Sonntag, 31. Juli 2011

Gentechnik-Seilschaften: Newsletter am 28.7.2011

************www.biotech-seilschaften.de.vu**************
DARF GERNE WEITERGELEITET WERDEN ... GANZ ODER TEXTWEISE
*************Verfasst von: Jörg Bergstedt***************

Gentechnikfilz-News vom 29.7.2011
zusammengestellt in der Projektwerkstatt von Jörg Bergstedt (Autor
„Monsanto auf Deutsch“)


Hallo,
ich muss mich schon wieder melden – die Ereignisse überschlagen
sind. Schon wieder ist wohl ein Feld „befreit“ worden, diesmal das
Monsanto-Rübenfeld bei Nienburg/Saale (siehe
http://linksunten.indymedia.org/de/node/44128). Dann hat die EU eine
neue gv-Pflanze zugelassen – wieder einen Mais von Monsanto
(www.keine-gentechnik.de/news-gentechnik/news/de/24185.html). Nun
werden wir sehen, ob der Verdacht richtig war, dass der MON810 gar
nicht mehr die Traumpflanze des Konzerns war, er also nach
jahrelangem Nerven still und heimlich verschwinden wird (mit oder
ohne irreversible Spuren da draußen in der Natur) – so wie die
Amflora auch, bei der schon länger bekannt ist, dass BASF sie lieber
gestern als heute durch andere Zulassungen ersetzen will. Reichlich
dumm sieht da die Strategie von vielen Umweltverbänden und Parteien
aus, seit Jahren dem MON810 hinterherzulaufen. Das mag einige
Aufmerksamkeit in trägen Medien und manch Spende eingebracht haben –
politisch aber wäre es schlauer gewesen, Neuentwicklungen zu
attackieren mitsamt den AkteurInnen, die diese Entwicklungen
vorantreiben, finanzieren oder durchwinken.
Das Jahrestreffen der Gentechnik-Seilschaften steht vor der Tür!
Am 5. und 6. September 2011 findet am Gentechnikschaugarten Üplingen
(Börde) das wichtigste Treffen der deutschen
Agrogentechnik-Seilschaften statt. Nachdem der Schaugarten durch
eine gut organisierte Feldbefreiung schon entschärft wurde, wollen
GentechnikkritikerInnen nun auch das InnoPlanta-Forum stören. Es ist
seit Jahren das größte und auffälligste Treffen zwischen Konzernen,
Behörden, Lobbyverbänden und sogenannten ForscherInnen in der
Agro-Gentechnik Deutschlands. KWS-Chef von der Bussche war da,
ebenso führende MitarbeiterInnen von Bayer, BASF, Pioneer, Monsanto
und anderen. Matin Qaim, Stefan Rauschen und andere
WissenschaftlerInnen, die sich aus den Millionentöpfen der
Gentechnikförderung bedienen. Betagte und aktuelle JournalistInnen
aus ZDF, MDR und anderen puschten das Treffen. PolitikerInnen und
BehördenvertreterInnen aus zuständigen Ministerien in Sachsen-Anhalt
oder Mecklenburg-Vorpommern bis zu Thomas Leimbach, Chef des
Landesverwaltungsamtes, waren zugegen - letzterer hielt eine
flammende Rede für die Versuchsfelder, die seine Behörde eigentlich
überwachen soll. Rundherum gruppierten sich Geldgeber, LobbyistInnen
und VertreterInnen derer, die mit Grund und Boden die ganze Sache
unterstützten - vom Bürgermeister bis zur Stiftung Braunschweiger
Kulturbesitz (SBK). Anfang September 2011 soll es wieder soweit
sein: Am 5. (Montag Abend) und 6. (Dienstag tagsüber) lädt der
Lobbyverband InnoPlanta unter seinem Vorsitzenden Uwe Schrader (FDP)
zum Stell-Dich-Ein ins kleine Dorf Üplingen ein, wo mit
Fördermitteln der EU und der SBK ein Hofgut als Treffpunkt der
Seilschaften saniert wurde und wird. Wer denkt sich kreative
Aktionen aus? Wer organisiert gemeinsame Anfahrten aus den
verschiedenen Ecken des Landes? Wir suchen regionale
AnsprechpartnerInnen, die das für ihre Gegend übernehmen. Infoseite:
www.biotechfarm-schliessen.de.vu.


Berufung zur Feldbefreiung in Gatersleben abrupt zu Ende!
Welch böse Überraschung: Der Prozess ist zuende. Offenbar hat der
Richter die Angeklagten bzw. ihre VerteidigerInnen über den Tisch
gezogen und mit absurden Drohungen dazu gebracht, den Prozess zu
Ende zu bringen. Ich ärgere mich, dass ich diesen Tag wegen meiner
Veranstaltungsreise durch Österreich als Verteidiger eines der
Feldbefreier passen musste – mit meiner Erfahrung in Sachen
Strafrecht wäre vielleicht noch was zu machen gewesen. So kommt es
nun nicht zu weiteren ZeugInnenvernehmungen, die sicherlich weitere
Skandale, Schlampereien und Rechtsbrüche hervorgebracht hätten – so
wie die Vernehmung der Versuchsleiterin ja vorher auch schon. Eine
Revision werden wir nun noch versuchen, aber da mauern die Gerichte
sich meist ein. Mehr auf www.gendreck-weg.de.


