Montag, 9. Juli 2012
Neoliberal ist asozial - und trotzdem mehrheitsfähig !?
Dr. Mario Candeias
Referat auf einer Veranstaltung des isw – Institut für sozial-ökologische Wirtschaftsforschung und
von „Marxismus im Dialog“,
München, 27. Oktober 2006
Neoliberalismus ist kein reines ›Überbauphänomen‹, kein ›Mythos‹ oder ›Lüge‹. Die neoliberale
Ideologieproduktion ist vielmehr organisierendes Element eines krisenhaften Umbaus aller gesell
schaftlichen Verhältnisse: von Arbeits- und Produktionsverhältnissen bis zu Geschlechter- und
Klassenverhältnissen etc..
Ideologie meint dabei eben nicht ›falsches Bewusstsein‹, sondern ist vielmehr eine „Form der Ratio
nalisierung“, in der gesellschaftliche Realität neue Definitionen erfährt (Hauser 1996, 501), bezeichnet
also eine Realität der verkehrten gesellschaftlichen Verhältnisse, die sich im Alltagsverstand einnistet,
und den Einzelnen eine gewisse Orientierung und restriktive Handlungsfähigkeit ermöglicht.
Im Zentrum steht dabei eine radikale Vorstellung von Individualisierung und verallgemeinerter
marktwirtschaftlicher Tauschgesellschaft. Die Maximierung des individuellen Nutzens wird zur
grundlegenden Motivation aller menschlichen Handlungen. Jedes individuelle finanzielle, physische
wie psychische, emotionale, intellektuelle oder moralische Ziel oder Bedürfnis wird dabei als Gut in
terpretiert. Die rationale Abwägung der Handlungsoptionen erfolgt in Analogie zur Betriebswirt
schaftslehre durch Kalkulation von Kosten und Nutzen.
Der Neoliberalismus kann als hegemonial gelten, weil es ihm gelingt, die gesamte Gesellschaft mit den
Kriterien betriebswirtschaftlicher Nutzenkalküle und der Orientierung auf den Wettbewerb zu durch
dringen und die gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse damit nachhaltig zu verschieben. D.h. auch eine
individuelle Ablehnung dieser Prinzipien kann nur bei Strafe des persönlichen Untergangs oder
gesellschaftlicher Marginalisierung gelebt werden. Ansonsten muss jeder sich mehr oder weniger
widerwillig in die alltägliche Konkurrenz begeben, ob an der Uni und in der Schule, im Betrieb oder
am Arbeitsmarkt, oder auch in Liebesverhältnissen (vgl. die Romane von Hullebeque). Eine neue Pro
duktions- und Lebensweise (K. Marx / F. Engels, Die deutsche Ideologie, MEW 3, S. 21) ist also mit
veränderten Subjektivitäten verbunden.
Nun setzt sich kein hegemoniales Projekt in ›Reinform‹ durch. Im Kampf um kulturelle Hegemonie
sind die herrschenden Gruppen nicht nur zu Kompromissen gezwungen, sondern müssen ihre
eigenen Vorstellungen auf konkrete Weise mit den allgemeinen Interessen der untergeordneten
Gruppen verbinden, sich selbst verändern (reartikulieren wird das genannt). Es ist also keineswegs so,
dass Politiker und Konzernvorstände uns einfach nur nach Strich und Faden belügen (das kommt
schon auch vor), im Allgemeinen glauben sie aber wirklich, dass sie mit ihren Maßnahmen der Gesell
schaft nützen. Der Neoliberalismus kann sich also trotz seiner antisozialen Politik auf aktive und
passive Zustimmung stützen, weil er die Interessen subordinierter, untergeordneter Gruppen auf
nimmt, ihre Ziele allerdings „ver-rückt“, ins Kleid der Selbstvermarktung stopft. Die schmale gesell
schaftliche Basis des Neoliberalismus und geringere Kohärenz1 verleiht zugleich dem Zwang größere
Bedeutung.
1.
Volksvorurteile
Selbst grundlegende strukturelle gesellschaftliche Verhältnisse wie Warenform, Lohnarbeit, Kapital
etc. können sich niemals vom Konsens und den Alltagsgewohnheiten der Individuen ablösen. Sie
müssen zuvor „bereits die Festigkeit eines Volksvorurteils“ gewonnen haben (K. Marx, Das Kapital,
MEW 23, S. 74), sich zu „objektiven Gedankenformen“ (ebenda, S. 90) entwickelt haben, also uni
versell subjektiv wirksam werden. Sie werden zu allgemein akzeptierten, naturalisierten und später
1
Zusammenhalt, Zusammenhang, feste Beziehung zwischen mehreren Dingen
kaum noch hinterfragten Verhältnissen, die dennoch bewusst gelebte Praxis darstellen. Da wir als tä
tige Subjekte diese Struktur alltäglich reproduzieren, tragen wir selbst zu ihrer Festigkeit bei. Man
kommt aber auch nicht einfach durch einen Willensakt heraus, wir können nicht einfach aufhören, die
Strukturen zu reproduzieren. Wenn ich morgen beschließe, dass Lohnarbeit unbefriedigend ist, heißt
es nicht, dass ich mich dem Druck zum Verkauf meiner Arbeitskraft entziehen könnte (es sei denn ich
verfüge über ein entsprechendes Vermögen oder akzeptiere meinen gesellschaftlichen Ausschluss).
Die ideologische Verkehrung erfolgt also nicht im Kopf, sondern in der Struktur gesellschaftlicher
Verhältnisse selbst. Ideologie ist also nicht einfach falsches Bewusstsein, sondern materiell wirksam.
Es handelt sich um sich ›hinter dem Rücken‹ der Individuen herausbildende und zugleich ihr
Handeln bestimmende ›objektive‹ soziale Formen.
Aber die damit verbundenen Ideologien setzen sich nicht nur als Zwang durch, sondern ernten aktive
Zustimmung. Versuchen Sie z.B. einmal allgemeine Zustimmung zu bekommen für eine Forderung
wie nach einem bedingungslosen Grundeinkommen oder Existenzgeld (eine Forderung diverser so
zialer Bewegungen) – sie ernten allzu oft Widerspruch, weil die Vorstellung herrscht, für sein Aus
kommen müsse man auch arbeiten – meistens lohnarbeiten. Versuchen Sie überhaupt einmal gegen
die Vorstellung anzugehen, man müsse für die notwendigen Dinge, die man konsumiert, auch bezah
len – die Forderung das Lebensnotwendige umsonst bereitzustellen (auch eine Forderung einiger so
zialer Initiativen) erntet meist nur belustigtes Kopfschütteln.
Aber bleiben wir einmal bei weniger grundlegenden, nichtsdestoweniger für den Neoliberalismus ver
breiteten Volksvorurteilen:
Zuviel Staat
Einem orthodox-konservativen Neoliberalismus gelang es zunächst, das Unbehagen an unübersichtli
chen, verunsichernden gesellschaftlichen Verhältnissen auf ›Rigiditäten‹ und ›Verkrustungen‹ des al
ten sozialdemokratischen Projekts zu lenken, insbesondere auf den Wohlfahrtsstaat, aber natürlich
auch auf den sog. ›Realsozialismus‹ im Osten. Aus Sicht der Neoliberalen, etwa Hayeks, wird nach
dem Zweiten Weltkrieg die eine Hälfte Europas, der Osten, „kommunistisch“, die andere „sozialis
tisch“; er meint die sozialen Kompromisse und keynesianischen staatlichen Interventionsprogramme
– für ihn ein „Weg zur Knechtschaft“ (Hayek, 1944). Jedenfalls: Auf die Krisenerscheinungen der
1970er Jahre wie hohe Inflation, beginnende Massenarbeitslosigkeit, Wachstumsrückgang, wissen die
regierenden sozialdemokratischen Parteien keine überzeugende Antwort zu formulieren. In dieser Si
tuation gelingt es neoliberalen Kräften die Krise als Folge von ›Überregulierung‹, als allgemeine staat
liche Steuerungskrise darzustellen, der durch Abbau bzw. Verschlankung des Staates und Deregu
lierung zu begegnen sei. Die neoliberale ›Ideologiekritik‹ fokussiert auf die „unterdrückenden Fähig
keiten des Wohlfahrtsstaates“ (Marcuse 1964, 70) gegenüber der (Zivil)Gesellschaft. Sie bietet damit
handlungsleitende Deutungen der Veränderungsprozesse an, gibt eine vermeintlich klare
Orientierung, die als einleuchtend erscheint und sich in den Köpfen der Subjekte verankern kann.
Gegen den bevormundenden Wohlfahrtsstaat wird die eindringliche Rede von der individuellen Frei
heit gesetzt, die – anders artikuliert – auch von Links betont wird. An diesem Punkt trifft sich der re
aktionäre Impuls der Neoliberalen mit den emanzipativen Impulsen der 68er Bewegung. Ganz zu
Recht kritisierten 68er- und Frauenbewegung die unterdrückenden Seiten eines paternalistischen und
partriarchalen Sozialstaates, der die freie Entfaltung der Einzelnen in ein Korsett der Normierung von
Lebensweisen presste. Die neoliberale Bewegung nahm diese sehr erfolgreich im Alltagsverstand
etablierte Kritik auf, kehrte sie um, stellte sie sozusagen auf den Kopf, radikalisierte sie und nahm der
linken Kritik damit die Spitze und Überzeugungskraft. Ehemalige 68-er, Grüne und Sozialdemokraten
wurden selbst zu treibenden Kräften einer Orientierung auf Eigenverantwortung und Entstaatlichung.
