Montag, 17. November 2014
EIN SCHWARZER NACHMITTAG IN KÖLN
Bündnis Aktiver Fußball Fans (BAFF) e.V
Polemik zur HOGESA-Demonstration
Das
Bündnis Aktiver Fußball Fans zeigt sich über die Ereignisse am vergangenen Sonntagnachmittag
und Abend rund um den Kölner Hauptbahnhof entsetzt
.
In einer der größten neonazistischen
Aufmärsche der letzten 10 Jahre in Deutschland kon
nten mehr als 4000 Hooligans, Neonazis und ihre
Sympathisanten
bei der Demonstration „Hooligans gegen Salafisten“
nahezu ungehindert durch die
Kölner Innenstadt marschi
eren. Etliche Teilnehmer kamen aus dem Spektrum der Freien und
Autonomen Nationalisten, von rechten Parteien und Zusammenschlüssen wie der NPD, Die Rechte,
Pro NRW und der German Defence League. Augenzeugen beschrieben die Umgebung des Bahnhofes
an diesem Tage
als eine „No
-
Go Area“
. D
er
Bahnhof war am Sonntag
über Stunden hinweg fest in der
Hand von rechten Hooligans und Neonazis, die zeitweise Hetzjagd auf Journalisten
, zufällige
Passanten und Gegendemonstranten machen konnten
.
Videos auf bekannten Internetportalen
belegen
Parolen wie „Hier marschiert der nationale Wiederstand“, „Frei –
Sozial und national!“
und
„Deutschland den Deut
schen
–
Ausländer raus!“.
Die rechte
Hoolband „Kategorie C“ aus Bremen, um
den - wegen eines Brandanschlages auf ein Asylbewerberheim - vorbestraften Nazihooligan Hannes
Ostendorf, die sonst ihre Konzerte an konspirativen Orten austragen muss, spielte mitten im Zentrum
einer deutschen Großstadt.
Nach den Bildern von Sonntag
dürf
te die vorher von Seiten der
Organisatoren vielbesch
worene Mä
r vom friedlichen Hool-Zusammenschluss, der weder rechts noch
links sein will
, auserzählt sein.
Was im Vorfeld bereits jedem klar war, der sich auch nur
annähernd
mit der Materie
beschäftigt hatte, nämlich,
dass es sich bei der Kundgebung mitnichten um eine
dringend notwendige solidarische Geste gegenüber dem kurdischen Volk, sondern als den schlecht
getarnten Versuch Fremdenhass und anti-muslimische Posi
tionen unters „Volk“ zu bringen handelte,
hat sich am Sonntag eindrucksvoll bestätigt
:
In Köln
war ein homogener deutschnationaler Mob aus
gewaltbereiten Ausländerfeinden
zu sehen, der unter dem Deckm
äntelchen
des Protestes gegen
Salafisten
Stärke und Macht demonstrieren wollte.
Aus heiterem Himmel gefallen?
Wenn wir unser Entsetzen ausdrücken
, hei
ßt das nicht, dass wir überrascht waren. Überrascht sind
wir über die Überraschung der Öffentlichkeit, der Medien, der Polizei. Seit Jahren warnen wir und
andere Gruppen davor, dass Althools (die teilweise gar nicht mehr ins Stadion gehen oder dort nicht
w
eiter auffällig werden) nach wie vor in vielen Vereine eine Rolle als „Braune Eminenzen“ (
Zitat:
Fanzine "Ballesterer") spielen.
Sei es als Vorbilder für den Nachwuchs, sei es als reale Bedrohung für
anti-
rassistische Fußballfans und Ultras.
An vielen Orten pflegen sie beste Verbindungen zur lokalen
Neonazi-Szene oder sind elementarer Bestandteil derselben.
Die Vorfälle, die sich in den letzten
Monaten und Jahren in Aachen, Braunschweig, Duisburg
, Düsseldorf
und vielen anderen Städten
abgespielt haben stehe
n nur beispielhaft dafür, dass es an vielen Standorten nach wie vor brodelt
und jugendliche Fans bzw. Ultras sich in einigen
Städten einer stets vorhandenen latenten Bedrohung
durch Hooligans ausgesetzt sehen.
Überrascht waren wir jedoch auch über die Anza
hl der
Demonstranten und den Fakt, dass dem Aufruf der eher weniger bekannten Organisatoren, deren
Szenebindung fraglich ist, auch durchaus einflussreiche Personen der rechten Hoolspektrums mit
ihren Gruppen gefolgt waren. Nach dem eher jämmerlichen Haufen
, der noch Wochen zuvor auf den
Dortmunder Bahnhoftreppen zu sehen war, ist dies
durchaus eine neue Qualität.