Feldbefreiungen sind Terror?
Im letzten Newsletter hatte ich berichtet, dass sich
Gentechnik-Protagonisten mit immer absurderen Opferbildern
inszenieren – z.B. als vergleichbar Verfolgte wie die Juden im
Dritten Reich. Ähnlich triefend vor fundamentalistischer Ideologie
sind nun die Angriffe auf die unbekannten FeldbefreierInnen der
beiden Hochsicherheitsanlagen in Deutschland, dem AgroBioTechnikum
und der BioTechFarm. Der Ressortchef Wissen der ZEIT (seit langem
ein Hetzblatt pro Gentechnik) nannte solche Aktionen jetzt als
„Ökoterror“. Erinnert sich noch jemand, dass das genau dieselben
Leute sind, die GentechnikkritikerInnen immer Unsachlichkeit und
ideologische Ablehnung der Agrogentechnik nachsagen?
Längere Texte und Debatten zu den Attacken finden sich im übrigen
auf Indymedia (www.de.indymedia.org und
http://linksunten.indymedia.org), auf www.taz.de (gleich mehrere)
und in Freitag
(www.freitag.de/politik/1129-die-neue-militanz-der-gentech-gegner).


Sie wissen es selbst: Gentechnik unkontrollierbar und unnütz
Angesichts dieser Parolen sei daran erinnert, dass es über die
Agrogentechnik eigentlich gar keine Meinungsunterschiede gibt. Auch
die BefürworterInnen räumen in ihren eigenen Papieren ein, wie
nutzlos und unbeherrschbar die Agrogentechnik ist, z.B. Monsanto:
„Die Möglichkeiten, eine Pflanze durch gentechnische Veränderungen
zu verbessern, sind gering. Dies ist einer Reihe von Ursachen
geschuldet. So lassen sich die Effekte eines spezifischen Gens auf
das Wachstum der Pflanze, deren Entwicklung und Reaktionen auf die
Umwelt nicht genau vorhersagen. Dazu kommt die geringe Erfolgsrate
bei der gentechnischen Manipulation, der Mangel an präziser
Kontrolle über das Gen, sobald es in das Genom eingebaut worden ist,
und andere ungewollte Effekte, die mit dem Geschehen bei der
Gentransformation und dem Verfahren der Zellkultur zusammenhängen.“
Das Gleiche gilt für die Frage von Koexistenz und Auskreuzung – die
ProtagonistInnen der Agrogentechnik wissen genau, dass ihre bunten
Flyer, Sonntags- und Wahlkampfreden frei erfundener Unsinn sind:
„Ein Null-Prozent-Schwellenwert ist ebenso wie eine 100%ige
Produktreinheit unerreichbar“, schrieb der Bundesverband deutscher
Pflanzenzüchter, und einer der hochrangigsten Wissenschaftler, der
Ex-Forschungsgemeinschaftspräsident Ernst-Ludwig Winnacker,
ebenfalls Gentechnikbefürworter, fügte an: „Absurd sind auch die
Abstandsregelungen für Versuchsfelder etwa von MON810, denn der
Maispollen fliegt kilometerweit.“ Auch bei den Umweltauswirkungen
wissen die GentechnikstreiterInnen, was Sache ist: Uwe Schrader,
Chef des Lobbyverbandes InnoPlanta, beschrieb 1999 als Gründ für die
Ausbreitung von Gentechnik im landwirtschaftlichen Bereich "die
Aussicht, in dem stagnierenden Pflanzenschutzmittelmarkt durch
Anwendung der Pflanzenbiotechnologie Positionsverbesserungen zu
erzielen". Alle Quellen und mehr Zitate sind unter
www.biotech-seilschaften.de.vu genau zu finden.


Wieder illegales Feld in Graz entdeckt
Fast alle Forschungsfelder werden mit falschen Angaben beantragt und
genehmigt - sowohl bei der Genehmigungsbehörde wie auch bei der
Förderung. Reine Propagandafelder werden zu Forschungsarbeiten
umdeklariert, Methoden- und Produktentwicklung als
Umweltbegleitforschung ausgegeben, um an den wichtigen Geldtopf
"Biosicherheit" heranzukommen. Mitunter werden Felder sogar komplett
illegal, d.h. ohne Genehmigung angelegt, so 2009 ein
Reserve-Gengerstenfeld der Uni Gießen. Nun wurde ein Feld der
Universitäten Würzburg und Graz im Botanischen Garten der
österreichischen Stadt entdeckt – und damit war auch der Glaube, die
Alpenrepublik hätte kein Gentech-Feld, dahin. Mehr:
www.keine-gentechnik.de/news-gentechnik/news/de/24158.html.