Private Unternehmen arbeiten effizienter
Um das Wachstum und Investitionen anzukurbeln senken Sozialdemokraten wie Konservative ein
ums andere mal die Steuern für Unternehmen und Vermögende. Die Finanzierung des Sozialstaates
wird derweilen über erhöhte Sozialabgaben, Lohn- und Verbrauchssteuern betrieben; massiv v.a.
nach 1990. Die permanente Mehrbelastung der Lohnabhängigen bei gleichzeitig sinkenden Leis
tungen, die ihnen daraus erwachsen, lässt die Akzeptanz für den alten Wohlfahrtsstaat, der dem Osten
einfach übergestülpt wurde, schwinden. Die Vorstellung ineffizienter Verwaltungen, staatlicher
Dienstleistungen und fauler Bürokraten ist verbreitetes ›Volksvorurteil‹ geworden. Die Linke hat zu Recht auf den schlechten Zustand und Lebensferne vieler staatlicher Dienste hingewiesen, nicht zu
letzt wird z.B. seit den 1970er Jahren eine grundlegende Reform des Schulwesens gefordert. Auch die
Schelte über die Privilegien der Beamten dürften in diesem Raum hier auf Zustimmung stoßen, trifft
ja auch auf persönliche Erfahrungen, die fast jeder schon mal gemacht hat – pauschalisiert und verall
gemeinert erhält diese Kritik eine andere politische Stoßrichtung. Genau hier setzen die Diskurse über
Privatisierung und Effizienzsteigerung an. Wer teilte nicht die – wieder durchaus berechtigten –
Klagen über ineffiziente Gesundheitsdienste, überfüllte Massenuniversitäten, immer verspätete Züge
oder miesen Postservice? Der Staatssozialismus war da auch nicht besser. Differenzierungen gehen je
doch allzu oft verloren: da die Debatte auf zwei Alternativen reduziert wird, staatliche versus private
Bereitstellung öffentlicher Dienstleistungen, gilt die Privatisierung als modern, die Gegenposition
dagegen wird schnell als altmodisch denunziert – und sie ist es in dieser Einfachheit auch, wenn es
nicht um grundsätzlich andere Formen der Produktion gesellschaftlicher Reproduktionsbedingungen
geht.
Für die Rente muss mehr privat vorgesorgt werden
Anderes Beispiel: Wir machen mal eine kleine Umfrage: Wer glaubt noch, die Rente sei sicher. Nun
die meisten wohl nicht, in Deutschland sind es 92% der Bevölkerung? Wer ist überzeugt, dass wir also
die Renten kürzen und die Altervorsorge privatisieren, auf Kapitalbasis umstellen müssen, um sie für
die Zukunft zu sichern? Wahrscheinlich auch nicht gerade viele. Wer hat trotzdem privat vorgesorgt,
weil er sich nicht darauf verlassen will, dass das alles schon irgendwie gehen wird, oder wer würde es
tun, wenn er das nötige Kleingeld hätte? Nun, tatsächlich sind es 61 % der Bevölkerung und ich muss
mich da wohl einschließen? Und schon spielen wir mit im Spiel beim Gerangel um den Abzug vom
produzierten Mehrwert, denn nichts anderes sind Zinsgewinne und Aktienkurssteigerungen unserer
kleinen Fonds und Kapitallebensversicherungen. Nun wird zwar von links schon seit langem auf die
sog. Bürgerversicherung verwiesen, d.h. auf die Erweiterung der Einnahmebasis durch Einbeziehung
alle Einkommensarten (nicht nur der Löhne). Die Durchsetzungschancen sind mit der großen Koaliti
on allerdings nicht gewachsen. Aber selbst bei Erhalt des heutigen Niveaus, würden ein wachsender
Anteil angesichts der Prekarisierung und Unstetigkeit der Erwerbsbiographien kaum in den Genuss
der ›Normalrente‹ nach 35 bis 40 Erwerbsjahren kommen.
Ältere Menschen sind nicht leistungsfähig genug
So sehr die Sehnsucht nach der Pensionierung angesichts der herrschenden Arbeitsbedingungen ver
ständlich ist, ist der Ausschluss älterer Menschen – faktisch schon ab Anfang/Mitte 50, bei Frauen
noch früher–, von Teilhabe durch gesellschaftlich nützliche Arbeit auch nicht gerade das Gelbe vom
Ei. Das werbeindustrielle Bild einer kleinen, aber reichen Schar rüstiger Rentner, die Weltreisen an
treten, wie die Kinder am Strand spielen und auf Segeljachten durch die Ägäis schippern oder Mallor
ca unsicher machen, prägt die Wahrnehmung. Ungern wahrgenommen werden rapide steigende
Altersarmut, Vereinsamungserscheinungen, Depressionen und zunehmende Selbstmordraten. Aber
so drastisch muss es gar nicht kommen. Denken wir nur an viele frühpensionierte Männer, die ihre
Frauen schockieren, weil sie sich nach 30 oder mehr Jahren Ehe auf einmal im Haushalt betätigen, ih
nen zeigen, dass sie dort hinten in der Ecke nicht richtig Staub saugen, und er das jetzt mal richtig
macht, oder vom Einkaufen die unmöglichsten Dinge zu überteuerten Preisen mit nach Hause
bringen und sich sonst noch allerlei Hobbys ausdenken, um die Lebenspartnerin zu terrorisieren. Die
meisten finden, dass sie ihre Rente nun wirklich verdient haben und fühlen sich doch unnütz. Folge
des grassierenden kapitalistischen Konkurrenz- und Verwertungsdrucks in der Arbeit, der immer grö
ßere menschliche Ressourcen auspumpt und dann ungenutzt liegen lässt, während ein großer Bedarf
gesellschaftlich notwendiger Arbeiten ungetan bleibt. Perspektive bleibt die Flucht aus der Arbeit statt
einer lebenswerten Umgestaltung der Arbeitsbedingungen.
Man kann nicht mehr ausgeben, als man eingenommen hat. Wir müssen sparen.
Ein weiteres neoliberales Dogma ist, dass das Anspruchsdenken in der Bevölkerung – vom Sozialstaat
geschürt – diesen überfordert. Daher sei der Staat von übersteigerten Forderungen zu entlasten und
wieder auf seine Kernaufgaben zu reduzieren. Margaret Thatcher hat dies auf eine einfache Formel
gebracht: Einen Staat zu führen sei ganz dasselbe wie einen Haushalt zu managen. Man könne eben
nicht mehr Geld ausgeben, als man eingenommen habe. Mit dieser popularisierenden, vereinfa
chenden Form machte sie neoliberale Theorie auf der Ebene des Alltagsverstandes anschlussfähig –
sogar noch geschlechtsspezifisch betont, direkt die Figur der Hausfrau aufgreifend. Angesicht ›explo
dierender Kosten‹ müsse die Haushaltskonsolidierung also vorrangiges Ziel jeder Regierung sein.
Eine entsprechende Geld- und Haushaltspolitik wurde – v.a. dank der Bundesbank – auf Ebene der
EU in den Maastrichtverträgen bzw. im Stabilitätspakt gesetzlich festgeschrieben. Das sind harte
Zwänge, die sich auch nicht mal eben so umgehen lassen. Diese Position teilen grundsätzlich auch alle
Parteien. Bei den Grünen etwa wird dies unter anderem mit dem Stichwort Generationengerechtigkeit
begründet. Der Streit besteht nur darum, bei wem gespart wird und wie viel. Dass es nichts mehr zu
verteilen gibt, teilen über 90 % der Bevölkerung. Attac mit seiner Kampagne ›Es ist genug für alle da!‹
ist eine der wenigen rühmlichen Ausnahmen.
Ein paar ökonomische Schlaglichter dazu:
In einer Situation der Überakkumulation, also wenn es zu einem Überschuss an liquidem Kapital
kommt, das nicht reinvestiert wird, wird das Einspringen der öffentliche Hand erforderlich, um die
Geldentwertung zu vermeiden. Fallen die privaten Schuldner, also v.a. Unternehmen aus, weil sie auf
grund sinkender Profitraten und hoher Realzinsen weniger investieren und somit kaum neue Kredite
nachfragen, so setzt ein Prozess der öffentlichen Verschuldung ein. Sonst käme es erneut zu einer Si
tuation der Überliquidität mit niedrigen Zinssätzen und Entwertung von Geldvermögen (durch In
flation oder Börsencrash) mit entsprechenden weltwirtschaftlichen Folgen. Geld in seiner Funktion
als Zahlungsmittel, als Kreditgeld, ist eine Forderung, also ein Vermögenswert, dem auf der anderen
Seite Verpflichtungen, Schulden gegenüberstehen. Wachsen die Geldvermögen, müssen logischer
weise auch die Schulden zunehmen – und umgekehrt. Entsprechend steigt die Verschuldung der
staatlichen Haushalte seit den 1980er Jahren drastisch. Spitzenreiter sind die USA mit weit über 3
Billionen US-$.
Die Staatsschulden sind auch im deregulierten Finanzkapitalismus eine Funktionsnotwendigkeit. Die
Staatsausgaben zu reduzieren ist nahezu unmöglich; tatsächlich möglich ist eine Begrenzung des An
stiegs, eine absolute Senkung der Ausgaben kaum. „Die Verschuldung des Staates“ entspricht dem
„direkten Interesse der herrschenden Bourgeoisiefraktion“ (Marx, Die Klassenkämpfe in Frankreich
1848 bis 1850, MEW 7, S. 13f), weil sie für diese dank der beträchtlichen Zinseinnahmen eine ein
trägliche Quelle der Bereicherung ist.
