Die Angriffe gegen die zapatistische Bewegung im südmexikanischen Bundesstaat Chiapas haben sich wieder verschärft. Erst kürzlich zerstörten 150 Mitglieder der regierungsnahen Organisation der Kaffeeproduzenten von Ocosingo (ORCAO) die Küche des zivilen Friedenscamps in der zapatistischen Gemeinden Patria Nueva.
Seit Jahren nutzen freiwillige Beobachter aus Mexiko und dem Ausland über zehn solcher Camps, um Aktivitäten von Polizei, Militär und Paramilitär in der Aufstandsregion zu dokumentieren. Der Rat der Guten Regierung von Morelia, der eine von fünf Einflusszonen der Zapatistischen Befreiungsarmee (EZLN) verwaltet, prangerte die Zerstörung des Lagers in Patria Nueva an, stellte aber klar, dass die ORCAO-Angehörigen lediglich fehlgeleitete Helfershelfer des Staates seien.
Im Kommuniqué des Rates heißt es: »Die drei Ebenen der schlechten Regierungen waren zornig, weil sie nicht wollen, dass ihre Tricks bekannt werden. Darum organisierten sie unwissende Menschen, um ihre Todesprojekte in unsere autonomen Territorien einzuschleppen, wo wir auf unsere Weise regieren, so wie die Bevölkerung das möchte.«
Seit einigen Jahren setzen die Gegner der Zapatisten nicht nur Sicherheitskräfte und Paramilitärs gegen die Bewegung ein, sondern sie mobilisieren in zunehmendem Umfang aufgehetzte Regierungsanhänger und loyale Organisationen. Denn die Regierung will kritische Berichte vermeiden, wie sie bei Angriffen offizieller Kräfte kaum vermeidbar sind. Viele regierungsnahe Gruppen erhalten seit Jahrzehnten Geld vom Staat und sind dadurch in große Abhängigkeit geraten, so dass die Behörden mit vorauseilendem Gehorsam rechnen können, sobald sie auch nur andeuten, dass die Zahlungen eingestellt werden könnten .
Am 15. August meldete der zapatistische Rat von La Garrucha, dass zapatistische Bauern im autonomen Bezirk Francisco Villa von der ORCAO beschossen wurden. Das mexikoweite Netzwerk gegen Repression bewertete die Umzingelung der arbeitenden Bauern als eine paramilitärische Taktik mit dem Ziel, die EZLN, deren Waffen seit Mitte Januar 1994 schweigen, zu einer bewaffneten Reaktion zu provozieren.
Bereits Anfang August hatte die zapatistische Verwaltung von La Realidad bekannt gegeben, dass Angehörige verschiedener Parteien Kaffeepflanzungen von Zapatistas in der Gemeinde Monte Redondo zerstört hätten. Zudem seien Teile der Bohnen- und Maisernte geraubt und etwa 20 Hektar Land besetzt worden. Der Rat machte Gouverneur Juan Sabines verantwortlich, »der die Menschen betrügt und manipuliert«. Die Zapatistas reagierten nicht auf die Provokationen, die Regierung schwieg zu den Vorwürfen.
Nach Einschätzung des Anthropologen Gilberto López y Rivas wird der Paramilitarismus seit 1994 in Chiapas als Staatspolitik betrieben, »als repressive Antwort auf ökonomische, politische und soziale Probleme und als Vorhut des Kapitals«.
Hintergrund der Konflikte sind neben politischen Gründen – eine Ausweitung des zapatistischen Einflusses soll unbedingt verhindert werden – harte Wirtschaftsinteressen. Chiapas wird derzeit zu einem »Touristenparadies« ausgebaut, was der Regierung und den beteiligten Unternehmen jedoch nicht schnell genug geht, da die neoliberalen »Entwicklungsprojekte« auf erbitterten Widerstand zahlreicher oppositioneller Gemeinden stoßen. Weitere Vorhaben sind der Ausbau von Palmölplantagen – Chiapas ist bereits Produzent Nummer eins in Mexiko –, die Ölförderung und die Ausnutzung der immensen biologischen Vielfalt im Lakandonischen Regenwald. Als Interessenten im Hintergrund werden auch transnationale Konzerne wie Bayer und Monsanto vermutet.
Luz Kerkeling
http://www.neues-deutschland.de/artikel/205450.wieder-angriffe-auf-zapatisten-in-chiapas.html
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Mittwoch, 7. September 2011
Montag, 2. August 2010
Morde an JournalistInnen nehmen weiter zu
(Berlin, 27. Juli 2010, npl).- Pedro Matías wird diese Nacht nie vergessen. „Sie bedrohten mich mit einer Waffe, zwangen mich, aus dem Wagen zu steigen und mich auszuziehen“, berichtet der mexikanische Journalist von jenem 25. Oktober 2008, an dem Unbekannte ihn in seiner Heimatstadt Oaxaca entführten. Dann hätten sie ihn in den Kofferraum geworfen und seien kreuz und quer durch die Gegend gefahren. „Immer wieder drohten sie, mich zu vergewaltigen und zu töten. Sie schossen in die Luft und drückten mir Flaschen ins Gesicht, damit ich ruhig bleibe. Ich dachte, sie bringen mich um.“ Zehn Stunden lang hatten ihn die Entführer in ihrer Gewalt, erst am nächsten Morgen ließen sie den Journalisten wieder frei.
Bis heute weiß der 45jährige nicht, wer hinter der Tat steckt und was die Täter von ihm wollten. Sie seien von den Zetas, einer Killertruppe der Drogenmafia, hatten sie ihm erklärt. Das aber will der Journalist nicht glauben. Noch nie hat er über die kriminellen Geschäfte der Capos berichtet. Pedro Matías hat einen anderen Verdacht. Schließlich schreibt er in regierungskritischen Zeitungen über brutale Polizisten, korrupte RichterInnen und einflussreiche GroßgrundbesitzerInnen. In Oaxaca erlebte er, wie im Jahr 2006 LehrerInnen, Indigene und StudentInnen auf die Barrikaden gingen. Und wie sie von paramilitärischen Gruppen verfolgt wurden, die dem umstrittenen Gouverneur Ulises Ruiz nahe standen. „Wenn es deine Arbeit ist, die Regierung zu kritisieren, die Menschenrechte einzuklagen oder darauf hinzuweisen, dass noch immer sieben Menschen verschwunden sind, dann wird man zum Hindernis“, erklärt Matías. Deshalb geht er davon aus, dass die Verantwortlichen in der Regierung sitzen. Aber er hat keine Beweise.
Angriffe auf Medienschaffende bleiben unaufgeklärt
Pedro Matías hat die Entführung zwar bei der Polizei gemeldet, große Hoffnungen auf Aufklärung macht er sich aber nicht: „Die Behörden sind so verflochten mit der organisierten Kriminalität, dass es sehr gefährlich ist, ein Delikt anzuzeigen.“ Tatsächlich sind die Chancen gering, dass die Strafverfolger die Entführer dingfest machen. Praktisch kein Angriff auf Medienschaffende wird aufgeklärt. Mexiko ist für JournalistInnen zu einem der gefährlichsten Länder weltweit geworden. Im letzten Jahr zählte die mexikanische Nichtregierungsorganisation Zentrum für soziale Kommunikation CENCOS (Centro Nacional de Comunicación Social) 244 Angriffe auf Medienschaffende, die lateinamerikanische Journalistenorganisation FELAP (Federación Latinoamericana de Periodistas) sprach Anfang Juli von 43 toten PressearbeiterInnen in den 43 Monaten der Regierungszeit des Präsidenten Felipe Calderón. 12 JournalistInnen sind nach FELAP-Angaben verschwunden.
Vor einigen Wochen traf es Rodríguez Ríos, Korrespondent der Tageszeitung El Sol aus Acapulco, und María Elvira Hernández Galeana, die Herausgeberin der Wochenzeitschrift Nueva Línea. Die beiden wurden am 28. Juni in ihrem eigenen Internetcafé im Bundesstaat Guerrero erschossen. Ríos, der auch lokaler Leiter der JournalistInnengewerkschaft Sindicato Nacional de Redactores de Prensa war, hatte kurz zuvor einen Beitrag über den 15. Jahrestag des Massakers von Aguas Blancas gemacht. Im Jahr 1995 ermordeten Polizisten dort 17 Bauern. Wenige Tage später, am 6. Juli dieses Jahres, traf es in Apatzingan im Bundesstaat Michoacán Hugo Olivera, den Herausgeber der Zeitung El Día de Michoacán.
Guerrero und Michoacán zählen zu den besonders gefährlichen Gegenden, betroffen sind jedoch JournalistInnen in vielen Regionen des Landes, erklärt Luís Hernandez von der linken mexikanischen Tageszeitung La Jornada: „Gefährlich sind Gegenden, die von autoritären lokalen Mächten regiert werden. Zum Beispiel die Bundesstaaten Chiapas und Oaxaca.“ Risikoreich seien aber auch Regionen, die vom so genannten Krieg gegen die Drogenmafia gezeichnet sind. „Dort müssen Journalisten sehr vorsichtig sein, wenn sie über die Kartelle oder die Verbrechen der Armee und der Polizei an der Zivilbevölkerung berichten“, erklärt der Redakteur.
Konsequenzen auf redaktionelle Arbeit
Viele Opfer gehen auf das Konto krimineller Banden. Regelmäßig werden ReporterInnen regionaler Zeitungen ermordet, die über das Treiben der Drogenbarone berichten. Seit Präsident Calderón 2006 der Mafia den Krieg erklärt und damit eine Welle der Gewalt ausgelöst hat, haben auch die Angriffe auf JournalistInnen zugenommen. Auf die tägliche Arbeit hat das Konsequenzen: „Unsere redaktionelle Linie in dieser Frage ist sehr klar“, sagt Hernández. Die Zeitung bemühe sich, seine KorrespondentInnen nicht zu exponieren. Wenn Artikel über die Drogenmafia JournalistInnen gefährden können, unterzeichne man diese Beiträge nicht mit Namen. Zudem vermeide es die Jornada, Fotos zu veröffentlichen, die von der Mafia zu Propagandazwecken benutzt werden könnten. Denn häufig wollen die Kartelle beispielsweise mit der Art, wie Menschen ermordet werden, eine Botschaft an den GegnerInnen vermitteln. Auch wenn große Transparente auftauchen, in denen ohne Unterschrift bestimmte PolitikerInnen oder Militärs als Mitglieder der Mafia bezeichnet werden, drucke man diese Bilder nicht, erklärt Hernández. „Hinter diesen Transparenten stecken die Kartelle. Wenn wir die Quelle der Aussagen nicht bestätigen können, verbreiten wir die Information nicht.“
Aus Angst vor Angriffen berichten viele Medien erst gar nicht über das Thema. Dabei bestimmt der sogenannte Drogenkrieg das Leben im Land. Auf den Straßen tobt ein blutiger Kampf, jeden Tag sterben durchschnittlich 20 Menschen, insgesamt sind seit Calderóns Amtsantritt bis Juli dieses Jahres etwa 25.000 Menschen ums Leben gekommen. Hinter den vielen Morden verschwindet der einzelne Fall. „Über all diese Toten sagt man, dass sie in Auseinandersetzungen gestorben sind. Aber es wird nicht ermittelt“, kritisiert Edgar Cortéz vom mexikanischen Menschenrechtsnetzwerk Todos los Derechos para todas y todos. „Wir wissen nicht, was passiert ist und wer die Täter sind.“
Gefahr für Journalisten wird größer
Übergriffe von Soldaten blieben also ebenso ungesühnt wie Angriffe auf JournalistInnen, erklärt Cortez. Es werde nie geklärt, ob PressearbeiterInnen von der Mafia ermordet oder etwa Opfer eines politisch motivierten Angriffs wurden. „Wir haben kein einziges konkretes Ergebnis, obwohl es seit zwei Jahren eine Sonderstaatsanwaltschaft für Verbrechen an Medienschaffenden gibt.“ Die Konsequenz sei eindeutig, so der Menschenrechtsverteidiger: „Journalisten leben immer gefährlicher.“
Auch Pedro Matías ist sich bewusst darüber, dass die Straflosigkeit sein Berufsrisiko erhöht. Ein Jahr lang nahm er sich eine „Auszeit“ und lebte als Stipendiat der Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte in Deutschland. Im vergangenen Juni kehrte er nun nach Mexiko zurück. Während der Zeit außerhalb des Landes konnte er durchatmen – und er nutzte sie, um auf die verheerenden Zustände in seiner Heimat aufmerksam zu machen.
[Dieser Artikel ist Teil unserer Crossmedialen Kampagne „Menschen. Rechte. Stärken!“. Den dazugehörigen Audiobeitrag findet ihr hier: http://www.npla.de/de/onda/content/1081]
URL: http://www.npla.de/de/poonal/2933-morde-an-journalistinnen-nehmen-weiter-zu
Bis heute weiß der 45jährige nicht, wer hinter der Tat steckt und was die Täter von ihm wollten. Sie seien von den Zetas, einer Killertruppe der Drogenmafia, hatten sie ihm erklärt. Das aber will der Journalist nicht glauben. Noch nie hat er über die kriminellen Geschäfte der Capos berichtet. Pedro Matías hat einen anderen Verdacht. Schließlich schreibt er in regierungskritischen Zeitungen über brutale Polizisten, korrupte RichterInnen und einflussreiche GroßgrundbesitzerInnen. In Oaxaca erlebte er, wie im Jahr 2006 LehrerInnen, Indigene und StudentInnen auf die Barrikaden gingen. Und wie sie von paramilitärischen Gruppen verfolgt wurden, die dem umstrittenen Gouverneur Ulises Ruiz nahe standen. „Wenn es deine Arbeit ist, die Regierung zu kritisieren, die Menschenrechte einzuklagen oder darauf hinzuweisen, dass noch immer sieben Menschen verschwunden sind, dann wird man zum Hindernis“, erklärt Matías. Deshalb geht er davon aus, dass die Verantwortlichen in der Regierung sitzen. Aber er hat keine Beweise.
Angriffe auf Medienschaffende bleiben unaufgeklärt
Pedro Matías hat die Entführung zwar bei der Polizei gemeldet, große Hoffnungen auf Aufklärung macht er sich aber nicht: „Die Behörden sind so verflochten mit der organisierten Kriminalität, dass es sehr gefährlich ist, ein Delikt anzuzeigen.“ Tatsächlich sind die Chancen gering, dass die Strafverfolger die Entführer dingfest machen. Praktisch kein Angriff auf Medienschaffende wird aufgeklärt. Mexiko ist für JournalistInnen zu einem der gefährlichsten Länder weltweit geworden. Im letzten Jahr zählte die mexikanische Nichtregierungsorganisation Zentrum für soziale Kommunikation CENCOS (Centro Nacional de Comunicación Social) 244 Angriffe auf Medienschaffende, die lateinamerikanische Journalistenorganisation FELAP (Federación Latinoamericana de Periodistas) sprach Anfang Juli von 43 toten PressearbeiterInnen in den 43 Monaten der Regierungszeit des Präsidenten Felipe Calderón. 12 JournalistInnen sind nach FELAP-Angaben verschwunden.
Vor einigen Wochen traf es Rodríguez Ríos, Korrespondent der Tageszeitung El Sol aus Acapulco, und María Elvira Hernández Galeana, die Herausgeberin der Wochenzeitschrift Nueva Línea. Die beiden wurden am 28. Juni in ihrem eigenen Internetcafé im Bundesstaat Guerrero erschossen. Ríos, der auch lokaler Leiter der JournalistInnengewerkschaft Sindicato Nacional de Redactores de Prensa war, hatte kurz zuvor einen Beitrag über den 15. Jahrestag des Massakers von Aguas Blancas gemacht. Im Jahr 1995 ermordeten Polizisten dort 17 Bauern. Wenige Tage später, am 6. Juli dieses Jahres, traf es in Apatzingan im Bundesstaat Michoacán Hugo Olivera, den Herausgeber der Zeitung El Día de Michoacán.
Guerrero und Michoacán zählen zu den besonders gefährlichen Gegenden, betroffen sind jedoch JournalistInnen in vielen Regionen des Landes, erklärt Luís Hernandez von der linken mexikanischen Tageszeitung La Jornada: „Gefährlich sind Gegenden, die von autoritären lokalen Mächten regiert werden. Zum Beispiel die Bundesstaaten Chiapas und Oaxaca.“ Risikoreich seien aber auch Regionen, die vom so genannten Krieg gegen die Drogenmafia gezeichnet sind. „Dort müssen Journalisten sehr vorsichtig sein, wenn sie über die Kartelle oder die Verbrechen der Armee und der Polizei an der Zivilbevölkerung berichten“, erklärt der Redakteur.
Konsequenzen auf redaktionelle Arbeit
Viele Opfer gehen auf das Konto krimineller Banden. Regelmäßig werden ReporterInnen regionaler Zeitungen ermordet, die über das Treiben der Drogenbarone berichten. Seit Präsident Calderón 2006 der Mafia den Krieg erklärt und damit eine Welle der Gewalt ausgelöst hat, haben auch die Angriffe auf JournalistInnen zugenommen. Auf die tägliche Arbeit hat das Konsequenzen: „Unsere redaktionelle Linie in dieser Frage ist sehr klar“, sagt Hernández. Die Zeitung bemühe sich, seine KorrespondentInnen nicht zu exponieren. Wenn Artikel über die Drogenmafia JournalistInnen gefährden können, unterzeichne man diese Beiträge nicht mit Namen. Zudem vermeide es die Jornada, Fotos zu veröffentlichen, die von der Mafia zu Propagandazwecken benutzt werden könnten. Denn häufig wollen die Kartelle beispielsweise mit der Art, wie Menschen ermordet werden, eine Botschaft an den GegnerInnen vermitteln. Auch wenn große Transparente auftauchen, in denen ohne Unterschrift bestimmte PolitikerInnen oder Militärs als Mitglieder der Mafia bezeichnet werden, drucke man diese Bilder nicht, erklärt Hernández. „Hinter diesen Transparenten stecken die Kartelle. Wenn wir die Quelle der Aussagen nicht bestätigen können, verbreiten wir die Information nicht.“
Aus Angst vor Angriffen berichten viele Medien erst gar nicht über das Thema. Dabei bestimmt der sogenannte Drogenkrieg das Leben im Land. Auf den Straßen tobt ein blutiger Kampf, jeden Tag sterben durchschnittlich 20 Menschen, insgesamt sind seit Calderóns Amtsantritt bis Juli dieses Jahres etwa 25.000 Menschen ums Leben gekommen. Hinter den vielen Morden verschwindet der einzelne Fall. „Über all diese Toten sagt man, dass sie in Auseinandersetzungen gestorben sind. Aber es wird nicht ermittelt“, kritisiert Edgar Cortéz vom mexikanischen Menschenrechtsnetzwerk Todos los Derechos para todas y todos. „Wir wissen nicht, was passiert ist und wer die Täter sind.“
Gefahr für Journalisten wird größer
Übergriffe von Soldaten blieben also ebenso ungesühnt wie Angriffe auf JournalistInnen, erklärt Cortez. Es werde nie geklärt, ob PressearbeiterInnen von der Mafia ermordet oder etwa Opfer eines politisch motivierten Angriffs wurden. „Wir haben kein einziges konkretes Ergebnis, obwohl es seit zwei Jahren eine Sonderstaatsanwaltschaft für Verbrechen an Medienschaffenden gibt.“ Die Konsequenz sei eindeutig, so der Menschenrechtsverteidiger: „Journalisten leben immer gefährlicher.“
Auch Pedro Matías ist sich bewusst darüber, dass die Straflosigkeit sein Berufsrisiko erhöht. Ein Jahr lang nahm er sich eine „Auszeit“ und lebte als Stipendiat der Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte in Deutschland. Im vergangenen Juni kehrte er nun nach Mexiko zurück. Während der Zeit außerhalb des Landes konnte er durchatmen – und er nutzte sie, um auf die verheerenden Zustände in seiner Heimat aufmerksam zu machen.
[Dieser Artikel ist Teil unserer Crossmedialen Kampagne „Menschen. Rechte. Stärken!“. Den dazugehörigen Audiobeitrag findet ihr hier: http://www.npla.de/de/onda/content/1081]
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Chihuahua: Durchschnittlich ein Frauenmord pro Tag
(Mexiko-Stadt, 14. Juli 2010, cimac).- In Chihuahua ist die Zahl der Frauenmorde in diesem Jahr so stark angestiegen wie noch nie zuvor. „Jeden Tag wird eine Frau gewaltsam ums Leben gebracht. Die Zahl der im Jahr 2010 begangenen Frauenmorde ist bereits so hoch wie die Summe aller Morde aus den letzten fünf Jahren“, erklärt Irene Miramontes, Leiterin der staatlichen Beobachtungsstelle für Frauenmorde und Gewaltsames Verschwindenlassen - Gerechtigkeit für unsere Töchter (Observatorio Estatal del Feminicidio y Desapariciones de Justicia para Nuestras Hijas) in einem Telefoninterview.
Die Zahlen habe man durch die Auswertung von Pressemeldungen und Archiven sowie Zugangsgesuche zu Informationen der Behörden ermittelt, so Miramontes. Da von staatlicher Seite in Mexiko keine verlässlichen und öffentlich zugänglichen Statistiken erstellt werden und die Zahlen der Generalstaatsanwaltschaft des Bundesstaates Chihuahua sehr durcheinander gingen, hätten verschiedene Organisationen Untersuchungen durchgeführt.
