Mittwoch, 21. Juli 2010

AN DEN HERAUSGEBER DER NEW YORK TIMES:

In einem Brief an die New York Times warnten 1948 namhafte jüdische Intellektuelle wie Albert Einstein und Hannah Arendt mit deutlichen Worten vor der faschistischen Gefahr im jüdischen Staat und dem zionistischen Terroristen und späteren israelischen Ministerpräsidenten Menachem Begin.

Brief an den Herausgeber
New York Times
4. Dezember 1948


Zu den verstörendsten politischen Phänomenen unserer Zeit zählt das Aufkommen der „Freiheitspartei“ (Tnuat Haherut) im neu gegründeten Staat Israel, einer politischen Partei, die in ihrer Organisation, ihren Methoden, ihrer politischen Philosophie und ihrer gesellschaftlichen Anziehungskraft faschistischen und Nazi-Parteien ähnelt. Sie gründete sich aus den Mitgliedern und Anhängern des einstigen Irgun Zvai Leumi, einer terroristischen, rechten und chauvinistischen Organisation in Palästina.

Mit dem aktuellen Besuch Menachem Begins, dem Führer dieser Partei, in den Vereinigten Staaten wurde offensichtlich kalkuliert den Eindruck einer amerikanischen Unterstützung in den kommenden israelischen Wahlen zu vermitteln und die politischen Bindungen zu den konservativen zionistischen Elementen in den Vereinigten Staaten zu zementieren. Zahlreiche Amerikaner mit nationaler Reputation haben seinen Besuch namentlich willkommen gehießen. Es ist unvorstellbar, dass jene, die überall in der Welt gegen Faschismus opponiert haben, wenn sie korrekt über Mr. Begins politische Laufbahn und Ziele informiert sind, nun der vom ihm repräsentierten Bewegung ihre Namen und Unterstützung zu teil werden lassen.

Bevor durch finanzielle Unterstützungen, öffentlichen Manifestierungen auf Seiten Begins und die Schaffung des Eindruckes in Palästina, dass ein großer Teil Amerikas faschistische Elemente in Israel unterstützt ein nicht wiedergutzumachender Schaden entsteht, muss die amerikanische Öffentlichkeit über die Laufbahn und Ziele von Herrn Begin und seiner Bewegung informiert werden.

Öffentliche Bekundungen von Begins Partei können in keiner Weise als Hinweis auf ihren eigentlichen Charakter dienen. Heute sprechen sie von Freiheit, Demokratie und Antiimperialismus, während sie kürzlich noch öffentlich die Doktrin eines faschistischen Staates predigten. Ihre Handlungen sind es, die den wahren Charakter der terroristischen Party erkennen lassen; ausgehend von ihren vergangenen Handlungen können wir beurteilen, was in der Zukunft zu erwarten sein mag.

Angriff auf ein arabisches Dorf

Ein schockierendes Beispiel war ihr Verhalten im arabischen Dorf Deir Yassin. Dieses abseits der Hauptstraßen gelegene und von jüdischem Land umgebene Dorf hatte nicht am Krieg teilgenommen und hatte sogar arabische Banden, die das Dorf als ihre Basis nutzen wollten, zurückgeschlagen. Am 9. April griffen terroristische Banden das friedliche Dorf, welches im Krieg nicht als militärisches Ziel galt, an, töteten die meisten seiner Einwohner – 240 Männer, Frauen und Kinder – und ließen ein paar von ihnen am Leben, um sie als Gefangene auf den Straßen Jerusalems vorzuführen. Die Mehrzahl der jüdischen Gemeinschaft war angesichts der Taten entsetzt und die Jewish Agency schickte ein Entschuldigungstelegramm an König Abdullah von Transjordanien. Die Terroristen hingegen empfanden alles andere als Scham sondern Stolz angesichts des Massakers, machten es weithin bekannt und luden alle ausländischen Korrespondenten im Land ein, sich die Leichenberge und die allgemeine Verwüstung Deir Yassins anzusehen. Der Vorfall um Deir Yassin veranschaulicht den Charakter und die Handlungen der Freiheitspartei.