Dennoch dürfen die staatlichen Schulden nicht zu groß werden, da andernfalls die Geldwertstabilität
der jeweiligen Währung gefährdet wäre. Die Bedienung der Schulden wirft freilich Probleme auf: da
der Staat die Erhaltung privater Geldvermögen nicht erfüllen könnte, wenn der öffentliche Schulden
dienst durch Steuern auf Geldvermögen finanziert würde, bleibt nur der Zugriff auf die Einkommen
der Nicht-Vermögensbesitzer und die sozialstaatlichen Transferzahlungen. Also führt die
Globalisierung der Finanzmärkte zu jener Krise des Wohlfahrtstaates, die in den 90er Jahren in allen
Ländern ausbricht. Arbeitnehmer und Sozialsysteme werden immer stärker belastet, um auf der
anderen Seite Vermögensbesitzer über Steuererleichterungen, vermehrte Abschreibungsmöglichkei
ten oder direkte Unterstützungsleistungen zu entlasten, in der trügerischen Hoffnung diese würden
die gewonnen finanziellen Möglichkeiten für produktive Investitionen nutzen. Entsprechend steigt
der Anteil der Lohnsteuern (sowie auch der indirekten Steuern, v.a. der Mehrwertsteuer), während
der Anteil der Unternehmens- und Kapitalsteuern seit über 30 Jahren permanent sinkt (allein in den
letzten 4 Jahren über 60 Mrd. € Steuersenkungen). Gleichzeitig erreichen die Profite Rekordniveaus,
zumindest die der Großunternehmen. Nur nebenbei sei angemerkt, dass die effektiven Unter
nehmens- und Kapitalsteuern in Deutschland noch unterhalb des Niveaus der USA liegen.
Es wird also immer mehr Reichtum akkumuliert, der nicht nur andernorts fehlt, sondern auch immer
weitere Zinszahlung an Vermögende erforderlich macht. Eine gigantische Umverteilungsmaschine
von unten nach oben. Dennoch hat sich die Ansicht, dass es nichts mehr zu verteilen gibt, bis tief in
die Linke hinein im Alltagsverstand festgesetzt. Angesichts der auch staatlich betriebenen Libe
ralisierung des Kapitalverkehrs ist dem Problem mit nationalstaatlichen Maßnahmen allein allerdings
nicht beizukommen.
Die Arbeitskosten sind zu hoch.
Letztes Beispiel: Die Arbeitskosten sind zu hoch und die Arbeitszeiten zu kurz. Zwar wird freiwillig
keiner auf Lohn verzichten, aber angesichts polnischer, lettischer oder portugiesischer Lohnniveaus
wird vielen einsichtig, dass sie, um ihren Arbeitsplatz zu behalten, verzichten und länger arbeiten
müssen. Ungeachtet der Tatsache, dass immer mehr Menschen überhaupt keine Arbeit mehr finden.
Der Konkurrenzdruck durch Globalisierung und Billiglöhne lässt eben keine andere Wahl.
Tatsächlich hat die Transnationalisierung der Produktion zu neuen Spaltungen zwischen Beschäftig
ten geführt und die Kräfteverhältnisse zugunsten des Kapitals verschoben. Die konsensuale Unterwer
fung wird zum einen über wettbewerbskorporatistische Bündnisse auf unterschiedlichsten Ebenen ge
währleistet. Dabei handelt es sich um sehr ungleiche Kompromisse. Sie bringen kollektive Interessen
vertretung in Übereinstimmung mit den betrieblichen Erfordernissen einer ständig verbesserten Kon
kurrenzfähigkeit und verteidigen gleichzeitig die Position etablierter Lohnabhängigenkerne in den
Zentren – zu Lasten der Prekarisierten und Arbeitslosen in den inneren und äußeren Peripherien.
Beispiel Daimler: Angesichts der Forderung der Geschäftsführung 500 Mio. Euro einzusparen, konn
ten die geltenden Tarifverträge (mit leichten Veränderungen) nur gehalten werden, indem massive
Verschlechterung bei den Beschäftigten im Dienstleistungsbereich akzeptiert wurde, also bei Kan
tinen- und Reinigungspersonal, wie beim Servicepersonal. Diese Bereiche wurden ausgelagert oder es
gab Lohnkürzungen und längere Arbeitszeiten für diejenigen, die ohnehin nicht so gut dran waren.
Diese spezifische Form der betrieblichen Bündnisse trägt also nicht zur Solidarisierung bei, sondern
vielmehr zur Entsolidarisierung, zu verstärkter Konkurrenz innerhalb der Belegschaften und zur Indi
vidualisierung.
Aufgrund solcher ausgrenzenden, ausschließenden Wirkungen (etwa von Frauen und Migranten)
wurde der lange Zeit herrschende staatliche Korporatismus zwischen Staat, Gewerkschaften und Ka
pital frühzeitig von der Linken kritisierte? Marcuse nannte das Mitte der 60er Jahre ein „be
trügerisches Einverständnis von Kapital und organisierter Arbeiterschaft in einem starken Staate“
(14). Heute kommt die Kritik nicht mehr von Links. Der Wettbewebskorporatismus neuer Prägung
wird nun von Kapitalseite angegriffen, und zwar dort, wo er am stärksten war: In den Großunter
nehmen von Volkswagen bis Siemens. Sie nutzen die Schwäche der Gewerkschaften, um die Relikte
des sog. ›Modell Deutschland‹ abzuräumen. Die Neoliberalen haben dafür das ideologische Arsenal
geliefert. Die Kritik der Linken aufnehmend und verkürzend, gelten insbesondere für Hayek – den Ur
vater der Neoliberalen – die Gewerkschaften und jede Form kollektiver Interessenvertretung als das
Grundübel; eine Karikatur davon bietet heute Guido Westerwelle.
Schaut man sich aber nun mal genauer an, woher der Konkurrenzdruck nun in erster Linie kommt,
zeigt sich ein anderes Bild. Was würde ein Beschäftigter bei Daimler-Chrysler wohl sagen, wenn ein
Tscheche ihn als Lohndrücker beschimpft? Das kleine Deutschland konnte in den letzten fünf Jahren
seinen Anteil am Welthandel auf über 10% steigern und ist damit Exportweltmeister. Kein anderes
Land exportiert mehr Waren, nicht mal Japan oder die USA, Werte in Höhe von fast 800 Mrd. €. Die
jährlichen Exportüberschüsse liegen bei nahezu 160 Mrd. €. Das heißt auch, das mediale Selbstbild
des Landes als sklerotisch, undynamisch etc. passt nicht recht zur wettbewerbsfähigsten Ökonomie
der Welt.
Die absolute Höhe der Löhne ist tatsächlich vergleichsweise hoch. Aber die Unternehmen interessiert
für ihre Kalkulation nicht die absolute Lohnhöhe, sondern vielmehr die realen Lohnstückkosten. Und
diese sind dank der enormen Produktivität deutlich niedriger als in anderen Ländern. Tatsächlich
sind sie gegenüber den Haupthandelspartnern etwa in der EU sogar gesunken. D.h. die deutsche
Lohndrückerei im Verhältnis zur Produktivitätsentwicklung zwingt Portugal, Großbritannien oder
Frankreich ihre Löhne noch weiter abzusenken. V.a. schwach entwickelte Ökonomien können nur
über Lohnsenkungen mithalten. Solange der verteilungspolitisch neutrale Spielraum zwischen Lohn-,
Produktivitäts- und Inflationsentwicklung nicht ausgenutzt wird, kommt es zu einer Senkung der rea
len Lohnstückkosten. Tatsächlich sind die Lohnsteigerungen faktisch so niedrig, dass es sogar zu Re
allohnsenkungen kommt, während Reallöhne wie Lohnstückkosten in allen europäischen Ländern,
aber auch in China oder Indien gestiegen sind.
2.
Absorption der Kritik und reale Interessenverallgemeinerung
im gesellschaftlichen Umbau
Wer diese Art von Volksvorurteilen nicht teilt und sich dem zu entziehen versucht, ist oft geneigt den
Neoliberalismus als eine Art unwahrer ›Mythos‹, ›Lüge‹ oder ›falsches Bewusstsein‹ darzustellen, das
die wirklichen Verhältnisse nur vernebelt. Tatsächlich kann man natürlich versuchen, so wie ich eben
ansatzweise, diese Vorurteile zu widerlegen. Das ist im Alltagsverstand zwar unmittelbar anschlussfä
hig, weil die Überzeugung verbreitet ist, Politiker oder Medien erzählten ohnehin nur die Unwahrheit.
Beschränkt man sich darauf, wird aber eine andere Realität verfehlt, die ebenfalls im alltäglichen Den
ken verankert ist – dass sich nämlich vieles gewandelt hat und durchaus nicht nur negative Seiten auf
weist. Die neoliberale Ideologieproduktion ist dabei das organisierende Element einer krisenhaften
Transformation aller gesellschaftlichen Verhältnisse. Und der Neoliberalismus kann sich dabei trotz
seiner antisozialen Politik auf aktive und passive Zustimmung stützen, weil er die Interessen sub
ordinierter Gruppen aufnimmt, ihre Ziele allerdings ver-rückt. Zentrale Forderungen der 68er-, der
Frauen-, der Öko- wie der Arbeiterbewegung wurden in neoliberale Politiken integriert, aktive Zu
stimmung organisiert, das kritische Potenzial dieser Bewegungen absorbiert, und letztlich die Bewe
gungen damit selbst zersetzt.