Aus den Daten der staatlichen Beobachtungsstelle geht hervor, dass die Zahl der Frauenmorde in den letzten beiden Jahren deutlich zugenommen hat: während 1993 noch 29 Frauenmorde registriert wurden, seien vom 1. Januar 2010 bis zum 11. Juli 2010 bereits 207 Frauen im Staat Chihuahua umgebracht worden. In 16 Jahren habe man insgesamt 884 ermordete Frauen registriert. Nach Ansicht von Miramontes haben das Schweigen über die Existenz derartiger Straftaten ebenso wie die Straffreiheit zu dem stetigen Anstieg der Mordrate geführt.
Die Leiterin des Zentrums für Frauenrechte, Alma Gómez Caballero, erklärte in einem Telefoninterview, dass diese Fakten die momentane Situation wider spiegelten, die einer Zunahme von Gewalt eher noch förderlich sei. Außerdem sei die Zahl der Vergewaltigungen ebenfalls alarmierend hoch: Durchschnittlich werde jeden zweiten Tag eine Frau im Bundesstaat vergewaltigt, so Gómez. “Diese Angaben basieren auf offiziellen Daten, das heißt: auf Vorfällen, die gegenüber den Behörden angezeigt worden sind. Die Zahl der Vergewaltigungen könnte real durchaus höher sein, da eine große Zahl der Opfer aus Angst oder wegen mangelndem Zugang zum Rechtssystem gar nicht erst Anzeige erstattet“, gab die Menschenrechtlerin zu bedenken.
Früher hätten die Behörden den Opfern die Schuld gegeben, weil sie sich angeblich aufreizend gekleidet hätten, heute schiebe man die Morde der organisierten Kriminalität in die Schuhe, so Imelda Marrufo vom Frauennetzwerk Cuidad Juárez. In der Mehrzahl der Fälle werde jedoch damals wie heute niemand für diese Straftaten verurteilt.
Zu all dem komme noch hinzu, dass die vom mexikanischen Staat zur Verbesserung der Situation geschaffenen Institutionen und Organisationen völlig unzureichend arbeiten, unterstrich Marrufo Nava vom Frauennetzwerk in Ciudad Juárez.
Die staatliche Beobachtungsstelle „Gerechtigkeit für unsere Töchter“ sehe es daher als unerlässliche und sehr dringende Aufgabe an, dass Institutionen, die zur Vorbeugung, Beendigung und Bestrafung des Frauenmordes ins Leben gerufen wurden, ihren Zweck erfüllen und positive Resultate erbringen, erklärte deren Leiterin Irene Miramontes. Die mexikanische Justiz müsse außerdem den Zugang zur Justiz garantieren und dafür sorgen, dass die Menschenrechte gemäß den bereits ratifizierten internationalen Abkommen auch eingehalten würden. Sie erinnerte daran, dass der Interamerikanische Gerichtshof für Menschenrechte den mexikanischen Staat am 16. November 2009 für einen der wichtigsten Fälle von Frauenmord in Cuidad Juárez, der unter dem Namen „der Fall González und Andere vs. Mexiko“ (Campo Algodonero) bekannt ist, verurteilt hatte (vgl. poonal 877).
Der Gerichtshof hatte den mexikanischen Staat in seinem Urteil angewiesen, eine Reihe von Maßnahmen zu ergreifen, um Frauenmorde angemessen zu untersuchen, die Schuldigen zu bestrafen und künftig zu garantieren, dass sich derartige Vorfälle nicht wiederholen werden. Diese Auflagen habe der mexikanische Staat größtenteils nicht erfüllt, was zu der gegenwärtigen Situation beigetragen habe, so Miramontes.
URL: http://www.npla.de/de/poonal/2942-chihuahua-durchschnittlich-ein-frauenmord-pro-tag
Frauenmorde,
Die Zahlen habe man durch die Auswertung von Pressemeldungen und Archiven sowie Zugangsgesuche zu Informationen der Behörden ermittelt, so Miramontes. Da von staatlicher Seite in Mexiko keine verlässlichen und öffentlich zugänglichen Statistiken erstellt werden und die Zahlen der Generalstaatsanwaltschaft des Bundesstaates Chihuahua sehr durcheinander gingen, hätten verschiedene Organisationen Untersuchungen durchgeführt.
Aus den Daten der staatlichen Beobachtungsstelle geht hervor, dass die Zahl der Frauenmorde in den letzten beiden Jahren deutlich zugenommen hat: während 1993 noch 29 Frauenmorde registriert wurden, seien vom 1. Januar 2010 bis zum 11. Juli 2010 bereits 207 Frauen im Staat Chihuahua umgebracht worden. In 16 Jahren habe man insgesamt 884 ermordete Frauen registriert. Nach Ansicht von Miramontes haben das Schweigen über die Existenz derartiger Straftaten ebenso wie die Straffreiheit zu dem stetigen Anstieg der Mordrate geführt.
Die Leiterin des Zentrums für Frauenrechte, Alma Gómez Caballero, erklärte in einem Telefoninterview, dass diese Fakten die momentane Situation wider spiegelten, die einer Zunahme von Gewalt eher noch förderlich sei. Außerdem sei die Zahl der Vergewaltigungen ebenfalls alarmierend hoch: Durchschnittlich werde jeden zweiten Tag eine Frau im Bundesstaat vergewaltigt, so Gómez. “Diese Angaben basieren auf offiziellen Daten, das heißt: auf Vorfällen, die gegenüber den Behörden angezeigt worden sind. Die Zahl der Vergewaltigungen könnte real durchaus höher sein, da eine große Zahl der Opfer aus Angst oder wegen mangelndem Zugang zum Rechtssystem gar nicht erst Anzeige erstattet“, gab die Menschenrechtlerin zu bedenken.
Früher hätten die Behörden den Opfern die Schuld gegeben, weil sie sich angeblich aufreizend gekleidet hätten, heute schiebe man die Morde der organisierten Kriminalität in die Schuhe, so Imelda Marrufo vom Frauennetzwerk Cuidad Juárez. In der Mehrzahl der Fälle werde jedoch damals wie heute niemand für diese Straftaten verurteilt.
Zu all dem komme noch hinzu, dass die vom mexikanischen Staat zur Verbesserung der Situation geschaffenen Institutionen und Organisationen völlig unzureichend arbeiten, unterstrich Marrufo Nava vom Frauennetzwerk in Ciudad Juárez.
Die staatliche Beobachtungsstelle „Gerechtigkeit für unsere Töchter“ sehe es daher als unerlässliche und sehr dringende Aufgabe an, dass Institutionen, die zur Vorbeugung, Beendigung und Bestrafung des Frauenmordes ins Leben gerufen wurden, ihren Zweck erfüllen und positive Resultate erbringen, erklärte deren Leiterin Irene Miramontes. Die mexikanische Justiz müsse außerdem den Zugang zur Justiz garantieren und dafür sorgen, dass die Menschenrechte gemäß den bereits ratifizierten internationalen Abkommen auch eingehalten würden. Sie erinnerte daran, dass der Interamerikanische Gerichtshof für Menschenrechte den mexikanischen Staat am 16. November 2009 für einen der wichtigsten Fälle von Frauenmord in Cuidad Juárez, der unter dem Namen „der Fall González und Andere vs. Mexiko“ (Campo Algodonero) bekannt ist, verurteilt hatte (vgl. poonal 877).
Der Gerichtshof hatte den mexikanischen Staat in seinem Urteil angewiesen, eine Reihe von Maßnahmen zu ergreifen, um Frauenmorde angemessen zu untersuchen, die Schuldigen zu bestrafen und künftig zu garantieren, dass sich derartige Vorfälle nicht wiederholen werden. Diese Auflagen habe der mexikanische Staat größtenteils nicht erfüllt, was zu der gegenwärtigen Situation beigetragen habe, so Miramontes.
URL: http://www.npla.de/de/poonal/2942-chihuahua-durchschnittlich-ein-frauenmord-pro-tag
Frauenmorde,
Pressemitteilung Nr. 5
Europäische Brigade in Solidarität mit den Zapatistas in Chiapas, Mexiko (Agua Clara)
15. Juli 2010
Besuch in Agua Clara, Caracol IV „Wirbelwind unseres Wortes“
Am fünften Tag kam die Brigade zur Badeanlage El Salvador, die zur Gemeinde Agua Clara gehört. Sie wurde sehr freundlich empfangen, in einer idyllischen Landschaft, die am Ufer des Flusses Xumul Ha liegt. Dieser Ort existiert dank der Verpflichtungen, die die Zapatistas zur Erhaltung der Umwelt eingehen.
Das gesamte Territorium, das die Gemeinde Agua Clara umringt, wurde im Zuge des Aufstands von 1994 besetzt [Anm. d. Üb.: Die Zapatistas verwenden den Begriff „recuperar“ - sich wieder aneignen - in ihren Augen standen die Ländereien den Indígenas zu und nicht den Großgrundbesitzern]. Die Strategie der Aufstandsbekämpfung der schlechten Regierung provozierte die Spaltung des Dorfes. Derzeit gibt es Personen, die die PRI und die Organisation zur Verteidigung der indigenen und bäuerlichen Rechte (OPDDIC) unterstützen, welche wie eine Waffe ist, die die schlechte Regierung benutzt, um Konfrontationen innerhalb der Gemeinden zu provozieren. Ihr paramilitärischer Charakter hat sich in der Vielzahl der Aggressionen und ihrer Dimension gezeigt, die sie dort erleiden, seitdem die Organisation an den Ort gekommen ist. (Siehe hierzu die Bekanntmachungen des Rates der Guten Regierung über die erlebten Aggressionen).
Sie erzählen, dass die schlechte Regierung ihre Leute schickt, um zu morden und zu vertreiben. Sie bedrohen sie, sie nehmen sie fest und inhaftieren sie, indem sie ihnen Delikte unterschieben, die sie nicht begangen haben. Zudem kommen zivile Agenten der Polizei an den Ort, um zu spionieren.
Um nach Agua Clara zu gelangen, müssen zwei Kassenhäuser passiert werden. Das erste gehört zur OPDDIC. Es ist das Ziel dieser Organisation, sich der Ländereien zu bemächtigen, um sie zu privatisieren und zu verkaufen. Das zweite Zahlhaus ist von den Zapatistas, die sich vor einiger Zeit dieses Land und die Arbeit im dortigen Hotel zurückgeholt haben. Menschen unterschiedlicher Herkunft kommen, um sie zu besuchen.
Damit sie von diesem Ort fernbleiben, und um ferner das Doppelte des Eintrittspreises zu kassieren, versucht die OPDDIC in einigen Fällen, die Leute zu „erschrecken“, dass die Zapatistas „Diebe und Betrüger“ seien.
Vorher war die Badeanlage ein Restaurant, das zu einer Bar umgewandelt wurde, in der alkoholische Getränke verkauft wurden. Die Zapatistas sind zurückgekehrt und haben sich den Ort erneut angeeignet, um sich um die Natur zu kümmern und einen Ort für alle zu schaffen. Um den Ort zu schützen und Instand zu halten, organisieren sie sich kollektiv in einem Rotationsprinzip. Sie erzählen der Brigade, dass einige von sehr weit entfernten Regionen kommen, aber sie werden nicht müde: „Jetzt wo wir einmal hier sind, werden wir den Ort nie mehr verlassen“.
Sie betonen, dass das Land nicht verkauft wird, sondern für die jenigen ist, die es bearbeiten, und dies ist ihre Form des Widerstandes gegen die Privatisierungsprojekte der Regierung, die mit dem Vorwand argumentiert, sie wolle das Naturreservates schützen. Die Zapatistas bearbeiten das Land nicht, um Geschäfte zu machen oder damit sich wenige Personen bereichern. Sie bekräftigen, dass sie kein Geld benötigen, dass das, was sie wollen, arbeiten ist. Kollektiv das Land zu bearbeiten, auf es aufzupassen, damit ihre Kinder und die kommenden Generationen ebenfalls darüber verfügen können. „Wir schämen uns nicht, denn wir rauben nicht, sondern wir bearbeiten das Land. Wir werden den Kampf niemals aufgeben“. Die Arbeit, die sie machen, ist hart, aber auch so zeigen sie das Gesicht des Widerstandes und der Würde.
***
Übersetzung: Gruppe B.A.S.T.A.
15. Juli 2010
Besuch in Agua Clara, Caracol IV „Wirbelwind unseres Wortes“
Am fünften Tag kam die Brigade zur Badeanlage El Salvador, die zur Gemeinde Agua Clara gehört. Sie wurde sehr freundlich empfangen, in einer idyllischen Landschaft, die am Ufer des Flusses Xumul Ha liegt. Dieser Ort existiert dank der Verpflichtungen, die die Zapatistas zur Erhaltung der Umwelt eingehen.
Das gesamte Territorium, das die Gemeinde Agua Clara umringt, wurde im Zuge des Aufstands von 1994 besetzt [Anm. d. Üb.: Die Zapatistas verwenden den Begriff „recuperar“ - sich wieder aneignen - in ihren Augen standen die Ländereien den Indígenas zu und nicht den Großgrundbesitzern]. Die Strategie der Aufstandsbekämpfung der schlechten Regierung provozierte die Spaltung des Dorfes. Derzeit gibt es Personen, die die PRI und die Organisation zur Verteidigung der indigenen und bäuerlichen Rechte (OPDDIC) unterstützen, welche wie eine Waffe ist, die die schlechte Regierung benutzt, um Konfrontationen innerhalb der Gemeinden zu provozieren. Ihr paramilitärischer Charakter hat sich in der Vielzahl der Aggressionen und ihrer Dimension gezeigt, die sie dort erleiden, seitdem die Organisation an den Ort gekommen ist. (Siehe hierzu die Bekanntmachungen des Rates der Guten Regierung über die erlebten Aggressionen).
Sie erzählen, dass die schlechte Regierung ihre Leute schickt, um zu morden und zu vertreiben. Sie bedrohen sie, sie nehmen sie fest und inhaftieren sie, indem sie ihnen Delikte unterschieben, die sie nicht begangen haben. Zudem kommen zivile Agenten der Polizei an den Ort, um zu spionieren.
Um nach Agua Clara zu gelangen, müssen zwei Kassenhäuser passiert werden. Das erste gehört zur OPDDIC. Es ist das Ziel dieser Organisation, sich der Ländereien zu bemächtigen, um sie zu privatisieren und zu verkaufen. Das zweite Zahlhaus ist von den Zapatistas, die sich vor einiger Zeit dieses Land und die Arbeit im dortigen Hotel zurückgeholt haben. Menschen unterschiedlicher Herkunft kommen, um sie zu besuchen.
Damit sie von diesem Ort fernbleiben, und um ferner das Doppelte des Eintrittspreises zu kassieren, versucht die OPDDIC in einigen Fällen, die Leute zu „erschrecken“, dass die Zapatistas „Diebe und Betrüger“ seien.
Vorher war die Badeanlage ein Restaurant, das zu einer Bar umgewandelt wurde, in der alkoholische Getränke verkauft wurden. Die Zapatistas sind zurückgekehrt und haben sich den Ort erneut angeeignet, um sich um die Natur zu kümmern und einen Ort für alle zu schaffen. Um den Ort zu schützen und Instand zu halten, organisieren sie sich kollektiv in einem Rotationsprinzip. Sie erzählen der Brigade, dass einige von sehr weit entfernten Regionen kommen, aber sie werden nicht müde: „Jetzt wo wir einmal hier sind, werden wir den Ort nie mehr verlassen“.
Sie betonen, dass das Land nicht verkauft wird, sondern für die jenigen ist, die es bearbeiten, und dies ist ihre Form des Widerstandes gegen die Privatisierungsprojekte der Regierung, die mit dem Vorwand argumentiert, sie wolle das Naturreservates schützen. Die Zapatistas bearbeiten das Land nicht, um Geschäfte zu machen oder damit sich wenige Personen bereichern. Sie bekräftigen, dass sie kein Geld benötigen, dass das, was sie wollen, arbeiten ist. Kollektiv das Land zu bearbeiten, auf es aufzupassen, damit ihre Kinder und die kommenden Generationen ebenfalls darüber verfügen können. „Wir schämen uns nicht, denn wir rauben nicht, sondern wir bearbeiten das Land. Wir werden den Kampf niemals aufgeben“. Die Arbeit, die sie machen, ist hart, aber auch so zeigen sie das Gesicht des Widerstandes und der Würde.
***
Übersetzung: Gruppe B.A.S.T.A.
Sonntag, 1. August 2010
Pressemitteilung Nr. 4
Europäische Brigade in Solidarität mit den Zapatistas in Chiapas, Mexiko
13. Juli 2010
Am dritten Tag erreichte die Europäische Brigade in Solidarität mit den Zapatistas das Caracol IV von Morelia "Wirbelwind Unserer Worte", wo Worte und Erfahrungen mit den zapatischen Compañeras und Compañeros ausgetauscht wurden.
„Die Bevölkerung ernennt seine Regierungen in Versammlungen und die Regierung gehorcht der Bevölkerung“. So begann der Rat der Guten Regierung „Das Herz des Regenbogens der Hoffnung“ über seine Selbstorganisation auf allen Ebenen zu sprechen, angefangen bei den Dörfern, Landkreisen und Regionen bis hin zur Zone „Zotz Choj“" [Zone von Morelia, d.Übs.].
Der Rat der Guten Regierung als höchste Autorität dieser zapatistischen Zone koordiniert und arbeitet auf allen Ebenen mit den diversen Komissionen zusammen wie z.B. für Gesundheit, Bildung, Kommunikation, Boden und Territorium.
Die Zapatistas fordern, dass die Bevölkerung wissen soll, für was die wirtschaftlichen Mittel ausgegeben wurden - „bis zum letzten Peso“ - und die Überwachungskomission zeichnet sich verantwortlich Berichte abzugeben, um die Transparenz zu gewährleisten.
Die Bildung - "obligatorisch bis ins hohe Alter" – werde von der Bevölkerung als eine der fundamentalen Achsen ihrer Emazipation angesehen, so der Koordinator.
Für die Zapatistas ist die Bildung ein Prozess, ein Teil davon ist dabei die Schule für Mädchen und Jungen, aber auch die Kurse für Erwachsene, die angestoßen werden. In Morelia existieren das Primär- und das Sekundärniveau, unterteilt in jeweils 3 Stufen, die so lange dauern, wie es für die Erlangung des Abschlusses nötig ist. Es wird nicht nur Lesen, Schreiben, Mathematik, Geschichte, Geographie, Politik und Naturwissenschaften unterrichtet, sondern auch Kultur, landwirtschaftliche Produktion und Kunst. Als Früchte dieses Erfolges wird in diesem Jahr 2010 die erste Generation der Technischen Sekundärstufe die Schule verlassen, deren Schüler_innen dann Aufgaben in der Bildung und anderen Bereichen, je nach den Notwendigkeiten ihrer Gemeinde und ihren eigenen Vorstellungen, übernehmen werden.
Außerdem wurde davon gesprochen wie der Gesundheitsbereich über Komissionen und die verschiedenen Kliniken in den 3 Landkreisen organisiert ist. Unter anderem hoben sie die Fortschritte in der Frage der Mütter- und Kindersterblichkeit durch Ausbildung von Hebammen und Gesundheitspromotor_innen hervor, sowie der Präventionskurse und der Kurse zur sich ergänzenden Verwendung von allopathischen Medikamenten (chemischen) und pflanzlichen Arzneien.
Ein weiterer Aspekt der Kreativität der zapatistischen Bewegung im alltäglichen Widerstand ist die kollektive Arbeit in den drei kommunalen Radiostationen und dem Video-Team. Beharrlichkeit und Engagement der Promotor_innen beim Verbreiten der Fortschritte im Bereich von Gesundheit und Bildung, aber auch dem Senden von aufgezeichneten Interviews, Musik und Grüßen sind stark und unermüdlich.
Die Frage der Ökologie und der natürlichen Ressourcen nimmt immer einen zentralen Platz in der Reflektion über die Schaffung der zapatistischen Autonomie ein und richtet sich in Morelia im besonderen auf den Erhalt der Wälder. Neben der Pflege von Wäldern und Quellen - „damit unsere Kinder sie sehen können“ - wird daran gearbeitet, Baumschulen für die Wiederaufforstung einzurichten.
In Bezug auf die aktuelle Situation der Anfeindungen und Angriffe stellten die Zapatistas fest, dass die „schlechte Regierung“ durch paramilitärische Gruppen (wie OPDDIC oder ORCAO) Ländereien zurückerobern möchte, um touristische Zentren aufzubauen und natürliche Ressourcen auszubeuten und sie an ausländische Investoren zu verkaufen. Sie erwähnten, dass sie Spannungen in Bolon Ajaw und Agua Clara weiterbestehen, obwohl die Situation zur Zeit ruhiger wirke. Außerdem beklagen sie, dass viele Projekte zur Spaltung und Einflussnahme auf die Gemeinden und Frauen aufgelegt werden, wie zum Beispiel das Programm „Oportunidades“ (span: Gelegenheiten).
Wie immer zeigen die Zapatistas zwar mit Bescheidenheit, aber mit würdevoller Entschlossenheit, wie durch Versammlungen, Schaffung von Autonomie und der Abwehr von Provokationen und kapitalistischen Projekten der 3 offiziellen Regierungsebenen Widerstand geleistet werden kann.
Der Weg, den die zapatistischen Gemeinden bis jetzt beschritten haben, ist weit fortgeschritten, und sie bleiben fest dabei, mit ihrem „Fragend-Voranschreiten“ eine andere Welt zu schaffen, in der viele Welten zusammenleben.
***
Übersetzung: Ivann & Gruppe B.A.S.T.A.
13. Juli 2010
Am dritten Tag erreichte die Europäische Brigade in Solidarität mit den Zapatistas das Caracol IV von Morelia "Wirbelwind Unserer Worte", wo Worte und Erfahrungen mit den zapatischen Compañeras und Compañeros ausgetauscht wurden.
„Die Bevölkerung ernennt seine Regierungen in Versammlungen und die Regierung gehorcht der Bevölkerung“. So begann der Rat der Guten Regierung „Das Herz des Regenbogens der Hoffnung“ über seine Selbstorganisation auf allen Ebenen zu sprechen, angefangen bei den Dörfern, Landkreisen und Regionen bis hin zur Zone „Zotz Choj“" [Zone von Morelia, d.Übs.].
Der Rat der Guten Regierung als höchste Autorität dieser zapatistischen Zone koordiniert und arbeitet auf allen Ebenen mit den diversen Komissionen zusammen wie z.B. für Gesundheit, Bildung, Kommunikation, Boden und Territorium.
Die Zapatistas fordern, dass die Bevölkerung wissen soll, für was die wirtschaftlichen Mittel ausgegeben wurden - „bis zum letzten Peso“ - und die Überwachungskomission zeichnet sich verantwortlich Berichte abzugeben, um die Transparenz zu gewährleisten.
Die Bildung - "obligatorisch bis ins hohe Alter" – werde von der Bevölkerung als eine der fundamentalen Achsen ihrer Emazipation angesehen, so der Koordinator.
Für die Zapatistas ist die Bildung ein Prozess, ein Teil davon ist dabei die Schule für Mädchen und Jungen, aber auch die Kurse für Erwachsene, die angestoßen werden. In Morelia existieren das Primär- und das Sekundärniveau, unterteilt in jeweils 3 Stufen, die so lange dauern, wie es für die Erlangung des Abschlusses nötig ist. Es wird nicht nur Lesen, Schreiben, Mathematik, Geschichte, Geographie, Politik und Naturwissenschaften unterrichtet, sondern auch Kultur, landwirtschaftliche Produktion und Kunst. Als Früchte dieses Erfolges wird in diesem Jahr 2010 die erste Generation der Technischen Sekundärstufe die Schule verlassen, deren Schüler_innen dann Aufgaben in der Bildung und anderen Bereichen, je nach den Notwendigkeiten ihrer Gemeinde und ihren eigenen Vorstellungen, übernehmen werden.
Außerdem wurde davon gesprochen wie der Gesundheitsbereich über Komissionen und die verschiedenen Kliniken in den 3 Landkreisen organisiert ist. Unter anderem hoben sie die Fortschritte in der Frage der Mütter- und Kindersterblichkeit durch Ausbildung von Hebammen und Gesundheitspromotor_innen hervor, sowie der Präventionskurse und der Kurse zur sich ergänzenden Verwendung von allopathischen Medikamenten (chemischen) und pflanzlichen Arzneien.
Ein weiterer Aspekt der Kreativität der zapatistischen Bewegung im alltäglichen Widerstand ist die kollektive Arbeit in den drei kommunalen Radiostationen und dem Video-Team. Beharrlichkeit und Engagement der Promotor_innen beim Verbreiten der Fortschritte im Bereich von Gesundheit und Bildung, aber auch dem Senden von aufgezeichneten Interviews, Musik und Grüßen sind stark und unermüdlich.
Die Frage der Ökologie und der natürlichen Ressourcen nimmt immer einen zentralen Platz in der Reflektion über die Schaffung der zapatistischen Autonomie ein und richtet sich in Morelia im besonderen auf den Erhalt der Wälder. Neben der Pflege von Wäldern und Quellen - „damit unsere Kinder sie sehen können“ - wird daran gearbeitet, Baumschulen für die Wiederaufforstung einzurichten.
In Bezug auf die aktuelle Situation der Anfeindungen und Angriffe stellten die Zapatistas fest, dass die „schlechte Regierung“ durch paramilitärische Gruppen (wie OPDDIC oder ORCAO) Ländereien zurückerobern möchte, um touristische Zentren aufzubauen und natürliche Ressourcen auszubeuten und sie an ausländische Investoren zu verkaufen. Sie erwähnten, dass sie Spannungen in Bolon Ajaw und Agua Clara weiterbestehen, obwohl die Situation zur Zeit ruhiger wirke. Außerdem beklagen sie, dass viele Projekte zur Spaltung und Einflussnahme auf die Gemeinden und Frauen aufgelegt werden, wie zum Beispiel das Programm „Oportunidades“ (span: Gelegenheiten).
Wie immer zeigen die Zapatistas zwar mit Bescheidenheit, aber mit würdevoller Entschlossenheit, wie durch Versammlungen, Schaffung von Autonomie und der Abwehr von Provokationen und kapitalistischen Projekten der 3 offiziellen Regierungsebenen Widerstand geleistet werden kann.
Der Weg, den die zapatistischen Gemeinden bis jetzt beschritten haben, ist weit fortgeschritten, und sie bleiben fest dabei, mit ihrem „Fragend-Voranschreiten“ eine andere Welt zu schaffen, in der viele Welten zusammenleben.
***
Übersetzung: Ivann & Gruppe B.A.S.T.A.
Donnerstag, 29. Juli 2010
Die Quijotes von Oaxaca
Indigene wehren sich gegen Windkraft-Megaprojekte in Mexiko
Der Ausverkauf strategischer Ressourcen geht in Mexiko weiter voran:
Nach Boden und Wasser soll nun auch aus der Luft verstärkt Profit
gezogen werden. Doch immer mehr indigene Gemeinden setzen sich gegen
geplante riesige Windparks zu Wehr.
Ein heißer Wind bläst einem hier stetig ins Gesicht: Die Meerenge in
Südmexiko, genannt Isthmus von Tehuantepec, ist der geografisch ideale
Ort für Windnutzung. Vor vier Jahren nahm das Unternehmen Windkraft in
dieser Region der Zapoteco-Indigenen Fahrt auf. Inzwischen ist hier der
größte Windpark Lateinamerikas entstanden. Mehrere hundert Windmühlen
stehen in Reih und Glied oft nur wenige Meter außerhalb der Gemeinden.
Das Potenzial der Region wird auf mehrere tausend Windmühlen geschätzt,
wofür fruchtbares Agrarland weichen muss. Stromabnehmer sind die
Zemtentindustrie, der Toastbrotgigant Bimbo oder die weltgrößte
Supermarktkette Wal-Mart, alle vereint im Bestreben, sich mit dem Strom
aus den Windanlagen ein grünes Mäntelchen der Nachhaltigkeit zu geben.
Doch nun regt sich Widerstand gegen die angeblich saubere
Energiegewinnung. Bei einem Besuch im kleinen Dörfchen La Venta, das
schon von allen Seiten von Windgeneratoren umgeben ist, erklärt Alejo
Girón, warum sie sich als Kleinbauern gegen die Windmühlen zu wehren
beginnen. »Viele Landbesitzer werden mit falschen Versprechungen zur
langfristigen Verpachtung ihres Anteils am Gemeindeland verlockt. Oft
unterzeichnen sie unvorteilhafte Verträge in Spanisch, obwohl sie nur
die indigene Sprache sprechen oder gar Analphabeten sind.«
Girón stört sich nicht nur an Vertragsinhalten sondern auch an dem
Verhandlungsgebaren: »Die multinationalen Unternehmen treten mit großer
Arroganz auf. Vorab verhandeln diese mit der mexikanischen
Zentralregierung, welche ihnen freien Zugang auf unsere Ressourcen
verspricht. Bei uns beklagten sich sogar Funktionäre der lokalen
Regierung von Oaxaca über das selbstherrliche Benehmen dieser
Firmenvertreter.«
Aber auch lokale Behörden sind ins »schmutzige Geschäft mit der sauberen
Energie« involviert, wie Carlos Beas von der indigenen Organisation
UCIZONI betont: »Sind die Firmenagenten nicht erfolgreich, dann treten
die lokalen Machteliten auf den Plan. So wurde der Vorstand der
Agrarbehörde von La Venta von der Polizei mit einem Haftbefehl bedroht,
worauf er seinen Posten räumte.«
Während die Windgeneratoren wie Pilze aus dem Boden schießen, werden die
negativen Folgen für die Region immer offensichtlicher. Dass Vogelzüge
davon betroffen sind, ergab schon eine Umweltverträglichkeitsstudie vor
Baubeginn. Auch haben die Nivellierungen und die tiefen Zementsockel
hydrologische Auswirkungen. Grundwasseradern werden durchtrennt,
Regenwasser fließt nicht mehr ab und führt dazu, dass Gras verfault. Die
verbleibenden Landwirte haben große Probleme, ihre Produktion in dieser
Umgebung aufrecht zu erhalten. Aber auch ihre Nachbarn, die das Land an
die Windparks verpachtet haben, sind nicht immer glücklich. Alejo Girón
kalkuliert den Ertrag aus der Landwirtschaft auf ein Mehrfaches im
Vergleich zu den Pachtzinsen. Ganz abgesehen von den sozialen
Konsequenzen, welche daraus entstehen, dass den Gemeinden die Aufgabe
ihrer bäuerlichen Produktion aufgezwungen wird. Die nach internationalen
Abkommen vorgesehenen Gemeindeabstimmungen, welche der Implementierung
von Großprojekten in indigenen Regionen vorangehen sollten, fanden nicht
statt.
Die Proteste der mit Wind gesegneten Landbesitzer nehmen stetig zu. Eine
Vertreterin des Protestbündnisses war an den Klimaprotesten in
Kopenhagen, zwei andere am Gegengipfel zur EU-Lateinamerika-Konferenz in
Madrid im Mai. Oxfam nahm in einer wissenschaftlichen Studie anhand der
Windenergienutzung in Oaxaca die Problematik des »Greenwashings« auf:
Die mit Weltbankkrediten in der Höhe von gut 100 Millionen US-Dollar
mitfinanzierten Windparks gelten im Rahmen des »Mechanismus des sauberen
Entwicklung« als Vorzeigeprojekte. Sie dienen auch dazu, dass sich
Mexiko auf dem perversen Markt des Handels mit CO2-Zertifikaten
profilieren kann.
Die ökologischen und sozialen Schäden in der Region entlarven indes das
Gerede von »Nachhaltigkeit« und grünem Kapitalismus als leeres
Geschwätz. »Nach der Privatisierung des Bodens und des Wassers soll nun
auch die Luft zur Ware gemacht werden. Auch den Wind wollen sie uns
klauen! Wer hätte sich das auch nur im Traum vorstellen können?«,
empörte sich der Zapatistensprecher Subcomandante Marcos bei einem
Besuch 2006.
Noch geht der Ausverkauf der strategischen Ressourcen Mexikos voran.
Auch eine deutsche Unternehmerdelegation unter der Führung von
Niedersachsen Global GmbH war im April zu Besuch. Bisher gehört der
Löwenanteil der gewinnträchtigen Investitionen in Südmexiko den
spanischen Konzernen, welche bis auf Ministerebene mit Mexikos
neoliberaler Regierung verbandelt sind. Aber neue Windparks kommen nur
schleppend voran und bestehende wurden während Wochen von den
Landverpachtern blockiert, weil die Pachtzahlungen ausblieben,
Polizeieinsätze verteidigten die Kapitalinteressen.
Doch die Quijotes von Mexiko kämpfen nicht nur gegen die Windmühlen,
sondern experimentieren auch mit einem gemeindeverträglichen
Gegenmodell: Die englische Umwelt-Nichtregierungsorganisation Yansa
schlägt ihnen vor, über kostengünstige Kleinwindräder lokal verwertbare
Energie erzeugen und so die Gemeindeautonomie zu stärken. Bei dieser
Nutzung der Windkraft wäre der umkämpfte Begriff der nachhaltigen,
sauberen Energie dann wohl mehr als bloß heiße Luft.
URL:
http://www.neues-deutschland.de/artikel/175570.die-quijotes-von-oaxaca.html
Der Ausverkauf strategischer Ressourcen geht in Mexiko weiter voran:
Nach Boden und Wasser soll nun auch aus der Luft verstärkt Profit
gezogen werden. Doch immer mehr indigene Gemeinden setzen sich gegen
geplante riesige Windparks zu Wehr.
Ein heißer Wind bläst einem hier stetig ins Gesicht: Die Meerenge in
Südmexiko, genannt Isthmus von Tehuantepec, ist der geografisch ideale
Ort für Windnutzung. Vor vier Jahren nahm das Unternehmen Windkraft in
dieser Region der Zapoteco-Indigenen Fahrt auf. Inzwischen ist hier der
größte Windpark Lateinamerikas entstanden. Mehrere hundert Windmühlen
stehen in Reih und Glied oft nur wenige Meter außerhalb der Gemeinden.
Das Potenzial der Region wird auf mehrere tausend Windmühlen geschätzt,
wofür fruchtbares Agrarland weichen muss. Stromabnehmer sind die
Zemtentindustrie, der Toastbrotgigant Bimbo oder die weltgrößte
Supermarktkette Wal-Mart, alle vereint im Bestreben, sich mit dem Strom
aus den Windanlagen ein grünes Mäntelchen der Nachhaltigkeit zu geben.
Doch nun regt sich Widerstand gegen die angeblich saubere
Energiegewinnung. Bei einem Besuch im kleinen Dörfchen La Venta, das
schon von allen Seiten von Windgeneratoren umgeben ist, erklärt Alejo
Girón, warum sie sich als Kleinbauern gegen die Windmühlen zu wehren
beginnen. »Viele Landbesitzer werden mit falschen Versprechungen zur
langfristigen Verpachtung ihres Anteils am Gemeindeland verlockt. Oft
unterzeichnen sie unvorteilhafte Verträge in Spanisch, obwohl sie nur
die indigene Sprache sprechen oder gar Analphabeten sind.«
Girón stört sich nicht nur an Vertragsinhalten sondern auch an dem
Verhandlungsgebaren: »Die multinationalen Unternehmen treten mit großer
Arroganz auf. Vorab verhandeln diese mit der mexikanischen
Zentralregierung, welche ihnen freien Zugang auf unsere Ressourcen
verspricht. Bei uns beklagten sich sogar Funktionäre der lokalen
Regierung von Oaxaca über das selbstherrliche Benehmen dieser
Firmenvertreter.«
Aber auch lokale Behörden sind ins »schmutzige Geschäft mit der sauberen
Energie« involviert, wie Carlos Beas von der indigenen Organisation
UCIZONI betont: »Sind die Firmenagenten nicht erfolgreich, dann treten
die lokalen Machteliten auf den Plan. So wurde der Vorstand der
Agrarbehörde von La Venta von der Polizei mit einem Haftbefehl bedroht,
worauf er seinen Posten räumte.«
Während die Windgeneratoren wie Pilze aus dem Boden schießen, werden die
negativen Folgen für die Region immer offensichtlicher. Dass Vogelzüge
davon betroffen sind, ergab schon eine Umweltverträglichkeitsstudie vor
Baubeginn. Auch haben die Nivellierungen und die tiefen Zementsockel
hydrologische Auswirkungen. Grundwasseradern werden durchtrennt,
Regenwasser fließt nicht mehr ab und führt dazu, dass Gras verfault. Die
verbleibenden Landwirte haben große Probleme, ihre Produktion in dieser
Umgebung aufrecht zu erhalten. Aber auch ihre Nachbarn, die das Land an
die Windparks verpachtet haben, sind nicht immer glücklich. Alejo Girón
kalkuliert den Ertrag aus der Landwirtschaft auf ein Mehrfaches im
Vergleich zu den Pachtzinsen. Ganz abgesehen von den sozialen
Konsequenzen, welche daraus entstehen, dass den Gemeinden die Aufgabe
ihrer bäuerlichen Produktion aufgezwungen wird. Die nach internationalen
Abkommen vorgesehenen Gemeindeabstimmungen, welche der Implementierung
von Großprojekten in indigenen Regionen vorangehen sollten, fanden nicht
statt.
Die Proteste der mit Wind gesegneten Landbesitzer nehmen stetig zu. Eine
Vertreterin des Protestbündnisses war an den Klimaprotesten in
Kopenhagen, zwei andere am Gegengipfel zur EU-Lateinamerika-Konferenz in
Madrid im Mai. Oxfam nahm in einer wissenschaftlichen Studie anhand der
Windenergienutzung in Oaxaca die Problematik des »Greenwashings« auf:
Die mit Weltbankkrediten in der Höhe von gut 100 Millionen US-Dollar
mitfinanzierten Windparks gelten im Rahmen des »Mechanismus des sauberen
Entwicklung« als Vorzeigeprojekte. Sie dienen auch dazu, dass sich
Mexiko auf dem perversen Markt des Handels mit CO2-Zertifikaten
profilieren kann.
Die ökologischen und sozialen Schäden in der Region entlarven indes das
Gerede von »Nachhaltigkeit« und grünem Kapitalismus als leeres
Geschwätz. »Nach der Privatisierung des Bodens und des Wassers soll nun
auch die Luft zur Ware gemacht werden. Auch den Wind wollen sie uns
klauen! Wer hätte sich das auch nur im Traum vorstellen können?«,
empörte sich der Zapatistensprecher Subcomandante Marcos bei einem
Besuch 2006.
Noch geht der Ausverkauf der strategischen Ressourcen Mexikos voran.
Auch eine deutsche Unternehmerdelegation unter der Führung von
Niedersachsen Global GmbH war im April zu Besuch. Bisher gehört der
Löwenanteil der gewinnträchtigen Investitionen in Südmexiko den
spanischen Konzernen, welche bis auf Ministerebene mit Mexikos
neoliberaler Regierung verbandelt sind. Aber neue Windparks kommen nur
schleppend voran und bestehende wurden während Wochen von den
Landverpachtern blockiert, weil die Pachtzahlungen ausblieben,
Polizeieinsätze verteidigten die Kapitalinteressen.
Doch die Quijotes von Mexiko kämpfen nicht nur gegen die Windmühlen,
sondern experimentieren auch mit einem gemeindeverträglichen
Gegenmodell: Die englische Umwelt-Nichtregierungsorganisation Yansa
schlägt ihnen vor, über kostengünstige Kleinwindräder lokal verwertbare
Energie erzeugen und so die Gemeindeautonomie zu stärken. Bei dieser
Nutzung der Windkraft wäre der umkämpfte Begriff der nachhaltigen,
sauberen Energie dann wohl mehr als bloß heiße Luft.
URL:
http://www.neues-deutschland.de/artikel/175570.die-quijotes-von-oaxaca.html
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Mittwoch, 28. Juli 2010
Europäische Brigade in Solidarität mit den Zapatistas in Chiapas, Mexiko
8. Juli
Die Rundereise der europäischen Solidaritätsbrigade mit den Zapatistas, die vor zwei Tagen begonnen hat, wird fortgesetzt.
Die Brigade erreichte das Caracol II von Oventik, dem Sitz der Guten Regierung der Zone Los Altos von Chiapas. Hier wurden die Teilnehmenden durch die Junta selbst empfangen, welcher sie die Solidarität des Europas, das links und unten ist, entgegen brachten. Die Junta der Guten Regierung berichtete ihnen von der Gemeinde El Pozo (Autonomer Landkreis San Juan Apostol Cancuc), wo sie zu Opfern der Gewalt von Sympathisanten der Parteien PRD und PRI wurden, die am 21. Juni die companer@s dieser Gemeinde mit der Absicht, ihnen die Wasser- und Stromversorgung abzustellen, angegriffen hatten.
Angesichts der brutalen Aggression, die zwei compañeros der zapatistischen Unterstützungsbasen erlitten, kam es bedauerlicherweise zu zwei nicht-zapatistischen Toten in legitimer Selbstverteidigung. Außerdem gab es zwei Verletzte (einer von diesen, Miguel Pérez Hernández, wird von der Polizei im Krankenhaus “Vida segura” in Tuxtla bewacht). Zwei zapatistische Gesundheitspromotoren, Miguel Méndez Santís und Diego Martínez Santís, befinden sich ungerechtfertigterweise interniert im CE.RE.SO. 5 in San Cristóbal. Aufgrund der Bedrohungssituation ist die Gemeinde derzeit auf der Flucht.
Während die Regierung versucht, die Gemeinden anhand von assistenzialistischen Programmen wie Procampo oder Provivienda zu spalten, indem sie religiöse Sekten deckt oder paramilitärische Gruppen unterstützt, um Konfrontationen zu provozieren und so die Intervention der Polizei oder der Bundesarmee zu rechtfertigen, wollen die Zapatistas sich nicht mit den Mitgliedern dieser Gemeinden konfrontieren und in die Falle der schlechten Regierung geraten.
Zugleich konnten sich die Mitglieder der europäischen Solidaritätsbrigade über die Fortschritte der zapatistischen Autonomie informieren. In Bereichen wie der Agrarökologie erzählte ihnen ein Verantwortlicher, wie sie sich widersetzen und Alternativen „zum kapitalistischen System, das verlangt zu produzieren und zu produzieren und nichts der Erde zurückzugeben“ mit Projekten gegen gentechnische Kulturen wie „dem Muttersamenkorn im Widerstand“.
Auch besuchten sie die Autonome Klinik „La Guadalupana“, wo sie ihnen über die wichtigen Errungenschaften der Gesundheit erzählten, wie beispielsweise die Prävention von heilbaren Krankheiten, die zuvor zahlreiche Tode bei Kindern verursacht hatten.
„Wir Promotoren und Promotorinnen, wir fördern die Erziehung, wir lehren nicht“, sagte einer der Verantwortlichen des System der Autonomen Erziehung in der Zone Los Altos. Die Europäer_innen konnten auch etwas zu Themen wie der Funktionsweise der Justiz, den Produktionskooperativen oder kollektiven Arbeiten der rebellischen Frauen in dieser Zone erfahren.
Die europäischen Delegierten heben die Worte des Rates der Guten Regierung hervor: „Angesichts dieser politischen, ökonomischen und moralischen Schläge leisten wir weiterhin Widerstand, indem wir Bewusstsein schaffen. Wir widersetzen uns, indem wir die Hilfen der Regierung ablehnen, aber auch, indem wir unsere Autonomie besser organisieren: die Schule, die Gesundheit, neben anderen, sind Arbeitsbereiche, mit denen wir uns widersetzen. Es fällt uns schwer, aber wir möchten der Regierung beweisen, dass wir in der Lage sind, alleine zu leben und die Dinge alleine zu tun“.
***
Übersetzung: Gruppe B.A.S.T.A.
Die Rundereise der europäischen Solidaritätsbrigade mit den Zapatistas, die vor zwei Tagen begonnen hat, wird fortgesetzt.
Die Brigade erreichte das Caracol II von Oventik, dem Sitz der Guten Regierung der Zone Los Altos von Chiapas. Hier wurden die Teilnehmenden durch die Junta selbst empfangen, welcher sie die Solidarität des Europas, das links und unten ist, entgegen brachten. Die Junta der Guten Regierung berichtete ihnen von der Gemeinde El Pozo (Autonomer Landkreis San Juan Apostol Cancuc), wo sie zu Opfern der Gewalt von Sympathisanten der Parteien PRD und PRI wurden, die am 21. Juni die companer@s dieser Gemeinde mit der Absicht, ihnen die Wasser- und Stromversorgung abzustellen, angegriffen hatten.
Angesichts der brutalen Aggression, die zwei compañeros der zapatistischen Unterstützungsbasen erlitten, kam es bedauerlicherweise zu zwei nicht-zapatistischen Toten in legitimer Selbstverteidigung. Außerdem gab es zwei Verletzte (einer von diesen, Miguel Pérez Hernández, wird von der Polizei im Krankenhaus “Vida segura” in Tuxtla bewacht). Zwei zapatistische Gesundheitspromotoren, Miguel Méndez Santís und Diego Martínez Santís, befinden sich ungerechtfertigterweise interniert im CE.RE.SO. 5 in San Cristóbal. Aufgrund der Bedrohungssituation ist die Gemeinde derzeit auf der Flucht.
Während die Regierung versucht, die Gemeinden anhand von assistenzialistischen Programmen wie Procampo oder Provivienda zu spalten, indem sie religiöse Sekten deckt oder paramilitärische Gruppen unterstützt, um Konfrontationen zu provozieren und so die Intervention der Polizei oder der Bundesarmee zu rechtfertigen, wollen die Zapatistas sich nicht mit den Mitgliedern dieser Gemeinden konfrontieren und in die Falle der schlechten Regierung geraten.
Zugleich konnten sich die Mitglieder der europäischen Solidaritätsbrigade über die Fortschritte der zapatistischen Autonomie informieren. In Bereichen wie der Agrarökologie erzählte ihnen ein Verantwortlicher, wie sie sich widersetzen und Alternativen „zum kapitalistischen System, das verlangt zu produzieren und zu produzieren und nichts der Erde zurückzugeben“ mit Projekten gegen gentechnische Kulturen wie „dem Muttersamenkorn im Widerstand“.
Auch besuchten sie die Autonome Klinik „La Guadalupana“, wo sie ihnen über die wichtigen Errungenschaften der Gesundheit erzählten, wie beispielsweise die Prävention von heilbaren Krankheiten, die zuvor zahlreiche Tode bei Kindern verursacht hatten.
„Wir Promotoren und Promotorinnen, wir fördern die Erziehung, wir lehren nicht“, sagte einer der Verantwortlichen des System der Autonomen Erziehung in der Zone Los Altos. Die Europäer_innen konnten auch etwas zu Themen wie der Funktionsweise der Justiz, den Produktionskooperativen oder kollektiven Arbeiten der rebellischen Frauen in dieser Zone erfahren.
Die europäischen Delegierten heben die Worte des Rates der Guten Regierung hervor: „Angesichts dieser politischen, ökonomischen und moralischen Schläge leisten wir weiterhin Widerstand, indem wir Bewusstsein schaffen. Wir widersetzen uns, indem wir die Hilfen der Regierung ablehnen, aber auch, indem wir unsere Autonomie besser organisieren: die Schule, die Gesundheit, neben anderen, sind Arbeitsbereiche, mit denen wir uns widersetzen. Es fällt uns schwer, aber wir möchten der Regierung beweisen, dass wir in der Lage sind, alleine zu leben und die Dinge alleine zu tun“.
***
Übersetzung: Gruppe B.A.S.T.A.
Samstag, 24. Juli 2010
Europäische Brigade in Solidarität mit den Zapatistas in Chiapas, Mexiko
5. Juli 2010
Eine europäische Brigade der Solidarität, Unterstützung und Geschwisterlichkeit mit den indigenen Gemeinden im Widerstand beginnt ihre Rundreise in Chiapas, um die zapatistischen Compañeros und Compañeras zu grüßen. Ziel der Brigade ist es, ihre Situation und ihre Lebensrealität zu teilen, zu dokumentieren und bekannt zu machen.
Die Brigade besteht aus Delegierten und Repräsentant_innen verschiedener Kollektive, Gruppen und Organisationen des europäischen Solidaritätsnetzes mit den Zapatistas und anderen Kollektiven aus Europa, um:
- die Legitimität des zapatistischen Projekts, ihr Recht auf Widerstand, Rebellion, Autonomie und die Förderung der eigenen Entwicklung zu betonen
- die Vertreibung, die Ausgrenzung, die Repression, die Aufstandsbekämpfungsstrategien und die Menschenrechtsverletzungen abzulehnen und ihre Einstellung zu fordern
- die Fortschritte und Erfolge der indigenen Gemeinden im Widerstand und anderer Bewegungen, die in Mexiko kämpfen, zu unterstützen.
Wir wissen, dass in Chiapas und ganz Mexiko seit Jahrhunderten und bis zum jetzigen Zeitpunkt die vier Achsen des Kapitalismus, die Ausbeutung, die Vertreibung, die Repression und die Verachtung vorherrschen – besonders für diejenigen, die sich unten links befinden. Dies gilt besonders für die indigene Bevölkerung, die täglich mit der Militarisierung, der Paramilitarisierung, der Korruption und der Straflosigkeit derjenigen leben und sich konfrontieren muss, die sukzessive die politische und ökonomische Macht (die klar zusammenhängen) in diesem Land inne haben und die dies offensichtlich mit passivem Einverständnis oder direkter Komplizenschaft der US-amerikanischen und der europäischen Regierungen, die wir weiterhin anprangern, tun.
Wir ignorieren ebenso wenig, dass sich in Chiapas (wie auch in Atenco, Oaxaca, Baja California und ganz Mexiko) gerade eine dreiste und gefährliche Kampagne der Regierung gegen die nationale und internationale Solidarität, die sogar Tote mit sich bringt, potenziert und ansteigt, nur weil dies ungemütliche Zeug_innen in Bezug auf die Realitäten und existierenden Gräueltaten gibt, mit den bekannten direkten und intellektuellen Verantwortlichen.
All dies ist allgemein bekannt und auch uns bekannt, aber auch, dass in Chiapas und in anderen Teilen Mexikos die Würde und der Widerstand derer, die weder applaudieren, noch aufgeben, noch sich verkaufen, nicht verloren gehen wird. Und auch wir werden das nicht tun, wir, die aus anderen Breitengraden der Welt kommen, in diesem Falle konkret aus Europa, und uns als Compañeros und Compañeras, Schwestern und Brüder betrachten und fühlen wie diese Menschen, um zu beobachten und uns in einen Spiegel und Reflex dessen zu verwandeln, was wir sehen und erleben werden.
Unsere Präsenz ist kein Eingriff in die Innenpolitik Mexikos, sondern die Unterstützung eines Projektes der sozialen Transformation. Wir berufen uns auf das Recht und die Pflicht der Individuen, der Gruppen und der Institutionen, die universal anerkannten fundamentalen Rechte und Freiheiten zu fördern und zu schützen.
Indem wir von unserem Recht Gebrauch machen, Solidarität auszuüben, machen wir die drei Ebenen der Regierung und solcher, von deren Mandat sie abhängig sind, verantwortlich für all das, was dieser europäischen Solidaritätsbrigade mit den Zapatistas und/oder irgendeiner ihrer Teilnehmer_innen oder denen, die sie in ihrer Mission und auf ihrem vorgesehenen Weg durch Mexiko begleiten und erwarten, zustoßen könnte.
Unsere Arbeit wird daraus bestehen, die zapatistischen Gebiete und die bedrohten Gemeinden zu besuchen. Wir werden uns ebenso mit anderen Solidaritätsgruppen und Anhänger_innen der Sechsten Deklaration aus dem Lakadonischen Urwald treffen, um uns besser kennenzulernen und Informationen und Erfahrungen auszutauschen.
Nach der Rückkehr werden wir uns erneut treffen, um das Erlebte zu verbreiten und weiterhin dem Weg zu folgen, der zu dieser neuen Welt führt, die wir in unseren Herzen tragen, in der viele Welten Platz haben.
Es rufen auf:
Alana, Grecia; ASSI (Acción Social Sindical Internacionalista) de Zaragoza, Estado Espa ol; Associazione Ya Basta, Italia; caracol mundo-eco de latido en solidaridad -Viena, Austria; Caracol Solidario Besançon, Francia; Caracol Zaragoza -Aragón, Estado Espa ol; Centro de Documentación sobre Zapatismo (CEDOZ); Comitato Chiapas ìMaribelî -Bergamo, Italia; Comité de solidarité avec les peuples du Chiapas en lutte (CSPCL), Francia; Confederación General del Trabajo -Estado Espa ol; Fuga em Rede -Galizia, Estado Espa ol; Grupo B.A.S.T.A., Alemania; Grupo IRU -Estado Espa ol; Grupo Les trois passants -Paris, Francia; Plataforma de Solidaridad con Chiapas de Aragón -Estado Espa ol; Plataforma de Solidaridad con Chiapas de Madrid -Estado Espa ol; Red Latina sin fronteras -Estocolmo, Suecia; Solidaires (Union Sindical), Francia; Unión Mexicana Suiza (UMES) -Zürich, Suiza; colectivo zapatista marisol -Lugano, Suiza.
Diese Brigade zählt zudem mit dem Rückhalt von:
Spanien: Red Libertaria Apoyo Mutuo; Ecologistas en Acción; Attac Espa a; Comité Oscar Romero de Madrid; Salva la Selva; Carlos Pereda, sociólogo de Colectivo IoÈ; Centro de Defensa y Estudio de los Derechos Humanos (CEDEHU); Red de Economía Alternativa y Solidaria (REAS Aragón); Coordinadora Antifascista de Zaragoza; Centro Social Okupado La Vieja Escuela (Aragón); Komando G¸ebo (Aragón); La enredadera de Radio Topo; AraInfo Achenzia de Notizias de Aragón; Red de apoyo a sin papeles de Aragón; Asociación Vecinal de la Madalena ìCalle y Libertadî; Foro Social de Segovia; colectivo Stonewall (Aragón); Coordinadora Estatal de Solidaridad con Cuba-Madrid (CESC).
Griechenland: Asocación de los Abogados de Salonica; Asociación de los Empleados del Banco de Pireus; Asociación de Objetantes de Conciencia, Salonica; Asociación Sindical de Profesores en las Academías Privadas (SEFK); Asociación Sindical de Trabajadores en Librerías, Papelerías y Editoriales de Attica; Centro Social Autónomo, Atenas; Centro Social Red de Emigrantes, Salonica; Colectivo F.A.R.M.A. (Lucha por métodos alternativos renovables y por la autonomía); Cooperativa de Comercio Alternativo y Solidario ìLA SEMILLAî; Foro Social de Grecia; Iniciativa Antimilitarista; Iniciativa de los Habitantes de Kesariani, Atenas; Iniciativa Contra el Racismo de Salonica; Iniciativa para los Derechos de l@s Pres@s; Iniciativas de Lucha de los Maestros del Primer Grado, Salonica; Movimiento Radical de l@s Medic@s de los Hospitales de Salonica; Movimiento Radical Unido de Educadores de Salonica; Ocupación ìPrapopoulouî; Xalandri, Atenas; Red de Apoyo de los Derechos de
los Emigrantes; Red de las Organizaciones Ecológicas de Creta; Red por la Defensa de los Derechos Políticos y Sociales; Revista ìRESISTENCIASî; Revista ìUtopiaî; Universidad Free Underground (UFU).
Italien: Centro Sociale Intifada Tijuana Project Prc circolo aziendale ferrovieri spartaco lavagnini di Firenze, Cso Bruno Trento, Cso Pedro Padova, CSO Rivolta Mestre Venezia, Associazione Difesa laboratorio Padova, Presidio No dal Molin Vicenza, Associazione Caracol Napoli, Centro Sociale CasaLoca Milano, ActionMilano, Associazione Para Todos Todo Milano Comunit‡ Resistenti delle Marche, Ambasciata Dei Diritti Marche, Osservatorio Faro sul Porto (Ancona) Polisportiva Antirazzista Assata Shakur (Ancona), Campagna Palestina Solidariet‡ Marche, Csa Sisma Macerata, Csa Oltrefrontiera Pesaro, Csoa T.N.T. Jesi, Csa Kontatto Falconara, Csoa MezzaCanaja Senigallia, Squola spa Pergola, Csa Fabbri Fabriano, Bottega di Resistenza Globale Fossombrone, Csoa JollyRoger Civitanova Marche (Mc), Coordinamento Migranti Terza Italia (Senigallia), La Cupa (Ancona), Collettivo Studentesco OPS (Ancona), Collettivo Studentesco Corto Circuito Jesi (An), Collettivo Studentesco 70c (
Fabbriano), Collettivo Studentesco Zenit (Senigallia), Spam/Studenti e precari Macerata, Csoa Ex Mattatoio Perugia, Commons LaB & Comitato Primo Marzo Perugia, Cs Tpo Bologna, Collettivo Spam Parma, Comunit‡ San Benedetto al Porto Genova, Csoa Zapata Genova, Csoa Terra di nessuno Genova, AutAut 357 Genova, Associazione Joe Strummer Magenta (MI) Associazione culturale Know your rights records label indipendente Guacamaya combat punk band Fondazione Neno Zanchetta Gragnano (LU) Comitato Chiapas ìMaribelî Bergamo Action diritti in movimento Roma Horus project Roma Cantieri sociali Roma -Progetto dignidad rebelde Csoa Corto Circuito Roma Csoa la Strada Roma Csoa spartaco Roma Esc atelier occupato Roma Lab AQ16 Reggio Emilia
Giuseppe Caccia Consigliere Comunale Venezia, Gianfranco Bettin Assessore Comune Venezia , Enzo Valentini Assessore allíAmbiente, attivit‡ economiche e politiche di integrazione sociale, cooperazione e sviluppo Comune di Macerata, Gabriella Ciarlantini Consigliere Comunale Macerata, Emanuele Rossi Consigliere Comunale Gruppo Misto Comune di Fabriano, Maiolatesi Gilberto Assessore allíAmbiente e allíIntegrazione Sociale del Comune di Jesi, Avvocato Paolo Cognini Foro di Ancona Haidi Gaggio.
Und weitere individuelle Unterstützer_innen aus verschiedenen Orten Europas.
***
Übersetzung: Gruppe B.A.S.T.A.
Eine europäische Brigade der Solidarität, Unterstützung und Geschwisterlichkeit mit den indigenen Gemeinden im Widerstand beginnt ihre Rundreise in Chiapas, um die zapatistischen Compañeros und Compañeras zu grüßen. Ziel der Brigade ist es, ihre Situation und ihre Lebensrealität zu teilen, zu dokumentieren und bekannt zu machen.
Die Brigade besteht aus Delegierten und Repräsentant_innen verschiedener Kollektive, Gruppen und Organisationen des europäischen Solidaritätsnetzes mit den Zapatistas und anderen Kollektiven aus Europa, um:
- die Legitimität des zapatistischen Projekts, ihr Recht auf Widerstand, Rebellion, Autonomie und die Förderung der eigenen Entwicklung zu betonen
- die Vertreibung, die Ausgrenzung, die Repression, die Aufstandsbekämpfungsstrategien und die Menschenrechtsverletzungen abzulehnen und ihre Einstellung zu fordern
- die Fortschritte und Erfolge der indigenen Gemeinden im Widerstand und anderer Bewegungen, die in Mexiko kämpfen, zu unterstützen.
Wir wissen, dass in Chiapas und ganz Mexiko seit Jahrhunderten und bis zum jetzigen Zeitpunkt die vier Achsen des Kapitalismus, die Ausbeutung, die Vertreibung, die Repression und die Verachtung vorherrschen – besonders für diejenigen, die sich unten links befinden. Dies gilt besonders für die indigene Bevölkerung, die täglich mit der Militarisierung, der Paramilitarisierung, der Korruption und der Straflosigkeit derjenigen leben und sich konfrontieren muss, die sukzessive die politische und ökonomische Macht (die klar zusammenhängen) in diesem Land inne haben und die dies offensichtlich mit passivem Einverständnis oder direkter Komplizenschaft der US-amerikanischen und der europäischen Regierungen, die wir weiterhin anprangern, tun.
Wir ignorieren ebenso wenig, dass sich in Chiapas (wie auch in Atenco, Oaxaca, Baja California und ganz Mexiko) gerade eine dreiste und gefährliche Kampagne der Regierung gegen die nationale und internationale Solidarität, die sogar Tote mit sich bringt, potenziert und ansteigt, nur weil dies ungemütliche Zeug_innen in Bezug auf die Realitäten und existierenden Gräueltaten gibt, mit den bekannten direkten und intellektuellen Verantwortlichen.
All dies ist allgemein bekannt und auch uns bekannt, aber auch, dass in Chiapas und in anderen Teilen Mexikos die Würde und der Widerstand derer, die weder applaudieren, noch aufgeben, noch sich verkaufen, nicht verloren gehen wird. Und auch wir werden das nicht tun, wir, die aus anderen Breitengraden der Welt kommen, in diesem Falle konkret aus Europa, und uns als Compañeros und Compañeras, Schwestern und Brüder betrachten und fühlen wie diese Menschen, um zu beobachten und uns in einen Spiegel und Reflex dessen zu verwandeln, was wir sehen und erleben werden.
Unsere Präsenz ist kein Eingriff in die Innenpolitik Mexikos, sondern die Unterstützung eines Projektes der sozialen Transformation. Wir berufen uns auf das Recht und die Pflicht der Individuen, der Gruppen und der Institutionen, die universal anerkannten fundamentalen Rechte und Freiheiten zu fördern und zu schützen.
Indem wir von unserem Recht Gebrauch machen, Solidarität auszuüben, machen wir die drei Ebenen der Regierung und solcher, von deren Mandat sie abhängig sind, verantwortlich für all das, was dieser europäischen Solidaritätsbrigade mit den Zapatistas und/oder irgendeiner ihrer Teilnehmer_innen oder denen, die sie in ihrer Mission und auf ihrem vorgesehenen Weg durch Mexiko begleiten und erwarten, zustoßen könnte.
Unsere Arbeit wird daraus bestehen, die zapatistischen Gebiete und die bedrohten Gemeinden zu besuchen. Wir werden uns ebenso mit anderen Solidaritätsgruppen und Anhänger_innen der Sechsten Deklaration aus dem Lakadonischen Urwald treffen, um uns besser kennenzulernen und Informationen und Erfahrungen auszutauschen.
Nach der Rückkehr werden wir uns erneut treffen, um das Erlebte zu verbreiten und weiterhin dem Weg zu folgen, der zu dieser neuen Welt führt, die wir in unseren Herzen tragen, in der viele Welten Platz haben.
Es rufen auf:
Alana, Grecia; ASSI (Acción Social Sindical Internacionalista) de Zaragoza, Estado Espa ol; Associazione Ya Basta, Italia; caracol mundo-eco de latido en solidaridad -Viena, Austria; Caracol Solidario Besançon, Francia; Caracol Zaragoza -Aragón, Estado Espa ol; Centro de Documentación sobre Zapatismo (CEDOZ); Comitato Chiapas ìMaribelî -Bergamo, Italia; Comité de solidarité avec les peuples du Chiapas en lutte (CSPCL), Francia; Confederación General del Trabajo -Estado Espa ol; Fuga em Rede -Galizia, Estado Espa ol; Grupo B.A.S.T.A., Alemania; Grupo IRU -Estado Espa ol; Grupo Les trois passants -Paris, Francia; Plataforma de Solidaridad con Chiapas de Aragón -Estado Espa ol; Plataforma de Solidaridad con Chiapas de Madrid -Estado Espa ol; Red Latina sin fronteras -Estocolmo, Suecia; Solidaires (Union Sindical), Francia; Unión Mexicana Suiza (UMES) -Zürich, Suiza; colectivo zapatista marisol -Lugano, Suiza.
Diese Brigade zählt zudem mit dem Rückhalt von:
Spanien: Red Libertaria Apoyo Mutuo; Ecologistas en Acción; Attac Espa a; Comité Oscar Romero de Madrid; Salva la Selva; Carlos Pereda, sociólogo de Colectivo IoÈ; Centro de Defensa y Estudio de los Derechos Humanos (CEDEHU); Red de Economía Alternativa y Solidaria (REAS Aragón); Coordinadora Antifascista de Zaragoza; Centro Social Okupado La Vieja Escuela (Aragón); Komando G¸ebo (Aragón); La enredadera de Radio Topo; AraInfo Achenzia de Notizias de Aragón; Red de apoyo a sin papeles de Aragón; Asociación Vecinal de la Madalena ìCalle y Libertadî; Foro Social de Segovia; colectivo Stonewall (Aragón); Coordinadora Estatal de Solidaridad con Cuba-Madrid (CESC).
Griechenland: Asocación de los Abogados de Salonica; Asociación de los Empleados del Banco de Pireus; Asociación de Objetantes de Conciencia, Salonica; Asociación Sindical de Profesores en las Academías Privadas (SEFK); Asociación Sindical de Trabajadores en Librerías, Papelerías y Editoriales de Attica; Centro Social Autónomo, Atenas; Centro Social Red de Emigrantes, Salonica; Colectivo F.A.R.M.A. (Lucha por métodos alternativos renovables y por la autonomía); Cooperativa de Comercio Alternativo y Solidario ìLA SEMILLAî; Foro Social de Grecia; Iniciativa Antimilitarista; Iniciativa de los Habitantes de Kesariani, Atenas; Iniciativa Contra el Racismo de Salonica; Iniciativa para los Derechos de l@s Pres@s; Iniciativas de Lucha de los Maestros del Primer Grado, Salonica; Movimiento Radical de l@s Medic@s de los Hospitales de Salonica; Movimiento Radical Unido de Educadores de Salonica; Ocupación ìPrapopoulouî; Xalandri, Atenas; Red de Apoyo de los Derechos de
los Emigrantes; Red de las Organizaciones Ecológicas de Creta; Red por la Defensa de los Derechos Políticos y Sociales; Revista ìRESISTENCIASî; Revista ìUtopiaî; Universidad Free Underground (UFU).
Italien: Centro Sociale Intifada Tijuana Project Prc circolo aziendale ferrovieri spartaco lavagnini di Firenze, Cso Bruno Trento, Cso Pedro Padova, CSO Rivolta Mestre Venezia, Associazione Difesa laboratorio Padova, Presidio No dal Molin Vicenza, Associazione Caracol Napoli, Centro Sociale CasaLoca Milano, ActionMilano, Associazione Para Todos Todo Milano Comunit‡ Resistenti delle Marche, Ambasciata Dei Diritti Marche, Osservatorio Faro sul Porto (Ancona) Polisportiva Antirazzista Assata Shakur (Ancona), Campagna Palestina Solidariet‡ Marche, Csa Sisma Macerata, Csa Oltrefrontiera Pesaro, Csoa T.N.T. Jesi, Csa Kontatto Falconara, Csoa MezzaCanaja Senigallia, Squola spa Pergola, Csa Fabbri Fabriano, Bottega di Resistenza Globale Fossombrone, Csoa JollyRoger Civitanova Marche (Mc), Coordinamento Migranti Terza Italia (Senigallia), La Cupa (Ancona), Collettivo Studentesco OPS (Ancona), Collettivo Studentesco Corto Circuito Jesi (An), Collettivo Studentesco 70c (
Fabbriano), Collettivo Studentesco Zenit (Senigallia), Spam/Studenti e precari Macerata, Csoa Ex Mattatoio Perugia, Commons LaB & Comitato Primo Marzo Perugia, Cs Tpo Bologna, Collettivo Spam Parma, Comunit‡ San Benedetto al Porto Genova, Csoa Zapata Genova, Csoa Terra di nessuno Genova, AutAut 357 Genova, Associazione Joe Strummer Magenta (MI) Associazione culturale Know your rights records label indipendente Guacamaya combat punk band Fondazione Neno Zanchetta Gragnano (LU) Comitato Chiapas ìMaribelî Bergamo Action diritti in movimento Roma Horus project Roma Cantieri sociali Roma -Progetto dignidad rebelde Csoa Corto Circuito Roma Csoa la Strada Roma Csoa spartaco Roma Esc atelier occupato Roma Lab AQ16 Reggio Emilia
Giuseppe Caccia Consigliere Comunale Venezia, Gianfranco Bettin Assessore Comune Venezia , Enzo Valentini Assessore allíAmbiente, attivit‡ economiche e politiche di integrazione sociale, cooperazione e sviluppo Comune di Macerata, Gabriella Ciarlantini Consigliere Comunale Macerata, Emanuele Rossi Consigliere Comunale Gruppo Misto Comune di Fabriano, Maiolatesi Gilberto Assessore allíAmbiente e allíIntegrazione Sociale del Comune di Jesi, Avvocato Paolo Cognini Foro di Ancona Haidi Gaggio.
Und weitere individuelle Unterstützer_innen aus verschiedenen Orten Europas.
***
Übersetzung: Gruppe B.A.S.T.A.
Freitag, 11. Juni 2010
Rote Karte für die mexikanische Regierung!
Im Gegensatz zu Südafrika wurden in Mexiko die Staatsverbrechen der
Vergangenheit ausradiert. Auch heute nehmen Staat und Paramilitärs
MenschenrechtsverteidigerInnen weiter unter Beschuss. Die Täter gehen
noch immer straffrei aus. Am Dienstag 8. Juni versuchte eine
Menschenrechtskarawane zum dritten Mal innerhalb von sechs Monaten,
einer belagerten autonomen Gemeinde in Oaxaca Hilfsgüter zu liefern und
die Situation zu dokumentieren. Die Paramilitärs der PRI schossen in die
Luft, der Weg war blockiert....
Lest das ganze Pressecomnuniqué auf http://www.chiapas.ch
Kopiert das PDF des Communiqués von
http://chiapas.ch/downloads/Rote_Karte_Mexiko.pdf und legt es in eurer
WM-Bar auf!
Vergangenheit ausradiert. Auch heute nehmen Staat und Paramilitärs
MenschenrechtsverteidigerInnen weiter unter Beschuss. Die Täter gehen
noch immer straffrei aus. Am Dienstag 8. Juni versuchte eine
Menschenrechtskarawane zum dritten Mal innerhalb von sechs Monaten,
einer belagerten autonomen Gemeinde in Oaxaca Hilfsgüter zu liefern und
die Situation zu dokumentieren. Die Paramilitärs der PRI schossen in die
Luft, der Weg war blockiert....
Lest das ganze Pressecomnuniqué auf http://www.chiapas.ch
Kopiert das PDF des Communiqués von
http://chiapas.ch/downloads/Rote_Karte_Mexiko.pdf und legt es in eurer
WM-Bar auf!
Freitag, 14. Mai 2010
Verschwundene in Mexiko...
Die Junta der Guten Regierung von La Garrucha meldet, dass Paramilitärs fünf Zapatistas festgenommen haben, neun weitere Personen sind in Peña Limonar verschwunden
Caracol III „Resistencia hacia un nuevo amanecer“, La Garrucha.
Die Junta der Guten Regierung „El camino del futuro“. Chiapas, México.
10. Mai 2010
An die nationale und internationale Zivilgesellschaft
An die nationalen und internationalen Anhänger_innen der Anderen Kampagne
An die nationalen und internationalen Menschenrechtsverteidiger_innen
Brüder und Schwestern:
Wir klagen die Vorgänge an, die sich im Ejido Peña Limonar, Landkreis Ocosingo, zugetragen haben.
Fakten: Probleme mit Mördern der Siedlung Amaytic, Ocosingo, Chiapas.
Wir haben bereits öffentlich darauf hingewiesen, dass die Probleme anfingen, als die Mörder sich die Siedlung Amaytic wieder aneigneten. Die drei Regierungsebenen (Föderal-, Bundesstaats- und Landkreisregierung) haben nichts gegen die Mörder unternommen. Sie genießen eine völlige Freiheit, während unsere Compañeros von Polizei und Paramilitärs verfolgt werden.
Wir sehen also klar und deutlich, dass die Regierungen von PAN bis PRD und ihre Komplizen im Ejido [Gemeindelandbezirk] Peña Limonar die Mörder, die Paramilitärs sind, schützen.
Die Ejido-Bewohner von Peña Limona haben erneut fünf Zapatistas festgenommen, neun weitere Personen sind verschwunden. Die Namen der Compañeros sind: Ebelio Montejo Hernández, 35 Jahre, Manuel Gutiérrez López, 42 Jahre, Gesundheitspromotor Luis Gutiérrez Vázquez, 15 Jahre, Pedro Gutiérrez Hernández, 18 Jahre, Narciso Gutiérrez Jiménez, 63 Jahre und darüber hinaus die neun verschwundenen Compañeros. Das sind Maßnahmen der Aufstandsbekämpfung, die von den drei Ebenen der schlechten Regierungen organisiert werden, Felipe Calderón Hinojoso auf föderaler, Juan Sabines Guerrero auf bundesstaatlicher und Carlos Leonel Solórsano Arcia auf Landkreisebene in Ocosingo.
Die Polizei und die Paramilitärs haben alle Wege und Wegzufahrten gesperrt und verfolgen unsere Compañeros Zapatistas, um zu überwachen, was sie tun und wohin sie gehen. Die Mörder hingegen gehen ruhig mit den Leuten von Peña Limonar spazieren.
Die Junta der Guten Regierung hat den Kommissar und andere Autoritäten mehrfach zu einer Versammlung eingeladen, um die Probleme mit den acht Mördern zu lösen, die ein Mitglied des autonomen Rates und einen Hilfsagenten aus Ranchería Amaytic am 25. August 2002 ermordet haben. Wegen eines Problems bezüglich der Trennung eines Paares verloren Lorenzo Martínez Espinosa und Jacinto Hernández Gutiérrez ihr Leben. [...]
Außerdem werden die Frauen bedroht, wenn sie die Gemeinde verlassen oder dahin zurückkehren. Sie wollen unsere zapatistischen Genoss_innen in ihren Gemeindelandbezirken vertreiben. Wir sind nicht die Mörder, die wahren Mörder genießen absolute Freiheit. [...]
Wir wollen eine Lösung des Problems [...]
Pedro Gutiérrez Guzmán
Federico Gómez Sánchez
Ayda Pérez Núñez
Ausencio López Méndez
Rebeca Lorenzo Cruz
***
zusammenfassende Übersetzung:
Gruppe B.A.S.T.A.
Caracol III „Resistencia hacia un nuevo amanecer“, La Garrucha.
Die Junta der Guten Regierung „El camino del futuro“. Chiapas, México.
10. Mai 2010
An die nationale und internationale Zivilgesellschaft
An die nationalen und internationalen Anhänger_innen der Anderen Kampagne
An die nationalen und internationalen Menschenrechtsverteidiger_innen
Brüder und Schwestern:
Wir klagen die Vorgänge an, die sich im Ejido Peña Limonar, Landkreis Ocosingo, zugetragen haben.
Fakten: Probleme mit Mördern der Siedlung Amaytic, Ocosingo, Chiapas.
Wir haben bereits öffentlich darauf hingewiesen, dass die Probleme anfingen, als die Mörder sich die Siedlung Amaytic wieder aneigneten. Die drei Regierungsebenen (Föderal-, Bundesstaats- und Landkreisregierung) haben nichts gegen die Mörder unternommen. Sie genießen eine völlige Freiheit, während unsere Compañeros von Polizei und Paramilitärs verfolgt werden.
Wir sehen also klar und deutlich, dass die Regierungen von PAN bis PRD und ihre Komplizen im Ejido [Gemeindelandbezirk] Peña Limonar die Mörder, die Paramilitärs sind, schützen.
Die Ejido-Bewohner von Peña Limona haben erneut fünf Zapatistas festgenommen, neun weitere Personen sind verschwunden. Die Namen der Compañeros sind: Ebelio Montejo Hernández, 35 Jahre, Manuel Gutiérrez López, 42 Jahre, Gesundheitspromotor Luis Gutiérrez Vázquez, 15 Jahre, Pedro Gutiérrez Hernández, 18 Jahre, Narciso Gutiérrez Jiménez, 63 Jahre und darüber hinaus die neun verschwundenen Compañeros. Das sind Maßnahmen der Aufstandsbekämpfung, die von den drei Ebenen der schlechten Regierungen organisiert werden, Felipe Calderón Hinojoso auf föderaler, Juan Sabines Guerrero auf bundesstaatlicher und Carlos Leonel Solórsano Arcia auf Landkreisebene in Ocosingo.
Die Polizei und die Paramilitärs haben alle Wege und Wegzufahrten gesperrt und verfolgen unsere Compañeros Zapatistas, um zu überwachen, was sie tun und wohin sie gehen. Die Mörder hingegen gehen ruhig mit den Leuten von Peña Limonar spazieren.
Die Junta der Guten Regierung hat den Kommissar und andere Autoritäten mehrfach zu einer Versammlung eingeladen, um die Probleme mit den acht Mördern zu lösen, die ein Mitglied des autonomen Rates und einen Hilfsagenten aus Ranchería Amaytic am 25. August 2002 ermordet haben. Wegen eines Problems bezüglich der Trennung eines Paares verloren Lorenzo Martínez Espinosa und Jacinto Hernández Gutiérrez ihr Leben. [...]
Außerdem werden die Frauen bedroht, wenn sie die Gemeinde verlassen oder dahin zurückkehren. Sie wollen unsere zapatistischen Genoss_innen in ihren Gemeindelandbezirken vertreiben. Wir sind nicht die Mörder, die wahren Mörder genießen absolute Freiheit. [...]
Wir wollen eine Lösung des Problems [...]
Pedro Gutiérrez Guzmán
Federico Gómez Sánchez
Ayda Pérez Núñez
Ausencio López Méndez
Rebeca Lorenzo Cruz
***
zusammenfassende Übersetzung:
Gruppe B.A.S.T.A.
Mittwoch, 12. Mai 2010
Mexiko: Milizen marschieren
Nach tödlichem Beschuss von Menschenrechtsaktivisten: Paramilitärs inszenieren sich als Opfer. Protest in der Hauptstadt
Von Philipp Gerber, Oaxaca
Mexiko-Stadt. Zwei Wochen nach dem tödlichen Angriff auf eine humanitäre Menschenrechtskarawane im südlichen Bundesstaat Oaxaca sind die Attentäter weiter auf freiem Fuß. Die von der ehemaligen Staatspartei PRI kontrollierte paramilitärische Organisation UBISORT, Hauptverdächtige des Angriffs, versucht sich indes als Opfer zu inszenieren.
Die Attacke sei nicht von den parteinahen Paramilitärs ausgegangen, heißt es von ihrer Seite, sondern von der autonomen indigenen Organisation MULTI, die der zapatistischen Bewegung nahe steht. Es sei quasi ein Attentat auf sich selbst gewesen, denn die mit automatischen Waffen attackierten Menschenrechtsaktivisten waren zum Schutz der autonomen Gemeinde vor Ort gereist. Die krude Verschwörungstheorie der UBISORT-Milizen ging en masse bei den Medien ein.
Die UBISORT ist Teil einer paramilitärischen Bewegung, die im Süden des Landes unmittelbar nach dem zapatistischen Aufstand Mitte der neunziger Jahre in Erscheinung getreten ist.
Dass die gewaltbereiten Gruppierungen weiterhin auf die Unterstützung der Regierung zählen können, zeigt ihr offenes Agieren. So "koordinierte" Rufino Juárez, Chef der UBISORT-Milizen, die zögerliche Intervention der Polizei, um zwei verschollenen Journalisten der Zeitschrift Contralínea erst 60 Stunden nach dem Überfall aus der paramilitärisch kontrollierten Zone zu retteten.
Am Montag nun demonstrierte Juárez mit einer in Bussen angereisten Gruppe aus Frauen und Kindern vor dem Innenministerium in Mexiko-Stadt. Ihre Forderung: Militarisierung der Region, um "Frieden und Ordnung" wiederherzustellen.
Die mexikanische Polizei PGR erklärt indes, dass die Untersuchungen über die Hintergründe der Attacke im Gange seien. Sandra Fuentes-Beráin, die Botschafterin Mexikos in Brüssel, erklärte den Vorfall gegenüber zwei finnischen Politikerinnen, deren Landsmann Jyri Jaakkola bei dem Angriff mit automatischen Waffen ermordet wurde, als "Unfall" in einem "innerethnischen Konflikt".
Ganz anders sehen das die Bewohner der indigenen Region selbst. "Die Gewalt kommt von außen", heißt es von dem Ältestenrat einer Gemeinde.
http://amerika21.de/nachrichten/inhalt/2010/mai/mex-92747-miliz
Von Philipp Gerber, Oaxaca
Mexiko-Stadt. Zwei Wochen nach dem tödlichen Angriff auf eine humanitäre Menschenrechtskarawane im südlichen Bundesstaat Oaxaca sind die Attentäter weiter auf freiem Fuß. Die von der ehemaligen Staatspartei PRI kontrollierte paramilitärische Organisation UBISORT, Hauptverdächtige des Angriffs, versucht sich indes als Opfer zu inszenieren.
Die Attacke sei nicht von den parteinahen Paramilitärs ausgegangen, heißt es von ihrer Seite, sondern von der autonomen indigenen Organisation MULTI, die der zapatistischen Bewegung nahe steht. Es sei quasi ein Attentat auf sich selbst gewesen, denn die mit automatischen Waffen attackierten Menschenrechtsaktivisten waren zum Schutz der autonomen Gemeinde vor Ort gereist. Die krude Verschwörungstheorie der UBISORT-Milizen ging en masse bei den Medien ein.
Die UBISORT ist Teil einer paramilitärischen Bewegung, die im Süden des Landes unmittelbar nach dem zapatistischen Aufstand Mitte der neunziger Jahre in Erscheinung getreten ist.
Dass die gewaltbereiten Gruppierungen weiterhin auf die Unterstützung der Regierung zählen können, zeigt ihr offenes Agieren. So "koordinierte" Rufino Juárez, Chef der UBISORT-Milizen, die zögerliche Intervention der Polizei, um zwei verschollenen Journalisten der Zeitschrift Contralínea erst 60 Stunden nach dem Überfall aus der paramilitärisch kontrollierten Zone zu retteten.
Am Montag nun demonstrierte Juárez mit einer in Bussen angereisten Gruppe aus Frauen und Kindern vor dem Innenministerium in Mexiko-Stadt. Ihre Forderung: Militarisierung der Region, um "Frieden und Ordnung" wiederherzustellen.
Die mexikanische Polizei PGR erklärt indes, dass die Untersuchungen über die Hintergründe der Attacke im Gange seien. Sandra Fuentes-Beráin, die Botschafterin Mexikos in Brüssel, erklärte den Vorfall gegenüber zwei finnischen Politikerinnen, deren Landsmann Jyri Jaakkola bei dem Angriff mit automatischen Waffen ermordet wurde, als "Unfall" in einem "innerethnischen Konflikt".
Ganz anders sehen das die Bewohner der indigenen Region selbst. "Die Gewalt kommt von außen", heißt es von dem Ältestenrat einer Gemeinde.
http://amerika21.de/nachrichten/inhalt/2010/mai/mex-92747-miliz
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Mittwoch, 17. Februar 2010
Menschenrechte in Mexico??
Am 21 und 22 Januar 2010 wurden im Bezirk Ocosingo, in den Gemeinden Laguna El Suspiro bzw. El Semental und Laguna San Pedro bzw. San Pedro Guanil (letztere Gemeinde gehört zur Unterstützungsbasis der Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung (BAEZLN)), zwei Einsätze durchgeführt, die der Vertreibung der Gemeinden aus dem Biosphärenreservat Montes Azules dienten.
Laut Regierungsquellen handelte es sich bei den Einsätzen um eine koordinierte Aktion unter Beteiligung der Spezialpolizei der Generalstaatsanwaltschaft von Chiapas ((PGJE in spanischer Abkürzung), des Sicherheitsministeriums und Bürgerwehrs, der mexikanischen Generalstaatsanwaltschaft, des Amt für Umweltschutz (PROFEPA in spanischer Abkürzung), der Nationalen Naturschutzbehörde (CONANP in spanischer Abkürzung) und Vertretern der staatlichen Menschenrechtskommission.
Weitere Informationen: http://www.chiapas98.de/news.php?id=5194
Die UA kann gleich online ausgefüllt werden. Wir bitten um aktive Teilnahme.
KADO
Laut Regierungsquellen handelte es sich bei den Einsätzen um eine koordinierte Aktion unter Beteiligung der Spezialpolizei der Generalstaatsanwaltschaft von Chiapas ((PGJE in spanischer Abkürzung), des Sicherheitsministeriums und Bürgerwehrs, der mexikanischen Generalstaatsanwaltschaft, des Amt für Umweltschutz (PROFEPA in spanischer Abkürzung), der Nationalen Naturschutzbehörde (CONANP in spanischer Abkürzung) und Vertretern der staatlichen Menschenrechtskommission.
Weitere Informationen: http://www.chiapas98.de/news.php?id=5194
Die UA kann gleich online ausgefüllt werden. Wir bitten um aktive Teilnahme.
KADO
Dienstag, 5. Januar 2010
Freiheit für mexikanische politische Gefangene
Diese Eilaktion kann gleich Online ausgefüllt werden:
http://www.chiapas98.de/ua2.php?id=65
Unterstützungsbrief für Juan Manuel
Urgent Action (UA) vom 04.01.2010
übersetzung Regine
Während des sozialen Aufstandes gegen den Gouverneur im Sommer und Herbst 2006 in Oaxaca starben mindestens 23 Personen, darunter der unabhängige Indymediajournalist Brad Will aus New York. Es gab Dutzende Verletzte, Verschwundene und Verhaftete. Verantwortlich für diese Verbrechen sind die Regierung und von ihr beauftragte paramilitärische Gruppen. Bis heute wurde keiner der Mörder oder Hintermänner angeklagt, stattdessen wurde im Oktober 2008 Juan Manuel Martínez Moreno, selbst Aktivist innerhalb der sozialen Bewegungen Oaxacas, als Mörder von Brad Will präsentiert und angeklagt. Er sitzt seit dem 16.10.2008 im Gefängnis in Oaxaca.
Eine breite Kampagne bestehend aus Familienangehörigen von Brad Will (die Eltern von Brad Will sind in direktem Kontakt mit der Familie von Juan Manuel) und Juan Manuel sowie von Menschenrechtsorganisationen hat sich zum Ziel gesetzt, die Schuldigen vor Gericht zu bringen und die Freiheit von Juan Manuel zu erlangen. Es wurden bereits Hungerstreiks, Demonstrationen, Gebete, Protestbriefe, Solidaritätserklärungen etc. in Solidarität mit Juan Manuel gehalten. Aktuell prüft Amnesty International, Juan Manuel als politischen Gefangenen zu deklarieren.
Eine Richterin hat Juan Manuel freigesprochen. Dies hat leider in Mexiko nicht unbedingt etwas zu bedeuten. Es wäre nicht das erste mal, dass eine Freilassung trotzdem nicht zustande kommt, deshalb ist das Unterzeichnen dieser UA wichtig.
Siehe auch:
http://groups.yahoo.com/group/oaxacastudyactiongroup/message/6578
http://groups.yahoo.com/group/oaxacastudyactiongroup/message/6576
http://fridaguerrera.blogspot.com/2009/12/en-breve-libertad-de-juan-manuel.html
http://www.milenio.com/node/350618
http://www.chiapas98.de/ua2.php?id=65
Unterstützungsbrief für Juan Manuel
Urgent Action (UA) vom 04.01.2010
übersetzung Regine
Während des sozialen Aufstandes gegen den Gouverneur im Sommer und Herbst 2006 in Oaxaca starben mindestens 23 Personen, darunter der unabhängige Indymediajournalist Brad Will aus New York. Es gab Dutzende Verletzte, Verschwundene und Verhaftete. Verantwortlich für diese Verbrechen sind die Regierung und von ihr beauftragte paramilitärische Gruppen. Bis heute wurde keiner der Mörder oder Hintermänner angeklagt, stattdessen wurde im Oktober 2008 Juan Manuel Martínez Moreno, selbst Aktivist innerhalb der sozialen Bewegungen Oaxacas, als Mörder von Brad Will präsentiert und angeklagt. Er sitzt seit dem 16.10.2008 im Gefängnis in Oaxaca.
Eine breite Kampagne bestehend aus Familienangehörigen von Brad Will (die Eltern von Brad Will sind in direktem Kontakt mit der Familie von Juan Manuel) und Juan Manuel sowie von Menschenrechtsorganisationen hat sich zum Ziel gesetzt, die Schuldigen vor Gericht zu bringen und die Freiheit von Juan Manuel zu erlangen. Es wurden bereits Hungerstreiks, Demonstrationen, Gebete, Protestbriefe, Solidaritätserklärungen etc. in Solidarität mit Juan Manuel gehalten. Aktuell prüft Amnesty International, Juan Manuel als politischen Gefangenen zu deklarieren.
Eine Richterin hat Juan Manuel freigesprochen. Dies hat leider in Mexiko nicht unbedingt etwas zu bedeuten. Es wäre nicht das erste mal, dass eine Freilassung trotzdem nicht zustande kommt, deshalb ist das Unterzeichnen dieser UA wichtig.
Siehe auch:
http://groups.yahoo.com/group/oaxacastudyactiongroup/message/6578
http://groups.yahoo.com/group/oaxacastudyactiongroup/message/6576
http://fridaguerrera.blogspot.com/2009/12/en-breve-libertad-de-juan-manuel.html
http://www.milenio.com/node/350618
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Donnerstag, 10. Dezember 2009
Menschenrechte in Chiapas/ Mexico
Diese Eilaktion kann gleich online ausgefüllt werden:
http://www.chiapas98.de/ua2.php?id=63
MexikoUA-321/2009Index: AMR 41/062/200903.
Dezember 2009 getötet:MARIANO ABARCA ROBLERO, Menschenrechtler und Umweltaktivist
bedroht:SEINE FAMILIE UND WEITERE UMWELTSCHÜTZER
Die Familie von Mariano Abarca Roblero und andere UmweltaktivistInnen sind in Gefahr, nachdem der Umweltschützer Mariano Abarca Roblero vor seinem Haus erschossen wurde. Er und einige Familienangehörige sollen schon vor seiner Tötung wiederholt bedroht worden sein.Am 27. November 2009 wurde Mariano Abarca Roblero von einem Mann auf einem Motorrad durch drei Schüsse getötet. Mariano Abarca Roblero war Menschenrechtsverteidiger und ein führendes Mitglied des Netzwerks Red Mexicana de Afectados por la Minería (REMA), das sich für von Bergbauprojekten Betroffene einsetzt. Er stand gerade vor seinem Haus in der Gemeinde Chicomuselo im Bundesstaat Chiapas und unterhielt sich mit einem Nachbarn, der ebenfalls REMA-Mitglied ist. Auch er wurde verletzt, überlebte aber den Anschlag.Einige Tage zuvor hatte Mariano Abarca Roblero bei der Staatsanwaltschaft von Chiapas (Procuraduría General de Justicia del Estado) Anzeige wegen der Morddrohungen erstattet, die er im August erhalten hatte. Seinen Angaben zufolge hatte ein Mann ihm damit gedroht, ihn wegen der Anführung eines Protests umzubringen. Die Staatsanwaltschaft hat nun Ermittlungen eingeleitet, um die Tötung von Mariano Abarca Roblero aufzuklären. Mariano Abarca Roblero und andere REMA-Aktivisten hatten im Juni 2009 im Zuge einer Protestaktion eine Straßenblockade errichtet, um gegen ein in der Gegend tätiges Bergbauunternehmen zu protestieren, das ihrer Meinung nach für Umweltschäden verantwortlich ist. Dazu blockierten sie eine der Hauptzufahrtsstraßen zu dem Bergwerk. Am 17. August wurde Mariano Abarca Roblero bei Protesten ohne weitere Erklärungen oder einen Haftbefehl von örtlichen PolizistInnen festgenommen. Man hielt ihn wegen seiner Teilnahme an den Protesten in Untersuchungshaft, ließ ihn aber am 25. August ohne Auflagen wieder frei, da es keine Beweise dafür gab, dass die Proteste, an denen der Umweltaktivist beteiligt gewesen war, gewaltsam oder unter Störung der öffentlichen Ordnung verlaufen waren. Die Festnahme von Mariano Abarca Roblero erfolgte wenige Tage vor einem von REMA-Mitgliedern für UmweltaktivistInnen organisierten Treffen in Chicomuselo.
Hintergrundinformationen
MenschenrechtsverteidigerInnen werden in Mexiko immer wieder Opfer von Angriffen, Drohungen, politisch motivierten Straftaten und willkürlichen Inhaftierungen, weil sie Proteste anführen oder sich für die Menschenrechte einsetzen. Die Regierung hat zugestimmt, von der Interamerikanischen Menschenrechtskommission geforderte Schutzmaßnahmen für mehrere MenschenrechtsverteidigerInnen zu ergreifen. Berichten zufolge sind jedoch bislang keine wirksamen Schutzmaßnahmen umgesetzt worden. Untersuchungen solcher Verstöße gegen MenschrechtsaktivistInnen werden gewöhnlich nicht mit großem Aufklärungswillen durchgeführt. Da die Verantwortlichen in den meisten Fällen nicht zur Rechenschaft gezogen werden, drohen den Betroffenen weitere Angriffe.Im September 2009 wurde im Bundesstaat Guerrero bei Protesten gegen ein Bergbauunternehmen ein weiterer Umweltaktivist angeschossen (siehe hierzu UA-241/2009, 10. September 2009).
Empfohlene Aktionen
Schreiben Sie bitte E-Mails, Faxe oder Luftpostbriefe
Fordern Sie die Behörden auf Bundesstaaten- und Bundesebene auf, in Absprache mit den gefährdeten Personen umgehend wirksame Maßnahmen zum Schutz der Familie von Mariano Abarca Roblero, weiterer ZeugInnen des Mordes und der Mitglieder der Organisation REMA einzuleiten. Appellieren Sie an die Behörden, sofort eine umfassende und unparteiische Untersuchung der Tötung von Mariano Abarca Roblero am 27. November in Chicomuselo einzuleiten, die das Ziel verfolgt, die Täter zu ermitteln und vor Gericht zu stellen, und deren Ergebnisse veröffentlicht werden. Erinnern Sie die Behörden daran, dass MenschenrechtlerInnen das Recht haben, ihrer Arbeit uneingeschränkt und ohne Angst vor Repressalien nachzugehen, wie es die UN-Erklärung zum Schutz von Menschenrechtsverteidigern festgeschrieben hat.
Appelle an InnenministerLic. Fernando F. Gómez-Mont Urueta
Secretario de Gobernación
Secretaría de Gobernación
Bucareli 99, 1er. piso, Col. Juárez, Del. Cuauhtémoc,
México D.F.,
C.P.06600,
MEXIKO
(korrekte Anrede: Señor Secretario/Dear Minister)
Fax: (00 52) 55 5093 3414
E-Mail: secretario@segob.gob.mx
Staatsanwalt von Chiapas
Mtro. Raciel López Salazar
Procurador General de Justicia del Estado de Chiapas
Libramiento no. 2010,
Col. El BosqueTuxtla Gutiérrez,
CP 29049 MEXIKO
(korrekte Anrede: Dear Señor Procurador/Attorney General)
Fax: (00 52) 961 6165724
E-Mail:raciel.lopez@mje.chiapas.gob.mx
Gouverneur von Chiapas
Lic. Juan José Sabines Guerrero
Gobernador del Estado de Chiapas
Palacio de Gobierno,
1º pisoCol. Centro,
C.P. 29000Tuxtla Gutiérrez, Chiapas, MEXIKO
(korrekte Anrede: Señor Gobernador/Dear Governor)
Fax: (00 52) 961 618 8050, Durchwahl: 21122
E-Mail: juansabines@chiapas.gob.mx
Kopien anMenschenrechtsorganisation
Otros mundos, Francisco I. Madero 49
Barrio GuadalupeSan Cristóbal de las Casas
Chiapas 29200MEXIKO
Botschaft der Vereinigten Mexikanischen Staaten
Herrn Miguel Angel Padilla Acosta
Geschäftsträger a.i. (Gesandter)
Klingelhöferstraße 3,
10785 BerlinFax: 030-26 93 23-700
E-Mail: mail@mexale.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort.
Schreiben Sie in gutem Spanisch oder auf Deutsch.
Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 14. Januar 2010 keine Appelle mehr zu verschicken.
Quelle:
http://www.amnesty.de/urgent-action/ua-321-2009/umweltschuetzer-lebensgefahr
http://www.chiapas98.de/ua2.php?id=63
MexikoUA-321/2009Index: AMR 41/062/200903.
Dezember 2009 getötet:MARIANO ABARCA ROBLERO, Menschenrechtler und Umweltaktivist
bedroht:SEINE FAMILIE UND WEITERE UMWELTSCHÜTZER
Die Familie von Mariano Abarca Roblero und andere UmweltaktivistInnen sind in Gefahr, nachdem der Umweltschützer Mariano Abarca Roblero vor seinem Haus erschossen wurde. Er und einige Familienangehörige sollen schon vor seiner Tötung wiederholt bedroht worden sein.Am 27. November 2009 wurde Mariano Abarca Roblero von einem Mann auf einem Motorrad durch drei Schüsse getötet. Mariano Abarca Roblero war Menschenrechtsverteidiger und ein führendes Mitglied des Netzwerks Red Mexicana de Afectados por la Minería (REMA), das sich für von Bergbauprojekten Betroffene einsetzt. Er stand gerade vor seinem Haus in der Gemeinde Chicomuselo im Bundesstaat Chiapas und unterhielt sich mit einem Nachbarn, der ebenfalls REMA-Mitglied ist. Auch er wurde verletzt, überlebte aber den Anschlag.Einige Tage zuvor hatte Mariano Abarca Roblero bei der Staatsanwaltschaft von Chiapas (Procuraduría General de Justicia del Estado) Anzeige wegen der Morddrohungen erstattet, die er im August erhalten hatte. Seinen Angaben zufolge hatte ein Mann ihm damit gedroht, ihn wegen der Anführung eines Protests umzubringen. Die Staatsanwaltschaft hat nun Ermittlungen eingeleitet, um die Tötung von Mariano Abarca Roblero aufzuklären. Mariano Abarca Roblero und andere REMA-Aktivisten hatten im Juni 2009 im Zuge einer Protestaktion eine Straßenblockade errichtet, um gegen ein in der Gegend tätiges Bergbauunternehmen zu protestieren, das ihrer Meinung nach für Umweltschäden verantwortlich ist. Dazu blockierten sie eine der Hauptzufahrtsstraßen zu dem Bergwerk. Am 17. August wurde Mariano Abarca Roblero bei Protesten ohne weitere Erklärungen oder einen Haftbefehl von örtlichen PolizistInnen festgenommen. Man hielt ihn wegen seiner Teilnahme an den Protesten in Untersuchungshaft, ließ ihn aber am 25. August ohne Auflagen wieder frei, da es keine Beweise dafür gab, dass die Proteste, an denen der Umweltaktivist beteiligt gewesen war, gewaltsam oder unter Störung der öffentlichen Ordnung verlaufen waren. Die Festnahme von Mariano Abarca Roblero erfolgte wenige Tage vor einem von REMA-Mitgliedern für UmweltaktivistInnen organisierten Treffen in Chicomuselo.
Hintergrundinformationen
MenschenrechtsverteidigerInnen werden in Mexiko immer wieder Opfer von Angriffen, Drohungen, politisch motivierten Straftaten und willkürlichen Inhaftierungen, weil sie Proteste anführen oder sich für die Menschenrechte einsetzen. Die Regierung hat zugestimmt, von der Interamerikanischen Menschenrechtskommission geforderte Schutzmaßnahmen für mehrere MenschenrechtsverteidigerInnen zu ergreifen. Berichten zufolge sind jedoch bislang keine wirksamen Schutzmaßnahmen umgesetzt worden. Untersuchungen solcher Verstöße gegen MenschrechtsaktivistInnen werden gewöhnlich nicht mit großem Aufklärungswillen durchgeführt. Da die Verantwortlichen in den meisten Fällen nicht zur Rechenschaft gezogen werden, drohen den Betroffenen weitere Angriffe.Im September 2009 wurde im Bundesstaat Guerrero bei Protesten gegen ein Bergbauunternehmen ein weiterer Umweltaktivist angeschossen (siehe hierzu UA-241/2009, 10. September 2009).
Empfohlene Aktionen
Schreiben Sie bitte E-Mails, Faxe oder Luftpostbriefe
Fordern Sie die Behörden auf Bundesstaaten- und Bundesebene auf, in Absprache mit den gefährdeten Personen umgehend wirksame Maßnahmen zum Schutz der Familie von Mariano Abarca Roblero, weiterer ZeugInnen des Mordes und der Mitglieder der Organisation REMA einzuleiten. Appellieren Sie an die Behörden, sofort eine umfassende und unparteiische Untersuchung der Tötung von Mariano Abarca Roblero am 27. November in Chicomuselo einzuleiten, die das Ziel verfolgt, die Täter zu ermitteln und vor Gericht zu stellen, und deren Ergebnisse veröffentlicht werden. Erinnern Sie die Behörden daran, dass MenschenrechtlerInnen das Recht haben, ihrer Arbeit uneingeschränkt und ohne Angst vor Repressalien nachzugehen, wie es die UN-Erklärung zum Schutz von Menschenrechtsverteidigern festgeschrieben hat.
Appelle an InnenministerLic. Fernando F. Gómez-Mont Urueta
Secretario de Gobernación
Secretaría de Gobernación
Bucareli 99, 1er. piso, Col. Juárez, Del. Cuauhtémoc,
México D.F.,
C.P.06600,
MEXIKO
(korrekte Anrede: Señor Secretario/Dear Minister)
Fax: (00 52) 55 5093 3414
E-Mail: secretario@segob.gob.mx
Staatsanwalt von Chiapas
Mtro. Raciel López Salazar
Procurador General de Justicia del Estado de Chiapas
Libramiento no. 2010,
Col. El BosqueTuxtla Gutiérrez,
CP 29049 MEXIKO
(korrekte Anrede: Dear Señor Procurador/Attorney General)
Fax: (00 52) 961 6165724
E-Mail:raciel.lopez@mje.chiapas.gob.mx
Gouverneur von Chiapas
Lic. Juan José Sabines Guerrero
Gobernador del Estado de Chiapas
Palacio de Gobierno,
1º pisoCol. Centro,
C.P. 29000Tuxtla Gutiérrez, Chiapas, MEXIKO
(korrekte Anrede: Señor Gobernador/Dear Governor)
Fax: (00 52) 961 618 8050, Durchwahl: 21122
E-Mail: juansabines@chiapas.gob.mx
Kopien anMenschenrechtsorganisation
Otros mundos, Francisco I. Madero 49
Barrio GuadalupeSan Cristóbal de las Casas
Chiapas 29200MEXIKO
Botschaft der Vereinigten Mexikanischen Staaten
Herrn Miguel Angel Padilla Acosta
Geschäftsträger a.i. (Gesandter)
Klingelhöferstraße 3,
10785 BerlinFax: 030-26 93 23-700
E-Mail: mail@mexale.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort.
Schreiben Sie in gutem Spanisch oder auf Deutsch.
Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 14. Januar 2010 keine Appelle mehr zu verschicken.
Quelle:
http://www.amnesty.de/urgent-action/ua-321-2009/umweltschuetzer-lebensgefahr
Freitag, 4. Dezember 2009
Eilaktion zur Menschenrechtssituation in Chiapas/Mexico
http://www.chiapas98.de/ua2.php?id=62
Mexiko
UA-250/2009-1
Index: AMR 41/059/2009
18. November 2009
RICARDO LAGUNES GASCA, Menschenrechtsanwalt
CARMEN AGUILAR GÓMEZ, Dorfbewohner
weitere DorfbewohnerInnen
Vier Männer, die am 11. November gegen Kaution freigelassen wurden, haben in dem Dorf Ejido Jotolá ZeugInnen eingeschüchtert und gedroht, DorfbewohnerInnen zu vergewaltigen und zu töten. Die Männer stehen wegen des Angriffs auf den Menschenrechtsanwalt Ricardo Lagunes Gasca und andere BewohnerInnen des Dorfes Ejido Jotolá im Bundesstaat Chiapas im vergangenen September vor Gericht.
Die Männer waren am 3. November festgenommen worden, weil sie unter Verdacht stehen, den Menschenrechtsanwalt Ricardo Lagunes Gasca und BewohnerInnen des Dorfes Ejido Jotolá in der Gemeinde Chilón, im Bundesstaat Chiapas im Süden Mexikos angegriffen zu haben. Der Dorfbewohner Carmen Aguilar Gómez wurde dabei ins Bein geschossen. Die Männer wurden wegen versuchten Mordes, Freiheitsberaubung und Körperverletzung angeklagt. Doch am 11. November ließ ein Richter sie mit der Begründung auf Kaution frei, ihre Vergehen seien nicht schwerwiegend.
In der Nacht des 11. November kehrten die Männer - offenbar betrunken - nach Ejido Jotolá zurück und standen vor dem Haus der Mutter eines Mannes herum, der eine Zeugenaussage gegen sie gemacht hatte. Frauen des Dorfes berichteten, dass die Männer in den folgenden Tagen lauthals gedroht hatten, dass sie diejenigen, die mit der Nationalen Zapatistischen Befreiungsarmee (Ejército Zapatista de Liberación Nacional - EZLN) sympathisieren, einen nach dem anderen umbringen und alle Frauen vergewaltigen würden.
Nach Angaben von GemeindebewohnerInnen gehören die Angreifer zu einer verbotenen bewaffneten Gruppe, die unter dem Namen "Organisación para la Defensa de los Derechos Indígenas y Campesions - OPDDIC" (Organisation für den Schutz von Indigenen und Kleinbauern) bekannt ist. Diese Organisation befindet sich in Opposition zu EZLN-UnterstützerInnen. Am 7. November drohten Mitglieder der OPDDIC, als Vergeltungsmaßnahme für die Festnahme der vier Männer Häuser in Ejido Jotolá in Brand zu setzen.
Hintergrundinformationen
Am 18. September besuchte der Menschenrechtsanwalt Ricardo Lagunes Gasca die Gemeinde, um dort die Angehörigen von zwei Männern zu beraten, die auf Grundlage von unter Folter erzwungenen "Geständnissen" vor Gericht stehen (siehe UA 103/2009). Ricardo Lagunes Gasca arbeitet für das Menschenrechtszentrum Fray Bartolomé de las Casas, eine örtliche NGO. Als er das Dorf verlassen wollte, hielt ihn eine Gruppe von OPDDIC-Mitgliedern auf, von denen einige Gewehre trugen und andere mit Stöcken und Steinen bewaffnet waren. Sie packten und schlugen ihn und drohten, ihn zu lynchen. Durch das Eingreifen anderer Gemeindemitglieder konnte das Lynchen verhindert werden. Doch bei der anschließenden gewalttätigen Auseinandersetzung wurde Carmen Aguilar Gómez angeschossen.
MenschenrechtlerInnen in Mexiko müssen Drohungen, Angriffe, politisch motivierte Anklagen und Inhaftierung fürchten, wenn sie Proteste organisieren oder für die Achtung der Menschenrechte eintreten. Die Regierung hat der Forderung der Interamerikanischen Kommission für Menschenrechte zugestimmt, Schutzmaßnahmen für mehrere MenschenrechtlerInnen zu ergreifen, aber einige von ihnen berichten, sie hätten keinen ausreichenden Schutz erhalten. Zu gründlichen Untersuchungen der Menschenrechtsverletzungen gegen die MenschenrechtlerInnen ist es noch nicht gekommen, die TäterInnen genießen in diesen Fällen im Allgemeinen Straffreiheit und somit besteht die Gefahr neuer Angriffe.
Drohungen und Angriffe auf EZLN-nahe Gemeinschaften durch gegnerische Gruppen wie der OPDDIC sind in Chiapas keine Seltenheit, da der Einfluss, den die EZLN dort hat, umstritten ist. Da die Behörden diese Gruppen nicht wirksam bekämpft haben, leben viele Gemeinschaften in Angst vor Angriffen.
Die EZLN ist eine bewaffnete Oppositionsgruppe, die seit Jahren nicht mehr militärisch operiert, aber in vielen Gegenden von Chiapas weiter als soziale und politische Bewegung aktiv ist.
Empfohlene Aktionen
Dringen Sie bei den Behörden darauf, die Einwohner von Ejido Jotolá und der Umgebung sowie MenschenrechtlerInnen, die in dieser Gegend tätig sind, in Übereinstimmung mit ihren Wünschen umgehend zu schützen.
Fordern Sie die Behörden auf, sicherzustellen, dass angemessene Maßnahmen ergriffen werden um zu verhindern, dass die vier wegen des Angriffs vom 18. September angeklagten Männer Angehörige der Gemeinschaft bedrohen oder angreifen.
Dringen Sie auf eine umgehende und unparteiische Untersuchung der erneuten Drohungen gegen DorfbewohnerInnen und darauf, dass untersucht wird, warum die angeklagten Männer in die Gemeinde zurückkehren konnten, ohne sicherzustellen, dass sie niemanden mehr einschüchtern.
UA-250/2009-1
Index: AMR 41/059/2009
18. November 2009
RICARDO LAGUNES GASCA, Menschenrechtsanwalt
CARMEN AGUILAR GÓMEZ, Dorfbewohner
weitere DorfbewohnerInnen
Vier Männer, die am 11. November gegen Kaution freigelassen wurden, haben in dem Dorf Ejido Jotolá ZeugInnen eingeschüchtert und gedroht, DorfbewohnerInnen zu vergewaltigen und zu töten. Die Männer stehen wegen des Angriffs auf den Menschenrechtsanwalt Ricardo Lagunes Gasca und andere BewohnerInnen des Dorfes Ejido Jotolá im Bundesstaat Chiapas im vergangenen September vor Gericht.
Die Männer waren am 3. November festgenommen worden, weil sie unter Verdacht stehen, den Menschenrechtsanwalt Ricardo Lagunes Gasca und BewohnerInnen des Dorfes Ejido Jotolá in der Gemeinde Chilón, im Bundesstaat Chiapas im Süden Mexikos angegriffen zu haben. Der Dorfbewohner Carmen Aguilar Gómez wurde dabei ins Bein geschossen. Die Männer wurden wegen versuchten Mordes, Freiheitsberaubung und Körperverletzung angeklagt. Doch am 11. November ließ ein Richter sie mit der Begründung auf Kaution frei, ihre Vergehen seien nicht schwerwiegend.
In der Nacht des 11. November kehrten die Männer - offenbar betrunken - nach Ejido Jotolá zurück und standen vor dem Haus der Mutter eines Mannes herum, der eine Zeugenaussage gegen sie gemacht hatte. Frauen des Dorfes berichteten, dass die Männer in den folgenden Tagen lauthals gedroht hatten, dass sie diejenigen, die mit der Nationalen Zapatistischen Befreiungsarmee (Ejército Zapatista de Liberación Nacional - EZLN) sympathisieren, einen nach dem anderen umbringen und alle Frauen vergewaltigen würden.
Nach Angaben von GemeindebewohnerInnen gehören die Angreifer zu einer verbotenen bewaffneten Gruppe, die unter dem Namen "Organisación para la Defensa de los Derechos Indígenas y Campesions - OPDDIC" (Organisation für den Schutz von Indigenen und Kleinbauern) bekannt ist. Diese Organisation befindet sich in Opposition zu EZLN-UnterstützerInnen. Am 7. November drohten Mitglieder der OPDDIC, als Vergeltungsmaßnahme für die Festnahme der vier Männer Häuser in Ejido Jotolá in Brand zu setzen.
Hintergrundinformationen
Am 18. September besuchte der Menschenrechtsanwalt Ricardo Lagunes Gasca die Gemeinde, um dort die Angehörigen von zwei Männern zu beraten, die auf Grundlage von unter Folter erzwungenen "Geständnissen" vor Gericht stehen (siehe UA 103/2009). Ricardo Lagunes Gasca arbeitet für das Menschenrechtszentrum Fray Bartolomé de las Casas, eine örtliche NGO. Als er das Dorf verlassen wollte, hielt ihn eine Gruppe von OPDDIC-Mitgliedern auf, von denen einige Gewehre trugen und andere mit Stöcken und Steinen bewaffnet waren. Sie packten und schlugen ihn und drohten, ihn zu lynchen. Durch das Eingreifen anderer Gemeindemitglieder konnte das Lynchen verhindert werden. Doch bei der anschließenden gewalttätigen Auseinandersetzung wurde Carmen Aguilar Gómez angeschossen.
MenschenrechtlerInnen in Mexiko müssen Drohungen, Angriffe, politisch motivierte Anklagen und Inhaftierung fürchten, wenn sie Proteste organisieren oder für die Achtung der Menschenrechte eintreten. Die Regierung hat der Forderung der Interamerikanischen Kommission für Menschenrechte zugestimmt, Schutzmaßnahmen für mehrere MenschenrechtlerInnen zu ergreifen, aber einige von ihnen berichten, sie hätten keinen ausreichenden Schutz erhalten. Zu gründlichen Untersuchungen der Menschenrechtsverletzungen gegen die MenschenrechtlerInnen ist es noch nicht gekommen, die TäterInnen genießen in diesen Fällen im Allgemeinen Straffreiheit und somit besteht die Gefahr neuer Angriffe.
Drohungen und Angriffe auf EZLN-nahe Gemeinschaften durch gegnerische Gruppen wie der OPDDIC sind in Chiapas keine Seltenheit, da der Einfluss, den die EZLN dort hat, umstritten ist. Da die Behörden diese Gruppen nicht wirksam bekämpft haben, leben viele Gemeinschaften in Angst vor Angriffen.
Die EZLN ist eine bewaffnete Oppositionsgruppe, die seit Jahren nicht mehr militärisch operiert, aber in vielen Gegenden von Chiapas weiter als soziale und politische Bewegung aktiv ist.
Empfohlene Aktionen
Dringen Sie bei den Behörden darauf, die Einwohner von Ejido Jotolá und der Umgebung sowie MenschenrechtlerInnen, die in dieser Gegend tätig sind, in Übereinstimmung mit ihren Wünschen umgehend zu schützen.
Fordern Sie die Behörden auf, sicherzustellen, dass angemessene Maßnahmen ergriffen werden um zu verhindern, dass die vier wegen des Angriffs vom 18. September angeklagten Männer Angehörige der Gemeinschaft bedrohen oder angreifen.
Dringen Sie auf eine umgehende und unparteiische Untersuchung der erneuten Drohungen gegen DorfbewohnerInnen und darauf, dass untersucht wird, warum die angeklagten Männer in die Gemeinde zurückkehren konnten, ohne sicherzustellen, dass sie niemanden mehr einschüchtern.
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Montag, 2. November 2009
Neuer ai-Appell zu Mexico
Die untenstehende Eilaktion kann bei Chiapas98.de gleich online ausgefüllt werden: http://www.chiapas98.de/ua.php?id=56
Dorfbewohner gefährdet - Bewohner der Gemeinde Santo Domingo Ixcatlán
amnesty international vom 16.10.2009
MexikoUA-283/2009Index:AMR 41/055/2009
16. Oktober 2009
Die Bewohner einer Ortschaft im Süden Mexikos sind wiederholt von einer Gruppe bewaffneter Männer angegriffen worden. Nun haben die Angreifer die zum Schutz der Dorfbewohner entsandten Polizisten attackiert und vertrieben. Die Zufahrtsstraße zum Dorf wurde von ihnen ebenfalls blockiert, so dass die Einwohner von Hilfe von außerhalb abgeschnitten sind. Am 11. Oktober drangen rund 100 mit Gewehren, Macheten und Stöcken bewaffnete Männer in die Ortschaft Santo Domingo Ixcatlán im Bundesstaat Oaxaca ein. Die Angreifer attackierten sechs zum Schutz der Dorfbewohner entsandte Polizisten und verletzten einen von ihnen mit einer Machete. Die Polizisten ergriffen daraufhin die Flucht. Auch die Angreifer zogen sich wieder zurück, errichteten dabei jedoch Straßensperren und schnitten auf diese Weise die Ortschaft von der Außenwelt ab. Unter den in Santo Domingo Ixcatlán eingeschlossenen Personen befindet sich auch María de la Luz Martínez, eine Mitarbeiterin der unabhängigen Menschenrechtsorganisation für Indigene Centro de Derechos Humanos y Asesoría a Pueblos Indígenas (CEDHAPI). Die Angreifer stehen in den Diensten eines führenden Lokalpolitikers (cacique), der enge Kontakte zu der Stadtverwaltung unterhält. Seit Anfang 2008 schüchtern sie immer wieder Mitglieder der Dorfgemeinschaft ein, die dem Verkauf von Gemeindeland ablehnend gegenüberstehen, und bedrohen sie. Ein solcher Verkauf wäre für die Stadtverwaltung und den Lokalpolitiker sehr einträglich. Im April 2008 wurden drei Gemeindebewohner getötet, die den Landverkauf nicht hinnehmen wollten. Im Dezember 2008 umzingelte dieselbe Gruppe von Angreifern die Ortschaft und bedrohte die Bewohner mit dem Tod. Im Mai 2009 drohten Familienangehörige des Lokalpolitikers, Maria de la Luz Martínez zu töten. Zwar wurde der Lokalpolitiker im Mai wegen der Tötung der drei Männer festgenommen, andere an der Tat mutmaßlich Beteiligte befinden sich dagegen weiterhin auf freiem Fuß, obwohl Haftbefehle gegen sie ausgestellt wurden. Sie sollen auch zu der bewaffneten Gruppe gehören, die am 11. Oktober den Angriff auf das Dorf verübte. Die Interamerikanische Menschenrechtskommission wies die mexikanischen Behörden im Jahr 2008 an, für den Schutz der Dorfbewohner wie auch der CEDHAPI-Mitarbeiter Sorge zu tragen. Daraufhin wurden Polizeikräfte in die Region entsandt, ihre Zahl reicht jedoch nicht aus, um einen effektiven Schutz zu gewährleisten.HintergrundinformationenGemeinschaften, die ihr Land zu verteidigen versuchen und sich gegen die Interessen privater Investoren zur Wehr setzen, sehen sich oftmals Drohungen und Schikanen seitens der Behörden ausgesetzt, welche sich mit den Lokalpolitikern verbünden. Die für Übergriffe Verantwortlichen werden nur selten ermittelt und vor Gericht gebracht.Vor allem in den südlichen Bundesstaaten wie Oaxaca, die einem hohen Anteil an indigenen Bevölkerungsgruppen haben, tragen die Behörden keine ausreichende Sorge dafür, die Grundbedürfnisse der Menschen zu befriedigen. Sie lassen es zu, dass Lokalpolitiker Gemeinden kontrollieren und Morde wie auch andere Verbrechen begehen, ohne Strafverfolgung befürchten zu müssen.Die Gemeinde Santo Domingo Ixcatlán war bereits Gegenstand der UA-129/2008 (16. Mai 2008 und 5. Dezember 2008).
http://www.amnesty.de/urgent-action/ua-283-2009/dorfbewohner-gefaehrdet
Dorfbewohner gefährdet - Bewohner der Gemeinde Santo Domingo Ixcatlán
amnesty international vom 16.10.2009
MexikoUA-283/2009Index:AMR 41/055/2009
16. Oktober 2009
Die Bewohner einer Ortschaft im Süden Mexikos sind wiederholt von einer Gruppe bewaffneter Männer angegriffen worden. Nun haben die Angreifer die zum Schutz der Dorfbewohner entsandten Polizisten attackiert und vertrieben. Die Zufahrtsstraße zum Dorf wurde von ihnen ebenfalls blockiert, so dass die Einwohner von Hilfe von außerhalb abgeschnitten sind. Am 11. Oktober drangen rund 100 mit Gewehren, Macheten und Stöcken bewaffnete Männer in die Ortschaft Santo Domingo Ixcatlán im Bundesstaat Oaxaca ein. Die Angreifer attackierten sechs zum Schutz der Dorfbewohner entsandte Polizisten und verletzten einen von ihnen mit einer Machete. Die Polizisten ergriffen daraufhin die Flucht. Auch die Angreifer zogen sich wieder zurück, errichteten dabei jedoch Straßensperren und schnitten auf diese Weise die Ortschaft von der Außenwelt ab. Unter den in Santo Domingo Ixcatlán eingeschlossenen Personen befindet sich auch María de la Luz Martínez, eine Mitarbeiterin der unabhängigen Menschenrechtsorganisation für Indigene Centro de Derechos Humanos y Asesoría a Pueblos Indígenas (CEDHAPI). Die Angreifer stehen in den Diensten eines führenden Lokalpolitikers (cacique), der enge Kontakte zu der Stadtverwaltung unterhält. Seit Anfang 2008 schüchtern sie immer wieder Mitglieder der Dorfgemeinschaft ein, die dem Verkauf von Gemeindeland ablehnend gegenüberstehen, und bedrohen sie. Ein solcher Verkauf wäre für die Stadtverwaltung und den Lokalpolitiker sehr einträglich. Im April 2008 wurden drei Gemeindebewohner getötet, die den Landverkauf nicht hinnehmen wollten. Im Dezember 2008 umzingelte dieselbe Gruppe von Angreifern die Ortschaft und bedrohte die Bewohner mit dem Tod. Im Mai 2009 drohten Familienangehörige des Lokalpolitikers, Maria de la Luz Martínez zu töten. Zwar wurde der Lokalpolitiker im Mai wegen der Tötung der drei Männer festgenommen, andere an der Tat mutmaßlich Beteiligte befinden sich dagegen weiterhin auf freiem Fuß, obwohl Haftbefehle gegen sie ausgestellt wurden. Sie sollen auch zu der bewaffneten Gruppe gehören, die am 11. Oktober den Angriff auf das Dorf verübte. Die Interamerikanische Menschenrechtskommission wies die mexikanischen Behörden im Jahr 2008 an, für den Schutz der Dorfbewohner wie auch der CEDHAPI-Mitarbeiter Sorge zu tragen. Daraufhin wurden Polizeikräfte in die Region entsandt, ihre Zahl reicht jedoch nicht aus, um einen effektiven Schutz zu gewährleisten.HintergrundinformationenGemeinschaften, die ihr Land zu verteidigen versuchen und sich gegen die Interessen privater Investoren zur Wehr setzen, sehen sich oftmals Drohungen und Schikanen seitens der Behörden ausgesetzt, welche sich mit den Lokalpolitikern verbünden. Die für Übergriffe Verantwortlichen werden nur selten ermittelt und vor Gericht gebracht.Vor allem in den südlichen Bundesstaaten wie Oaxaca, die einem hohen Anteil an indigenen Bevölkerungsgruppen haben, tragen die Behörden keine ausreichende Sorge dafür, die Grundbedürfnisse der Menschen zu befriedigen. Sie lassen es zu, dass Lokalpolitiker Gemeinden kontrollieren und Morde wie auch andere Verbrechen begehen, ohne Strafverfolgung befürchten zu müssen.Die Gemeinde Santo Domingo Ixcatlán war bereits Gegenstand der UA-129/2008 (16. Mai 2008 und 5. Dezember 2008).
http://www.amnesty.de/urgent-action/ua-283-2009/dorfbewohner-gefaehrdet
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Montag, 26. Oktober 2009
Frauenrechte in Mexiko
die untenstehende Eilaktion kann gleich Online ausgefüllt werden unter:
Chiapas: Brandanschlag auf Frauenprojekt
erschienen auf indymedia, 2.10.2009
Am Samstag, dem 26. September 2009 wurde das Bildungs- und Ausbildungszentrum für Frauen des Vereins K’inal Antsetik (Land der Frauen) in San Cristóbal de las Casas/Chiapas Opfer eines Brandanschlages. Mit dem Angriff wurde versucht, die noch im Bau befindlichen neuen Gebäude des Projektes zu zerstören.
Daher im Folgenden die öffentliche Anklage der Organisation K’inal Antsetik, welche hiermit erstmals in deutscher Übersetzung vorliegt und einen Erlebnisbericht der anwesenden Personen enthält.
San Cristóbal de las Casas, Chiapas
Sonntag, den 27 September 2009
AN ALLE MENSCHENRECHTSORGANISATIONEN,
AN ALLE FEMINISTISCHEN ORGANISATIONEN,
AN DIE REGIERUNG VON MEXIKO UND CHIAPAS.
Am Samstag, dem 26. September 2009 wurde das Bildungs- und Ausbildungszentrum für Frauen des Vereins K’inal Antsetik (Land der Frauen) Opfer eines Anschlages. Mit dem Angriff wurde versucht, die noch im Bau befindlichen neuen Gebäude des Projektes zu zerstören.
Im Folgenden eine genaue Schilderung der Ereignisse:
Gegen 20.00 Uhr am Samstagabend, dem 26.09.09, drang mindestens eine unbekannte Person vom Nachbargrundstück in das Gelände des Projektes K’inal Antsetik ein, welches zugleich die Räumlichkeiten der WeberInnen der Textilkooperative Jolom Mayaetik sowie die Wohnräume von jugendlichen indigenen Frauen aus verschiedenen Regionen Chiapas’ beherbergt. Der Eindringling hatte nach Augenzeuginnenberichten eine durchschnittliche Körpergröße, eine robuste Statur und trug komplett schwarze Kleidung, während er sein Gesicht unter einer Sturmmaske versteckt hielt.
Das Projekt K’inal Antsetik befindet sich in der Calle de la Escuela # 25 im Barrio la Quinta San Martín in San Cristóbal de las Casas. K’inal Antsetik erweitert seit einigen Monaten die Projekträume, weshalb ein Teil des Geländes Baustelle ist. Das Dach des Neubaus wird seit seiner Konstruktion am vergangenen Montag bis zur Aushärtung des Zements mittels Holzbalken gestützt. Ebendiese Holzbalken, welche die Zementkonstruktion tragen, wurden in der besagten Nacht durch den bzw. die Attentäter stellenweise mit Benzin übergossen und angezündet.
Nachdem die im Projekt wohnenden Mädchen sowie der ebenfalls anwesende jugendliche Sohn des Nachtwächters das Feuer bemerkt hatten, gelang es ihnen – trotz Angst und Panik – den Brand mit Eimern voll Wasser zu löschen. Nachdem sie daraufhin den Neubau nach weiteren Brände durchsucht hatten, gingen sie zum gegenüberliegenden Gebäude, um vom Projektbüro aus die ProjektbetreuerInnen anzurufen. Von dort beobachteten sie plötzlich, dass sich im Gebäude immer noch eine Person mit schwarzer Hose, schwarzem Hemd und schwarzer Sturmhaube bewegte, die sie kurz darauf in der Küche sahen. Als die Person sich ertappt fühlte, flüchtete sie.
Fakt ist, dass diejenigen Personen, welche den Anschlag verübten, Kenntnisse über An- bzw. Abwesenheit der Projektangestellten besaßen. Insbesondere waren sie über die Abwesenheit des uns vertrauten Nachtwächters informiert, welcher in dieser Nacht aus gesundheitlichen Gründen beurlaubt war.
Wir fordern von den dafür zuständigen Stellen, dass bezüglich der Geschehnisse ermittelt wird und dass die TäterInnen verfolgt und bestraft werden. Wir bitten die Staatsregierung sowie den Landrat, dass sie alle notwendigen Maßnahmen ergreifen um die Sicherheit des Vereins K’inal Antsetik A.C. und seines Personals zu gewährleisten.
Während der vergangenen 15 Jahre wurde K’inal Antsetik wiederholt Opfer von Nötigungen, Drohungen und Aggressionen. All diese Anfeindungen entspringen der Ablehnung, welche verschiedenste gesellschaftliche Kreise gegenüber uns und unserer Arbeit hegen, und zwar weil wir uns mit der am meisten benachteiligten und marginalisierten Bevölkerungsgruppe solidarisieren: mit den indigenen Frauen. Von Beginn an hat sich K’inal Antsetik dem Kampf um die Respektierung der Rechte der Frauen verschrieben. Von Beginn an galt es, jede Form von Gewalt gegen Frauen zu bekämpfen. Seit jeher unterstützt K’inal Antsetik die politische Partizipation von Fraueninitiativen in Form von Begleitung, Beratung und Fortbildung für Erwerbskollektive. Momentan geht es vor allem um den Ausbau des Projektzentrums als Ort der Bildung und Ausbildung für Frauen von Frauen.
Wir möchten mit dieser öffentlichen Anklage zudem daran erinnern, dass unsere Genossin Yolanda Castro Apreza mit diesem Anschlag zum wiederholten Male von politischer Verfolgung betroffen ist, wie in der Vergangenheit öffentlich gemacht wurde: ein Hausfriedensbruch in ihrem privaten Wohnhaus sowie die Anwesenheit von Personen auf dem Projektgelände, welche durch Bestechung Informationen über Yolanda Castro erlangen wollten. Jüngst wurde dann bekannt, dass der mexikanische Staat gegen sie ermittelt, um sie als Angehörige bewaffneter Gruppen darzustellen, was aufzeigt, dass der Staat ihre Arbeit als Menschenrechtsverteidigerin kriminalisieren möchte. In der Menschenrechtsarbeit hat Yolanda Castro in den vergangenen zwei Jahren eine herausragende Rolle eingenommen, indem sie Familienangehörige von Gefangenen bzw. gewaltsam verschwundenen Personen bei der Erstellung von Anklagen und Forderungen begleitete.
Wir appellieren dringlichst an alle Frauenorganisationen, an feministische Kreise, an Menschenrechtsorganisationen und an die Zivilgesellschaft, dass sie sich gegen diese Anschläge und Angriffe aussprechen, welche jüngst die Sicherheit und körperliche wie psychische Unversehrtheit der Mitarbeiterinnen von K’inal Antsetik gefährdeten und die damit Teil einer längst zur Normalität gewordenen Repression gegenüber dem Projekt sind.
SCHLUSS MIT DER GEWALT GEGENÜBER FRAUEN!!!
GEGEN DIE KRIMINALISIERUNG UNSERES KAMPFES ALS FRAUEN!!!
Danke für Ihre und Eure Solidarität,
K’inal Antsetik A.C.
erschienen auf indymedia, 2.10.2009
Am Samstag, dem 26. September 2009 wurde das Bildungs- und Ausbildungszentrum für Frauen des Vereins K’inal Antsetik (Land der Frauen) in San Cristóbal de las Casas/Chiapas Opfer eines Brandanschlages. Mit dem Angriff wurde versucht, die noch im Bau befindlichen neuen Gebäude des Projektes zu zerstören.
Daher im Folgenden die öffentliche Anklage der Organisation K’inal Antsetik, welche hiermit erstmals in deutscher Übersetzung vorliegt und einen Erlebnisbericht der anwesenden Personen enthält.
San Cristóbal de las Casas, Chiapas
Sonntag, den 27 September 2009
AN ALLE MENSCHENRECHTSORGANISATIONEN,
AN ALLE FEMINISTISCHEN ORGANISATIONEN,
AN DIE REGIERUNG VON MEXIKO UND CHIAPAS.
Am Samstag, dem 26. September 2009 wurde das Bildungs- und Ausbildungszentrum für Frauen des Vereins K’inal Antsetik (Land der Frauen) Opfer eines Anschlages. Mit dem Angriff wurde versucht, die noch im Bau befindlichen neuen Gebäude des Projektes zu zerstören.
Im Folgenden eine genaue Schilderung der Ereignisse:
Gegen 20.00 Uhr am Samstagabend, dem 26.09.09, drang mindestens eine unbekannte Person vom Nachbargrundstück in das Gelände des Projektes K’inal Antsetik ein, welches zugleich die Räumlichkeiten der WeberInnen der Textilkooperative Jolom Mayaetik sowie die Wohnräume von jugendlichen indigenen Frauen aus verschiedenen Regionen Chiapas’ beherbergt. Der Eindringling hatte nach Augenzeuginnenberichten eine durchschnittliche Körpergröße, eine robuste Statur und trug komplett schwarze Kleidung, während er sein Gesicht unter einer Sturmmaske versteckt hielt.
Das Projekt K’inal Antsetik befindet sich in der Calle de la Escuela # 25 im Barrio la Quinta San Martín in San Cristóbal de las Casas. K’inal Antsetik erweitert seit einigen Monaten die Projekträume, weshalb ein Teil des Geländes Baustelle ist. Das Dach des Neubaus wird seit seiner Konstruktion am vergangenen Montag bis zur Aushärtung des Zements mittels Holzbalken gestützt. Ebendiese Holzbalken, welche die Zementkonstruktion tragen, wurden in der besagten Nacht durch den bzw. die Attentäter stellenweise mit Benzin übergossen und angezündet.
Nachdem die im Projekt wohnenden Mädchen sowie der ebenfalls anwesende jugendliche Sohn des Nachtwächters das Feuer bemerkt hatten, gelang es ihnen – trotz Angst und Panik – den Brand mit Eimern voll Wasser zu löschen. Nachdem sie daraufhin den Neubau nach weiteren Brände durchsucht hatten, gingen sie zum gegenüberliegenden Gebäude, um vom Projektbüro aus die ProjektbetreuerInnen anzurufen. Von dort beobachteten sie plötzlich, dass sich im Gebäude immer noch eine Person mit schwarzer Hose, schwarzem Hemd und schwarzer Sturmhaube bewegte, die sie kurz darauf in der Küche sahen. Als die Person sich ertappt fühlte, flüchtete sie.
Fakt ist, dass diejenigen Personen, welche den Anschlag verübten, Kenntnisse über An- bzw. Abwesenheit der Projektangestellten besaßen. Insbesondere waren sie über die Abwesenheit des uns vertrauten Nachtwächters informiert, welcher in dieser Nacht aus gesundheitlichen Gründen beurlaubt war.
Wir fordern von den dafür zuständigen Stellen, dass bezüglich der Geschehnisse ermittelt wird und dass die TäterInnen verfolgt und bestraft werden. Wir bitten die Staatsregierung sowie den Landrat, dass sie alle notwendigen Maßnahmen ergreifen um die Sicherheit des Vereins K’inal Antsetik A.C. und seines Personals zu gewährleisten.
Während der vergangenen 15 Jahre wurde K’inal Antsetik wiederholt Opfer von Nötigungen, Drohungen und Aggressionen. All diese Anfeindungen entspringen der Ablehnung, welche verschiedenste gesellschaftliche Kreise gegenüber uns und unserer Arbeit hegen, und zwar weil wir uns mit der am meisten benachteiligten und marginalisierten Bevölkerungsgruppe solidarisieren: mit den indigenen Frauen. Von Beginn an hat sich K’inal Antsetik dem Kampf um die Respektierung der Rechte der Frauen verschrieben. Von Beginn an galt es, jede Form von Gewalt gegen Frauen zu bekämpfen. Seit jeher unterstützt K’inal Antsetik die politische Partizipation von Fraueninitiativen in Form von Begleitung, Beratung und Fortbildung für Erwerbskollektive. Momentan geht es vor allem um den Ausbau des Projektzentrums als Ort der Bildung und Ausbildung für Frauen von Frauen.
Wir möchten mit dieser öffentlichen Anklage zudem daran erinnern, dass unsere Genossin Yolanda Castro Apreza mit diesem Anschlag zum wiederholten Male von politischer Verfolgung betroffen ist, wie in der Vergangenheit öffentlich gemacht wurde: ein Hausfriedensbruch in ihrem privaten Wohnhaus sowie die Anwesenheit von Personen auf dem Projektgelände, welche durch Bestechung Informationen über Yolanda Castro erlangen wollten. Jüngst wurde dann bekannt, dass der mexikanische Staat gegen sie ermittelt, um sie als Angehörige bewaffneter Gruppen darzustellen, was aufzeigt, dass der Staat ihre Arbeit als Menschenrechtsverteidigerin kriminalisieren möchte. In der Menschenrechtsarbeit hat Yolanda Castro in den vergangenen zwei Jahren eine herausragende Rolle eingenommen, indem sie Familienangehörige von Gefangenen bzw. gewaltsam verschwundenen Personen bei der Erstellung von Anklagen und Forderungen begleitete.
Wir appellieren dringlichst an alle Frauenorganisationen, an feministische Kreise, an Menschenrechtsorganisationen und an die Zivilgesellschaft, dass sie sich gegen diese Anschläge und Angriffe aussprechen, welche jüngst die Sicherheit und körperliche wie psychische Unversehrtheit der Mitarbeiterinnen von K’inal Antsetik gefährdeten und die damit Teil einer längst zur Normalität gewordenen Repression gegenüber dem Projekt sind.
SCHLUSS MIT DER GEWALT GEGENÜBER FRAUEN!!!
GEGEN DIE KRIMINALISIERUNG UNSERES KAMPFES ALS FRAUEN!!!
Danke für Ihre und Eure Solidarität,
K’inal Antsetik A.C.
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die untenstehende Eilaktion kann gleich Online ausgefüllt werden unter:
Chiapas: Brandanschlag auf Frauenprojekt
erschienen auf indymedia, 2.10.2009
Am Samstag, dem 26. September 2009 wurde das Bildungs- und Ausbildungszentrum für Frauen des Vereins K’inal Antsetik (Land der Frauen) in San Cristóbal de las Casas/Chiapas Opfer eines Brandanschlages. Mit dem Angriff wurde versucht, die noch im Bau befindlichen neuen Gebäude des Projektes zu zerstören.
Daher im Folgenden die öffentliche Anklage der Organisation K’inal Antsetik, welche hiermit erstmals in deutscher Übersetzung vorliegt und einen Erlebnisbericht der anwesenden Personen enthält.
San Cristóbal de las Casas, Chiapas
Sonntag, den 27 September 2009
AN ALLE MENSCHENRECHTSORGANISATIONEN,
AN ALLE FEMINISTISCHEN ORGANISATIONEN,
AN DIE REGIERUNG VON MEXIKO UND CHIAPAS.
Am Samstag, dem 26. September 2009 wurde das Bildungs- und Ausbildungszentrum für Frauen des Vereins K’inal Antsetik (Land der Frauen) Opfer eines Anschlages. Mit dem Angriff wurde versucht, die noch im Bau befindlichen neuen Gebäude des Projektes zu zerstören.
Im Folgenden eine genaue Schilderung der Ereignisse:
Gegen 20.00 Uhr am Samstagabend, dem 26.09.09, drang mindestens eine unbekannte Person vom Nachbargrundstück in das Gelände des Projektes K’inal Antsetik ein, welches zugleich die Räumlichkeiten der WeberInnen der Textilkooperative Jolom Mayaetik sowie die Wohnräume von jugendlichen indigenen Frauen aus verschiedenen Regionen Chiapas’ beherbergt. Der Eindringling hatte nach Augenzeuginnenberichten eine durchschnittliche Körpergröße, eine robuste Statur und trug komplett schwarze Kleidung, während er sein Gesicht unter einer Sturmmaske versteckt hielt.
Das Projekt K’inal Antsetik befindet sich in der Calle de la Escuela # 25 im Barrio la Quinta San Martín in San Cristóbal de las Casas. K’inal Antsetik erweitert seit einigen Monaten die Projekträume, weshalb ein Teil des Geländes Baustelle ist. Das Dach des Neubaus wird seit seiner Konstruktion am vergangenen Montag bis zur Aushärtung des Zements mittels Holzbalken gestützt. Ebendiese Holzbalken, welche die Zementkonstruktion tragen, wurden in der besagten Nacht durch den bzw. die Attentäter stellenweise mit Benzin übergossen und angezündet.
Nachdem die im Projekt wohnenden Mädchen sowie der ebenfalls anwesende jugendliche Sohn des Nachtwächters das Feuer bemerkt hatten, gelang es ihnen – trotz Angst und Panik – den Brand mit Eimern voll Wasser zu löschen. Nachdem sie daraufhin den Neubau nach weiteren Brände durchsucht hatten, gingen sie zum gegenüberliegenden Gebäude, um vom Projektbüro aus die ProjektbetreuerInnen anzurufen. Von dort beobachteten sie plötzlich, dass sich im Gebäude immer noch eine Person mit schwarzer Hose, schwarzem Hemd und schwarzer Sturmhaube bewegte, die sie kurz darauf in der Küche sahen. Als die Person sich ertappt fühlte, flüchtete sie.
Fakt ist, dass diejenigen Personen, welche den Anschlag verübten, Kenntnisse über An- bzw. Abwesenheit der Projektangestellten besaßen. Insbesondere waren sie über die Abwesenheit des uns vertrauten Nachtwächters informiert, welcher in dieser Nacht aus gesundheitlichen Gründen beurlaubt war.
Wir fordern von den dafür zuständigen Stellen, dass bezüglich der Geschehnisse ermittelt wird und dass die TäterInnen verfolgt und bestraft werden. Wir bitten die Staatsregierung sowie den Landrat, dass sie alle notwendigen Maßnahmen ergreifen um die Sicherheit des Vereins K’inal Antsetik A.C. und seines Personals zu gewährleisten.
Während der vergangenen 15 Jahre wurde K’inal Antsetik wiederholt Opfer von Nötigungen, Drohungen und Aggressionen. All diese Anfeindungen entspringen der Ablehnung, welche verschiedenste gesellschaftliche Kreise gegenüber uns und unserer Arbeit hegen, und zwar weil wir uns mit der am meisten benachteiligten und marginalisierten Bevölkerungsgruppe solidarisieren: mit den indigenen Frauen. Von Beginn an hat sich K’inal Antsetik dem Kampf um die Respektierung der Rechte der Frauen verschrieben. Von Beginn an galt es, jede Form von Gewalt gegen Frauen zu bekämpfen. Seit jeher unterstützt K’inal Antsetik die politische Partizipation von Fraueninitiativen in Form von Begleitung, Beratung und Fortbildung für Erwerbskollektive. Momentan geht es vor allem um den Ausbau des Projektzentrums als Ort der Bildung und Ausbildung für Frauen von Frauen.
Wir möchten mit dieser öffentlichen Anklage zudem daran erinnern, dass unsere Genossin Yolanda Castro Apreza mit diesem Anschlag zum wiederholten Male von politischer Verfolgung betroffen ist, wie in der Vergangenheit öffentlich gemacht wurde: ein Hausfriedensbruch in ihrem privaten Wohnhaus sowie die Anwesenheit von Personen auf dem Projektgelände, welche durch Bestechung Informationen über Yolanda Castro erlangen wollten. Jüngst wurde dann bekannt, dass der mexikanische Staat gegen sie ermittelt, um sie als Angehörige bewaffneter Gruppen darzustellen, was aufzeigt, dass der Staat ihre Arbeit als Menschenrechtsverteidigerin kriminalisieren möchte. In der Menschenrechtsarbeit hat Yolanda Castro in den vergangenen zwei Jahren eine herausragende Rolle eingenommen, indem sie Familienangehörige von Gefangenen bzw. gewaltsam verschwundenen Personen bei der Erstellung von Anklagen und Forderungen begleitete.
Wir appellieren dringlichst an alle Frauenorganisationen, an feministische Kreise, an Menschenrechtsorganisationen und an die Zivilgesellschaft, dass sie sich gegen diese Anschläge und Angriffe aussprechen, welche jüngst die Sicherheit und körperliche wie psychische Unversehrtheit der Mitarbeiterinnen von K’inal Antsetik gefährdeten und die damit Teil einer längst zur Normalität gewordenen Repression gegenüber dem Projekt sind.
SCHLUSS MIT DER GEWALT GEGENÜBER FRAUEN!!!
GEGEN DIE KRIMINALISIERUNG UNSERES KAMPFES ALS FRAUEN!!!
Danke für Ihre und Eure Solidarität,
K’inal Antsetik A.C.
erschienen auf indymedia, 2.10.2009
Am Samstag, dem 26. September 2009 wurde das Bildungs- und Ausbildungszentrum für Frauen des Vereins K’inal Antsetik (Land der Frauen) in San Cristóbal de las Casas/Chiapas Opfer eines Brandanschlages. Mit dem Angriff wurde versucht, die noch im Bau befindlichen neuen Gebäude des Projektes zu zerstören.
Daher im Folgenden die öffentliche Anklage der Organisation K’inal Antsetik, welche hiermit erstmals in deutscher Übersetzung vorliegt und einen Erlebnisbericht der anwesenden Personen enthält.
San Cristóbal de las Casas, Chiapas
Sonntag, den 27 September 2009
AN ALLE MENSCHENRECHTSORGANISATIONEN,
AN ALLE FEMINISTISCHEN ORGANISATIONEN,
AN DIE REGIERUNG VON MEXIKO UND CHIAPAS.
Am Samstag, dem 26. September 2009 wurde das Bildungs- und Ausbildungszentrum für Frauen des Vereins K’inal Antsetik (Land der Frauen) Opfer eines Anschlages. Mit dem Angriff wurde versucht, die noch im Bau befindlichen neuen Gebäude des Projektes zu zerstören.
Im Folgenden eine genaue Schilderung der Ereignisse:
Gegen 20.00 Uhr am Samstagabend, dem 26.09.09, drang mindestens eine unbekannte Person vom Nachbargrundstück in das Gelände des Projektes K’inal Antsetik ein, welches zugleich die Räumlichkeiten der WeberInnen der Textilkooperative Jolom Mayaetik sowie die Wohnräume von jugendlichen indigenen Frauen aus verschiedenen Regionen Chiapas’ beherbergt. Der Eindringling hatte nach Augenzeuginnenberichten eine durchschnittliche Körpergröße, eine robuste Statur und trug komplett schwarze Kleidung, während er sein Gesicht unter einer Sturmmaske versteckt hielt.
Das Projekt K’inal Antsetik befindet sich in der Calle de la Escuela # 25 im Barrio la Quinta San Martín in San Cristóbal de las Casas. K’inal Antsetik erweitert seit einigen Monaten die Projekträume, weshalb ein Teil des Geländes Baustelle ist. Das Dach des Neubaus wird seit seiner Konstruktion am vergangenen Montag bis zur Aushärtung des Zements mittels Holzbalken gestützt. Ebendiese Holzbalken, welche die Zementkonstruktion tragen, wurden in der besagten Nacht durch den bzw. die Attentäter stellenweise mit Benzin übergossen und angezündet.
Nachdem die im Projekt wohnenden Mädchen sowie der ebenfalls anwesende jugendliche Sohn des Nachtwächters das Feuer bemerkt hatten, gelang es ihnen – trotz Angst und Panik – den Brand mit Eimern voll Wasser zu löschen. Nachdem sie daraufhin den Neubau nach weiteren Brände durchsucht hatten, gingen sie zum gegenüberliegenden Gebäude, um vom Projektbüro aus die ProjektbetreuerInnen anzurufen. Von dort beobachteten sie plötzlich, dass sich im Gebäude immer noch eine Person mit schwarzer Hose, schwarzem Hemd und schwarzer Sturmhaube bewegte, die sie kurz darauf in der Küche sahen. Als die Person sich ertappt fühlte, flüchtete sie.
Fakt ist, dass diejenigen Personen, welche den Anschlag verübten, Kenntnisse über An- bzw. Abwesenheit der Projektangestellten besaßen. Insbesondere waren sie über die Abwesenheit des uns vertrauten Nachtwächters informiert, welcher in dieser Nacht aus gesundheitlichen Gründen beurlaubt war.
Wir fordern von den dafür zuständigen Stellen, dass bezüglich der Geschehnisse ermittelt wird und dass die TäterInnen verfolgt und bestraft werden. Wir bitten die Staatsregierung sowie den Landrat, dass sie alle notwendigen Maßnahmen ergreifen um die Sicherheit des Vereins K’inal Antsetik A.C. und seines Personals zu gewährleisten.
Während der vergangenen 15 Jahre wurde K’inal Antsetik wiederholt Opfer von Nötigungen, Drohungen und Aggressionen. All diese Anfeindungen entspringen der Ablehnung, welche verschiedenste gesellschaftliche Kreise gegenüber uns und unserer Arbeit hegen, und zwar weil wir uns mit der am meisten benachteiligten und marginalisierten Bevölkerungsgruppe solidarisieren: mit den indigenen Frauen. Von Beginn an hat sich K’inal Antsetik dem Kampf um die Respektierung der Rechte der Frauen verschrieben. Von Beginn an galt es, jede Form von Gewalt gegen Frauen zu bekämpfen. Seit jeher unterstützt K’inal Antsetik die politische Partizipation von Fraueninitiativen in Form von Begleitung, Beratung und Fortbildung für Erwerbskollektive. Momentan geht es vor allem um den Ausbau des Projektzentrums als Ort der Bildung und Ausbildung für Frauen von Frauen.
Wir möchten mit dieser öffentlichen Anklage zudem daran erinnern, dass unsere Genossin Yolanda Castro Apreza mit diesem Anschlag zum wiederholten Male von politischer Verfolgung betroffen ist, wie in der Vergangenheit öffentlich gemacht wurde: ein Hausfriedensbruch in ihrem privaten Wohnhaus sowie die Anwesenheit von Personen auf dem Projektgelände, welche durch Bestechung Informationen über Yolanda Castro erlangen wollten. Jüngst wurde dann bekannt, dass der mexikanische Staat gegen sie ermittelt, um sie als Angehörige bewaffneter Gruppen darzustellen, was aufzeigt, dass der Staat ihre Arbeit als Menschenrechtsverteidigerin kriminalisieren möchte. In der Menschenrechtsarbeit hat Yolanda Castro in den vergangenen zwei Jahren eine herausragende Rolle eingenommen, indem sie Familienangehörige von Gefangenen bzw. gewaltsam verschwundenen Personen bei der Erstellung von Anklagen und Forderungen begleitete.
Wir appellieren dringlichst an alle Frauenorganisationen, an feministische Kreise, an Menschenrechtsorganisationen und an die Zivilgesellschaft, dass sie sich gegen diese Anschläge und Angriffe aussprechen, welche jüngst die Sicherheit und körperliche wie psychische Unversehrtheit der Mitarbeiterinnen von K’inal Antsetik gefährdeten und die damit Teil einer längst zur Normalität gewordenen Repression gegenüber dem Projekt sind.
SCHLUSS MIT DER GEWALT GEGENÜBER FRAUEN!!!
GEGEN DIE KRIMINALISIERUNG UNSERES KAMPFES ALS FRAUEN!!!
Danke für Ihre und Eure Solidarität,
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