Innerhalb der jüdische Gemeinschaft predigten sie eine Beimengung von Ultranatioanlismus, religiösem Mystizismus und rassischer Überlegenheit. Wie andere faschistische Parteien nutzten sie dies um Streiks zu brechen und übten selbst Druck aus, um unabhängige Gewerkschaften zu zerstören. An ihrer Stelle schlugen sie kooperierende Gewerkschaften nach dem faschistischen Model Italiens vor. Während des letzten Jahres sporadischer anti-britischer Gewalt, eröffneten die IZL und Stern Gruppen [zionistische Terrororganisationen und Vorläufer der heutigen israelischen Armee, Anm. ISM] eine Terrorherrschaft in der jüdische Gemeinschaft Palästinas. Lehrer wurden verprügelt weil sie gegen sie das Wort erhoben, Erwachsene wurde erschossen, weil sie ihren Kindern die Teilnahme verwehrten. Mit Gangstermethoden, Prügelattacken, dem Einwerfen von Fenstern und weit verbreiteten Raubüberfällen, schüchterten die Terroristen die Bevölkerung ein und forderten einen hohen Tribut.

Die Leute der Freiheitspartei hatten keinen Anteil an den Aufbauerfolgen in Palästina. Sie kultivierten keinerlei Ländereien, bauten keine Ansiedlungen und schmälerten die jüdischen Verteidigungsaktivitäten. Ihre viel publizierten Immigrationsbemühungen waren peinlich genau und hauptsächlich faschistischen Landsmännern gewidmet.

Diskrepanzen

Die Diskrepanzen zwischen den nun von Begin und seiner Partei gemachten kühnen Forderungen und den Belegen ihrer vergangenen Leistungen in Palästina zeugen nicht von der Prägung einer gewöhnlichen politisches Partei. Dies ist der unverkennbare Abdruck einer faschistischen Parteiq, zu deren Mitteln Terrorismus (gegen Juden, Araber und Briten gleichermaßen) und Falschdarstellungen gehören und deren Ziel der „Führerstaat“ ist.

Im Lichte vorangegangener Überlegungen, ist es es geboten, dass die Wahrheit über Herrn Begin und seine Bewegung diesem Land bekannt gemacht wird. Es ist umso tragischer, dass die höchste Führungsriege des amerikanischen Zionismus sich weigert gegen Begins Bemühungen zu agitieren oder auch nur die Bestandteile, aus denen durch die Unterstützung für Begin eine Gefahr für Israel erwächst, bloßzustellen.

Die Unterzeichner wählen deshalb das Mittel der öffentlichen Präsenation einiger hervorstechender Fakten bzgl. Begin und seiner Partei; und der Mahnung an alle Interessierten, diese neueste Manifestation des Faschismus nicht zu unterstützen.

ISIDORE ABRAMOWITZ, HANNAH ARENDT, ABRAHAM BRICK, RABBI JESSURUN CARDOZO, ALBERT EINSTEIN,HERMAN EISEN, M.D.,HAYIM FINEMAN,M. GALLEN, M.D.,H.H. HARRIS, ZELIG S. HARRIS,
SIDNEY HOOK,FRED KARUSH,BRURIA KAUFMAN,IRMA L. LINDHEIM, NACHMAN MAISEL, SEYMOUR MELMAN, MYER D. MENDELSON, HARRY M. OSLINSKY,SAMUEL PITLICK,FRITZ ROHRLICH,LOUIS P.ROCKER,RUTH SAGIS,ITZHAK SANKOWSKY, I.J. SHOENBERG,SAMUEL SHUMAN,M. SINGER,IRMA WOLFE, STEFAN WOLF.

New York, 2. Dezember 1948

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