›Humanisierung der Arbeit‹
Die Arbeiterkämpfe der 60er Jahre, die sich insbesondere in Italien und Frankreich, aber auch in der
BRD, zu Fabrikbesetzungen und wilden Streiks steigerten, richteten sich ganz wesentlich gegen die
immer weitergehende Vertiefung der Arbeitsteilung, Beschleunigung der Fließbänder und der daraus
folgenden Monotonie und psycho-physischen Belastungen, die zu einem frühzeitigen Verschleiß der
Arbeitskräfte und Dequalifizierung führten. Auch die Gewerkschaftspolitiken der 1970er Jahre setzten
mit Unterstützung des Staates auf eine ›Humanisierung der Arbeit‹. Diese gegen die kapitalistische
Ausbeutung gerichtete Kritik wurde schon seit den 1970er Jahren tatsächlich von Kapitalseite aufge
nommen. Allerdings nicht, um den Beschäftigten einen größeren Anteil am produzierten Mehrwert zu
gönnen, sondern, um die Produktivität voranzutreiben.
Es entwickelte sich ein neues hochtechnologisches Produktionsmodell, sozusagen ein neues Verhält
nis von Produktivkräften und Produktionsverhältnissen: und zwar eine Kombination mikro
elektronischer und informationeller Technologien mit dem erweitertem Wissen und den Erfahrungen
der unmittelbaren Produzenten, und veränderten Formen der inner- und zwischenbetrieblichen Pro
duktionsorganisation und restrukturierten Arbeitsverhältnissen. Im Gegensatz zum Fordismus der
Nachkriegszeit wird dabei stärker auf die Produktionsintelligenz, das informelle Erfahrungswissen,
die Kreativität und selbst auf die Emotionalität der unmittelbaren Produzenten gesetzt. Mit dieser
Repositionierung des Wissens und der Subjektivität ist eine erweiterte relative Autonomie der
Beschäftigten im Arbeitsprozess verbunden. Je höher der Grad an Verwissenschaftlichung der Tätig
keiten, desto schwieriger wird es, eine direkte Kontrolle über den Arbeitsprozess aufrechtzuerhalten.
Der genaue Ablauf der Tätigkeiten wird nicht mehr vorgegeben, sondern den Beschäftigten weitge
hend selbst überlassen; Hauptsache das vorgegebene Ziel wird erreicht. Die Einbindung des Wissens
der Beschäftigten macht die Tätigkeiten generell interessanter und vielfältiger. Ihre Faszination
verführt auch zum längeren Arbeiten. „Indem Arbeit geistige Arbeit ist, kann sie vor den Fabriktoren
und Bürotüren nicht halt machen. Die Probleme werden mit nach Hause genommen. Sie durchsetzen
die Freizeit“, wollen gelöst werden. „Solche Praxen verändern das Familienleben, wenn sie allgemein
werden.“ (F.Haug)
Dazu eine Anekdote: Neulich beim Schlendern über den Campus meint eine Kollegin, irgendwie ste
cke ihr die Erkältung von letzter Woche noch in den Knochen – das merke sie daran, dass sie um
10.00 Uhr abends nicht mehr konzentriert arbeiten könne. Als ich sie auf ihr quasi neoliberales
Arbeitsethos ansprach, toppte mein Chef das Ganze, und meinte, er würde ja schon um 5.00 Uhr
morgens anfangen, damit er dann auch wirklich um 10.00 Uhr abends aufhören könne. Beide sind be
kannte Arbeitsforscher, die immer wieder die überlangen Arbeitszeiten anprangern, Arbeitszeitver
kürzung bei maßvollen Lohnabstrichen fordern, aber eben selbst im Alltag das genaue Gegenteil re
produzieren.
U.a. liegt das daran, dass die neuen Formen der Arbeit, v.a. im sog. ›hochqualifizierten‹ Bereich, aber
nicht nur dort, dem Bedürfnis nach Selbstverwirklichung und selbstverantwortlichen Arbeitsweisen
entgegen kommen. Eingezwängt in fremdbestimmte, betriebliche kontrollierte Grenzen beschränkt
sich die Autonomie allerdings auf einen engen Bereich des für die Konkurrenzfähigkeit des Unter
nehmens Förderlichen. Damit sind Beschäftigte gezwungen, Flexibilitäts- und Effizienzanschauungen,
unternehmerisches Denken in ihre eigenen Denk- und Handlungsmuster zu internalisieren. Die reelle
Subsumtion der Arbeit unter das Kapitalverhältnis erreicht eine historisch qualitativ neue Stufe. Die
Ausbeutung abhängiger Arbeitskraft durch das Kapital wird durch Delegation erweiterter und zu
gleich eingegrenzter Spielräume auf das tätige Subjekt in Richtung ›Selbstausbeutung‹ verschoben.
Die hohen Löhne in der Anfangsphase des neuen Arbeitsregimes sollen die „psycho-physische An
passung an die neue industrielle Struktur“ (Gramsci) sichern. Und neue Formen sozialer Kontrolle
treten hinzu. Wer dem Druck der Konkurrenz und der Anpassung in der Arbeitswelt nicht standhalten
kann – der sich in den Alltag, in den Kreis von Familie und Bekannten, in die Freizeit, den Sport etc.
fortsetzt –, hat die Möglichkeit sich über ein vielfältiges Angebot von Therapien wieder „fit“ machen
zu lassen. Lohn und Freizeit werden zunehmend zugunsten der individuellen Leistungsfähigkeit,
Beschäftigungsfähigkeit, kurz zugunsten der ökonomischen Verwertbarkeit verausgabt – immer mehr
Zeit und Geld wird für Fitness, Wellness und nicht zuletzt Psychotherapie oder andere, mehr esote
rische Angebote verwendet. Es herrscht geradezu ein konformistischer Druck ein Non-Konformist
sein zu müssen – eine Art hochtechnologische alltägliche Lebensführung, die Selbstvermarktung und
persönliche Performance nötig macht, um seine Position im Kampf um die wenigen Arbeitsplätze und
soziale Anerkennung zu erhalten. Auffallen und kreativ sein, aber im Rahmen des Geforderten und
allgemein akzeptierten bleiben.
Der Grad der Selbstausbeutung und der Autonomie ist dabei umkämpft. Da das Wissen der Beschäf
tigten in der hochtechnologischen Produktionsweise unverzichtbar geworden ist, besteht eine gewisse
Notwendigkeit zur ausgehandelten Einbindung und zu erweiterter Partizipation. Angesichts ge
schwächter kollektiver Interessenvertretung und verschärfter Konkurrenz um Arbeit gelingt es aber,
die Einbindung auf die individuelle Ebene zu beschränken. Es herrscht eine Art ›Konkurrenz durch
(z.T. erzwungene) Kooperation‹. Neue (oftmals kollektivvertraglich vereinbarte) Partizipationsformen
wie Mitarbeiter- und Zielvereinbarungsgespräche tragen zur Individualisierung der Beschäftigungs
verhältnisse bei. Zum Teil werden neotayloristische Formen der Arbeitsorganisation eingeführt und
die Einbindung zunehmend auf Arbeiter mit zentralen Positionen innerhalb des Produktionsprozesses
beschränkt.
Trotz Individualisierung und Arbeitsdruck, Stress und einseitiger Flexibilisierung stellen sich diese
neuen Formen der Arbeit für große Teile der Beschäftigten nicht nur negativ als Verlust von Si
cherheit oder gemeinsamer (Arbeiter)Identität dar. V.a. für die jüngeren Generationen entspricht dies
einer Befreiung von jahrzehntelanger, immer gleicher, monotoner Arbeit und normierten Lebens
weisen, hin zu einer Vielfältigkeit von Lebensstilen und der Ausbildung von patchwork-Identitäten.
Insbesondere hochausgebildete und erfolgreiche Beschäftigte fühlen sich ihrem eigenen Selbstver
ständnis nach, nicht länger als Angestellte oder gar Arbeiter, sondern vielmehr als eigenverantwort
lich handelnde, unternehmerisch denkende, selbständige Individuen, die ihre Interessen selbst vertre
ten können. Ihre Arbeit organisiert sich flexibel um zeitlich begrenzte Projekte, verbunden mit hohen
Mobilitätserfordernissen. Für diese Beschäftigtengruppen in Forschung und Entwicklung, in unter
nehmensnahen Dienstleistungen, Medien, Werbung und Design, in Architekturbüros und in der
Wissenschaft, aber auch für eine zunehmende Anzahl hochqualifizierter Beschäftigter in der industri
ellen Fertigung erhält die ideologisch überhöhte Rede vom ›Arbeitskraftunternehmer‹ als neue gesell
schaftliche Form der Ware Arbeitskraft eine gewisse Relevanz. Sie spiegelt die Etablierung eines neu
en Alltagsbewusstseins wider, das den Erfordernissen neuer gesellschaftlicher Praxen entspricht.
Nicht nur von den begehrten Spezialisten wird die damit verbundene Spannung zwischen persönli
cher Autonomie und zunehmender Ungewissheit durchaus auch als Zugewinn erfahren. Erweiterte
Autonomie, Requalifizierung, Kreativität und Abbau von Hierarchien, also die Humanisierung der
Arbeit, werden in die neoliberale Reorganisation und Flexibilisierung der Produktion integriert. Eine
Kritik, die sich dieser Widersprüchlichkeiten nicht annimmt, sondern nur die negativen Seiten betont,
wird nicht wirkungsmächtig und reproduziert die Verhältnisse, indem sie Zusammenhänge ausein
anderlegt und vereinseitigt.
›Befreiung‹ der Hausfrau und Zersetzung der Frauenbewegung
Ein zweites Beispiel: Einer der Kernpunkte der (zweiten) Frauenbewegung war die Kritik an der ge
schlechtlichen Arbeitsteilung, die Einzwängung der Frauen in partriachale Eheverhältnisse, in denen
sie meist von (Vollzeit)Erwerbsarbeit ausgeschlossen und abhängig vom männlichen Familienernäh
rer auf den Bereich des Privaten verwiesen wurde. Nun es war ausgerechnet der neoliberale Umbau
von Arbeitsverhältnissen und Sozialstaat, der genau dies in ver-rückter Weise Realität werden ließ.