Mal wieder Grüne an der Macht
Eine neue Tragödie grünen Versagens in der Realpolitik bahnt sich
an. Ulrike Hoefken, vormals im Bundestag für die Grünen mit dem
Thema Agro-Gentechnik befasst und dort bemerkenswert desinteressiert
an den als Forschungsfelder deklarierten Freisetzungen, verbunden
mit einer penetranten Missachtung von GentechnikgegnerInnen, die zu
diesen Feldern arbeiteten, wurde Umwelt- und
Landwirtschaftsministerin in Rheinland-Pfalz. Dort liegt die Firma
BASF - und so, also müsste Hoefken von Beginn an deutlich machen,
dass Grüne in der Regierung zu nichts taugen, ließ sie gleich
Garantien für die Firma von Stapel (Focus online am 23.7.2011 und
agrarheute, 27.7.2011): "Höfken will die Gentechnik-Forschung der
BASF in Rheinland-Pfalz nicht behindern. "Es gibt von unserer Seite
keinerlei Intention, die Forschung einzuschränken. Die Forschung ist
frei", betonte Höfken. Der Bereich Biotechnologie stehe nicht
infrage. Die Agro-Gentechnik sei nur ein winziger Teil davon."


Südtour der Veranstaltung „Monsanto auf Deutsch“ ist vorbei
Acht Tage lang bin ich durch Bayern und Österreich gefahren – und es
hat, neben der Anstrengung, jeden Abend eine zweistündige,
theatralische Ton-Bilder-Schau zu präsentieren, verdammt Spaß
gemacht. Immer wieder wurden auch gerade Berichte von direkten
Aktionen auf und an Feldern mit Szenenapplaus bedacht. Die Wut war
jeden Abend greifbar – und die LügnerInnen und BetrügerInnen unter
dem Deckmantel von Wissenschaft und Behörden müssen sich hoffentlich
immer wärmer anziehen.
Die nächsten Veranstaltungstouren sind vor dem InnoPlanta-Forum,
Anfang November in Nordrhein-Westfalen und zum Monatswechsel
November/Dezember wieder im Süden geplant. Wer da noch Interesse
hat, sollte sich melden (gerade Sachsen-Anhalt wäre noch schön
Anfang September). Im Oktober kann sogar noch eine ganze Tour durch
andere Regionen hinzukommen, Termine in Hessen sind auch
zwischendurch möglich, da die Anfahrt da nicht so lang sind.
Die bisherige Terminliste:
Samstag, 3.9., 19 Uhr in Braunschweig (voraussichtlich Brunsviga)
Sonntag, 4.9., 15 Uhr auf dem Hoffest des Biolandbetriebes Lindenhof
in Eilum östlich von Wolfenbüttel
5./6.9. in Üplingen (Bördekreis): InnoPlanta-Forum – hoffentlich mit
bunten Protesten
Freitag, 4.11. in Wuppertal (Näheres folgt)
Samstag, 5.11. in Düsseldorf auf der Jahresversammlung der
Coordination gegen Bayer-Gefahren
Sonntag, 6.11. in Düren
Montag, 7.11. um 19.30 Uhr in Köln (Ateliergemeinschaft "Irgendwas
mit Kunst", Leyendeckerstr. 16, 50825 Köln)


Und damit erstmal wieder ein herzliches „Tschüß“ - bleibt unruhig,
wütend und frech … Jörg


P.S. Wir überlegen, ob wir dieses Jahr noch ein Seminar zur
Einführung in die Gentechnikkritik, die Seilschaften und
Aktionsmöglichkeiten machen – falls an solch einer Art Grundkurs
genügend Menschen Interesse haben. Wer Lust drauf hat, sollte sich
deshalb melden ...

Wie immer das Nachwort: Von der Broschüre „Organisierte
Unveranwortlichkeit“ und dem Buch „Monsanto auf Deutsch“ sind noch
genügend Bestände vorhanden. Bestellungen über das Infoformular auf
unserer Internetseite www.biotech-seilschaften.de.vu, unter
www.aktionsversand.de.vu oder in der Projektwerkstatt. Da andere
Verlage – teilweise mit erstaunlich widerlichen Unhöflichkeiten –
die brisanten Botschaften nicht verlegen wollten, wird „Monsanto auf
Deutsch“ wohl erstmal die einzige Enzyklopädie der
Agrogentechnik“mafia“ bleiben.


--
Verfasst in der
Projektwerkstatt Saasen, 06401/90328-3, Fax -5, 01522-8728353
Ludwigstr. 11, 35447 Reiskirchen-Saasen (20 km östlich Giessen)
www.projektwerkstatt.de/saasen
++ Tagungshaus ++ politische Werkstätten ++ Archive und
Bibliotheken ++ Direct-Action-Plattform ++ Bahnanschluß ++
ReferentInnenangebote ++ Sachspenden gesucht: Was gerade fehlt,
steht immer unter www.projektwerkstatt.de/gesucht ++

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