Sonntag, 6. Januar 2019
Die (deutsche) Weihnachtsüberraschung der französischen Regierung: Verschärfte Jagd auf Erwerbslose
„In Frankreich gab es zum Jahreswechsel eine Überraschung, die der
Regierung wahrscheinlich weitere Minuspunkte einbringt. Es geht um
eine Verordnung, die Verpflichtungen und Rechte von Arbeitssuchenden
neu regelt. Verabschiedet wurde das übergeordnete Gesetz zur
"Wahlfreiheit bei der beruflichen Zukunft" Anfang August vergangenen
Jahres im Parlament nach zwei Monate lang andauernden Debatten mit der
Mehrheit der Regierungspartei gegen die Stimmen der rechten und linken
Opposition. Seit dem 30. Dezember 2018 ist das dazugehörige Dekret
über Verpflichtungen und Rechte von Arbeitssuchenden im Gesetzesblatt
Journal Officiel veröffentlicht, womit es in Kraft getreten ist. Nun
zeigt sich zur Überraschung der Öffentlichkeit, dass in der nun
erlassenen Verordnung härtere und drastischere Sanktionen für
Arbeitssuchende aufgeführt werden, als sie die Regierung bei den
Debatten zu ihrem Gesetzesentwurf vorgestellt hatte. Laut Mediapart
hatte die Regierung beispielsweise angekündigt, dass das unzureichend
begründete Versäumnis eines Besprechungstermins beim französischen
"Jobcenter" (Pôle emploi) mit einer 15-tägigen Aussetzung von
Leistungen sanktioniert würde. So stehe das im Text, dem in der
Nationalversammlung zugestimmt wurde. Im nun veröffentlichten Text des
Décret n° 2018-1335 ist dagegen von einer Streichung der Leistungen
für die Dauer eines Monats die Rede - beim ersten Versäumnis. Beim
zweiten Versäumnis sind es dann zwei Monate, beim dritten
festgestellten Versäumnis vier Monate…“ – aus dem Beitrag
„Arbeitssuchende: Französische Regierung überrascht mit harten
Sanktionen“ von Thomas Pany am 03. Januar 2019 bei telepolis, worin
allerdings die ersten gewerkschaftlichen Reaktionen nur
andeutungsweise erwähnt werden. Siehe dazu auch zwei aktuelle Beiträge
zu ersten Reaktionen auf die überraschenden Verkündigungen „zwischen
den Jahren“ und einen älteren Ankündigungsbeitrag – vor der damaligen
parlamentarischen Debatte
http://www.labournet.de/?p=142222
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