Die tendenzielle Selbstverständlichkeit weiblicher Berufstätigkeit tritt dabei zeitgleich mit der Ver
knappung der Arbeitsplätze aufgrund struktureller Arbeitslosigkeit und damit verschärfter Konkur
renz auf. Gegenüber paternalistischen staatlichen und familiären Verhältnissen (des Fordismus) über
trägt der Markt die Verantwortung auf die Frauen selbst, verbunden mit dem Versprechen, dass die
persönliche Tüchtigkeit und Leistungsbereitschaft potentiell zum Erfolg führen kann.
Dies macht den neoliberalen Umbau der Gesellschaft, von Geschlechterverhältnissen und die Indivi
dualisierung der Arbeitsverhältnisse für große Teile der weiblichen Bevölkerung zustimmungsfähig
und führt gleichzeitig zur Zersetzung der Frauenbewegung. Kollektive Organisationsformen zur
Durchsetzung ihrer Interessen werden auch von Frauen kaum noch anvisiert, meist als altmodisch
und männerfeindlich empfunden. Ein Teil der weiblichen Bevölkerung profitiert tatsächlich davon.
Die gewonnene Freiheit ist zugleich ein Zwang. Einerseits sehen sich Frauen aufgrund sinkender Ein
kommen der Männer und der Unterminierung des fordistischen Familienernährermodells gezwungen
eine Beschäftigung aufzunehmen, andererseits haben ein verändertes Selbstverständnis und die ver
besserte Ausbildungssituation von Frauen dazu geführt, dass sie eine Erwerbsarbeit als Mittel zur
Selbstverwirklichung und Gleichberechtigung oder zumindest zur ökonomischen Unabhängigkeit be
trachten. Entsprechend haben die geschlechtsspezifischen Einkommensdifferenzen deutlich abge
nommen. Es ist heute weitaus schwieriger, ›die Frauen‹ insgesamt auf schlecht bezahlte und perspek
tivlose Jobs abzudrängen. Die Kehrseite davon ist die wachsende Kluft zwischen hoch und niedrig
qualifizierter Arbeit – auch und gerade zwischen Frauen. V.a. im informellen Sektor entstehen neue
Geschlechterdifferenzen und -hierarchien, die durch klassenspezifische sowie ethnische und nationale
Zuschreibungen noch einmal gravierend verschärft werden. So etwa wenn deutsche mittelständische
Unternehmer, polnische Zulieferer beauftragen, die wiederum einen ukrainischen oder rumänischen
männlichen Unterauftragsnehmer bestellen, der die Arbeit von illegalen rumänischen Frauen beauf
sichtigt – das alles innerhalb Berlins wohlgemerkt, nicht irgendwo.
Da reproduktive Tätigkeiten immer noch fast exklusiv Frauen überlassen wird, also Haushalt, Kinder
erziehung und -betreuung, Pflege älterer Familienmitglieder etc., sind diese häufig auf Teilzeitarbeit
festgelegt. Dies wiederum kommt den Flexibilisierungswünschen der Unternehmen entgegen. Um ih
re volle Arbeitskraft auf dem Markt anbieten zu können, ist die dreifach freie Lohnarbeiterin erforder
lich, d.h. im Anschluss an Marx nicht nur frei von Produktionsmitteln und frei ihre Arbeitskraft zu
verkaufen, sondern auch frei von den notwendigen Reproduktionsarbeiten. Erfolgreiche Karriere-
Frauen können sich von alten Familienformen emanzipieren, indem sie auf die billige, prekäre – häu
fig illegalisierte – Arbeitskraft von Migrantinnen für die häusliche Reproduktionsarbeit zurückgreifen.
Auf diese Weise entstehen „globale Betreuungsketten“ (Hochschild).
Prekarisierung von ›unten‹
Selbst die Prekarisierung der Arbeitsverhältnisse ist, entgegen der dominanten Wahrnehmung, die
sich angesichts von Niedriglohn und Überausbeutung aufdrängt, mehr als die Neuauflage eines einfa
chen Prozesses der Verelendung. Diese Art der Flexploitation, der flexiblen Ausbeutung, beinhaltet
Momente erweiterter Selbstbestimmung und Selbstorganisierung oder des Selbstmanagment, wenn
man so will. Es sind nicht nur die Hochqualifizierten, die das Ende des „nine-to-five-Trotts“ begrüßen.
Die Menschen wissen häufiger als man denkt, dass das alte Normalarbeitsverhältnis kaum zurück zu
haben ist. Mehr noch, viele haben ›dank‹ flexibilisierter Arbeitsverhältnisse überhaupt erst die
Möglichkeit erhalten, in den Arbeitsmarkt einzutreten (erleben dies freilich zugleich als Zwang). Sehr
viele davon streben auch gar kein Normalarbeitsverhältnis mehr an, denn auch in den prekärsten
Verhältnissen finden sich auch Momente erweiterter Selbstbestimmung und von Möglichkeiten
andersartiger Lebensführung – meist allerdings verbunden mit vertiefter Unterwerfung. An diesen
widersprüchlichen Durchsetzungsformen der neuen Verhältnisse, die ich hier jetzt nicht empirisch
auffächern kann, wird deutlich, warum prekarisierte Verhältnisse immer noch zustimmungsfähig
sind, auch bei den ›Betroffenen‹ selbst und von diesen (also ›uns‹) reproduziert werden.
Wir hatten bereits das Beispiel: die massive Ausweitung flexibilisierter Teilzeit-Arbeitsverhältnisse
(einschließlich ihrer prekären Formen) ermöglichte für viele Frauen überhaupt erst die Teilhabe an
der Lohnarbeit und ihrer Verbindung mit den notwendigen Reproduktionsarbeiten (soweit das Ein
kommen nicht den Rückgriff auf illegalisierte Migrantinnen erlaubt). Auch in der Existenzweise der
Illegalisierten finden sich solche Widersprüche, was sich nicht zuletzt in dem von ihnen selbst gepräg
ten Begriff der ›Autonomie der Migration‹ spiegelt. Trotz repressivster Maßnahmen gelingt es
illegalisierten Migranten im Niedriglohnsektor Arbeit zu finden, die ihnen sonst verwehrt wäre. Es gilt
also solche Widersprüche konsequent ins Auge zu fassen, sonst wird der neoliberale Umbau als
simpler Verelendungsprozess begriffen und damit verfehlt, warum diese Ideologie eigentlich so stark
ist.
Oft wird auf Seiten der Linken der Neoliberalismus als reine Destruktivkraft (Bourdieu 1998, 110)
oder „konservative Restauration“ (Bischoff u.a. 1998, 9) dargestellt. Marx hatte immer die
widersprüchliche Verschmelzung von Destruktiv- und Produktivkräften in der kapitalistischen
Entwicklung betont. Auch mit dem neoliberalen Management im Übergang zur transnational in
formationstechnologischen Produktionsweise entfalten sich durchaus produktive Kräfte: die Rück
nahme extremer (tayloristischer) Arbeitsteilung in der Produktion kann die Arbeit der Beschäftigten
von Monotonie befreien, neue Produktionsformen können deren Wissen integrieren, Compu
terisierung und Automatisierung uns von schwerer körperlicher Arbeit entlasten; die Internatio
nalisierung von Kultur- und Warenwelt kann uns vor nationaler Borniertheit bewahren, Entstaatli
chung kann teilweise paternalistische Bevormundung zurückdrängen, patriarchale Familienverhält
nissen werden aufgebrochen und Erwerbsarbeit für Frauen in stärkerem Maße möglich und auch er
zwungen. Die Früchte dieser Kräfte werden jedoch ungleicher verteilt als jemals zuvor seit Ende des
Zweiten Weltkrieges.
3.
Delegitimierung, Marginalisierung und Spaltung
Neuzusammensetzung der Klassen und Prekarisierung
Mit der Etablierung einer transnationalen informationstechnologischen Produktionsweise ist darüber
hinaus auch die Zersetzung und Neuzusammensetzung der Arbeiterklassen verbunden. Sozio
technische Veränderungen und die Transnationalisierung der Produktion führen zu einer Umwälzung
von Arbeitsformen und Tätigkeiten. Dies ist verbunden mit dem Abbau fordistischer Arbeitsverhält
nisse, der Entwicklung neuer Berufe und Branchen und mit neuen Spaltungen innerhalb und zwi
schen den verschiedenen Gruppen von Beschäftigten. Der Geltungsbereich des sog. Normalarbeitsver
hältnisses – d.h. der dauerhaft, vollzeit-beschäftigten, mit umfangreichen sozialen Rechten ausge
statteten, häufig gewerkschaftlich organisierten, ›weißen‹, männlichen ›Arbeitnehmer‹ – dieses NAV
wird von außen wie von innen, von Seite der ›Arbeitgeber‹ wie von den Beschäftigten selbst,
zunehmend eingeschränkt. Jenseits dieses immer noch quantitativ bedeutsamen Torsos, der früher
einmal als ›Proletariat‹ benannt wurde, tauchen zwei neue Gruppen von Beschäftigten auf: Zum einen
entsteht eine Gruppe hochqualifizierter, flexibler, in Projektarbeit beschäftigter Individuen, die den
alten Habitus des Arbeiters abgelegt haben, gewerkschaftlichen Organisationsstrukturen skeptisch bis
ablehnend gegenüberstehen, deren Tätigkeiten durch die Bedienung/Beherrschung von I&K-Techno
logien geprägt sind – das moderne Kybertariat. Zum anderen wächst unter dem Druck hoher Arbeits
losigkeit ein wachsendes Subproletariat in unsicheren Beschäftigungsverhältnissen und geringer Ent
lohnung heran - das moderne Prekariat.