Doch auch dass die
Althools verschiedenster Gruppen seit vielen Jahren untereinander vernetzt sind, kann
für
Interessierte keine Überraschung sein
.
Wer sich über Jahre etwa bei Nationalmannschaftsspielen „für
sein Land“ schläg
t, kennt sich, respektiert sich und
schätzt sich
. Seit Jahren pflegen
Führungspersönlichkeiten aus diesen Gruppen persönliche Freundschaften über Vereinsgrenzen
hinweg. Nicht s
elten auch fußend auf ähnlichen politischen Vorstellungen.
Fußball
ist
Fußball
, Politik bleibt Politik?
Dabei ist es bittere Ironie, dass die gleichen Gruppierungen, die seit Jahren anti-rassistische
Fußballfans aufgrund deren Engagement
s mit der Rechtfertigung
"Fußball ist Fußball und
Politik
bleibt Politik" terrorisieren, am Sonntag zu einer Demonstration mit hochpolitischem Inhalt
aufriefen. Inhalt im Sinne von Argumenten ist hier
allerdings etwas zu hochgestochen, erschöpften
sich die inhaltlichen „Beiträge“ doch in vom
Demoanmelder stammelnd vorgetragenen Wutreden,
sowie im mantra-artig wiederholten
Sprechchor „Wir wollen keine
Salafistenschweine!“. Auch viel
Freude darüber, dass die „Deutschen“ da seien, wurde verkündet. Der Schlachtruf „AHU“, inhaltli
ch
eher keine kritische Auseinandersetzung mit der Gefahr des Salafismus, wurde tausendfach
wiederholt
.
Wofür hier eigentlich, außer gegen alles "Fremde", allgemein "den Islam" etc.
demonstriert werden sollte, war für die unbedarften Passanten kaum ersicht
lich.
Noch ein paar Worte zur Polizeitaktik
Da
reicht eigentlich eines: Katastropha
l!
Auch die Polizei zeigte sich offensichtlich
von der großen
Anzahl und der Gewaltbereitschaft der Teilnehmer (Remember: HOOLIGANS gegen Salafisten
)
überrascht, war hoffnungslos unterbesetzt und überfordert.
Dem Demonstrationszug wurde
angesichts des Bedrohungs- und Gewaltpotenzials von tausenden Hooligans
und der zahlenmäßigen
Unterlegenheit der Einsatzkräfte extrem viel Freiheiten überlassen
, von einem klassischen Spalier,
einer direkte Begleitung oder einem offensiven Auftreten der Polizei war nichts zu sehen.
Es hätte
den Einsatzkräften zu einem
viel
frühen Zeitpunkt auffallen müssen, dass
von mehreren tausend
Hooligans und Nazis
eine große Gefahr
für
Gegendemonstranten, Journalisten und Unbeteiligte
ausging.
Später folgte dann die fast logische Konsequenz,
und zwar massive Eskalationen und Gewalt
gegen eben diese angesprochenen Gruppen. Interessanterweise
war diese Polizeitaktik völlig konträr
zu jener
,
wie sie bei den
meisten Fußballspielen
angewandt wird. Werden bei diesen doch Fans -
selbst bei jedem popeligen Zweitligaspiel - von mehreren Hundertschaften gleich am Bahnhof
empfangen. Es gibt ein Spalier zum Stadion
und
Festsetzungen bzw. Kesselungen von
großen
Fangruppen aufgrund Delikte Einzelner sind an der Tagesordnung.
Und während es kaum möglich
erscheint eine x-beliebige
Auswärtsfahrt mit dem Zug ohne hochrüstete Polizeieinheiten stattfinden
zu lassen, konnten am Sonntag Klein-
und Groß
gruppen von Nazis und Hooligans
völlig
unbeteiligte
Mitreisen
de
auf An- und Abfahrt
in den Zügen terrorisieren
.
Umso grösser unser Empören
als die
„
Taktik
“ auf der Pressekonferenz am nächsten Tage als „
Erfolg
“ verkauft wurde.
Und die öffentliche Reaktionen
?
