Freitag, 13. Juli 2012
Erhöhung des Bundeswehr-Haushalts
IMI-Standpunkt 2012/036
Rüstungshaushalt: Von der Schmierenkomödie zur Farce
http://www.imi-online.de/2012/07/10/ruestungshaushalt/
von: Jürgen Wagner | Veröffentlicht am: 10. Juli 2012
Aus Militaristensicht passt eigentlich alles zusammen: Ein als
Bundespräsident getarnter Feldpfarrer versucht, der Bevölkerung mehr
Appetit auf neue Kriege einzutrichtern und weiß sich damit auf einer
Wellenlänge mit Verteidigungsminister Thomas de Maiziere, der bei
Militäreinsätzen keine Tabus mehr sehen möchte (IMI-Standpunkt
2012/035). Gleichzeitig wird an jeder Ecke gejammert, der
Bundeswehrhaushalt würde derart zusammengekürzt, dass die Truppe ihrem
Einsatzauftrag -- der augenscheinlich darin besteht, auf der ganzen Welt
Menschen umzubringen -- kaum mehr gerecht werden könne. Zuletzt
kritisierte etwa der Wehrbeauftragte der Bundeswehr Hellmut Königshaus,
aufgrund der klammen Kassenlage würden erhebliche Ausrüstungsmängel
existieren, die dringend behoben werden müssten (Spiegel Online,
30.06.2012). Diese Kassandra-Rufe vom "Kaputtsparen der Bundeswehr"
trafen jedoch nicht einmal für die ursprünglichen Kürzungspläne zu --
mit der neuesten Etatplanung bis zum Jahr 2016 werden sie aber nun
endgültig zur Farce.
Der Reihe nach: Ursprünglich sollte die Bundeswehr zu den 81,6 Mrd.
Euro, die die Bundesregierung bis 2014 einsparen will, laut Beschluss
vom Juni 2010 eigentlich 8,3 Mrd. beitragen. Dies hätte laut
anfänglichem Haushaltsansatz eine Absenkung des Militärbudgets auf 27,6
Mrd. Euro im Jahr 2014 bedeutet. Durch eine "Fristverlängerung" wurde
jedoch anschließend sichergestellt, dass der BMVg-Haushalt lediglich auf
30,4 Mrd. Euro bis 2015 sinken sollte (Finanzplan des Bundes 2011 bis
2015, 12. August 2011, S. 20). Des Weiteren wurde noch über zahlreiche
Buchungstricks diskutiert, wie militärrelevante Kosten in den Einzelplan
60, also den allgemeinen Haushalt verschoben werden könnten (vgl. etwa
IMI-Standpunkt 2011/049).
Die Ende Juni 2012 präsentierten aktuellen Haushaltsplanungen sprengen
selbst diesen weit gesteckten Finanzrahmen nun noch einmal erheblich.
Laut Bundesfinanzministerium wird sich der Militäretat von 31,7 Mrd. im
Jahr 2012 auf 33,3 Mrd. Euro im Jahr 2013 deutlich erhöhen (anstatt wie
im bereits nach oben angepassten letzten Finanzplan auf 31,4 Mrd.
absinken). Den neuen Planungen zufolge soll zudem der Haushalt bis zum
Jahr 2016 lediglich auf 32,5 Mrd. Euro "abgesenkt" werden
(Bundeshaushalt 2013 und Finanzplan bis 2016, S. 11f.). Darüber hinaus
wird die Möglichkeit eröffnet, jährlich Personalkosten von bis zu 1.
Mrd. Euro dem allgemeinen Haushalt anzukreiden und so zusätzliche
versteckte Budgeterhöhung vorzunehmen: "Der mit der Reform eingeleitete
weitere Personalabbau wird hinsichtlich der Ausgaben für ziviles
Überhangpersonal weiterhin finanziell flankiert mit einer
Verstärkungsmöglichkeit aus dem Einzelplan 60 bis zur Höhe von 1,0 Mrd.
Euro." (Bundeshaushalt 2013 und Finanzplan bis 2016, S. 12)
Von den ursprünglich einmal anvisierten 27,6 Mrd. hat man sich also
mittlerweile gehörig entfernt -- 2016 wird der Militärhaushalt im
Extremfall knapp 6 Mrd. Euro über diesem Wert liegen! Kein Wunder also,
dass der Rüstungsindustrie nahestehende Organe wie der Newsletter
Verteidigung (Nr. 46/10. Juli 2012) angesichts der neuen Zahlen
wohlwollend attestiert: "Die gute Nachricht: Die Kürzungen sind nicht so
stark wie von vielen befürchtet und der Verteidigungshaushalt steigt
insgesamt sogar ein wenig an."
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