Beiden Gruppen gemeinsam ist die deformalisierte und individualisierte Form der Aushandlung und
Mikro-Regulation von Arbeitsverhältnissen; sie unterscheiden sich jedoch fundamental in ihrer jewei
ligen Stellung innerhalb des Produktionsprozesses. Beide sind Teil einer allgemeinen Prekarisierung
der Arbeit, die keine Randerscheinung darstellt, sondern vielmehr immanenter Teil der ökono
mischen Restrukturierung und Voraussetzung fortschreitender ›Flexploitation‹ ist – verbunden auch
mit einer wachsenden Einkommenspolarisierung. Diese Prekarisierung bezieht sich nicht nur auf den
Bereich sog. einfacher Dienstleistungstätigkeiten in Haushalt, Handel, Gastronomie, Transport oder
Pflege, sondern findet sich auch in Werbeagenturen, bei Journalisten, Webdesignern und Wissen
schaftlern und hat tief greifende Auswirkungen auf die Lebensweise.2 Die Grenze zwischen beiden
Sphären der Arbeit – etwa zwischen Putzmann und Computerarbeiterin, auch innerhalb desselben
Unternehmens – sind allerdings so scharf, dass die unterschiedlichen Arbeiten nicht mehr als Koope
rationsbeziehungen wahrgenommen werden, Kommunikation kaum noch stattfindet. Die Verunsi
cherung dringt zugleich bis in den Kern der noch sicheren Beschäftigung vor und wird besonders
spürbar wenn reguläre Arbeitsplätze durch flexible Beschäftigung, etwa Leiharbeit, ersetzt wird – pre
käre Arbeitskräfte werden dann als eigentliche Bedrohung wahrgenommen, Spaltungen zwischen
Beschäftigten vertieft.
Diese Spaltungen bieten zugleich eine Chance die Frage nach der ›Einheit‹ der Arbeiterklasse oder
besser: nach verallgemeinerter Handlungsfähigkeit auf dem Niveau der informationstechnologischen
Produktionsweise neu zu stellen. Was nicht einfach ist, denn der herrschende öffentliche Diskurs setzt
alles ein, um diese Verallgemeinerung „zu verschleiern“ (Gorz 2000, 76) – dies beginnt schon bei der
Statistik über Erwerbslosenzahlen, über sog. ›untypische‹ Arbeitsverhältnisse und tatsächlich geleis
tete Arbeit in allen gesellschaftlichen Sphären. Was oder wer dabei nicht erfasst wird, gilt als nicht
existent, wird an den Rand gesellschaftlicher Wahrnehmung gedrückt, marginalisiert. Zudem machen
es der permanente Umbau der Produktionsstrukturen, transnationale Verlagerungen, In- und
Outsourcing sowie Dezentralisierungen schwierig, Kommunikationsverhältnisse zwischen den einzel
nen Gruppen aufzubauen.
Krisendiskurs, einfache Negation und große Politik
Dazu kommt: Ein von ›oben‹ permanent reproduzierter Krisendiskurs zielt auf vermeintlich fortbe
stehende Rigiditäten des Alten: auf verkrustete unflexible Arbeitsmärkte, staatliche Überregu
lierungen, die Kostenexplosion des Sozialstaates, Haushaltskrise etc. Die Vermittlung von Bildern des
Stillstands angesichts der dynamischen Entwicklung der sog. Globalisierung verdeckt zugleich den ra
santen Umbau der Gesellschaft, inklusive der Form des Sozialstaates. Solche allgegenwärtigen Krisen
ideologien dienen zur Einschränkung des Terrains gesellschaftlicher Auseinandersetzung und zur
Produktion von aktivem Konsens zum vermeintlich notwendigen Umbau. Proteste und Kritik im
Sinne einer einfachen Negation der Umbauprozesse, bleiben relativ wirkungslos. Sie sind oft auf reine
Ablehnung beschränkt, fordern implizit eine Rückkehr zum vergangenen Modell, zielen auf einen ›so
zialeren‹ Neoliberalismus oder wünschen sich eine bevorstehende Revolution herbei. Das Wissen der
Einzelnen, dass der alte nationale Sozialstaat und das Normalarbeitsverhältnis unter den neuen Be
dingungen kaum zurück zu haben sind, sichert dabei nach wie vor einen passiven Konsens. Die An
erkennung der Vorstellung, dass keine Alternativen zur jeweiligen Form der Vergesellschaftung exis
tieren, ist dabei eines der entscheidenden Momente von Hegemonie. Alltägliche Handlungsfähigkeit
bleibt in individuellen Strategien verhaften, findet kaum Formen kollektiver Verallgemeinerung.
Ein Beispiel: In den jüngeren Generationen ist der Konservativismus wieder schick. Individuelle Leis
tung und das Streben nach beruflicher Anerkennung haben insbesondere bei Studenten die alte Glei
chung von Jung-Sein gleich irgendwie diffus Links-Sein aufgehoben. Es ist nicht selbstverständlich
und gar nicht schick sich für Protestbewegungen zu engagieren oder für bessere Studienbedingungen
einen Uni-Streik zu organisieren. Viele meiner Studenten hier in Jena wissen nichts mehr von Marx
oder anderen linken Theoretikern, noch verfügen sie über eine kritische innere Haltung gegenüber
dem, was die Lernfabrik Uni ihnen heute vermittelt. Die formalen Leistungsstandards sind weitge
hend verinnerlicht. Der Raum für selbstbestimmtes Lernen ist eingeschränkt. Gesellschaftsver
änderung? Geht doch sowieso nicht. Dem Feminismus geht es nicht besser. Junge Frauen
distanzieren sich häufig reflexhaft davon, weil sie nur mehr das Zerrbild Emma und die Ablehnung
der Emanzen von Seiten der Männer kennen. Auf diese Weise reproduzieren auch sie unter den
Nicht nur un- und angelernte Arbeiter, auch Beschäftigte aus den „oberen Dienstklassen“ weisen „eine höhere
Wahrscheinlichkeit“ prekärer Arbeitsverhältnisse auf (Kim/Kurz 2003, 188). Der Prozess der Prekarisierung zeigt sich als
u-förmiges Muster, als Phänomen, von dem formell hoch wie weniger qualifizierte Arbeitskräfte betroffen sind. Unter
Hochqualifizierten wird er besonders an der Entwicklung von abhängigen Ein-Personen-Unternehmen und freiberuflichen
›Freelancern‹ deutlich.
veränderten gesellschaftlichen Zwängen täglich die alten Verhältnisse. Protest, der sich dann doch
immer wieder regt, limitiert sich auf den privaten Raum.
Wenn dann doch Alternativen formuliert werden, ist damit oft eine Vorstellung von Politik ver
bunden, die sich auf gute Argumente und Appelle an das aufgeklärte Eigeninteressen in Wirtschaft
und Politik konzentrieren. Meist wird ein imaginäres Allgemeininteresse angerufen: ›es wäre doch für
alle besser, wenn die Binnennachfrage gesteigert... usw.‹. Es werden dann die besseren Reformprojek
te formuliert, manchmal fast als Gesetzgebungsvorschläge. Damit ist zwar ab und an das Interesse der
Medien zu erringen, zugleich wird aber eine bestimmte Vorstellung von Politik als ›große Politik‹ re
produziert, die sich an den ›Staat‹ richtet, dessen vermeintliche Aufgabe es doch wäre, für alle, für das
›Volk‹ Politik zu machen – wobei man sich dann schon fragen muss, wen dieses ›alle‹ meint. Dieser
Anrufung des Staates entspricht ein enger, traditioneller Begriff von Politik.
Politik ist dann, was man in der Tagesschau sieht: Parlamentsdebatten vor leeren Rängen, Parteien,
Regierung, die großen Verbände, natürlich die Medien selbst. Der Versuch auf diesem Terrain mitzu
spielen, ist selbst schon Teil von Hegemonie. Das Formulieren von besseren Vorschlägen erfordert
Expertise, Expertenwissen. Viele Nichtregierungsorganisationen (NGO) haben da erstaunliches ge
leistet, verstärken aber den Trend zur Entpolitisierung von Politik, indem sie diese an eben jene Ex
perten delegieren. Die Beschränkung auf inhaltliche Kritik lässt die herrschenden Formen von Politik
unberührt. Zudem lässt man sich zu sehr darauf ein, dass Kritik oder Protest nur als legitim gelten
darf, wenn doch bitte schön gleich ein konstruktiver Vorschlag gemacht wird (TobinTax, Einfach
steuer, Bürgerversicherung). Damit wird die alte Form der Stellvertreterpolitik reproduziert, ohne
dass die Gruppen, für die man sprechen möchte, zu Wort kämen. Dagegen steht erst einmal die legi
time Äußerung des Unmuts, des Protest mit der Formulierung eines deutlichen ›Nein!‹ (einfache Ne
gation). Dieses muss dann verbunden werden mit einem anderen Verständnis von Politik. Denn um
fassende gesellschaftliche Veränderung erschöpft sich nicht in ›großer Politik‹; sie muss vielmehr im
Alltag der Menschen ankommen, diesen selbst als Sphäre der Politik begreifen (wie Antonio Gramsci
früh gezeigt hatte, aber auch die zweite Frauenbewegung dann nochmal sehr klar gemacht hat). Das
zielt dann auf individuelle und kollektive Handlungsfähigkeit und die Frage der alltäglichen
Organisierung (aber dazu vielleicht in der Diskussion mehr). Sonst werden die linken Angebote zu
recht nicht als wirkliche Alternativen angenommen.
