Sonntag, 8. Februar 2015

70 Jahre später und noch kein Ende abzusehen: der 13. Februar 2015

In diesem Jahr jährt sich die Bombardierung Dresdens zum 70. Mal und noch immer haben die Verantwortlichen in Dresden nicht begriffen, dass ihre Art des Umgangs mit diesem Datum eine Anschlussfähigkeit für jegliche Vertreter_innen rechter Ideologien bietet. Besonders deutlich wird dies zum „Jubiläum“, bei dem in Dresden erneut das Datum der Bombardierung zum Jahreshöhepunkt des Gedenkens stilisiert wird. Noch immer liegt der Fokus auf der Bombardierung und nicht auf deren Ursachen! Seit 2011 ruft das Bündnis Dresden Nazifrei am 13. Februar zum Mahngang Täterspuren auf. An verschiedenen Stationen in der Stadt zeigen wir, dass Dresden mitnichten die unschuldige Kunst- und Kulturstadt war, zu der sie während und nach dem Krieg verklärt wurde. SA und SS, Gestapo und Zwangsarbeit, Hass und Verfolgung gehörten zu Dresden genauso wie zu jeder anderen deutschen Stadt. Dresden war Teil der Kriegsmaschinerie des Dritten Reichs und Teil des Holocausts. Dresden war eine von vielen Städten, die bombardiert wurden und vor allem nicht unschuldiger als irgendeine andere. Der Mahngang Täterspuren versucht dies aufzuzeigen, indem er an exemplarischen Orten der Stadt historische Fakten präsentiert. Für uns hat die Pflicht zur Aufklärung nichts an Aktualität verloren. Zwar hat sich das Verhältnis zur eigenen Geschichte in der Bevölkerung Dresdens in den letzten Jahren durchaus gewandelt, gleichzeitig gab es aber schon im vergangenen Jahr Tendenzen, aus dem vermeintlichen Wegfall der Naziinstrumentalisierung den Schluss zu ziehen, Dresden könne nun „wieder in Ruhe gedenken“. So wird es auch dieses Jahr wieder zu Versuchen kommen, die deutsche Schuld zu relativieren – etwa indem der deutsche Angriffskrieg mit der Antwort der Alliierten gleichgesetzt wird. Oder dass gar versucht wird, das Rad wieder zurück zu drehen: Die AfD hat es sich dieses Jahr zur Aufgabe gemacht, „stilles Gedenken“ in Dresden als unschuldiger Opferstadt wieder salonfähig zu machen. Mit einer eigenen Veranstaltung auf dem Altmarkt will man ein „würdiges Gedenken“ fordern und die Diskussion um die Dresdner Erinnerungskultur wieder auf den Stand der 90er Jahre zurückführen. Zudem ist anzunehmen, dass sich auch dieses Jahr wieder Neonazis – ohne Widerstand durch die Veranstalter – unter die Teilnehmenden der offiziellen Gedenkveranstaltungen mischen werden. Wir wollen den Täterspurenmahngang allerdings nicht als reine Geschichtsstunde an der frischen Luft verstanden wissen. Er ist vielmehr unser Beitrag zum Erinnerungsdiskurs in Dresden und soll dem unkritischen Gedenken die Perspektive des kritischen Erinnerns entgegen stellen. Die wohlfeile „Selbstbespiegelung“ in der Stadt, dieses Jahr besonders deutlich durch die Einladung an Bundespräsident Gauck zur Schau getragen, muss aufhören! Vielmehr sollte sich Dresden am kürzlich verstorbenen Richard von Weizsäcker orientieren: der 8. Mai wäre ein würdigerer Tag, an die Gräuel des Zweiten Weltkriegs und die Schuld der Täter_innen zu erinnern, um daraus die richtigen Lehren für die Zukunft zu ziehen – ein Tag der Befreiung, ganz so wie es von Weizsäcker schon 1985 beschrieb. Aber auch aktuellere Entwicklungen verlangen unsere Aufmerksamkeit. Es ist kein Zufall, dass die „Pegida“-Bewegung in den letzten Wochen und Monaten gerade in Dresden Vorurteile und Hass gegenüber tatsächlichen und vermeintlichen Geflüchteten salonfähig machen konnte. Und es ist ebenfalls kein Zufall, dass die Anzahl fremdenfeindlicher Übergriffe seit dem Beginn der „Pegida“-Demonstrationen deutlich zugenommen hat. In Zeiten erstarkender menschenfeindlicher Einstellungen müssen wir uns solidarisch mit denen zeigen, die Opfer von Hass, Diskriminierung und Gewalt wurden und immer noch werden! Ihr seht also, es gibt auch 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs genug Gründe, für eine Aufarbeitung der Geschichte auf die Straße zu gehen – wir laden euch ein und rufen euch auf, dies mit uns zu tun! Abmarsch statt Aufmarsch? – Die Planungen der Nazis zum 13. Februar 2009 war der von der damaligen JLO organisierte Aufmarsch der größte seiner Art in Europa. Aufgrund erfolgreicher Blockaden ist die Zahl der Teilnehmenden seitdem stetig zurückgegangen; 2014 fand am 13. Februar dann überhaupt keine größere Veranstaltung von Neonazis mehr statt. Stattdessen hatte man sich darauf verlegt, Kleinaktionen und eine Vorabenddemo vor dem 13.02. abzuhalten. Auch für 2015 ist bis jetzt keine große Mobilisierung der Nazis nach Dresden zu erkennen. Das bedeutet aber nicht, dass sie sich nicht wie letztes Jahr doch kurzfristig zu Spontandemos verabreden können. Wir wollen dieses Jahr besser auf so ein Szenario vorbereitet sein und auch auf kurzfristige Entwicklungen reagieren. Wir stellen uns darauf ein, rund um den 13.02. auf spontane Naziversammlungen reagieren zu können. Das heißt aber auch, dass es sein kann, dass ein Blockadeaufruf von uns erst kurz vor oder am 13.02. herausgegeben werden kann oder noch kurzfristiger, mit wenigen Stunden Vorlauf, ergeht. Wir bitten euch daher, euch regelmäßig auf unseren Kanälen, der Website, Facebook und Twitter, auf dem Laufenden zu halten. Unser Ziel bleibt klar: Wo Nazis marschieren, werden wir blockieren!

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