Mittwoch, 24. September 2014

Mexiko: Großkonzern verschmutzt Flüsse mit 40 Millionen Litern Schwefelsäure. Jetzt soll er Strafe zahlen

junge Welt, 19.09.2014 Vergiftetes Wasser Haydée Gutiérrez Die Folgen der von dem Großkonzern Grupo México verursachten Umweltkatastrophe im mexikanischen Bundesstaat Sonora sind vermutlich weitreichender als bisher angenommen. Dies geht aus einem ersten Bericht der vom Abgeordnetenhaus eingesetzten Sonderkommission zu der Verseuchung der Flüsse Bacanuchi und Sonora vom Mittwoch hervor. Wie die mexikanische Tageszeitung Excelsior berichtete, hat die Bergbaufirma demnach gegen 30 gesetzliche Regelungen verstoßen. In der Mine Buenavista del Cobre im nördlichen Bundesstaat Sonora, in der der Konzern Kupfer abbaut, war es Anfang August zu dem Unglück gekommen. 40 Millionen Liter mit Schwermetallen versetzte Schwefelsäure gelangten durch ein Leck in den Fluß Bacanuchi, einen Nebenstrom des Sonora, der in den Golf von Kalifornien mündet. Die Folgen waren katastrophal, 22000 Menschen sind davon betroffen, mindestens fünf Personen wurden durch den giftigen Chemiecocktail verletzt. Sowohl die Staatliche Kommission für Menschenrechte (CEDH) als auch die Staatliche Verwaltung zum Schutz der Umwelt (Profepa) haben Anklage gegen Grupo México erhoben. In ihrem von der Abgeordnetenkammer gebilligten Bericht schlägt die Kommission vor, den Konzern fünf Milliarden Pesos (293 Millionen Euro) in einen Fonds zur Beseitigung der Folgen einzahlen zu lassen. Am Donnerstag vergangener Woche war lediglich von zwei Milliarden Pesos (117 Millionen Euro) die Rede gewesen, auf diese Summe war der Schaden zunächst geschätzt worden. Zudem hatten die Nationale Kommission für Wasser (Conagua) und Profepa dem Konzern Bußgelder in Höhe von bis zu 44,5 Millionen Pesos (2,6 Millionen Euro), auferlegt. Der Umweltminister Mexikos, Juan José Guerra Abud, hatte am Donnerstag vergangener Woche angekündigt, daß die Tochterfirmen von Grupo México ebenfalls zahlen müßten, sollten die zwei Milliarden Pesos zur Beseitigung der Schäden nicht ausreichen. Diese haben sich inzwischen dazu bereit erklärt. Der Präsident der Menschenrechtskommission, Raúl Ramírez Ramírez, bedauerte, daß einige Minen die Umwelt und die natürlichen Ressourcen Sonoras derart belasten und kündigte Anfang September aufgrund der Schwere des Vorfalls weitere Schritte an. Die Analysen von Conagua ergaben bereits in mindestens 9 von 22 Proben Überschreitungen entsprechender Richtwerte im Fluß Sonora, die Kommission stellte insbesondere einen erhöhten Anteil an Arsen fest. Wie Guillermo Haro, Vertreter der Profepa, erklärte, kam es aufgrund von mangelnder Wartung und Beaufsichtigung durch den Auftragnehmer zu dem Leck. Neben der Geldstrafe könnte der Konzern mit dieser Klage die Konzession für die Mine ganz verlieren. Die Förderstelle in Sonora ist nicht nur für Umweltschäden bekannt. Schon lange wurden dort Gesetze gebrochen, einige Arbeiter leiden an den gesundheitlichen Folgen von fehlendem Arbeitsschutz. Bürgermeister betroffener Gemeinden verurteilten das Desinteresse des Unternehmens, Gegenmaßnahmen einzuleiten oder Hilfe zu leisten. Ein Vertreter von Conagua, César Lagarda Lagarda, erklärte, daß Grupo México das Auslaufen der giftigen Chemikalie in den Fluß sogar mehrere Tage geheim gehalten habe. Die Folgen einer Vergiftung mit Schwermetallen würden zudem erst nach einiger Zeit auftreten, erst dann sei das ganze Ausmaß erkennbar. Die Bürgermeister kritisierten außerdem, daß nach Kontakt mit dem Wasser Verbrennungen bei einigen Personen aufgetreten und Tiere umgekommen seien. Mindestens fünf Menschen seien auf diese Weise vergiftet worden. Der Konzern half zunächst nicht bei der Wiederherstellung der Brunnen, wie kurz nach dem Vorfall versprochen worden war. 33 Brunnen mußten geschlossen werden, infolgedessen litten einige Gemeinden an Wassermangel für den Haushaltsgebrauch. Die Aktivistin Rosa María Oleary kritisierte das langsame Vorgehen der Behörden und wies darauf hin, daß es Jahre dauern werde, bis die Schäden neutralisiert seien. Ferner erwähnte sie das häufige Vorkommen von Krebs in der Region rund um die Mine. Laut Guillermo Haro sollen nun auch weitere Minen des Konzerns Grupo México untersucht werden, dessen Anteil am Bergbausektor Mexikos bei 48 Prozent liegt. URL: http://www.jungewelt.de/2014/09-19/015.php _______________________________________________ Chiapas98 Mailingliste JPBerlin - Mailbox und Politischer Provider Chiapas98@listi.jpberlin.de https://listi.jpberlin.de/mailman/listinfo/chiapas98

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