4.
Risse im Gebälk
Die Zustimmung zum radikalen gesellschaftlichen Umbau basierte in erster Linie auf einem Verspre
chen zukünftiger gesellschaftlicher Prosperität bzw. auf der Positionswahrung im verschärften globa
len Wettbewerb. Eine solche Position kann jedoch niemals gewahrt werden ohne fortgesetzte Mo
bilisierung aller Ressourcen. Das Ziel wird nie erreicht, während die Konkurrenz und dem Kapitalis
mus innewohnenden Krisen immer weiteren Verzicht, neue noch radikalere Einsparungen und hef
tigere Sozialkürzungen erforderlich machen. Die verschärften Ungleichheiten produzieren Verunsi
cherungen und Unzufriedenheit. Zugleich finden letztere im Moment der hegemonialen Verallge
meinerung des Neoliberalismus keine adäquate Form der Artikulation innerhalb des bestehenden
Rahmens. Es kommt zu einem Bruch zwischen Repräsentierten und Repräsentanten.
Nicos Poulantzas greift diese Figur Gramscis auf und führt eine solche Situation zurück auf
Widersprüche innerhalb des herrschenden Machtblocks. Keine seiner Fraktionen ist in der Lage, die
anderen Gruppen des Machtblocks unter ihre Führung zu bringen, was „zur charakteristischen Inko
härenz der gegenwärtigen Regierungspolitik [...], zum Fehlen einer deutlichen und langfristigen
Strategie des Blocks an der Macht, zur kurzsichtigen Führung und auch zum Mangel an einem globa
len politisch-ideologischen Projekt oder einer ›Gesellschaftsvision‹“ führt (1978, 226f). Sowohl die
orthodox-konservative als auch die sozialdemokratische Form des Neoliberalismus haben sich als
nicht ausreichend erwiesen, um den Gegensatz zwischen der Umwälzung aller gesellschaftlichen
Verhältnisse und dem Bedürfnis nach Orientierung und Existenzsicherung in für die Mehrheit befrie
digender Weise zu bearbeiten. Der orthodoxe Neoliberalismus steht zu deutlich für eine Umverteilung
von unten nach oben – der sozialdemokratische wird unglaubwürdig: an eine Verbindung von neo
liberalen Reformen und ›Sozialverträglichkeit‹ glaubt kaum noch jemand. Die neoliberale Ideologie
gerät in die Krise, verliert an Überzeugungskraft. In solchen Momenten deuten sich Risse in der
hegemonialen Apparatur an (was keineswegs gleichbedeutend ist mit einem Hegemonieverlust).
Zum einen manifestiert sich darin eine Krise traditioneller Ideologieelemente und Werte wie (Indus
trie)Arbeit, Familie, Nation, Geschlecht, ohne dass eine neue Artikulation gesellschaftlicher Formen
eine vergleichbare identitäre Sicherheit böte. Der subjektiv erfahrenen Ungerechtigkeit kann individu
ell nicht begegnet werden, was Ohnmachtsgefühle verstärkt. Da die Funktion jeder Ideologie darin be
steht, gesellschaftliche Individuen als Subjekte zu konstituieren, verwandelt sich diese ideologische
Krise notwendig in eine ›Identitätskrise‹ der sozial Handelnden (Laclau 1981, 90). Es erwächst eine
Sehnsucht nach Selbstkohärenz, die sich zum Teil gewaltsam äußern kann. Je stärker die Über
forderung, desto heftiger der Affekt. Die mangelnde Repräsentation ihrer Interessen bringt
wachsende Teile der Bevölkerung, insbesondere die bedrohten ›Mittelschichten‹ in Gegnerschaft zur
vorhandenen Form der Vergesellschaftung. Diese diffusen ›Mittelschichten‹, weisen trotz ihrer unter
schiedlichen Stellungen in den ökonomischen Beziehungen einen gemeinsamen Grundzug auf, ihre
Trennung von den zentralen Positionen im herrschenden Machtblock. Nach Heitmeyer u.a. (2002)
glauben z.B. 57% der deutschen Bevölkerung, dass eine politische Einflussnahme als Bürger nicht
möglich ist. Auch an der abnehmenden Wahlbeteiligung und dem Wegbrechen der Mitgliederbasis
von Parteien und Verbänden zeigt sich die Krise der politischen Repräsentationsmechanismen. Und
natürlich an den verbreiteten Protesten der letzten Jahre oder den schlechten Ergebnissen der großen
›Volksparteien‹ bei den jüngsten Wahlen. Und nicht zuletzt an den gegenwärtigen Unruhen in Paris.
Werden diese Verunsicherung und Interessen nicht von links aufgegriffen, kann diese Situation
schnell nach rechts umschlagen – in Neofaschismus und Islamismus oder anderen Formen des
Fundamentalismus. Die herrschenden Gruppen reagieren mit einer Beschleunigung des immer glei
chen. Darüber hinaus werden Zwangselemente stärker betont, Sicherheitsdispositive in den
Vordergrund gerückt, Nationalismus und Standortkonkurrenz hervor gekehrt. Besonders sichtbar bei
Asylgesetzgebung und Migrationsregime, Schengen-Abkommen, polizeilicher Aufrüstung und allge
meiner Ausdehnung der staatlichen und privaten Sicherheitsapparate, der Militarisierung von Außen
politik bis hin zu Angriffskriegen. Besonders an der nordafrikanischen Grenze wird zurzeit mit Hoch
druck an der ›Festung Europa‹ gearbeitet. Das Autoritäre zeigt sich aber auch bei der Verschärfung
von Zumutbarkeitskriterien und Zwang zu Niedriglohnarbeit, Abbau von Sozial- und Arbeitsrechten,
Leistungskürzungen, verschärften Kontrollen, vermeintlichen Haushaltszwängen, und allgemeiner
Entdemokratisierung. Soziale Rechte werden eingeschränkt und an die Erfüllung von Pflichten ge
bunden – fordern statt fördern, könnte man sagen. Wohlgemerkt sind dies keineswegs Prozesse, die
einfach von ›oben‹ kommen, sondern von großen Teilen der Bevölkerung in höchst widersprüchlicher
Weise passiv und aktiv gestützt werden, etwa durch Ressentiments gegen Ausländer, Asylanten,
Arbeitsfaule, Sozialschmarotzer. Die von Wirtschaftsminister Clement losgetretene Missbrauchsde
batte bei Alg II-Bezug zielt auf jene Ressentiments und die Spaltung zwischen Beschäftigten und
Arbeitslosen.
Meiner Einschätzung nach wird es nicht gelingen, auf diese Weise die Risse im Gebälk der neolibera
len Hegemonie glatt zu spachteln. Wir tragen zwar alle zur Reproduktion dieser Hegemonie bei, aber
die zahlreichen Widersprüche die sie produziert, in denen wir uns bewegen müssen, öffnen immer
wieder Räume für eine erneuerte Kritik und Organisation gegenhegemonialer Projekte.
5. Verallgemeinerung von Prekarisierung und Perspektiven des Widerstandes
Die Prekarisierung von Arbeits- und Lebensverhältnissen ist kein Problem wachsender Unterschich
ten, als vielmehr ein sich verallgemeinernder gesellschaftlicher Prozess. Ich halte das für die zentrale
gesellschaftliche Frage und das drängendste Problem der mindestens nächsten 20 Jahre. Robert Cas
tel (2000) zufolge ist bereits das Entstehen neuer Kollektivlagen zu erkennen. Jeder spürt den Druck
der Prekarisierung, viele wissen von der Möglichkeit, dass es sie treffen kann, jeder „wird zum/r po
tenziell Erwerbslose/n“ – dieses Wissen wird aber noch lange nicht zu einem Verständnis einer allge
meinen, gemeinsamen Lage, weshalb trotz konvergierender sozialer Situation keineswegs von einer
sozialen Klasse gesprochen werden kann. Vielmehr setzt der herrschende öffentliche Diskurs alles ein,
um diese Verallgemeinerung zu verschleiern – dies beginnt schon bei der Statistik über Erwerbslosen
zahlen, über sog. ›untypische‹ Arbeitsverhältnisse und tatsächlich geleistete Arbeit in allen gesell
schaftlichen Sphären. Entsprechend wird häufig von einer „Nicht-Klasse der Marginalisierten“ (Bi
eling 1996) gesprochen und Prekarisierung damit doch auf ein Phänomen von Randgruppen einge
schränkt.
Stattdessen ginge es darum den Doppelcharakter des Begriffs offensiv herauszustellen: Das ›Prekari
at‹ in seinem doppelten Sinne als universelle gesellschaftliche Figur der neuen Produktions- und
Lebensweise – und als Klassenfraktion im Werden. Mit seiner heterogenen Positionierung in der
gesellschaftlichen Arbeitsteilung entlang geschlechtlicher, nationaler oder ethnischer Zuschreibungen
findet es keine Repräsentanz in den traditierten politischen Institutionen. Nur wenn diese diversen
Fragmentierungen ernst genommen werden, ist zu einem tieferen Verständnis einer widersprüchli
chen ›Multitude‹ vorzudringen, die als kohärenter gesellschaftlicher Block sozialer Kräfte ausgearbei
tet werden muss, um eine radikale gesellschaftliche Transformation anzustoßen.