Vorhersehbar
:
Die Politi
k
möchte
–
diesmal in Gestalt der CSU -
das Internet besser überwachen
lassen
, sofort wird über eine Verschä
rfung des Demonstrationsrechtes nachgedacht und in diversen
Ministers
tü
bchen werden wahrscheinlich schon wieder Drohnenbestelllungen aufgegeben oder
über
den Einsatz der Bundeswehr im Inland nachgedacht. Diverse Medien berichteten von einer
Demonstration von Fußballfans, gibt es doch bei jedem Pyrobild sonst immer noch die Einschränkung
„
sogenannte
“ dazu.
Dabei sind diejenigen Fans, auf die normalerwe
ise immer öffentlich eingeprügelt
wird doch die, die im Gegensatz zu dem Pöbel, der am Sonntag auf der Straße zu sehen waren
,
diejenigen, die regelmäßig im Stadion zu sehen sind und sich im Zweifelsfalle auch gegen Nazis
wenden.
Versagen der Fanszenen
Doch wir, wie auch alle anderen aktiven Fans, sollten uns auch an die eigene Nase fassen:
Während
antifaschistische Initiativen und Kurdische
Gruppen wie die „Perspektive Kurdistan“ in Köln zu einem
Gegenprotest aufriefen, hat es nicht eine einzige Fangruppe i
m
gesamten Land im Vorfeld der
Demonstration auf die Reihe bekommen, ebenfalls zu den Gegenprotesten aufzurufen. Und das
völlig
gegen den doch ach so radikalen Habitus, den sich viele Gruppen gerne geben. Nicht weiter
verwunderlich von denjenigen Gruppen, die ohnehin von den obengenannten Herrschaften
regelmäßig
attackiert werden, doch auch ein Armutszeugnis
für Gruppen, die sich gerne unpolitisch
geben, aber stets betonen doch auch „gegen Nazis“ zu sein.
Gruppen, die
für sich
stets die
Deutungshoheit über die Außenwirkung der Fanszene haben wollen und
hierbei
völlig
ignorieren
,
dass der Ruf einer Fanszene darunter
äußerst
darunter leidet, wenn Fans des eigenen Vereines auf
einer solch neonazistischen Kundgebung unter dem Banner des eigenen Vereines mitlaufen. So weit
geht die
Radikalität
dann eben doch nicht, dass man sich dann gegen die eigenen alten Herren
wendet
...
Doch es gibt auch gute Nachrichten: Den Nazis, Hools und ihren Freunden scheint es kaum
gelungen zu sein, Nachwuchs auf die Demonstration zu loc
ken. Das Durchschnittsalter dürfte locker
bei etwa Mitte 30
gelegen haben, die einzigen jüngeren Fans kamen aus Fanszenen, in denen
ohnehin schon Hopfen und Malz verloren sind
, und in denen auch die jüngere Generation in der
Vergangenheit zu Hauf gezeigt hat welchen Geistes Kind sie sind. Beispielhaft sagen wir hier einmal:
Aachen. Sie haben es sich redlich verdient.
Ausblick
Nach den
öffentlichkeits
wirksamen Bildern von Sonntag und dem Medienaufschrei ist es eher
unwahrscheinlich, dass eine ähnliche Vera
nstaltung in der kommenden Zeit noch einmal genehmigt
wird, bzw. polizeitaktisch so schlecht begleitet wie am Sonntag vonstattengehen wird. Ebenfalls
unwahrscheinlich, dass noch einmal solche Teilnehmerzahlen erreicht werden. Auf diversen
Internetseiten gab es seitens
einflussreicher Führungspersonen der Hooliganszene
massiven Protest
gegen die schlechte Organisation der Demonstration, einige fühlten sich „verheizt“ von den
„größenwahnsinnigen“ Organisatoren und genervt von den „besoffenen und undisziplinierten“
Mitläufern. Es ist nicht auszuschließen
, dass Folgeveranstaltungen wieder so aussehen, wie d
ie
ersten Treffen der „HoGeSa“: Ein zusammengewürfelter Haufen von Kneipenschlägern, die zu
geschätzten über 90% nichts mit ihrer Fanszene zu tun haben und au
ch ihre
„
Dienste
“
als doch eher
selbsternannte Hooligans gar nicht erfüllen.
Sollte es wider Erwartens jedoch doch noch einmal z
u
einer ä
hnlichen Veranstaltung kommen,
hoffen wir, dass es genügend Gruppen gibt, die auch dann
mal „Getrennt in den Farben, vereint in der Sache“ sind, wenn es auf der Straße gegen Hools, Nazis
und ihre Freunde geht.
Eine klare Linie
sämtlicher Fußballsze
nen gegen dieses
Klientel ist dringend nötig!
BAFF, 28.10.2014
info@aktive-fans.de
www.aktive-fans.de
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen