Freitag, 13. Juli 2012

Erfurt und Umgebung: Scheiße im Trinkwasser

Von Günter Ackermann Kommunisten-online vom 12. Juli 2012 – Die Bevölkerung ist in heller Aufregung. Es kam zu Panikkäufen von Mineralwasser, die Lieferanten des „besten Lebensmittels“ überhaupt (so die Werbung der Stadtwerke der thüringischen Landeshauptstadt für das Leitungswasser der Stadt). Auch wiegelt man ab: „Die Bakterien selbst seien nicht schädlich, "aber sie sind ein starker Indikator für eine mögliche Verunreinigung", sagte Hartmut Willmitzer. Der Biologe ist für die Trinkwasserqualität der Fernwasserversorgung zuständig.“[1] Und weiter: „Das Thüringer Sozialministerium warnte allerdings vor Panikmache: Schlimmstenfalls könne beim Genuss von kolibelastetem Wasser Durchfall auftreten, hieß es. Der sei für gesunde Menschen nicht weiter gefährlich, wohl aber verweisen Mediziner auf Risiken für Ältere und Kleinkinder. "Wegen des Mangels an Flüssigkeit kann es bei starken Durchfällen zu einer Austrockung des Körpers kommen", sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums.“[2] Dann ist ja alles klar, keine Aufregung, viel Wasser trinken bei Dünnschiss durch Kolibakterien und Ruhe bewahren. Auch habe man Kindergärten, Altersheime und Krankenhäuser schon am Montag informiert. Und die Stadtwerke gaben die Order an die Bürger Erfurts raus, man müsse das Leitungswasser fünf Minuten kochen, ehe man es genießen könne. Also Kaffeemaschinen seien nicht geeignet. Also was nun? Wenn die Bakterien unschädlich sind, muss man nicht Wasser abkochen, sondern man kann unbedenklich das gute Lebensmittel literweise trinken und auch die Zahnärzte, die zum kühlen der Bohrer Wasser in den Mund spritzen, machen nur Panik, wenn sie aus Vorsicht nicht behandeln. Oder? Zunächst einmal sind Kolibakterien im Darm von Säugetieren und Mensch. Ich habe gelernt, dass sie keineswegs, wenn sie oral zugeführt werden, ungefährlich sind. Was soll hier vertuscht werden? Ein Professor äußerte die Vermutung, das könne an den starken Regenfällen gelegen haben. Die Frage ist nur: Wie kommt Scheiße in die Wolken? Der Regen mag eine Rolle gespielt haben, Aber die Ursache dürfte die Überdüngung landwirtschaftlicher Nutzflächen mit Gülle sein – also die Scheiße von Rindern und Schweinen. Das Wasser stammt aus der Ohratalsperre (Nordrand Thüringer Wald, Landkreis Gotha). Wenn die Flächen um den Stausee kein Wasserschutzgebiet sind und/oder man nicht genügend kontrolliert, dann kann ich mir gut vorstellen, dass die landwirtschaftlichen Betriebe auf Teufel-komm-raus Gülle auf die Böden bringen. Das ist ja auch in anderen Teilen des EU-Gebiets der Fall. So darf in manchen Gegenden das Brunnenwasser aus eben diesem Grund nicht getrunken werden. Das Gebiet um die Ohratalsperre ist zwar Wasserschutzgebiet, in der gar nicht oder nur beschränkt Gülle ausgebracht werden darf. Aber wenn die Kontrolle und Abschreckung fehlt, dann ist der Profit für die Schuldigen der alleinige Maßstab. Und die Behörden reden alles klein: Nur keine Panik, setzt euch auf den Topf und entleert euch der Folgen der Schlamperei. Das Wasser jedenfalls ist sauber. Einen Rat an die Erfurter: Nicht nur genug Mineralwasser kaufen, auch an Toilettenpapier denken, das dürfte auch knapp werden. [1] Siehe: thueringer-allgemeine.de [2] ebenda

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