richtig. Eintragen mit Betreff "subscribe" (ohne Anführungsstriche) eintragen - oder anmelden im Formular auf www.projektwerkstatt.de/index.php?p=20685
(* durch tk ersetzen - wegen tk-Adressen-Zensur bei einigen Email-Anbietern, z:B. posteo, leider nötig)
Gruß aus der Projektwerkstatt, Jörg
P.S. Das hier darf gerne alles weiterverbreitet werden. Und Entschuldigung nochmal für die Panne beim letzten Mal, wo versehentlich ein Teil der Mailadressen offen sichtbar war.
-- 
(Bitte bei Antworten lange Mailzitate wegschneiden ... spart Daten, Zeit und Unübersichtlichkeit :-)

Projektwerkstatt Saasen, 06401-903283, Fax 03212-1434654
Ludwigstr. 11, 35447 Reiskirchen-Saasen (20 km östlich Giessen)
www.projektwerkstatt.de/saasen 
 - Seminarhaus und politische Aktionswerkstätten
 - Archive, Bibliotheken und Gruppenräume (mit Bahnanschluss)
PGP und Rückmeldeformulare unter www.projektwerkstatt.de/index.php?p=20441
Ihr wollt über Aktionen/Termine informiert sein? Tragt Euch in die Newsletter ein: www.projektwerkstatt.de/index.php?p=10221
Datenschutzbestimmungen unter www.projektwerkstatt.de/media/text/datenschutzhinweise.pdf

Spannende Bücher und DVDs unter www.projektwerkstatt.de?a=shop!
Angebote für Aktionstrainings, Workshops und Vorträge: www.projektwerkstatt.de?p=20225.
Die Projektwerkstatt lebt davon, dass woanders Sachen übrig sind: Eine Liste, was gebraucht wird, ist unter www.projektwerkstatt.de?p=10323 zu finden, z.B. Riesen-Straßenkreide, 12V-Solarbatterie, Obstpresse, Ansteckmikrofone (mit Kabel oder per Funk), CanonEF- oder M-Objektive, Beamer mit HDMI-Anschluss und viele Verbrauchsmaterialien.

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