Samstag, 31. Januar 2015

Die Tänze gehen weiter

Die niederländischen Behörden wollten ein Konzert der linken türkischen Band Grup Yorum verbieten Von Sükriye Akar, junge Welt 27.1.2015 Am vergangenen Wochenende hätte Grup Yorum, eine der bekanntesten revolutionären Bands der Türkei, in den Niederlanden auftreten sollen. Fans hatten bereits Karten erworben, das Konzert war lange angekündigt und hätte in Amersfoort, der zweitgrößten Stadt der Provinz Utrecht, stattfinden sollen. Das schien zunächst kein Problem zu sein, was durchaus erwähnenswert ist, weil Grup-Yorum-Konzerte immer wieder staatlicher Repression ausgesetzt sind, auch außerhalb der Türkei. Doch dann schalteten sich der niederländische Geheimdienst und die örtliche Polizei ein und übten dem Vernehmen nach Druck auf die Stadtverwaltung in Amersfoort aus, das Konzert als ein vermeintliches Sicherheitsrisiko abzusagen. Doch die Veranstalter reagierten flexibel und fanden einen anderen Ort für das Konzert des zwölfköpfigen Kollektivs aus Istanbul. Für das Anmieten einer Konzerthalle in Rotterdam hatte die dortige Anatolische Jugend bereits eine Genehmigung der Stadt eingeholt. Doch auch hier mischte sich die Polizei ein und drohte dem Betreiber der Halle, er könne durch derlei Veranstaltungen seine Lizenz verlieren. Die Band, die bereits angereist war, versuchte erneut, einen anderen Ort zu finden, und sei es nur für eine Info-Veranstaltung. Der alevitische Verein in Schiedam wurde gebeten, seine Räumlichkeiten dafür zur Verfügung zu stellen. Nachdem der Verein anfänglich Zustimmung signalisiert hatte, folgte wenig später eine Absage. Auch hier steht zu vermuten, dass es Druck seitens der Behörden gegeben hat. Dasselbe Spiel aus Zusage und polizeilicher Einschüchterung gab es dann auch bei einem weiteren, eilig organisierten Veranstaltungsort, einem Hochzeitssaal in Amsterdam. All diese Ortswechsel wurden von fast 300 Grup-Yorum-Fans begleitet, für die schließlich ein auf vier Songs verkürztes Konzert ohne Technik auf offener Straße in winterlicher Kälte stattfand. »Wir haben die Verbote des Faschismus überwunden, indem wir Festnahmen und Verhaftungen in Kauf nahmen. So wie es uns in der Türkei gelingt, Hunderttausende in Stadien zu versammeln, werden wir auch in europäischen Ländern Stadien füllen. (…) Lieder verstummen nicht, die Tänze gehen weiter«, hieß es in einer ersten Stellungnahme von Grup Yorum. Das Vorgehen der niederländischen Behörden gegen die Band stellt keinen Einzelfall dar. Immer wieder machen sich europäische Behörden zu willfährigen Handlangern der türkischen Regierung und verfolgen wegen vermeintlicher Beziehungen zu bewaffneten Gruppen Oppositionelle aus der Türkei. In Stuttgart-Stammheim stehen beispielsweise vier Personen vor Gericht, denen die Unterstützung einer ausländischen »terroristischen Vereinigung« vorgeworfen wird, die darin bestand, Konzertkarten für Grup Yorum verkauft zu haben.

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