Diese Meldung
macht einerseits deutlich, wie wichtig die
von Staat und Parteien unabhängige Hilfe ist. Zum anderen
bezüglich des Hinweises auf die bis heute andauernden
Nachbeben:Vor wenigen Tagen gab es in Oaxaca ein Beben der
Stärke 5. So etwas findet kaum noch Erwähnung.
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Domradio v.
19.12.2017
Die Folgen des Erdbebens in Mexiko
Am 19. September 2017 bebte in Mexiko die Erde und forderte
über 360 Todesopfer. Adveniat-Referent Reiner Wilhelm
berichtet im Interview von schleppendem Wiederaufbau, Leben im
Provisorium und großer Solidarität.
DOMRADIO.DE: Sie waren gerade in Mexiko, um
sich die Folgen des Erdbebens vor allem bei den
Adveniat-Projektpartnern anzuschauen. Wie ergeht es den Menschen
dort heute? Wie sichtbar und spürbar sind die Schäden da heute
noch?
Reiner Wilhelm (Mexiko-Referent bei Adveniat):
Nach wie vor sind sie sehr sichtbar. Man sieht viele zerstörte
Häuser und Trümmer, zahlreiche Menschen leben immer noch in
Notunterkünften, vor allem im Süden, wo das Epizentrum des
ersten großen Bebens lag. Die Kleinstadt Juchitán beispielsweise
ist vollkommen zerstört. Dort, im Bundesstaat Oaxaca, bebt die
Erde bis heute nach. Man sieht aber auch, wie die Menschen
zusammengerückt sind und sich jetzt gemeinsam um den
Wiederaufbau kümmern.
DOMRADIO.DE: Viele Menschen haben alles
verloren, was sie besaßen. Gab es Entschädigungszahlungen oder
Wiederaufbauhilfen vom Staat?
Wilhelm: Ja, die gab es. Aber das Problem ist,
dass im nächsten Jahr in Mexiko Wahlen sind und sie jetzt auch
zu einem politischen Thema werden. Jeder, der sein Haus verloren
hat, hat umgerechnet etwa 6.000 Euro bekommen. Die durften aber
nur in ganz bestimmten Geschäften ausgegeben werden und auch nur
ein Teil wurde tatsächlich in monetärer Hilfe ausgezahlt. Das
bedeutet, die Preise für Baumaterialien sind enorm gestiegen und
man versucht natürlich auch über diese Zahlungen, Stimmen zu
sammeln. Das machen aber alle Parteien gleichermaßen.
DOMRADIO.DE: Selbst die Regierung hat
zugegeben, dass der Wiederaufbau nicht optimal verlaufe. Woran
liegt das?
Wilhelm: Es ist eine Folge der massiven
Korruption. In der Regel haben die Gouverneure, die für
bestimmte Regionen zuständig sind, Gelder für Katastrophenhilfe
zur Verfügung. Das wurde zum Teil nicht ganz ausgeschöpft und
kam auch nicht immer bei den Bedürftigen an. Vielfach ist auch
die Hilfe nicht angekommen, weil manche Regionen bis heute kaum
zugänglich sind. Ich bin beispielsweise in den Ort Mixe im
Bundesstaat Oaxaca gereist, eine Bergregion, in der sehr viel
kaputt gegangen ist, erst durch das Erdbeben und dann durch die
Niederschläge. Dort sind Straßen teilweise bis heute nicht
befahrbar. Ich musste mehrere Stunden zu Fuß gehen, um die
Menschen dort zu erreichen.
DOMRADIO.DE: Bei dem Beben sind auch viele
Kirchen und kirchliche Gebäude eingestürzt. Wie sehr wird die
kirchliche Arbeit eingeschränkt?
Wilhelm: Sehr, weil viele Kirchen auch
baufällig und nicht mehr benutzbar sind. Viele Priester haben
ihre Unterkunft verloren, Gemeindezentren sind kaputt gegangen,
Messen müssen auf den Straßen stattfinden. Trotzdem hält man
zusammen, denn die Kirchen bedeuten für die Menschen auch ein
Stück Identität und Gemeinschaft. Deswegen ist es für sie auch
wichtig – und das haben mir alle gesagt -, dass neben ihren
Häusern auch die Kirchen wieder aufgebaut werden.
DOMRADIO.DE: Adveniat unterstützt zahlreiche
Projekte in Mexiko. Inwiefern ist das auch ein Rückschlag für
die Arbeit ihrer Partner vor Ort?
Wilhelm: Natürlich ist es schwieriger
geworden, andererseits merkt man aber auch, dass die Menschen
Hoffnung haben und dass es einen Aufbruch gibt: Man hat zwar
alles verloren, aber man sieht, dass es den anderen genauso
geht. Die Menschen stehen zusammen und jeder packt an, wo es
geht. Viele haben gespendet, die Caritas hat Nahrungsmittel und
Kleidung zur Verfügung gestellt. Die Solidarität untereinander
war enorm und das ist das, was Mut macht. Man merkt wirklich:
Das Erdbeben hat die Menschen zusammen gebracht. Alle, die
konnten, haben etwas abgegeben.
Das Interview führte Uta Vorbrodt
Chiapas98 Mailingliste
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