Das Problem dabei ist, dass die alten Organisations- und Repräsentationsstrukturen noch auf einer –
inzwischen unterminierten – sozialen Basis entwickelt wurden; die transnational neu zusammenge
setzten Gruppen und Klassen des Prekariats aber noch keine eigenen, stabilen Strukturen entwickeln
konnten. Schließlich kann es nicht einfach um die Wiederherstellung des alten Normalarbeitsverhält
nisses gehen, noch darum Erwerbslose und Prekarisierte, wieder in formelle Vollzeit-Lohnarbeit zu
pressen. Weithin aber Spaltung zwischen Beschäftigten, Prekären und Beschäftigungslosen, noch der
Widerspruch zwischen Erwerbs- und Reproduktionsarbeit, zwischen Männern und Frauen, ›In
ländern‹ und Migranten zu überwinden.
Um als gesellschaftliche Gruppe mit eigenen Interessen wahrgenommen zu werden, ist für Prekäre ein
Bruch mit den geltenden Spielregeln korporatistischer Aushandlungsprozesse und politischer Re
präsentation wahrscheinlich erfolgreicher. Ein “strategischer Essentialismus” (Spivak 1988, 314) kann
dabei eine wichtige Rolle spielen: Gegenüber den geläufigen Kategorien ›atypischer Beschäftigung‹,
die Menschen als statistisches Zahlenmaterial behandeln oder immer weiterer Ausdifferenzierung von
Betroffenengruppen, eröffnet eine offensive Umdeutung (Butler 1993, 47) als Prekariat größere
Möglichkeiten um ins öffentliche Bewusstsein zu rücken und einen Prozess der Klassenformierung zu
initiieren – im Sinne von: “nicht wir sind die ›Abhängigen‹, sondern ihr; wenn wir euch die Büros und
Badezimmer nicht säubern, eure verzogenen Kinder nicht betreuen und auch sonst allerhand andere
angenehme Dienstleistungen nicht bieten würden, wäre eurer Lebensstil unmöglich und die Gesell
schaft als Ganzes kaum lebensfähig”. Die Betonung des hohen Gebrauchswerts betreffender Arbeiten
zielt direkt auf die Qualität der Dienstleistungen und damit auf die Produktionsverhältnisse und
Lebensbedingungen der Arbeitskräfte. Auch Nicht-Prekarisierte dürften wenig Interesse daran haben,
wenn der pflegebedürftige Opa von dafür nicht qualifizierten und wenig motivierten 1-Euro-Jobbern
betreut wird. (weitere Bespiele...) Aber diese Umdeutung als Prekariat muss dabei als Eigenaktivität
im politischen Prozess der Verallgemeinerung der unterschiedlichen Erfahrungen und wissenschaftli
chen Verknüpfung gesellschaftlicher Ursachen erfolgen, im Prozess der Selbstorganisierung, sonst
wird damit nur eine kohärente Gruppe mit vereinheitlichten Interessen suggeriert, die es so gar nicht
gibt.
Eine weitere Möglichkeit gesellschaftliche Widersprüche als allgemeine zu begreifen und darzustellen
ist das Problem der Vereinbarkeit von Produktions- und Reproduktionsarbeit (ohnehin eine proble
matische Trennung, die nur auf der Inwertsetzung der einen und Außerwertsetzung der anderen be
ruht) – gemeint sind nicht ›nur‹ Erziehung oder Haushalt, sondern auch die Reproduktion der
eigenen individuellen Arbeitskraft, die angesichts von burn-out-Syndromen und psychischen Er
krankungen ein wesentliches Element von Prekarisierung darstellen. Überbeanspruchung der Arbeits
kraft und immer drohender Verlust von Arbeit verallgemeinert auch das Problem der Absicherung
diskontinuierlicher Lebensläufe. Solche Thematisierungsweisen zielen auf die Neuauflage einer De
batte über gesellschaftlich notwendige Arbeit und lenken den Blick auch auf die Sphäre der Reproduk
tionsarbeit: auf Familienverhältnisse, Arbeit im Haushalt, Kindererziehung, Sorge und Pflege, aber
auch auf soziale, ökologische kulturelle und politische Arbeit. Letztlich geht es um die Neuverteilung
(und Dekommodifizierung) aller gesellschaftlich notwendigen Arbeit für alle und die transnationale
Verallgemeinerung sozialer Rechte.
Entscheidend ist dabei mit dem Widerspruch von Verallgemeinerung (nicht Vereinheitlichung) und
Differenz produktiv umzugehen und trotz aller Unterschiedlichkeit von Lagen und Bedürfnissen an
einer Perspektive verallgemeinerter Handlungsfähigkeit festzuhalten, die die Differenzen nicht un
terwirft. Ohne diese Perspektive ist die Verengung auf korporativistische Vorstellungen zu befürchten,
“die auf der Vertretung von Sonderinteressen beruhen” (Poulantzas 1979, 135), was zur Verschärfung der Subalternität3 führt, die immer dann droht, wenn Kämpfe nicht als Hegemonialkonflikte um die
gesellschaftliche Anordnung selbst begriffen werden.
Verallgemeinerungsfähigkeit heißt natürlich nicht, dass es sich bei diesen Punkten um Selbstläufer
handelt – es bedarf des aktiven spezifischen Herausarbeitens solcher Perspektiven an den verschie
denen Orten politischen Einsatzes. Das erfordert keine vermeintliche Vereinheitlichung in einer be
stimmten Organisation als vielmehr neuartige Vermittlungen zwischen diversifizierten Bewegungen,
Organisationen und ihren jeweiligen politischen Formen. Die schlichte Integration eines noch nicht
konstituierten Prekariats in etablierte Institutionen ist wahrscheinlich kein günstiger Weg, auf ihre
Unterstützung kann dennoch nicht verzichtet werden – aber das kann hier jetzt nicht im Einzelnen
durchgegangen werden. Die politische Verallgemeinerung ist umso schwieriger, da die unterschiedli
chen (häufig noch zu entwickelnden) Handlungs- bzw. Organisationsformen sich z.T. ausschließen,
aber nichtsdestoweniger unverzichtbar sind. Um die Bewegung nicht zu spalten oder in ein unver
bundenes Nebeneinander zerfallen zu lassen, wird nötig was Brecht nannte: „Operieren können mit
Antinomien4“.
Literaturangaben:
•
Bieling, Hans-Jürgen, >Wohlfahrtsstaat und europäische Integration<, in: M.Bruch u. H.-
P.Krebs (Hg.), Unternehmen Globus. Facetten einer nachfordistischen Regulation, Münster
1996, 59-88
•
Bischoff, Joachim, Frank Deppe u. Klaus-Peter Kisker (Hg.), Das Ende des Neoliberalismus?,
Hamburg 1998
•
Bourdieu, Pierre, Gegenfeuer, Konstanz 1998
•
Brand, Ulrich, Gegen-Hegemonie. Perspektiven globalisierungskritischer Strategien, Hamburg
2005
•
Butler, Judith, >Kontingente Grundlagen. Der Feminismus und die Frage der
^Postmoderne^<, in: S.Benhabib u.a. (Hg.), Der Streit um die Differenz, Frankfurt/M 1993
•
Candeias, Mario, Neoliberalismus - Hochtechnologie - Hegemonie. Grundrisse einer transna
tionalen kapitalistischen Produktions- und Lebensweise, Berlin-Hamburg 2004
•
Candeias, Mario, >Handlungsfähigkeit durch Widerspruchsorientierung: Kritik der Analysen
von und Politiken gegen Prekarisierung<, [im Erscheinen] 2006
•
Castel, Robert, Die Metamorphosen der sozialen Frage. Eine Chronik der Lohnarbeit,
Konstanz 2000
•
Haug, Frigga, Frauen-Politiken, Berlin-Hamburg 1996
•
Haug, Wolfgang Fritz, >Elemente einer Theorie des Ideologischen<, Hamburg 1993, 46-76.
•
Heitmeyer, Wilhelm, u.a., >Feindselige Mentalitäten. Zustandsbeschreibungen zur angetaste
ten Würde von Menschen in Deutschland<, dokumentiert in: FR v. 8. November 2002, 20
•
Laclau, Ernesto, Politik und Ideologie im Marxismus. Kapitalismus, Faschismus, Populismus,
Berlin 1981
•
Marcuse, Herbert, Der Eindimensionale Mensch (1964), Darmstadt-Neuwied 1982
•
Poulantzas, Nicos, Staatstheorie, Hamburg 1978
Poulantzas, Nicos, >Es geht darum, mit der stalinistischen Tradition zu brechen!<, Interview
in: Prokla 37, 1979, zit.n. A.Demirovic, Nicos Poulantzas. Eine kritische Auseinandersetzung,
Berlin 1987
•
Ver.di Bundesvorstand, Bereich Wirtschaftspolitik, >Nachholbedarf bei den Löhnen<, Wirt
schaftspolitik aktuell, Nr.17, Juni 2005
•
Spivak, Gayatri, >Can the Subaltern Speak?<, in: Cary Nelson u. Lawrence Grossberg (Hg.),
Marxism and the Interpretation of Culture, Illinois 1988, 271-316
3
4
Unterordnung
Widersprüchen
Dr. Mario Candeias,
Jg. 1969, Politologe, Mitarbeiter am Lehrstuhl für Arbeits-, Industrie und Wirtschaftsoziologie der
Universität Jena.
Redakteur der Zeitschrift »Das Argument« sowie beim Historisch-Kritischen Wörterbuch des Marxis
mus.
Seine Dissertationsschrift »Neoliberalismus – Hochtechnologie – Hegemonie. Grundrisse einer trans
nationalen kapitalistischen Produktions- und Lebensweise« ist 2004 im Argument Verlag erschienen.
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen