Posts mit dem Label Gentechnik-Seilschaften werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Gentechnik-Seilschaften werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 23. Februar 2012

Gentechnik-Seilschaften: Newsletter am 14.2.2012

************www.biotech-seilschaften.de.vu**************
DARF GERNE WEITERGELEITET WERDEN ... GANZ ODER TEXTWEISE
*************Verfasst von: Jörg Bergstedt***************

Hallo!
gleich vorweg eine eilige Bitte des BUND in Mecklenburg-Vorpommern.
Dort soll ein Versuch mit Pferden starten, die mit gentechnisch
veränderten Organismen gespritzt werden. Auszug aus dem Schreiben
des BUND: Kein Gen-Impf-Versuch mit Pferden im Pferdeland MV!
-BUND fordert bundesweites Freisetzungsverbot des Gen-Impfstoffs für
Pferde/
-Einwendung mit 12 Begründungen gegen Impf-Versuch ans BVL senden/
-Einwandfrist endet am Donnerstag, 16.02.2012/
-Widerstand betroffener Bürger gegen Freisetzungsversuch wächst/
Ein Einwendungsvordruck findet sich unter
http://www.bund-mecklenburg-vorpommern.de/themen_und_projekte/landwirtschaft/gentechnik/

Also: schnell, schnell ...

Die zweite richtig wichtige Info ist ein absurder Gerichtsprozess
gegen GentechnikkritikerInnen. Die sind angeklagt (und haben schon
Vorwegurteile, sogenannte Strafbefehle, kassiert) wegen
Spazierengehens im öffentlichen Park in Üplingen. Das ist gar nicht
direkt an dem auch im Ort gelegenen Gentechnik-Schaugarten dran. Die
Gerichtsakte ist voller Absurditäten. So wissen die nicht einmal,
wer genau da langgegangen ist - aber haben einfach mal vier Leute
angeklagt, von denen sie irgendwie die Namen wussten (ich bin auch
dabei, bin aber nicht zum Gerichtstermin geladen worden ... warum
auch immer).
Das Interessante an dem Gerichtsprozess ist unter anderem, dass
Kerstin Schmidt als Zeugin auftritt. Mensch bedenke:
Gerichtsprozesse sind der Ort, wo die Angeklagten die Fragen stellen
(dürfen) - und die ZeugInnen zu antworten haben. Mal sehen, ob
Kerstin Schmidt nach dem Tag noch glücklich ist über ihre Kumpanei
mit der gentechnikgeilen Justiz in Sachsen-Anhalt ...
Der Prozess ist öffentlich - daher hier die Daten: Mittwoch, 29.2.
um 13.45 Uhr am Amtsgericht Oschersleben: Prozess gegen eine
Gentechnikgegnerin, weil sie im Ort Üplingen (nur kleines Dorf, aber
das größte Ballungszentrum von Gen"versuchs"feldern in Deutschland)
auf einem Weg spazieren ging, der sogar mit einem Schild als
erlaubter Spazierweg gekennzeichnet war. In Sachsen-Anhalt aber
kämpfen alle Institutionen für die Gentechnikseilschaften (bzw.:
Mafia, wie sie laut Bundesverfassungsgerichtsurteil genannt werden
darf)



Wegen dieser eiligen Sache geht der Newsletter in gekürzter Form
raus - also im Folgenden nur ein paar weitere Infos. Beste Grüße aus
der Projektwerkstatt, wo ich grad von der Tour aus Zürich, Biel,
Winterthur und Lindau zurück bin ... Jörg B.


********************

NEUES AUS DEN SEILSCHAFTEN

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Versuch von Horst
Rehberger, Kerstin Schmidt und Uwe Schrader, mit meine Recherchen
bzw. die Verkündung derer Ergebnisse zu verbieten, ist jetzt auch
beim Verfassungsgericht selbst online. Der Link:
http://www.bundesverfassungsgericht.de/entscheidungen/rk20111207_1bvr267810.html.
Und der schöne Auszug: "Hinsichtlich der Äußerungen a, d, e, f, i
und j hält sich diese Abwägung im fachgerichtlichen Wertungsrahmen
und wird die Verfassungsbeschwerde nicht angenommen." Damit nun alle
wissen, was die Äußerungen a, d, e, f, i und j sind, die folglich
überall - verfassungsrechtlich geprüft - gesagt werden dürfen, hier
die Gesamtliste (auch aus dem Urteil):
a. Die Beschwerdeführer beabsichtigten „Steuermittel in eine
Zentrale für Gentechnikpropaganda und undurchsichtige
Firmengeflechte zu verschieben“,
b. die Beschwerdeführer gehörten einer Seilschaft für
Fördermittelveruntreuung an,
c. die Beschwerdeführer beabsichtigten, in Ü. ein neues El Dorado
für Geldwäsche entstehen zu lassen,
d. die Beschwerdeführer seien rücksichtslos und profitorientiert,
e. die Beschwerdeführer sackten für ihre dubiosen Firmenkonstrukte
umfangreiche Firmen- und Steuergelder ein,
f. die Beschwerdeführer seien Angehörige einer Gentechnikmafia,
g. das A., deren Geschäftsführerin die Beschwerdeführerin zu 1) sei,
diene vor allem „der Propaganda und der Veruntreuung großer Mengen
von Steuergeldern“,
h.- die B. in Ü., deren Geschäftsführerin ebenfalls die
Beschwerdeführerin zu 1) sei, sei „wichtig zur Wäsche von
Steuergeldern in einem unübersichtlichen Gewirr von Firmen“,
i. der Beschwerdeführer zu 2) sei der „Macher aus dem I.-Filz in G.“,
j. der Beschwerdeführer zu 2) habe Demonstranten „gekauft“.

Die anderen Buchstaben sind nicht verboten, sondern der Antrag auf
Verbot muss neu und intensiv geprüft werden - ich freu mich drauf!


Noch eine Fundsache, die mal wieder zeigt, wie sinnfrei das ständige
Lamentieren der Gentechnikseilschaften über die vermeintliche
Unsachlichkeit der KritikerInnen und ihre eigene Sachlichkeit ist.
Während ich ja in meinem Buch, meiner Broschüre, Internetseiten und
Vortrag präzise alles belegte, werfen mit die SeilschafterInnen das
Gegenteil vor - allerdings pauschal, diffamierend und mit null
Belegen. Mit ihren Beleidigungen zeigen sie nur deutlich, dass sie
keine Argumente haben. Auszüge aus den Debatten auf TransGen
(http://www.transgen.de/forum/viewtopic.php?f=2&t=268):
"ich bin gerade über folgende Veranstaltungsanzeige gestolpert und
dachte mir, es könnte für den Ein oder Anderen von Interesse sein.
In zwei Veranstaltungen wir der Held der
Anti-Gentechnik-Gemeinschaft, Jörg Bergstedt, in der Heimat von Karl
Heinz Bablok über die "Seilschaften" zwischen privater und
öffentlicher Forschung im Bereich Grüne Gentechnik predigen. (sorry
für diese Formulierung)"
und
"Agent-Orange-Verschwörungsgefasel eines Straftäters" (mal eine
Anmerkung von mir: Der Satz zeigt, dass der Schreiberling nicht
einmal hingeguckt hat; Agent Orange stammt ja von Monsanto - und ich
kämpfe ja gerade gegen die einseitige Betrachtung immer nur dieser
Firma an; aber die Gentechnik-SeilschafterInnen handeln halt ständig
nach der Methode: Ohne Wissen pöbelt es sich leichter)
und
"Der Bergstedt ist nicht einfach „Straftäter“, sondern „verurteilter
Straftäter“ – ein halbes Jahr Gefängnis ohne Bewährung. Durfte er
aber im offenen Vollzug verbringen, d.h. er durfte tagsüber nach
Hause und an seinem Buch schreiben (das wurde als „Arbeit“
anerkannt) , nur die Nächte hatte er im Knast zu verbringen." (auch
hier von mir: Es gilt Gleiches wie oben. Selbst in den simpelsten
Dingen liegen sie schief: Ich durfte nämlich nicht tagsüber "nach
Hause" - welches Zuhause eigentlich? - sondern habe das Buch im
Knast geschrieben ... also wenn ich so schlampig recherchieren würde
wie die, wäre mein Buch längst verboten)
und
"Kasperle-Theater"


********************

WEITERE NACHRICHTEN ZUM THEMA

Zensur in der Freitag
Ganz offiziell erreichte uns auf Nachfrage jetzt die Nachricht, dass
die linksliberale Wochenzeitung "Freitag" zwar einen Redakteur
bezahlt hat, eine Rezension von "Monsanto auf Deutsch" zu erstellen,
aber diese nicht abdrucken wird. So sind sie, die
Bildungsbürgerlichen - ein bisschen Vogel-Strauß ist immer dabei ...

********************

ZUM NACHDENKEN

Und wieder ein schönes Beispiel aus den Sphären verkürzten Denkens
und vereinfachter Welterklärungen. Diesmal die These, dass alles gut
wird, wenn das Grundgesetz Verfassung heißen würde ... (aus einer
Rundmail):
"Ich halte dies für ein primär wichtiges Ziel, weil alles andere
(inkl. "unserer" CT-Problematik) von einem selbstbestimmten Staat
und seiner Souveränität anderen Mächten gegenüber abhängt. Da bin
ich mir so sicher, weil das Symptom, dass niemand auf meine
Protestbriefe wahrheitsgemäß antwortet, ein Untertanensymptom ist,
weil niemand antworten DARF!"
Ich habe ja die Broschüre "Den Kopf entlasten" und die Internetseite
www.kopfentlastung.de.vu gemacht. Bei Interesse lassen sich dazu
auch gern Veranstaltungen verabreden. Ich finde es wichtig, dass die
Kritik an den herrschenden Verhältnissen insgesamt bzw. an der
Agrogentechnik erstens fundiert und zweitens emanzipatorisch ist.
Ich will keine neuen Fürsten - ich will keine!


********************

VORTRÄGE ZU GENTECHNIK-SEILSCHAFTEN

Es gibt einige Planungen vor allem für den Vortrag "Monsanto auf
Deutsch" für die nächsten Wochen. Es sind weitere Vortragsabende
möglich. Wer Interesse hat, sollte sich melden!!!

Ende Februar 2012 durch Schleswig-Holstein: Vortragstour mit der
Ton-Bilder-Schau "Monsanto auf Deutsch - Seilschaften zwischen
Behörden, Forschung und Gentechnikkonzernen"
Montag, 27.2., 19.30 Uhr in Mölln, Stadthauptmannshaus (Hauptstr. 150)
Dienstag, 28.2. kann noch vergeben werden (siehe Terminkalender)
Mittwoch, 29.2., 20.00 Uhr in Itzehoe (Cafe Schwarz in der
Breitenburger Straße)
Donnerstag, 1.3. um 19 Uhr im Speicher Husum (Hafenstr. 17)
weitere Termine als am 26.2., am 28.2. und 3.3. in S-H, HH oder
(26.2./3.3.) entlang Hin-/Rückfahrt von Süden möglich

Mittwoch, 29.2. um 13.45 Uhr am Amtsgericht Oschersleben: Prozess
gegen eine Gentechnikgegnerin, weil sie im Ort Üplingen (nur kleines
Dorf, aber das größte Ballungszentrum von Gen"versuchs"feldern in
Deutschland) auf einem Weg spazieren ging, der sogar mit einem
Schild als erlaubter Spazierweg gekennzeichnet war. In
Sachsen-Anhalt aber kämpfen alle Institutionen für die
Gentechnikseilschaften (bzw.: Mafia, wie sie laut
Bundesverfassungsgerichtsurteil genannt werden darf)


17.-25. März durch Bayern: Vortragstour mit der Ton-Bilder-Schau
"Monsanto auf Deutsch - Seilschaften zwischen Behörden, Forschung
und Gentechnikkonzernen" (und 2x was anderes ... aber genauso
lohnenswert :-):
Samstag, 17.3. im Raum Kitzingen (Näheres auf Terminseite im Internet)
Sonntag, 18.3., um 20 Uhr im Cafe "Original" (Dossenberger Str. 47,
89358 Wettenhausen) nahe Günzburg
Montag, 19.3., 19.30 Uhr im Gasthof "Zum Wulfen" in (Neukirchner Weg
1, Sulzbach-Rosenberg)
Dienstag, 20.3. ein weiterer Vortrag (Ort in Kürze auf Terminseite
im Internet)
Mittwoch, 21.3., 19.30 Uhr im Bürgerhaus "Mei Wirt" (Kirchenstr. 2,
84431 Rattenkirchen), Landkreis Mühldorf
Donnerstag, 22.3. um 19 Uhr auf der Umweltmesse Landshut
(Sparkassenarena, Niedermayerstr. 100)
Freitag, 23.3., ca. 20 Uhr im Gasthof "Bichler"(Dorfstr. 11, 83561
Ramerberg im Landkreis Rosenheim): Ton-Bilder-Schau: "Die fiesen
Tricks von Polizei und Justiz" (wer wissen will, was sich dahinter
verbirgt: www.fiese-tricks-de.vu)
Samstag, 24.3. mittags auf der Biokreis-Hauptversammlung (nicht
öffentlich)
Samstag, 24.3. wahrscheinlich im Raum Erding: wahrscheinlich eine
Kunstperformance zu kreativen Aktionen und politisch-inhaltlichen
Ausdrucksformen (Näheres auf Terminseite im Internet)
Sonntag, 25.3., 19 Uhr in 94116 Hutthurm bei Passau (Gasthaus
Wagner, Marktplatz 3)

********************

NEUE BÜCHER AUS DEM SEITENHIEB-VERLAG

Winter der Utopie - im SeitenHieb-Verlag!
Vier neue Bücher aus der Projektwerkstatt zu herrschaftsfreier
Gesellschaft, alternativem Wirtschaften und emanzipatorischer
Technikentwicklung

Kleinigkeiten dominieren die Medienwelt und politischen Diskussionen
- von den Fehltritten eines Bundespräsidenten bis zum Wettstreit der
mickrigsten politischen Forderungen zwischen NGOs,
Occupy-CamperInnen und anderen. Der Mut, sich der aktuellen
gesellschaftlichen Realität mit ihren Grausamkeiten gegenüber Mensch
und Natur mit entschlossenen Gegenentwürfen entgegenzustellen,
reduziert sich auf verbalradikale Einzeltransparente am Rande von
Demos und Camps. Eine herrschaftsfreie Welt ist kein Thema - weder
in den Köpfen noch in den Handlungen.
Dem will der SeitenHieb-Verlag etwas entgegensetzen und liefert mit
vier neuen Bücher zumindest das geistige Rüstzeug für eine Welt ohne
Herrschaft - die praktische Umsetzung wird in den Werken zwar auch
thematisiert, aber das konkrete Handeln lässt sich nicht zwischen
Buchdeckel klemmen. So hoffen die AutorInnen, dass die neuen Bücher
nicht nur gelesen und diskutiert werden, sondern auch Mut zum
Handeln machen.

Als Hauptwerk des Verlages zur Theorie einer herrschaftsfreien
Gesellschaft ist das Buch "Freie Menschen in freien Vereinbarungen"
jetzt in zweiter Auflage entstanden. Die ist gegenüber der ersten,
2000 erschienenen Ausgabe, kaum wiederzuerkennen. Denn neben einer
zeitgemäßen Analyse von Herrschaftsverhältnissen über die
klassischen Interpretationen in Klassen oder Hierarchien hinaus sind
modernste naturwissenschaftliche Erkenntnisse in Überlegungen
eingeflossen, worauf menschliches Dasein basiert und was sich daraus
für Konsequenzen ergeben. Die Kernessenz: Ob Soziologie,
Quantenphysik oder Hirnforschung - überall lässt sich feststellen,
dass dynamische Offenheit das Wesen nicht nur des Menschen, sondern
der ganzen Natur ist. Reglementierte Gesellschaftssysteme, die
Menschen mit Gewalt oder Tricks zur Einhaltung von Regeln der
Vergangenheit bringen, sind deshalb unmenschlich. Die Gedankengänge
des Buches sind streng materialistisch - metaphysische Erklärungsnot
tritt an keiner Stelle auf. So bietet das dicke Werk mit seinen 354
Seiten genug Stoff für eine klare Absage an Herrschaft und für das
Ringen um eine Zukunft jenseits von Markt und Staat. Konsequent hat
der Verlag seine Reihe "Fragend voran" genannt - denn kein Gedanke
für immer gültig. Alles Leben auf der Erde strebt, wenn es nicht
durch Gesetze, Normen, Diskurse, Knüppel und Gefängnisse künstlich
eingehegt wird, zu weiterer Entfaltung, zu mehr Komplexität und
Vielfalt. Das gilt auch für das Buch, welches nur eine
Zwischenstation zu neuen Ideen sein kann - und hoffentlich zu mehr
Praxis.
Neben dem Grundlagenbuch "Freie Menschen in freien Vereinbarungen"
sind zwei Themenbücher der gleichen Reihe erschienen. Das eine setzt
sich unter dem Titel "Technik für ein gutes Leben oder für den
Profit?" mit Möglichkeiten und Kritik zur oft als Allheilmittel
angesehenen Technik auseinander und benennt emanzipatorische
Perspektiven jenseits sowohl eines schlichten, technikfeindlichen
Primitivismus als auch des Macht- und Profitinteressen
verschleiernden Fortschrittsglaubens. Grundlegend überarbeitet wurde
zudem das Buch "Herrschaftsfrei wirtschaften" als Sammlung von
Texten zu Kapitalismus- und Wertkritik, solidarischer Ökonomie,
Umsonstleben und alternativem Wirtschaften.
Im Frühjahr soll dann das vierte Buch erscheinen, welches einen
Hintergrundreport zu Gruppen und Strömungen im deutschsprachigen
Raum bietet, die sich Herrschaftskritik oder gar Anarchie auf die
Fahnen schreiben. Es wird ein sehr kritischer Blick hinter Anspruch
und Wirklichkeit, denn zwischen Praxis und Theorie klaffen riesige
Lücken - oder es fehlt schon die Theorie.
Entstanden sind alle Bücher in und um die Projektwerkstatt in
Reiskirchen-Saasen - einem Ort der Verbindung zwischen intensiver
Theoriedebatte und kreativer Widerständigkeit
(www.projektwerkstatt.de/saasen).

Mehr Informationen und Hinweise:
- Der Verlag im Internet: www.seitenhieb.info
- Herrschaftskritik und Utopien im Internet: www.herrschaftsfrei.de.vu
- Freie Menschen in freien Vereinbarungen, A5, 354 Seiten, 14 €
(978-3-86747-005-6)
- Technik für ein gutes Leben oder für den Profit?, A5, 110 Seiten,
4 € (ISBN 978-3-86747-049-0)
- Herrschaftsfrei wirtschaften, A5, 100 Seiten, 4 € (ISBN
978-3-86747-011-7)
- Ca. März/April: Anarchie. Träume, Kampf und Krampf im deutschen
Anarchismus, ca. 200 S., 14 € (ISBN 978-3-86747-047-6)


Schmankerl am Rande: Die interne Polizei bei Wikipedia hat alle
Bücher des SeitenHieb-Verlag als unbedeutend zensiert. Sie sind dort
nicht mehr zu finden. Manche mögen sich erinnern, dass Wikipedia mal
eine offene Enzyklopädie war und dadurch bemerkenswerte Qualität
erreichte (fehlerfreier als der Brockhaus). Das ist längst vorbei.
Inzwischen jagen interne Datenpolizisten durch die Artikel und haben
Wikipedia zum Sprachrohr der politischen Eliten gemacht - lest Euch
mal den Eintrag zu grüner Gentechnik durch. Unglaublich. Aber wer
nöhlt, wird gesperrt.



P.S. Wie immer das Nachwort: Von der Broschüre „Organisierte
Unveranwortlichkeit“ und dem Buch „Monsanto auf Deutsch“ sind noch
genügend Bestände vorhanden. Bestellungen über das Infoformular auf
unserer Internetseite www.biotech-seilschaften.de.vu, unter
www.aktionsversand.de.vu oder in der Projektwerkstatt. Da andere
Verlage – teilweise mit erstaunlich widerlichen Unhöflichkeiten –
die brisanten Botschaften nicht verlegen wollten, wird „Monsanto auf
Deutsch“ wohl erstmal die einzige Enzyklopädie der
Agrogentechnik“mafia“ bleiben.
Außerdem gibt es die aktuelle Aktionszeitung "Es reicht!". Infos auf
der Bestellseite www.aktionsversand.de.vu.

Und: In der Projektwerkstatt und anderen Aktionshäusern sind immer
wieder Sachspenden gefragt. Auf der Seite
www.projektwerkstatt.de/gesucht findet Ihr eine Liste. Wer was
Passendes übrig hat ... wir freuen uns!!!

--
Verfasst in der
Projektwerkstatt Saasen, 06401/90328-3, Fax -5, 01522-8728353
Ludwigstr. 11, 35447 Reiskirchen-Saasen (20 km östlich Giessen)
www.projektwerkstatt.de/saasen
++ Tagungshaus ++ politische Werkstätten ++ Archive und
Bibliotheken ++ Direct-Action-Plattform ++ Bahnanschluß ++
ReferentInnenangebote ++ Sachspenden gesucht: Was gerade fehlt,
steht immer unter www.projektwerkstatt.de/gesucht ++

Samstag, 21. Januar 2012

Gentechnik-Seilschaften: Newsletter am 27.12.2011

************www.biotech-seilschaften.de.vu**************
DARF GERNE WEITERGELEITET WERDEN ... GANZ ODER TEXTWEISE
*************Verfasst von: Jörg Bergstedt***************


Hallo!
Eigentlich war kein Newsletter mehr in diesem Jahr geplant. Aber
eine Idee, die uns eben kam, ändert meine Überlegung. Denn ich
möchte Euch mitteilen, dass wir an einer Massenzeitung arbeiten, die
Anfang Januar 2012 erscheinen und für Aktionen im nächsten Jahr
mobilisieren soll. Die Themen: Schlampereien an Feldern ++ die Lage
an den Standorten AgroBioTechnikum (Rostock), Schaugarten
(Üplingen/Börde), KWS und BASF ++ Für eine andere Landwirtschaft! ++
Aufruf gegen das InnoPlanta-Forum 2012 ++ usw. Wir werden viele
davon drucken lassen. Die werden nach Berlin ausgeliefert, passend
zur Demo "Wir haben es satt!" am 21.1.2012. Von dort könnt Ihr also
welche mitnehmen für Euren Bedarf die nächsten Monate bei Aktionen,
Veranstaltungen, Infoständen usw. Wir verteilen die Zeitung ohne
Rechnung - wer etwas zu den Druckkosten spenden kann und will, darf
das natürlich gerne tun.

Außerdem gibt es noch zwei besondere Ideen und damit Anfragen, wer
dazu Lust hätte.

1. Verteilung rund um den Schaugarten Üplingen
Wir wollen die Zeitungen an und um die Hochburgen der
Gentechnik-Seilschaften verteilen - am besten in jeden Briefkasten.
Für die Orte rund um das AgroBioTechnikum ist das schon abgeklärt.
Jetzt die Frage: Wer hat Lust, dass in Üplingen und umgebenden Orten
zu machen?
Eine Idee wäre, dass einer/einige der Busse, die über die A2 von der
Demo am 21.1. zurückfahren, kurz von der A2 abfahren. Die Menschen
in ihm/ihnen können sich aufteilen. In jedem der ca. 9-10 Dörfer
werden ein paar Menschen zum Verteilen rausgesetzt. Vielleicht zwei
Stunden später sammelt der Bus sie auf gleicher Rundtour wieder ein
und es geht nach Hause. Wer hat Lust, eine solche kleine Aktion noch
an die Demo anzuhängen? Ist zwar ein bisschen anstrengender, aber
dadurch auch ein bisschen mehr als nur der gemeinsame Appell in der
Hauptstadt. Bitte melden ...

2. Zeitungstransport Richtung Rostock und in die Projektwerkstatt
Größere Mengen sollen von Berlin Richtung Norden. Dort ist die
Verteilung rund um das AgroBioTechnikum schon geklärt, aber ein
großer Stapel Zeitungen muss am 21.1. dorthin. Wer kann die nach der
Demo in Auto oder Bus mitnehmen???
Das Gleiche gilt hier für uns in der Projektwerkstatt. Wir liegen
dicht neben der Abfahrt "Reiskirchen" an der A5. Alle also, die nach
Gießen, ins Rhein-Main-Gebiet, Rheinland-Pfalz/Saarland oder ins
Rhein-Neckar-Gebiet fahren, kommen hier vorbei. Wer kann kurz
abfahren und uns Zeitungen bringen nach dem 21.1.???

Inzwischen ist die Zeitung weitgehend zusammengestellt und wird
Anfang Januar gedruckt. Wer die Entwürfe anschauen will, kann das
unter www.projektwerkstatt.de/gen/2012/zeitung.pdf gerne tun. Später
steht dann dort die endgültige Version.

Beste Grüße aus der Projektwerkstatt und guten Rutsch in ein
widerständig-kreatives Jahr ... Jörg B.

P.S. Soweit zum aktuellen Anlass, der Zeitung. Und nun bei der
Gelegenheit auch noch ein paar Neuigkeiten aus den Seilschaften und
allem Drumherum ...



********************

NEUES AUS DEN SEILSCHAFTEN

Weitere Genpflanzungen in der Börde
Der MDR meldet: Im Börde-Dorf Üplingen wird auch im kommenden Jahr
an genveränderten Pflanzen geforscht. Das erklärte der Betreiber des
Üplinger Schaugartens Pflanzenforscher Schrader räumte
allerdingsein, dass der Standort Sachsen-Anhalt für die Genforschung
weniger attraktiv geworden sei. Die gewaltsamen Attacken schreckten
Wissenschaftler ab. Im Sommer waren Gentechnik-Gegner in den
Schaugarten eingebrochen. Sie zerstörten Pflanzungen und griffen
Wachmänner an. Der Schaden betrug mehrere zehntausend Euro.
Gefunden unter
www.mdr.de/sachsen-anhalt/magdeburg/nachrichten118.html (Schrader
als Pflanzenforscher zu bezeichnen, ist schon sehr anspruchsvoller
Journalismus ...).



FOR PLANTA oder: Die Bayern fördern die Agro-Gentechnik, wo es geht ...
Wer denkt, in Bayern sei die Agrogentechnik-Welt noch oder wieder in
Ordnung, übersieht Teile der Politik, die Chamäleonspielchen der
Politik und die sogenannte Wissenschaft. Am 16.11.2011 trafen sich
die Agrogentechnik-Seilschaften des Landes in Erlangen, um für ihre
tollen Machenschaften als unter anderem von der Deutschen Bank
geförderten Ort im "Land der Ideen" ausgezeichnet zu werden. Dabei
gab es allerhand Reden, darunter drei von Leuten aus Bayern. Daraus
folgen hier Ausschnitte. Mehr auf der Extraseite "Monsanto auf
Bayrisch" im Internet:
www.projektwerkstatt.de/gen/filz/lesefenster/bayern.html - wer dazu
noch was beitragen kann ... immer her damit.

Max Lehmer (CSU-Bundestagsabgeordneter
Zu Gentechnikkritik: "die gar keine Argumente brauchen"
Zu Versuchen in Grub usw.: "Das ist alles hervorragend ausgegangen
im Sinne einer risikolosen Technologie oder risikoschwachen Technologie"
"Mit der Gentechnik erschließt sich nun ein breites Feld von
Möglichkeiten, die genetische Vielfalt in der Natur noch gezielter
für neue Pflanzeneigenschaften nutzbar zu machen."
"Weil letztlich entscheidet die Bevölkerung drüber, welchen Weg wir
gehen, weil ja nur die gewählt werden, die im Sinne der Menschen
angeblich das Richtige sagen. Das ist sehr schwierig, das musste ich
auch erleben."
Zu Zielen der Politik: "Dazu muss - und das ich wichtig - erstens
die Politik die Freiheit der Wissenschaft gewährleisten. Und zwar in
der Wahl der Zielsetzung und der Instrumente. Da haben wir schon ein
paar kritische Punkte. Wenn ich die Bekämpfung der Freilandversuche
anschaue, dann habe ich hier ein Problem. ... Zweitens den Schutz
von geistigem Eigentum zu gewährleisten - Stichwort:
Patentierbarkeit, Patentschutz"
"Es ist schon sehr kritisch, welche Stimmungslagen hier reinkommen.
In unserem Sinne kritisch, weil da kaum Lösungsansätze für die drei
Herausforderungen abzuleiten sind."

Uwe Sonnewald, Oberprofessor an der Biochemie der Uni Nürnberg-Erlangen
"For Planta ein Muss ist, um in diesen Szenarien überleben zu können"
Zu nachwachsenden Rohstoffen: "Wir brauchen immer mehr von unserer
Fläche tatsächlich jetzt nicht für die Ernährung, sondern für die
Produktion."
"Der Klimawandel macht viele Flächen unnutzbar ... unsere Produktion
ist massiv gefährdet ... das Wasser wird knapp ... das führt dazu,
dass wir mehr Landfläche brauchen ... wenn wir das tatsächlich
machen, was dann passiert ist, wir müssen Waldrodungen machen, um
unsere Flächen, die zur Verfügung stehen, zu erweitern. Das führt
dazu, dass wir nochmal CO2 produzieren ... wir sind hier tatsächlich
in einem Teufelskreis drin, den wir nur durchbrechen können, dass
wir Pflanzen züchten, die mit den Gegebenheiten besser umgehen können"
"Darüberhinaus ist die grüne Gentechnik hier ein Problem: Wir
betrachten im Wesentlichen die Risiken und wenn man das weltweit
anschaut, wird im Wesentlichen der Nutzen gesehen."

Christian Kummer, Professor für Naturphilosophie in München
"Gentechnik, so könnte man sagen, lässt uns erst die Sprache der
Natur verstehen. ... In diesem Sinne verstehe ich Gentechnik als
ökologische Forderung. Ökologie, ökologische Ansätze im Denken
braucht diese Voraussetzung. Sie muss sie fordern, wenn es sie nicht
schon gäbe."
"Wenn ich die Risikolisten der Gentechfrei-Befürworter durchgehe,
dann stellt sich bei mir immer die Frage, wieviel von diesen
angeführten Risiken ist real und wieviel ist hier nur künstlich
ausgedacht anhand rein theoretischer Möglichkeiten. Aber auch:
Wieviel wird zum wohlfeilen Zugeständis ohne einen einzigen Grund?
Ich kapier immer noch, was genetisch veränderter Pollen im Honig für
einen Schaden anrichten soll. Dennoch war vorauszusehen, dass die
von einem Einzelnen angestrengte Klage Erfolg haben würde."
"Solange man sich jedoch jedem Freilandversuch von Vornherein
widersetzt oder ihn sabotiert, ist das Abschottung der Vernunft vor
Aufklärung. Mir ist hierbei der Gewinn für Greenpeace bei solchen
Aktionen genauso ein Rätsel wie im Fall ihrer Stammzell-Patentklage ..."
"Über einen Graben kommst Du nur drüber, wenn Du irgendwann mal
springst. ... Einen Graben überwindet man nur mit einen Sprung und
die Gefahr nasser Füße ist nicht restlos auszuschließen. Das ist
schließlich das, was ich das Herausfordernde der Gentechnik der
ökologischen Heils- und Unheilspropheten nennen möchte".

Nur das Ende der Veranstaltung war nicht nach dem Geschmack der
Seilschaften. Da gab es nämlich die Frage von Sonnewald an einen
Züchter, ob er Gentechnik machen wolle. Sonnewald: "Die grüne
Gentechnik scheint ja so direkt bei der Züchtung nicht angekommen zu
sein. Jedenfalls spielte das in Ihrem Vortrag keine Rolle.
Vielleicht kann ich dann gleich mal den ersten Starter geben: Sehen
Sie denn eigentlich in der Grünen Gentechnik für sich ein Potential?"
Martin Breun, Saatzucht Breun GmbH: "Sie meinen für mich als
Unternehmen? Da muss ich sagen: Nein! Das hat zwei Gründe. Zum einen
die Kosten. Die Gentechnik, wenn man ein transgenes Produkt auf den
Markt bringen will, muss man mit 15 Mio. Euro Kosten rechnen. Das
Lizenzvolumen für Winterweizen in Deutschland sind 27. Mio. Euro.
Das ist dann eine sehr knappe Rechnung, wenn man da wirklich die
Kosten wieder reinholen will. Und das zweite ist der Endverbraucher
ist unser Kunde - und der lehnt das Produkt ab am Ende. Die Technik
an sich, vor der hab ich keine Angst. Ich hab Angst bei der
Gentechnik vor Monsanto und vor den multinationalen Konzernen, weil
die werden das Rad am Ende drehen. Und die mittelständische
Züchtung, die bisher eigentlich der Landwirtschaft die Erträge
hochgehalten hat, die wird aussterben. Und das Züchtersterben in
Deutschland findet im Moment statt. Pro Jahr werden im Moment ein
bis zwei Züchterhäuser an Konzerne verkauft."



Wissenschaftler hetzt gegen Biolandwirtschaft
Auf der FOR-PLANTA-Tagung (siehe oben) hat auch Karl-Heinz Kogel
geredet, der Gentechnikprofessor aus Gießen, der dort (zusammen mit
Uwe Sonnewald) das Feld mit transgener Gerste anlegen ließ. Sein
Hauptthema am 16.11. war auch ganz erstaunlich, nämlich der
Vergleich Ökolandbau - konventioneller Landbau: "dass wir auch hier
eine vollkommen fehlgesteuerte Risikowahrnehmung haben. ... Auch in
der organischen Produktion verwendete Pestizide wie Kupfer sind mit
hohem Umweltrisiko behaftet und müssen mittelfristig vom Markt
genommen werden. Meine Hypothese, dass der Schlüssel zu einer
nachhaltigen, umweltverträglichen, landwirtschaftlichen und gesunden
Lebensmittelproduktion nur durch klassische Züchtung und moderne
Pflanzenzüchtung möglich ist. Züchtung inklusive ihrer
biotechnologischen Potentiale ist meiner Meinung nach die einzige
sanfte Technik, die ohne negative Umweltwirkung sichere Lebensmittel
gewährleistet ... meiner Meinung ist es eindeutig, dass die
geringsten Umwelteffekte durch moderne Pflanzenzüchtung und im
Grunde auch durch grüne Gentechnik, und nicht durch Bio-Pestizide
und dergleichen. ... Der öffentliche Streit um die Erkenntnisse der
modernen Biologie ist ein Nebenkriegsschauplatz, der die
tatsächlichen Risiken der Agrarproduktion komplett ignoriert."



Schwacher Auftritt einer BUND-Funktionärin
Auf einer Tagung in Bayern sprach die BUND-Agrogentechniksprecherin
Martha Mertens über Koexistenz. Im Anschluss stellte als eher platte
Propagandistin des BDP bekannte Kerstin Mönch eine ebenfalls eher
platte Nachfrage: Wie es denn mit der Koexistenz bei Versuchsfelder
aussehen würde? Die Antwort wäre ein Leichtes gewesen, denn es sind
viele Auskreuzungsfälle von Versuchsfeldern bekannt, allen voran der
LL601-Reis. Doch die BUNDlerin bewies, dass sich der Verband
offenbar weiterhin nicht mit der deutschen Gentechnik (die sich
hinter der Fassade von Versuchsfeldern verstecken) beschäftigt. Sie
antwortete nämlich, dass sie dazu nichts sagen könne. Unfassbar.
Drei Jahre fordern viele GentechnikkritikerInnen, darunter auch
viele BUND-Basisgruppen, dass sich die Spitzenleute des Verbandes
endlich mit dem befassen, was in Deutschland tatsächlich draußen in
der Landschaft passiert. Aber die Apparate wirken beratungsresistent
- wie Firmen und Politik!



Ab sofort: Wir sammeln InteressentInnen für das nächste
InnoPlanta-Forum 2012
Jedes Jahr ist es der größte Treffpunkt der Gentechnik-Seilschaften.
Am ersten Montag (plus eventuell Folgetag) lädt InnoPlanta nach
Üplingen. Bislang gab es Protest vor allem von kleinen, unabhängigen
Aktionsgruppen. Mit vielen Menschen ließe sich ein beeindruckendes
Symbol erzeugen: Sie sollen nach Hause gehen. Sie und ihre
Profitgier braucht niemand. Wer Interesse hat am Mitmachen bei einer
größeren Aktion, wo es denen auch wirklich mal weh tut, sollte sich
jetzt schon melden. Wir halten Euch auf dem Laufenden ... Kontakt
über die Projektwerkstatt, Tel. 06401/903283,
saasen@projektwerkstatt.de und über www.gentech-weg.de.vu.



Franziska ist wieder draußen
Die bei vielen Anti-Atom- und Anti-Gentech-Aktionen beteiligte
Franziska Wittig ist am 21.12. nach zweieinhalb Monaten Knast
entlassen worden. Der Staat sperrte sie ein, weil sie sich vor
einigen Jahren erfolgreich vor einen Castor legte. Infos unter
http://knast.blogsport.de.



********************

WEITERE NACHRICHTEN ZUM THEMA

Studie von NABU & Co.: Agro-Gentechnik hilft nix
Angepriesen als Wundermittel für Ertragssteigerungen und Waffe gegen
den Welthunger, hat sich die Gentechnik in der Landwirtschaft nach
Erkenntnissen der neuen Studie „The GMO emperor has no clothes“ als
das genaue Gegenteil erwiesen. Der NABU stellte den Report am 7.12.
in Berlin vor. Der ist lesenswert. Peinlich allein das
Weiterverfolgen der Anbiederungsstrategie in Deutschland: Der NABU
stellte seine Studie ausgerechnet mit Renate Künast zusammen vor -
also der Ex-Verbraucherministerin, die in ihrer Amtszeit ihre Ämter
und Institute genau diese Technik vorantreiben ließ. Aber die Eliten
halten halt überall zusammen, auch in politischen Bewegungen. Eine
Hand wäscht die andere: Zugang zu Macht und Geld für den Nabu, gute
Presse für die Grünen ... mehr unter
www.nabu.de/themen/gentechnik/studien/14404.html



gv-Raps in der vermeintlich gentechnikfreien Schweiz
Der Anbau von Gentechnik-Pflanzen ist in der Schweiz verboten.
Dennoch wurde gentechnisch veränderter Raps gefunden, der wild an
einem Bahndamm wuchs. Wahrscheinlich gingen die Samen beim Transport
mit Güterwagen verloren und säten sich dann unkontrolliert aus.
Mehr: www.keine-gentechnik.de/news-gentechnik/news/de/24938.html



Anti-Gentechnik-Demo versperrt KWS-Eingang
Die Aktionäre der KWS wurden bei der heutigen Hauptversammlung von
rund 100 Demonstrantinnen und Demonstranten begrüßt, die gegen die
Gentechnik-Politik des Saatgutkonzerns protestierten. Mit einer
Sitzblockade wurde der Haupteingang versperrt, und die KWS-Aktionäre
mussten durch die Hintertür ins Gebäude. „Gentechnik durch die
Hintertür“ war dann auch der Aufhänger der Aktion. Mehr auf
www.kws-gentechnikfrei.de



********************

ZUM NACHDENKEN

Es ist ja immer noch so, dass die Versuchsfelder von Grünen,
Umweltverbänden usw. nicht beachtet oder zum Teil sogar gewollt
werden (Losung ist dann: Gegen Anbau, für Forschung). In einer Art
Geschichtsbuch der Umweltbewegung erinnert Joachim Radkau bezüglich
der Atomkraft an die ersten Jahre. Auch dort waren es nicht die
Konzerne, sondern der Staat und vor allem die Wissenschaft, die die
Sache vorantrieb. Die Konzerne kamen erst hinzu, als das Ganze
wirtschaftlich lukrativ wurde. Bei der Agrogentechnik wiederholt
sich das nun - und die Protestbewegung schläft überwiegend ...
Hier das Zitat aus Radkau, Joachim (2011): "Die Ära der Ökologie",
C.H. Beck in München (S. 382):
"Wer jedoch die Geschichte kannte, musste wissen, dass gerade der
größte deutsche Stromproduzent, RWE, bis in die späten 1960er Jahre
den Einstieg in die Kernenergie eher gebremt hatte, und zwar in
einer Weise, die in der Bundesregierung Ärger auslöste. Historisch
betrachtet, stand am Anfang der Kernenergieentwicklung die
Wissenschaft, nicht die Energiewirtschaft. Erfahrene
Kraftwerksingenieure standen der Kerntechnik lange Zeit
zurückhaltender gegenüber als die Theoretiker der Atomphysik, die
nicht zu verantworten hatten. Hauptakteur war in den 70er Jahren
offensichtlich eine "Community", die sich quer durch Wirtschaft,
Wissenschaft und Staatsverwaltung zog."



********************

VORTRÄGE ZU GENTECHNIK-SEILSCHAFTEN

Es gibt einige Planungen vor allem für den Vortrag "Monsanto auf
Deutsch" fürs neue Jahr. Es sind aber überall noch weitere
Vortragsabende möglich. Wer Interesse hat, sollte sich melden!!!

Samstag, 21.1. ab 11.30 Uhr in Berlin: Bundesweite Demo "Wir haben
es satt!" (www.wir-haben-es-satt.de)

Montag, 23.1. um 13 Uhr auf der Grünen Woche (Bühne in
Ausstellungshalle 6.2a): Ton-Bilder-Schau "Monsanto auf Deutsch -
Seilschaften zwischen Behörden, Forschung und Gentechnikkonzernen"
*Rundherum noch Termine in Berlin und Umgebung (auch Sachsen-Anhalt
und Südniedersachsen möglich!


Montag, 6.2.2012 am Verwaltungsgericht Aachen (13 Uhr,
Adalbergsteinweg 92, Sitzungssaal A 2.001, Haus A, 2. OG): Streit um
die Frage der Akteneinsicht zum Gentechnikförderungsprogramm
BioSicherheit der Bundesregierung (Klage richtet sich gegen das PTJ
am Forschungszentrum Jülich, die die Gelder verteilen)
*Rundherum noch Termine in NRW möglich!

Tour Baden-Württemberg/Schweiz rund ca. 8.-14.2: Wer hat Lust auf
Veranstaltungen, u.a. die Ton-Bilder-Schau "Monsanto auf Deutsch -
Seilschaften zwischen -Behörden, Forschung und Gentechnikkonzernen"?
Bitte melden ...

Ende Februar 2012 durch Schleswig-Holstein: Vortragstour mit der
Ton-Bilder-Schau "Monsanto auf Deutsch - Seilschaften zwischen
Behörden, Forschung und Gentechnikkonzernen" (nähere
Orts-/Zeitangaben folgen; zum Inhalt siehe 19.4.)
*27.2.2012, 19.30 Uhr in Mölln, Stadthauptmannshaus (Hauptstr. 150)
*dann weitere Termine in S-H möglich, u.a. in Planung: Kiel, Itzehoe
*1.3.2012 in Husum, Speicher


Weitere Touren (auch da noch Termine möglich):
*Ende März durch Bayern und Österreich
*Mitte April: Sachsen


Zum Abschluss dann ein netter Pressetexte über einen der Vorträge in
Bayern (nur an einer Stelle kam die Reporterin durcheinander: Im
Werbefilm tritt Genehmigungsbehördenchef Buhk auf, nicht Schiemann):

Aus dem Donaukurier am 9.12.2011
Ein Rebell gegen die geballte Gentechnik-Lobby
Es ist eine David-gegen-Goliath-Geschichte. Doch um die geht es
nicht, sie fließt nur in gelegentlichen Randbemerkungen ein, wenn
der Agrogentechnikgegner von zahllosen Gerichtsverfahren erzählt,
die nicht selten zu seinen Gunsten ausgingen. Ein halbes Jahr hat er
im Gefängnis gesessen, nachdem er ein Versuchsfeld mit transgener
Gerste der Uni Gießen „befreit“ (so sagt er selbst), beziehungsweise
„zerstört“ (so sieht es die Gegenseite) hatte.
Bergstedt hat beeindruckendes Material dabei. Bei seinen Thesen zur
Verflechtung von Gentechnik-Unternehmen, Genehmigungsbehörden,
Forschungsinstituten und Lobbyverbänden stützt er sich vor allem auf
Aussagen seiner Gegner.
„Sie wissen es alles selbst, deshalb weigere ich mich, weiter mit
ihnen zu diskutieren, denn niemand hat eine andere Meinung als ich“,
sagt er, als er aus einem Antrag der Firma Monsanto zitiert, in dem
es heißt: „Die Möglichkeiten, eine Pflanze durch gentechnische
Veränderungen zu verbessern, sind gering“. Effekte auf Pflanzen und
Reaktionen der Umwelt seien nicht vorhersehbar, liest das staunende
Publikum weiter. Die Erklärung: Das Zitat stammt laut Bergstedt aus
einem Antrag für konventionelles Saatgut.
Bei genauerem Hinsehen zeige sich, dass es vor allem der Staat
selbst sei, der die Agrogentechnik vorantreibe, behauptet der
Redner, der darin keine Bekämpfungsmöglichkeit gegen Hunger sieht,
sondern schlicht einen „neuen Baustein, die Landwirtschaft zu
unterwerfen, wie das Aufkaufen von Land in armen Ländern,
Nachbaugebühren und Futtermittelimport“. Agrogentechnik diene nicht
einer selbstbestimmten, sondern einer industriellen Landwirtschaft.
Die größte Lüge aber sei, dass an allen Feldern Umweltauswirkungen
erforscht würden. Das erziele einen hohen Propagandaeffekt, sei ein
„Weichmacher der Gentechnikkritik“.
Bergstedt nennt Namen, die überall auftauchen. Forscher genehmigen
auf Umwegen ihre eigenen Versuchsfelder oder im Austausch die der
Kollegen, ähnlich liefe es bei Fördermitteln. Bergstedt zeigt einen
Werbefilm der Industrie, in dem Joachim Schiemann, Leiter des
Bundesforschungsinstituts für Kulturpflanzen, Julius-Kühn-Institut
(JKI), und somit laut Bergstedt „höchstrangigster Beamter in
staatlicher Gentechnikforschung“, für Agrogentechnik wirbt.
„Schiemann ist Treuhänder des Fraunhoferinstituts, in
Lobbyorganisationen aktiv, war zeitweise sogar Präsident, ist in
Genehmigungsbehörden und bei Geldgebern tätig“, zählt Bergstedt auf.
„Eine fantastische Situation, er vergibt sich selbst Gelder, hat
kurze Dienstwege von Synapse zu Synapse.“
In Personalunion unterwegs sei auch Kerstin Schmidt, die sich in
diversen Kleinunternehmen als Geschäftsführerin im Impressum findet
– alle zudem unter gleicher Adresse. Eine Originaltonaufnahme von
ihr auf einer Führung im firmeneigenen Gentechnik-Schaugarten und
ein Foto des „amtlich anerkannten und vorgeschriebenen Nagerzaunes“
in Form eines banalen Kaninchendrahts hat der Referent ebenfalls
mitgebracht. Auf den Einwand der Schaugartenbesucher, da kämen Mäuse
ja leicht durch, antwortete Schmidt nur: „Und wenn schon, was soll
da passieren“
Bergstedt brandmarkt die Universitäten als „Hochburgen der
Gentechnik“, das Bundesforschungsministerium habe den Lobbyverband
Innoplanta mit 20 Millionen Euro für Werbemaßnahmen unterstützt, das
Bundesamt für Verbraucherschutz weise eine Genehmigungsrate von 100
Prozent bei Agrogentechnik auf, verweigere Verbrauchern aber die
Akteneinsicht. Die hat sich der Rebell gerichtlich erkämpft, andere
Behörden und Institute verwehrten Transparenz weiterhin.
Um keine Ohnmachtsgefühle im Auditorium zu erzeugen, hatte Bergstedt
noch ein paar Ideen mitgebracht, was unternommen werden könne. Er
warb für Felderbefreiung, Gegensaat und Kreativität. „Lasst eure Wut
zu buntem Widerstand werden“, schloss der Ökoaktivist, den die
Bündnisse Zivilcourage und die Interessengemeinschaft Tiergesundheit
(IggT) eingeladen hatten.


P.S. Wie immer das Nachwort: Von der Broschüre „Organisierte
Unveranwortlichkeit“ und dem Buch „Monsanto auf Deutsch“ sind noch
genügend Bestände vorhanden. Bestellungen über das Infoformular auf
unserer Internetseite www.biotech-seilschaften.de.vu, unter
www.aktionsversand.de.vu oder in der Projektwerkstatt. Da andere
Verlage – teilweise mit erstaunlich widerlichen Unhöflichkeiten –
die brisanten Botschaften nicht verlegen wollten, wird „Monsanto auf
Deutsch“ wohl erstmal die einzige Enzyklopädie der
Agrogentechnik“mafia“ bleiben.
Neu ist, dass wir eine ganz Reihe interessanter Filme zum Ausleih
anbieten für spannende Veranstaltungsabende - gern auch zusammen mit
einer Bücherkiste für einen thematisch passenden Büchertisch. Auch
hier alles Infos auf der Bestellseite www.aktionsversand.de.vu.

Und: In der Projektwerkstatt und anderen Aktionshäusern sind immer
wieder Sachspenden gefragt. Auf der Seite
www.projektwerkstatt.de/gesucht findet Ihr eine Liste. Wer was
Passendes übrig hat ... wir freuen uns!!!

--
Verfasst in der
Projektwerkstatt Saasen, 06401/90328-3, Fax -5, 01522-8728353
Ludwigstr. 11, 35447 Reiskirchen-Saasen (20 km östlich Giessen)
www.projektwerkstatt.de/saasen
++ Tagungshaus ++ politische Werkstätten ++ Archive und
Bibliotheken ++ Direct-Action-Plattform ++ Bahnanschluß ++
ReferentInnenangebote ++ Sachspenden gesucht: Was gerade fehlt,
steht immer unter www.projektwerkstatt.de/gesucht ++

Samstag, 3. Dezember 2011

Gentechnik-Seilschaften: Newsletter am 17.11.2011

************www.biotech-seilschaften.de.vu**************
DARF GERNE WEITERGELEITET WERDEN ... GANZ ODER TEXTWEISE
*************Verfasst von: Jörg Bergstedt***************

Gentechnikfilz-News vom 17.11.2011
zusammengestellt in der Projektwerkstatt von Jörg Bergstedt (Autor
„Monsanto auf Deutsch“)


Hallo!
Welch eine Überraschung: Der Gen-ethische Informationsdienst hat ein
Interview mit FeldbefreierInnen veröffentlicht (anonym natürlich),
die offenbar an den wirkungsvollen Attacken auf das AgroBioTechnikum
und die BioTechFarm beteiligt waren. Absolut lesenswert: GID Nr. 208
vom Oktober 2011 auf S. 50 - 53 - und im Internet unter
www.gen-ethisches-netzwerk.de/gid/208/interview-aktivistinnen/sand-getriebe.

Und noch eine erfreuliche Mitteilungen, diesmal in einer kleinen,
aber feinen Mail. Die will ich nicht für mich behalten, denn sie
lautete so: "am 26. Okt. war ich bei einem Vortrag zu
Agro-Gentechnik und Patentierung in Heustreu bei Bad Neustadt
(Unterfranken). In der Diskussion meldete sich ein Landwirt zu Wort
und drückte seine Hochachtung für alle Feldbefreier aus, die sich
(auch) für die Sache der Landwirte engagieren bis hin zu der
Bereitschaft sich einsperren zu lassen. Der Beifall, den er erhielt,
war überraschend stark. Offenbar haben einige der Landwirte - auch
in Unterfranken - inzwischen verstanden, worum es geht."

Freut mich. Danke. In den vergangenen Wochen war ich in Baden, der
Schweiz und zwischen Osnabrück und Düren mit dem Vortrag "Monsanto
auf Deutsch" unterwegs. Das war überwiegend sehr nett - manchmal
spektakulär nette Kontakte und engagierte Debatten (siehe z.B.
Bericht über die Jahrestagung der Coordination gegen Bayer-Gefahren:
www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=17158). Ein Experiment war der
Vortrag auf der AZK in der Schweiz. Diese Konferenz der
Anti-Zensur-Koalition war geheim gehalten worden, weil sie wegen
Auftritten von und Kooperationen mit rechten Ideologen und absurden
WeltvereinfacherInnen vielfach kritisiert worden war - meines
Erachtens in vielen Punkten berechtigterweise. Ich bin der Einladung
dennoch gefolgt, weil ich immer jemand bin, der sich gerne direkt in
kritische Debatte einmischt und auch dort agiert, wo ich nicht
selbst politisch "Zuhause" bin. Das ist ja auch einer der Gründe,
warum mich so viele Gruppen und gerade deren FunktionärInnen nicht
mögen, weil ich dort, wo ich bin, auch gerade die Kritik an denen
äußere, die mich einladen oder vor Ort zu finden sind. Alles andere
finde ich auch billig.
Mein Vortrag ist inzwischen auf der Internetseite der AZK zu finden
(www.anti-zensur.info). Da ich auf der Bühne im Rampenlicht stand
(wortwörtlich gemeint), habe ich vom Publikum nicht viel
mitbekommen. Auf dem Film ist aber viel davon zu sehen - und es
bestätigt meinen Eindruck des Gesamten: Die AZK war - zumindest in
diesem Jahr - kein Skandal. Ich konnte dort überhaupt gar keine
richtig üblen Positionen wahrnehmen, weder in Vorträgen noch in
Auslagen. Aber das Meer der ca. 2000 Leute dort war erschreckend
harmlos, ja naiv bis dumm. Angeführt wird das Ganze aus
fundamentalistisch-christlichen Kreisen mit hohem Hang zur Harmonie.
Inhaltlich aber ist das Ganze erschreckend flach. Das Publikum
klatscht bei allem, lächelt und zeigt sich ansonsten aber passiv.
Das soll es auch: Diskussionen solle es nicht geben, verkündeten die
VeranstalterInnen schon zu Beginn. Nicht einmal eigene Flyer hätte
jemand verteilen dürfen. Insofern bleibt der Eindruck: Harmloser als
gedacht, aber auch langweiliger.

Ich teile das hier auch mit, weil es einige Menschen gab, die mit
Interesse zur Kenntnis nahmen, dass ich - als Kritiker vereinfachter
Welterklärungen - auf dieses Treffen fahren würde, wo solche
Vereinfachungen der Normalfall sind. Ich habe, mit meine kritische
Position zu verdeutlichen und zu begründen, eine Broschüre "Den Kopf
entlasten" verfasst, die auf der AZK auch verteilt wurde (die
ReferentInnen durften das) - Näheres unten.

Sicherlich wird dieser Auftritt eine Ausnahme bleiben. Meine Welt
ist eher die der Menschen, die sich vor Ort wehren. Die nicht nur
über eine Welt von Macht und Profit jammern (um mit dem Gejammere
wieder Wählerstimmen oder Spenden zu ergattern), sondern die auch
Betroffene sind. Ich bin auch dort oft nicht zufrieden, weil ich
finde, dass Wut, Mut und Entschlossenheit noch fehlen, dass nicht
genau genug hinter die Kulissen geschaut wird, so dass einfache
Erklärungsmodelle und Propagandamärchen gute Chancen haben. Aber ich
weiß auch, dass ich dort Menschen treffen, die aus Überzeugung
handeln - und nicht, weil es ihr Auftrag ist. In diesem Sinne freue
ich mich auf die nächsten Touren und - hoffentlich noch gesteigert -
dann ein aktionsreiches 2012!
Meine nächste und letzte 2011er-Vortragstour führt wieder nach
Bayern - ziemlich genau zwei Jahre nach der ersten Tour dort, die ja
zu vielen Kontakten und Kooperationen führte. Daran will ich gerne
anknüpfen - unten findet sich die Liste der Termine. Die dürfen wie
dieser ganze Newsletter gern weitergeleitet oder in Terminlisten
übernommen werden. Danke sehr.

Beste Grüße aus der Projektwerkstatt, in der wir endlich auch mal
wieder die bezahlten Kämpfer für Recht und Ordnung (das der
Mächtigen) begrüßen wurden ... Jörg B.

********************

NEUIGKEITEN

Kirchen-Obere pro Gentechnik? Evang. Zeitung bietet
Gentechnik-Lobbyist eine einseitige Plattform

Reinhard Szibor habe ich in den letzten Monaten immer mal wieder
erwähnt. Er ist ja InnoPlanta-Preisträger dieses Jahres und hat mit
unglaublich widerlichen Texten, z.B. dem gerade modernen Vergleich
vom Dritten Reich oder gar dem Holocaust mit Gentechnikkritik, um
sich geschlagen. Die sind auf www.biotech-seilschaften.de.vu auch in
etlichen Auszügen dokumentiert (dort auf der Seite zu Lobbyverbänden
unter dem Punkt zum InnoPlanta-Forum).
Nun hat er ein Memorandum geschrieben, um die Kirchen für die
Gentechnik zu gewinnen. Das wächst noch auf seinem Mist. Aber er
hatte damit bei Kirchenoberen schon einen ersten Erfolg. Die
gemeinsamen Kirchenzeitungen der Bundesländer Thüringen, Sachsen und
Sachsen-Anhalt boten ihm Platz. Hier hat also nicht nur Szibor
gehandelt, sondern die Kirchen haben ihm mit dem Text in der
Kirchenzeitung von sich aus den Weg bereitet - als einseitige
Pro-Gentechnik-Propaganda der Kirche. Leider sind solche Handlungen,
die oft aus eigenen wirtschaftlichen Interessen und aus der
Verflechtung von Kirchenoberen mit den gesellschaftlichen Eliten
entspringen, keineswegs selten. Unter der Tarnung von
Schöpfungsglaube und Menschenwürde geht es knallhart um Macht und
Geschäft. Die Serie der bislang bekannten Aktivitäten: Einer der
beiden Bioparks in Gatersleben, also direkt neben der wichtigsten
Saatgutbank in Deutschland, war Werk des Immobilienspekulanten der
katholischen Kirche. An der Verpachtung der Flächen für den
Schaugarten Üplingen und dem Ausbau des Hofgutes dort als
Tagungszentrum der Gentechnik-Seilschaften ist die Kirche als einer
der drei zentralen Träger der Stiftung Braunschweiger Kulturbesitz
(SBK) beteiligt. Szibor erhielt genau an diesem Ort, auch vor Augen
der SBK-Leute, am 6.9.2011 den InnoPlanta-Preis - und durfte kurz
danach seine platte Propaganda in den Kirchenzeitungen platzieren
(siehe
www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/2011/11/01/gentechnik-und-kirche/).
Einen kritischen Text gab es nicht. Die Kungelei mit der
Gentechnikecke passt zu Abgrenzungsgelüsten gegenüber
GentechnikkritikerInnen. Die Agrarreferentin der evangelischen
Kirche in Hessen-Nassau, Maren Heincke, gehört zu den Leuten, die
FeldbesetzerInnen und FeldbefreierInnen aus dem Aktionsbündnis
gentechnikfreies Hessen heraushalten - zusammen mit den Grünen um
Martin Häusling und BUND-LandesfunktionärInnen.
Was aus all dem zu lernen ist? Dasselbe, was wir schon von manchen
Umweltverbänden, Grünen usw. kennen: In den oberen Etagen all dieser
Organisationen entsteht ständig eine Eigendynamik, vor allem mit den
Mächtigen und Eliten dieser Welt klarzukommen - und dabei eigene
Ziele oder sogar die eigenen Leute zu verraten. Zu verhindern ist
das nur, wenn die Menschen an der Basis genauer hinschauen,
scharfsinnig denken und denen entschlossen auf die Finger hauen, die
immer wieder mit Macht- und Profitinteressen anbändeln, um etwas
abzubekommen vom asozial erworbenen Kuchen.

********************

Zivilprozess um Feldbefreiung in Gatersleben 2008 läuft

Am Donnerstag, 27.10., verhandelte das Landgericht Magdeburg erneut
gegen die sechs AktivistInnen, die 2008 auf dem Genweizenfeld in der
Nachbarschaft der Saatgutbank Gatersleben Pflanzen zerstört hatten.
Ein Versuch des Gerichts, einen Vergleich zwischen den Parteien
herbeizuführen, scheiterte an den weit auseinander liegenden
Vorstellungen der Parteien. Um zu erkunden, wie viele
Gentech-Weizenpflanzen der Feldbefreiungsaktion eigentlich zum Opfer
fielen, wurde erneut die Versuchsleiterin des Gaterslebener
Insti­tuts für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK)
befragt. Ihre Antworten stellen nach Ansicht der Beklagten das IPK
in ein schlechtes Licht. Aktivistin Tanja Lea Hintze: "Frau Weschke
konnte kaum genaue Angaben machen, ob das Institut die zerstörten
oder die erhaltenen Pflanzen nachgezählt hatte. Weil die ganze
Versuchsanlage fehlerhaft war und die Pflanzen zu weit voneinander
entfernt ausgebracht wurden, steht in Frage, ob es überhaupt eine
Auswertung hätte geben können, auch ohne jede Aktion. Auch gegen
einen ordnungsgemäßen Versuch wäre eine Aktion notwendig gewesen,
aber die skandalösen Bedingungen in Gatersleben zeigen, wie wenig
den Versuchsdurchführenden zu vertrauen ist." Zugleich betonte sie,
dass die Feldbefreiung die Blüte der manipulierten Weizenpflanzen
verhindert und damit die Saatgutbank vor großem Schaden bewahrt
hätte. Das Gericht hat einen Verkündungstermin für den 17.11.
angesetzt, an dem entweder weitere Beweise und Gutachten angefordert
oder ein Urteil mitgeteilt werden sollen.

Strafantrag wegen Subventionsbetrug
Das intensive Aktenstudium im Zusammenhang mit dem Prozess brachte
etliche Ungereimtheiten bei der Bewilligung des Versuches und dessen
Durchführung zu Tage. Diese Erkenntnisse versetzten die
AktivistInnen in die Lage, zusammen mit ihren AnwältInnen einen
Strafantrag zu stellen wegen Subventionsbetruges, der gestern der
zuständigen Staatsanwaltschaft in Magdeburg zuging. Die Anzeige
richtet sich gegen Prof. U. Wobus, Prof. Dr. Andreas Graner und Dr.
Winfriede Weschk vom IPK Gatersleben, Dr. Ralf Schachschneider vom
Projektpartner Nordsaat Saatzucht GmbH sowie Dr. Thomas Reitmann,
den zuständigen Mitarbeiter des Kultusministeriums. Danach verstieß
die Förderung der Freisetzungen gegen § 23 LHO
(LandesHaushaltsordnung).
Unabhängig davon wurde bezüglich der Feststellung des Umfangs der
Förderung gegen Subventionsrecht durch das Kultusministerium
verstoßen. Insbesondere wurden keine konkreten Feststellungen zu der
Beteiligung des Projektpartners Nordsaat Saatzucht GmbH getroffen.
Erkannte Sparmöglichkeiten wurden ohne Begründung nicht
wahrgenommen. Bei der Antragstellung und der Abrechnung über den
tatsächlichen Anteil der Nordsaat Saatzucht GmbH an den Aufwendungen
für die Freisetzung und die anderen geförderten Arbeitspakete wurden
unrichtige und unvollständige Angaben gemacht. Dies wurde vom
Kultusministerium mit getragen. Eine Reihe von geförderten Versuchen
wurde nicht durchgeführt, ohne dass konkrete Ersparnisse ausgewiesen
wurden. Die überwiegende Zahl der geplanten Auswertungen und
Vergleiche bezüglich der Freisetzungen wurde nicht durchgeführt,
ohne dass ersparte Aufwendungen ausgewiesen wurden. Es besteht der
Verdacht, dass es sich bei dem beantragten Verbundprojekt um ein
Scheingeschäft nach § 4 Subventionsgesetz handelt.

********************

"Hausdurchsuchung" in der Projektwerkstatt: LKA Sachsen-Anhalt holt
BioTechFarm-Papiere ab

Am 14.11.2011 rückte das LKA Sachsen-Anhalt mit drei Personen plus
weitere, die noch an Grundstückecken wachten, in der
Projektwerkstatt ein. Sie hatten einen Durchsuchungsbeschluss dabei,
der mich auf ziemlich krude Weise zum Tatverdächtigen verschiedener
Straftaten machte: Ich hätte die Genversuchsfelder in Üplingen
zerstört "oder" illegal beschaffte Unterlagen aufbewahrt "oder" ...
Offenbar steht hinter dem Ganzen keinerlei handfestes
Ermittlungsergebnis, denn diese Verbindung mit "oder" wird äußerst
unseriös. Für einen Durchsuchungsbeschluss reichte es aber - was bei
der sachsen-anhaltinischen Justiz aber nicht überrascht. Die ist
seit Jahren nichts als eine Hilfstruppe der Gentechnik- und anderer
Seilschaften. Die Durchsuchung selbst fiel aber aus. Denn es ging,
wie erwartet, um die Unterlagen, die die unbekannten
FeldbefreierInnen im Juli bei ihrem Ritt durch die Plantagen
mitgehen liesen (siehe Bericht in der TAZ:
www.taz.de/1/zukunft/umwelt/artikel/1/die-vermummten-landfreundinnen/).
Die LKAler waren schon informiert, dass die Unterlagen auch ohne
Durchsuchungsbefehl herausgegeben werden sollten - das war ja im
Internet zu lesen. Also erhielten sie den dicken Briefumschlag und
waren dann auch zufrieden. Zumindest darüber. Allerdings hatte sie
etwas ganz anderes gestört: Die Nachfrage, ob sie sich verfahren
hätten, da zwischen Durchsuchungsbeschluss und Ankunft fast drei
Monate liegen würden, beantworteten sie mit Hinweis auf die
komplizierten Verhältnisse in Hessen. Eigentlich wäre ja die dortige
Polizei zuständig, aber die wollte gerade nichts mit der
Projektwerkstatt zu tun haben. So mussten sie aus Sachsen-Anhalt
selbst anreisen. Und wer nicht versteht, was damit gerade gemeint
sein könnte, sollte mal unter Google-News oder anderen
Presse-Suchplattformen meinen und den Namen des hessischen
Ministerpräsidenten eingeben - oder sich auf www.fiese-tricks.de.vu
umschauen. Hahahahahahaha ...

********************

Neue Internetseite und Veröffentlichung: Den Kopf entlasten

Auf meinen Vorträgen kommt es immer wieder vor, dass Menschen die
komplexen Zusammenhänge und Ursachen in vereinfachte Bilder packen
wollen. Die dabei vorgetragenen Anklagen gegen bestimmte Nationen,
Firmen oder kleine Personengruppen wirken zunächst attraktiv, können
sie doch vieles oder alles Böse dieser Welt schnell erklären. Doch
genau das macht sie gefährlich. Sie trainieren das skeptische Denken
ab und verführen dazu, pauschale Schuldzuweisungen zu machen. Damit
wird nicht nur der eigene Kopf entlastet und stillgelegt, sondern
auch der skeptische Blick hinter die Kulissen zugunsten simpler
Erklärungsansätze aufgegeben. Zudem ist die Sache gefährlich. Die
Geschichte, gerade die deutsche, hat mehrfach gezeigt, was
passierten kann, wenn sich die Projektion immer mehr steigert, dass
bestimmte Menschen(gruppen) für das Böse auf der Welt verantwortlich
sind.
Um ein bisschen über die Denkfehler bei gängigen Weltvereinfachungen
aufzuklären, ist die Internetseite www.kopfentlastung.de.vu und ein
kleines Heftchen über Verschwörungstheorien und vereinfachte
Welterklärungen erschienen. Woher kommen sie? Was bewirken sie? Und
was ist von ihnen zu halten? Das Heft kostet 1 Euro, hat 20 Seiten
im A5-Format und ist bestellbar unter www.aktionsversand.de.vu.

Passend mal ein kleiner Einblick in Zitate aus solchen
Weltvereinfachungen
besser leben 34/2007 (Kent-Depesche), S. 11
Zu Monsanto gehören das französische Unternehmen Limagrain, Astra
Zeneca (auch Pharmaproduzent) in Großbritannien und Schweden, Sakata
in Japan sowie die deutsche KWS AG ...
Geprüft: Keine der Firmen gehört zu Monsanto. Alles frei erfunden!

besser leben 27/2011 (Kent-Depesche)
Es läuft alles darauf hinaus, die unabhängigen Länder und Völker der
Erde zu unterwerfen, auszubeuten, zu versklaven und alle Energie,
alles Geld und die gesamte Lebensmittelproduktion der Erde unter die
Kontrolle der Supermächtigen zu bekommen. Das ist das
Monopoly-Spiel. Doch wer sind die Spieler? Waren die "Fabiane" in
früheren Zeiten noch militärische Tyrannen, die sich als Gottkaiser
auf Erden feiern ließen, wie ein Cäsar oder Napoleon, so heißen die
Finanztyrannen heutiger Tage eben Rockefeller oder Soros. ...
Darf Demokratie bedeuten, dass zwei Wölfe und ein Schaf abstimmen,
was es zu Mittag gibt? Dass eine Handvoll Schurken das Schicksal von
Milliarden Menschen diktieren darf? ...
Wenn Soros öffentlich schreibt, was als nächstes in Europa zu
geschehen habe, offenbart er nicht etwa seine Meinung, sondern
diktiert über das Medium der Financial Times seine Forderungen an
seine Lakeien und Höflingen in den europäischen Regierungen ...
Pflegt etwas der Rockefeller-Clan mit Monsanto, dem berüchtigten
multinationalen Gentechnikkonzern, eine Art Freundschaft? ...
Ohne die Rockefellers gäbe es heute keine Gentechnik.

********************

Urteil aus Braunschweig ist da

Am 6.10.2011 hatte das Verwaltungsgericht geurteilt, dass die BRD
(genauer: Das Landwirtschafts- und Verbraucherministerium) seine
eigenen Genversuchsfelder, die durchführenden Institute und die
Genehmigungsbehörde BVL mitsamt aller umliegenden Grundstücke zur
demofreien Zone erklären kann. Nun liegt das Urteil schriftlich vor
und befindet sich unter
www.projektwerkstatt.de/gen/2009/fal/klage/111006urteil.pdf. Es wird
in die nächste Instanz und dann vor das Bundesverfassungsgericht
gehen, um zu klären, ob sich ein Verbraucherschutzministerium so vor
den VerbraucherInnen verbarrikadieren darf.



TERMINE

Jetzt steht wieder eine Tour durch Bayern an - und zwar die bisher
längste: 13 Tage mit bislang 15 Veranstaltungen!

Di, 29.11. um 19.30 Uhr: Gaststätte "Schwenksaal", 95447 Bayreuth,
Pottensteiner Str. 12

Mi, 30.11. um 20 Uhr: Gasthaus "zur Wallfahrt", 86650 Wemding,
Wallfahrtstr.

Do, 1.12. um 19.30 Uhr: Bauernmarkt Dasing, 86453 Dasing, An der
Brandleiten 6

Fr, 2.12. um 15 Uhr: Bauernmarkt beim Biller, 84174 Weixerau,
Mühlenstr. 18

Fr, 2.12. um 20 Uhr: Gasthaus Burger, 84056 Oberhatzkofen, Hauptstr. 31

Samstag, 3.12.: Näheres folgt (siehe Terminliste auf
www.biotech-seilschaften.de.vu)

So, 4.12. um 19 Uhr: Gasthaus Forster, 84434 Burgharting, Kirchberg

Mo, 5.12. um 20 Uhr: Gasthaus "Spirklhof", 84155 Bodenkirchen,
Rothenwörth 11

Di, 6.12. um 20 Uhr: Gasthof "Alter Hof", 85591 Vaterstetten,
Fasanenstr. 4

Mi, 7.12. um 20 Uhr: Evang. Erlöserkirche Gemeindesaal, 82256
Fürstenfeldbruck, Stockmeierweg 7

Do, 8.12. um 19.30 Uhr: Gasthof "Mödl", 86633 Neuburg-Zell, Am
Zeller See 12

Fr, 9.12. um 20 Uhr: Gasthaus "zur Adelburg", 92355 Hollerstetten,
Zur Adelburg 4



Und damit erstmal wieder ein herzliches „Tschüß“ - für ein freches
Restjahr und einen schwungvollen Auftakt 2012 (dann ja gleich mit
der Grünen Woche und der dort wieder geplanten Demo "Wir haben es
satt" - siehe www.meine-landwirtschaft.de) Jörg

P.S. Wie immer das Nachwort: Von der Broschüre „Organisierte
Unveranwortlichkeit“ und dem Buch „Monsanto auf Deutsch“ sind noch
genügend Bestände vorhanden. Bestellungen über das Infoformular auf
unserer Internetseite www.biotech-seilschaften.de.vu, unter
www.aktionsversand.de.vu oder in der Projektwerkstatt. Da andere
Verlage – teilweise mit erstaunlich widerlichen Unhöflichkeiten –
die brisanten Botschaften nicht verlegen wollten, wird „Monsanto auf
Deutsch“ wohl erstmal die einzige Enzyklopädie der
Agrogentechnik“mafia“ bleiben.
Neu ist, dass wir eine ganz Reihe interessanter Filme zum Ausleih
anbieten für spannende Veranstaltungsabende - gern auch zusammen mit
einer Bücherkiste für einen thematisch passenden Büchertisch. Auch
hier alles Infos auf der Bestellseite www.aktionsversand.de.vu.

--
Verfasst in der
Projektwerkstatt Saasen, 06401/90328-3, Fax -5, 01522-8728353
Ludwigstr. 11, 35447 Reiskirchen-Saasen (20 km östlich Giessen)
www.projektwerkstatt.de/saasen
++ Tagungshaus ++ politische Werkstätten ++ Archive und
Bibliotheken ++ Direct-Action-Plattform ++ Bahnanschluß ++
ReferentInnenangebote ++ Sachspenden gesucht: Was gerade fehlt,
steht immer unter www.projektwerkstatt.de/gesucht ++

Sonntag, 23. Oktober 2011

Gentechnik-Seilschaften: Newsletter am .2011

************www.biotech-seilschaften.de.vu**************
DARF GERNE WEITERGELEITET WERDEN ... GANZ ODER TEXTWEISE
*************Verfasst von: Jörg Bergstedt***************

Gentechnikfilz-News vom 23.10.2011
zusammengestellt in der Projektwerkstatt von Jörg Bergstedt (Autor
„Monsanto auf Deutsch“)


Hallo!
Düstere Wolken stehen am Himmel der Vorzeige- und Sicherheitsanlagen
für gentechnische Freisetzungen. Trotz vieler Privilegien: Sie
hängen am Tropf der Steuergelder. Sie bekommen Land, Gebäude und
mehr von Staat, Kirchen, öffentlichen Institutionen oder z.B. der
Stiftung Braunschweiger Kulturbesitz zur Verfügung gestellt. Doch
Misswirtschaft, Betrug und Schlampereien sind an der Tagesordnung -
und auch Steuergelder sind irgendwann verschwendet. Nach den beiden
erfolgreichen Attacken auf die Sicherheitszonen von Sagerheide
(AgroBioTechnikum) und Üplingen (Schaugarten = BioTechFarm) im Juli
2011 stellt sich zudem die Frage, ob Firmen noch Unteraufträge
vergeben, wenn das Ergebnis doch eine Feldbefreiung ist. Das
Gejammere war groß. Topjournalisten redeten von "Terror",
hochrangige Professoren verglichen sich mit den Juden im Dritten
Reich. Das zeigte nicht nur deren derbe Geschichtslosigkeit, sondern
auch, dass sie mit dem Rücken an der Wand stehen.
Neben den Regierungen und ihren Institutionen kommt immer wieder
Justiz als Retterin in der Not zu Hilfe. So jetzt in Sachsen-Anhalt.
Eine ganze Prozessserie soll über GentechnikkritikerInnen schwappen.
Dazu der erste Text unten.

Finde ich und würde mich freuen, Menschen aus Baden, der Schweiz und
zwischen Osnabrück und Köln in den nächsten Tagen zu treffen ... den
da bin ich mit dem Vortrag "Monsanto auf Deutsch" zwischen 25.10.
und 7.11. unterwegs. Die Termine dürfen wie dieser ganze Newsletter
gern weitergeleitet oder in Terminlisten übernommen werden. Danke sehr.

Beste grüße aus der Projektwerkstatt , Jörg B.



NEUIGKEITEN

Zitate aus dem InnoPlanta-Forum ... gibts trotz Ankündigung im
letzten Newsletter keine weiteren, denn einmal war dieses Forum
erschreckend langweilig und vor allem von Gejammer geprägt, zum
anderen haben die Tonbandgeräte auch nicht alles mitgeschnitten
aufgrund technischer Pannen.



SACHSEN-ANHALT-FILZ: Straforgie gegen GentechnikkritikerInnen
Als bräuchte es noch des Beweises, dass Staatsanwaltschaften und
Gerichte einseitig hinter Konzerninteressen stehen: Die
Staatsanwaltschaft Magdeburg versucht, in völlig absurden Fällen
GegnerInnen des Biotech-Schaugartens in Üplingen zu kriminalisieren.
Das Amtsgericht Oschersleben zieht artig mit. In einem Fall erließ
es mehrere Strafbefehle (Verurteilungen ohne Gerichtsverfahren)
gegen Personen, die auf einem Weg in Üplingen spazieren gingen,
obwohl dieser sogar mit einem Schild als frei betretbar
gekennzeichnet war. Wenn die Betroffenen nun Widerspruch einlegen,
kommt es zu Verfahren. Im zweiten Fall wurde gleich eine
Hauptverhandlunggegen zwei Personen angesetzt. Grund: Der
InnoPlanta-Vorsitzende und Ex-FDP-Abgeordente Uwe Schrader soll
beleidigt worden sein - durch ein Flugblatt. Dieses enthielt einen
Auszug aus der Broschüre "Organisierte Unverantwortllichkeit". Die
wurde bekanntlich schon gerichtlich überprüft - und für korrekt
befunden. Doch die sachsen-anhaltinischen Justizbehörden kämpfen
trotzdem für ihre heiß geliebte Agrogentechnik, haben eine Anklage
verfasst und das Verfahren eröffnet. Das ist bereits inhaltlich und
politisch absurd. Ebenso an den Haaren herbeigezogen sind die
"Beweise", dass die beiden angeklagten Personen das Flugblatt
überhaupt verteilt hätten. Die eine hat eine Email mit Bezug auf das
Flugblatt verschickt, der andere war der Referent einer auf dem
Flugblatt beworbenen Veranstaltung. Offenbar reicht in dem
agrogentechnisch-geilen Bundesland bereits, Kritik öffentlich zu
äußern, um als StraftäterIn gebrandmarkt zu werden. Vielleicht ist
das aber auch eine Chance, nochmal zu versuchen, die
Gentechnikkritik wachzuküssen. Denn was Parteien, Umwelt- und
Bioanbauverbände bislang in Sachsen-Anhalt zeigen, ist mehr als
dürftig. Dabei ist der Schaugarten Üplingen längst die größte
Freisetzungsanlage in Deutschland (www.biogeldfarm.de.vu) und hätte
auch 2011 unangefochten überlebt, wenn es nicht die offenbar perfekt
gelungene Attacke auf etliche Felder Anfang Juli gegeben hätte.

Alle anstehenden Gerichtsverfahren in und um die Börde:
Prozesse wegen Sachbeschädigung gegen die FeldbefreierInnen von
Gatersleben (Aktion 2008): Strafprozess in der Revision,
Zivilprozess in der 2. Instanz

Strafprozesse wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung wegen der
Besetzung im Jahr 2009 auf dem Gelände des Schaugartens Üplingen ...
Ort wird das Amtsgericht Oschersleben sein!

Strafprozesse wegen Hausfriedenbruch gegen SpaziergängerInnen im Ort
Üplingen (ganz offensichtlich angezettelt, nur um die GegnerInnen zu
kriminalisieren, der Vorwurf ist komplett unsinnig ... aber es gab
sofort Strafbefehle, d.h. Gentechnikmafia, Staatsanwaltschaft
Magdeburg und Amtsgericht Oschersleben kungeln!) ... Ort wird auch
hier das Amtsgericht Oschersleben sein, mit Kerstin Schmidt auf der
ZeugInnenbank!

Strafprozess wegen Beleidigung gegen zwei Menschen wegen einer
kopierten Seite aus der Broschüre "Organisierte
Unverantwortlichkeit". Obwohl die bereits gerichtlich überprüft und
zugelassen ist, wollen die gentechnikmafia-hörigen Justizbehörden in
Sachsen-Anhalt offenbar nochmal einen Versuch starten, die Kritik zu
verbieten - diesmal per Strafrecht. Ort wird auch hier das
Amtsgericht Oschersleben sein, mit Uwe Schrader auf der ZeugInnenbank!

Strafprozess wegen Hausfriedensbruch gegen eine weitere Person, die
in den Tagen des InnoPlanta-Forums 2010 in der Feldmark der Umgebung
angetroffen wurde (was zwar eigentlich nicht verboten ist, aber das
schert eine politische Justiz bekanntlich nicht).



MECKLENBURG-VORPOMMERN-FILZ: AgroBioTechnikum steht leer - Umzug
nach Üplingen?
Ein fulminanter Wasserschaden hat das Hauptgebäude der
AgrogentechnikerInnen in Groß Lüsewitz leergefegt. Die Sanierung
wird Hunderttausende kosten - aber Papi Staat zahlt aufopferungsvoll
für seine AbzockerInnen. Trotzdem mussten die Firmen erstmal
ausziehen, d.h. auch die Latte von Kleinstfirmen, die jetzt offenbar
gerade tatsächlich nur aus Familie Schmidt bestehen und erstmal in
Rostock untergekommen sind. Gerüchte kommen auf, was ohnehin nicht
überrascht: Kerstin Schmidt träumt davon, ihre Zelte im allmählich
immer widerständigeren Mecklenburg-Vorpommern abzubrechen und ganz
nach Üplingen umzuziehen. Aber dafür braucht sie frisches Geld. Es
wird wieder von staatlichen Förderungen und den Förderern in der
Börde (Landesregierung, BIO Mitteldeutschland, Landkreis sowie die
Stiftung Braunschweiger Kulturbesitz) abhängen, ob es einen zweiten
Subventionsbetrugsfrühling für Schmidt und Umfeld gibt.



Filmverleih
Wir haben einige besondere Filme auf DVD, die wir verleihen für Eure
Veranstaltungen. Die Bild- und/oder Tonqualität ist unterschiedlich,
denn nicht immer verfügen wir über optimale Originale. Inhaltlich
aber sind alle brisant und lohnenswert. Auf der Internetseite
www.projektwerkstatt.de/materialien/sons_sonstig.htm findet Ihr die
Filme. Ihr könnt sie Euch mit passenden Büchern im Paket zuschicken
lassen. Die Bücher habt Ihr dann auf Kommission für die
Veranstaltung und schickt die nicht Verkauften mit dem Film zurück.
Einnahmen teilen wir uns: Hälfte Ihr, Hälfte wir.
Bisherige Filme (soll ausgebaut werden, wer Vorschläge hat zu
Filmen, die es sonst kaum gibt, darf die gerne melden):
Monsanto auf Deutsch (Mitschnitt des Vortrags 2009 in Ostrach,
demnächst auch in einer zweiten Variante vom Vortrag am 5.10.2011
bei Limbach-Oberfrohna)
Oasen in der intensiven Agrarlandschaft (Film von Andreas Winkler)
Fiese Tricks von Polizei und Justiz (Mitschnitt eines Vortrags 2009
in Regensburg)
Jagdtourismus (Film in leider schlechter Qualität von einer Jagd in
Afrika)
Berufsrevolutionäre (Leben in der Projektwerkstatt und politische
Aktionen; stammt aus 2005)



Nachrichten an anderen Stellen:
Le Monde diplomatique über kapitalismusbedingte
Nahrungsmittelknappheit in China:
www.monde-diplomatique.de/pm/2011/10/14.mondeText1.,a0047.idx,15
Erneute Diskussion um gentechnisch veränderte Pflanzen mit
Herbizidresistenz (Glyphosat):
www.biosicherheit.de/aktuell/1358.gefahr-glyphosat.html
Einheimischer Mais in Oaxaca: Gesetzesinitiativen für einen
legalisierten Raubzug und Protest dagegen: www.npla.de/de/poonal/3552



Gibt es Demorecht an den bundeseigenen Versuchsflächen?
Es ist schon einige Zeit her und schloss sich an eine Feldbesetzung
an. Die Stadt Braunschweig, deren Spitze selbst in die
Gentechnik-Seilschaften verflochten ist, verbot Demonstration auf
dem großen Gelände an der Bundesallee 50, wo mehrere Bundesbehörden
(z.B. vTI, JKI und BVL) sitzen und ein Genversuchsfeld geplant war.
In Eilanträgen ließ sich das Demonstrationsverbot auch nicht
aufheben. Um nun diese Frage ans Verfassungsgericht zu tragen, ob
denn Bundesbehörden sich einfach mal selbst aus dem
Demonstrationsgeschehen verabschieden können (andere Protestformen
sind in diesem Land ja ohnehin meist illegal), habe ich als einer
der damaligen DemonstrationsanmelderInnen nun die Hauptverfahren
angestrengt. Am 6.10.2011 war Termin am Verwaltungsgericht
Braunschweig. Erwartungsgemäß habe ich verloren - es war das gleiche
Gericht, welches schon das Eilverfahren abschmetterte. Allerdings
musste ich dieses Verfahren nun nochmal in der Hauptsache
durchkämpfen, um durch alle Instanzen zu gehen. Denn das
Verfassungsgericht wird nur dann zuständig, wenn es um ein
Grundrecht geht (hier gegeben: Art. 8 Versammlungsfreiheit) und wenn
alle anderen Rechtsmittel ausgeschöpft sind. Infos unter
www.projektwerkstatt.de/gen/2009.htm#klage_bs



Atom- und Gentechnikaktivistin im Knast
Eigentlich ist es ja ein bisschen deprimierend, dass die Menschen,
die sich der Agrogentechnik auch mit eigenen Händen entgegenwerfen,
auch in anderen Themen diejenigen sind, die sich mutig
entgegenstellen. Es wäre bitter nötig, dass es mehr werden, die
ihren Protest nicht nur aus dem sicheren Wohnzimmer mit Spenden,
Klicks, Unterschriften und Wahlzetteln zeigen (soweit das da
überhaupt geht). Nun sitzt Franziska im Knast. Grund: Den Castor ein
paar Stunden wirkungsvoll aufgehalten
(http://bloxberg.blogsport.de). Verschoben werden musste nun ein
Prozess wegen ihres Engagements gegen die Gentechnik (Transparent
anbringen an Seilschaften-Behörde JKI). Es ist der Staat, der die
Ohnmacht der Menschen und die Macht der Konzerne durchsetzt - mit
Bildung, Geld und seinem bewaffneten Arm in Uniform!
Franziskas Knastadresse für Post (sie freut sich über Briefe) lautet:
Franziska Wittig
JVA Frankfurt III
Obere Kreuzäckerstr. 4
60435 Frankfurt





TERMINE
Die Vortragstouren mit der Gentechnik-Seilschaften-Ton-Bilder-Schau
"Monsanto auf Deutsch - Seilschaften deutscher Agrogentechnik"

Dienstag, 25.10. um 19.30 Uhr in Freiburg (Gasthaus "Zum Schwanen",
Stadtstr. 87)

Mittwoch, 26.10., 19 Uhr in Denzlingen bei Freiburg (Mühlencafe,
Hauptstr. 146)

Sonntag, 30.10., ca. 14 Uhr nahe Winterthur

Mittwoch, 2.11., 19.30 Uhr in Löhne (Bioladen Fruchtboden,
Ulenburger Allee 70 - 32584 Löhne)

Donnerstag, 3.11., 19 Uhr in Osnabrück (Kulturzentrum Lagerhalle,
Rolandsmauer 26)

Freitag, 4.11. um 19.30 Uhr in Wuppertal (in der Anthroposophischen
Gesellschaft/Therapeutikum, Martin Luther Str. 8)

Samstag, 5.11. in Düsseldorf auf der Jahrestagung 2011 der
Coordination gegen Bayer-Gefahren unter dem Motto "Gentech-Mafia:
Die Seilschaften von BAYER, MONSANTO und Co."
Umweltzentrum Düsseldorf, Merowinger Straße 88, Düsseldorf-Bilk
(Start: 9.30 Uhr)

Sonntag, 6.11. um 19 Uhr in Düren (Kulturzentrum KOMM,
August-Klotz-Straße 21)

Montag, 7.11. um 19.30 Uhr in Köln (Ateliergemeinschaft "Irgendwas
mit Kunst", Leyendeckerstr. 16, 50825 Köln ++ U-Bahnlinien 3+4
Haltestelle Leyendeckerstr.)



Und damit erstmal wieder ein herzliches „Tschüß“ - für ein freches
Restjahr … Jörg

P.S. Wie immer das Nachwort: Von der Broschüre „Organisierte
Unveranwortlichkeit“ und dem Buch „Monsanto auf Deutsch“ sind noch
genügend Bestände vorhanden. Bestellungen über das Infoformular auf
unserer Internetseite www.biotech-seilschaften.de.vu, unter
www.aktionsversand.de.vu oder in der Projektwerkstatt. Da andere
Verlage – teilweise mit erstaunlich widerlichen Unhöflichkeiten –
die brisanten Botschaften nicht verlegen wollten, wird „Monsanto auf
Deutsch“ wohl erstmal die einzige Enzyklopädie der
Agrogentechnik“mafia“ bleiben.


--
Verfasst in der
Projektwerkstatt Saasen, 06401/90328-3, Fax -5, 01522-8728353
Ludwigstr. 11, 35447 Reiskirchen-Saasen (20 km östlich Giessen)
www.projektwerkstatt.de/saasen
++ Tagungshaus ++ politische Werkstätten ++ Archive und
Bibliotheken ++ Direct-Action-Plattform ++ Bahnanschluß ++
ReferentInnenangebote ++ Sachspenden gesucht: Was gerade fehlt,
steht immer unter www.projektwerkstatt.de/gesucht ++

Montag, 12. September 2011

Gentechnik

Gentechnik-Seilschaften: Newsletter am 9.9.2011

************www.biotech-seilschaften.de.vu**************
DARF GERNE WEITERGELEITET WERDEN ... GANZ ODER TEXTWEISE
*************Verfasst von: Jörg Bergstedt***************


Hallo,
das deutsche Haupttreffen der Gentechnik-Seilschaften
(InnoPlanta-Forum) ist vorbei. Es war begleitet von recht bunten
Protesten, die aber - das bleibt ein zentrales Problem - weitgehend
"nur" von unabhängigen Aktiven und kaum bis gar nicht von Verbänden,
Parteien usw. getragen wurden. Immer noch ist da offenbar Monsanto
das Hassbild, während die deutschen Konzerne und noch mehr die
deutschen Unis und Regierungen geschont werden. Umso schöner, dass
zumindest eine Zeitlang der Zugang blockiert werden konnte - eine
Symbolik, die mehr ist als Begleitfolklore zum Unverhinderbaren.
Berichte aus dem InnoPlanta-Treffen weisen darauf hin, dass die
Stimmung dort verbissen-pessimistisch ist: Hass auf
FeldbefreierInnen (die wieder sehr effektiv die Zahl der Felder
reduziert hatten), Hass auf bayrische BäuerInnen. Wer steigt ein in
diese Runde der Hassobjekte deutscher Gentechnik-SeilschafterInnen???

Bilder und ein paar Berichte finden sich unter
http://de.indymedia.org/2011/09/315621.shtml. Keine Frage:
Widerstandskultur gibt es in diesem Land nicht so recht. Große Demos
an sonnigen Wochenenden weit ab von den Konfliktorten, lange
Unterschriftenlisten und gigantische Spendeneingänge bei Verbänden
und den emporschießenden Bewegungsagenturen sind eine Seite des
Protestes. Scheu vor Konflikten und Zurückhaltung dort, wo es
brennt, die andere. Hier bleibt Luft nach oben - und trotzdem ein
bisschen Freude über immerhin zwei gelungene Kleinblockaden am Tag
des InnoPlanta-Forums: Eine sitzend und stehend auf der Straße und
eine mit raffinierter technischer Unterstützung durch ein tragbares
Dreibein (siehe Fotos unter dem angegebenen Link). So deutete da,
was geschehen ist, an, was möglich wäre ...
Finde ich und grüße alle aus der Projektwerkstatt, Jörg B.


NEUIGKEITEN

Zitate aus dem InnoPlanta-Forum (Teil 1, Minutenangaben stammen aus
Mitschnitten)
Es gibt Tonbänder von fast allen Teilen der Tagung ... wir schreiben
die Stück für Stück ab. Hier gibt es also den ersten Schwung
ausgewählter Sprüche. Sie stammen aus der Pressekonferenz (6.9. kurz
nach Mittag) und der anschließenden Preisverleihung.
Statement von Karl-Friedrich Kaufmann, AGIL
"Mir hat heute morgen einer gesagt: "Der Pollen fliegt 25km". Ich
sage, dass ist ein Glück, dass er soweit fliegt für die Menschheit
bisher gewesen. Das soll auch in Zukunft so bleiben, das wollen wir
nicht unterbinden.
Politiker ... fordern gentechnisch freie Zonen. Die gibts nicht. ...
man kann das eigentlich von vorneherein abschminken.
Forderungen an die Politik in Brüssel und in Deutschland: ...
Fortführung der Sicherheitsforschung, aber dann eine
uneingeschränkte Akzeptanz der Ergebnisse ...
4. Einführung praktikabler Schwellenwerte für Saatgut auch im
ökologischen Landbau.
5. Zwingendes Nachdenken in den Verbänden des ökologischen Landbaus,
um auch dort alle Züchtungsmethoden hoffähig zu machen.
6. Staatliche Förderung der Pflanzenzüchtung im Interesse der
Biodiversität."

Klaus Ammann als Schlusswort: "Greenpeace und Friends of the Earth,
die einfach Quatsch erzählen und das beinflusst die Leute. Warum
beeinflusst das die Leute? Weil sie ... genetisch darauf
programmiert sind, Ängste auszustehen und durchzumachen. In unserem
Leben fehlen uns die Angst und die wirklichen Besorgnisse. Und
deshalb sind wir auch bereit, Ereignisse wie das Waldsterben und das
Global Warming usw. als derart große Besorgnis wahrzunehmen - und
insbesondere auch ... dass wir einfach besorgnisbereit sind und
jeden Quatsch glauben."

Bei der Preisverleihung
Horst Rehberger (FDP, InnoPlanta-Beirat und -Jury,
Ex-Wirtschaftsminister Sachsen-Anhalt): "Das InnoPlanta-Forum ist
etwas Phantastisches ... Ungewöhnlich war auch letzten Endes, dass
nicht ein Beitrag oder Beiträge in aktuellen Tageszeitungen oder
Journalen ausgewählt wurde, sondern seine Leserbriefe. Herr Szibor
hat sehr, sehr viele Leserbriefe verfasst und setzt sich mit den
Geschehnissen der grünen Gentechnik auseinander. ... Noch etwas, was
offensichtlich bemerkenswert war: Er hat immer den richtigen Ton
getroffen." (Anmerkung: Szibor bezeichnete Gentechnikkritik in
Leserbriefen als "terrorismusfördernden Hasskampagnen" und strickte
an den Nazivergleichen mit.
Andreas Sentker (Zeit, Preisträger): "Eine große Ehre, eine große
Freude - und den Staub vom Schaugarten noch an den Füßen, das ist
genau der richtige Ort"
Reinhard Szibor (Uni Magdeburg, Preisträger): "Ich bin stolz, zumal
der Preis in der Vergangenheit und auch heute an Persönlichkeiten
verliehen wurde, die ich sehr schätze."

Pro-Gentechnik-Demo mit null TeilnehmerInnen
Vor dem InnoPlanta-Forum veranstaltete das Forum Grüne Vernunft eine
Demo pro Gentechnik. Diesmal kauften sie keine Leute. Das Ergebnis:
Außer Veranstalter Jens Harnisch war niemand da. Und als der dann
auch noch ging, hätte die Demo eigentlich zu Ende sein müssen. Doch
Versammlungsbehörde und Polizei sahen das anders und prügelten
Menschen von der verwaisten Flächen. Es war ganz klar: Diese
Pseudo-Demo diente nur dazu, KritikerInnen auf Distanz zu halten.
Damit das nicht wieder passiert, reichte einer derer, die
verscheucht wurden, Verwaltungsklage ein. Wer sich für sowas
interessiert: Sie ist zu finden unter
www.projektwerkstatt.de/gen/2011/farm/fortsetzungsklage100909.pdf …
mal sehen – von 2010 sind da auch noch zwei andere Verfahren
anhängig, weil schon damals kritische Demonstrationen von den
Hilfstruppen der Mächtigen eingeschränkt wurden.


Verfassungsklage gegen Saarbrücker Urteil zur Kritik der
Gentechnikseilschaften
Erinnert Ihr Euch noch? Im Sommer 2009 startete das Trio Horst
Rehberger, Uwe Schrader und Kerstin Schmidt - also keine ganz
Geringen in den Netzwerken - den Versuch, meine Kritik gerichtlich
verbieten zu lassen. Dafür suchten sie sich ein Gericht aus, mit dem
offensichtlich Vorabsprachen oder eine andere Beziehung bestand, um
das Ding ohne jegliche Prüfung durchzuwinken. Das Urteil enthält
spektakuläre Absurditäten, z.B. das Verbot, Üplingen als
Propagandaprojekt zu bezeichnen, weil das Wort "Propaganda" in
Demokratien nicht gebräuchlich sei usw. Offenbar rechnete das Trio
aber nicht mit unserer Zähigkeit - und verlor auf der nächsthöheren
Instanz, und zwar komplett.
Doch Ruhe gaben sie nicht, sondern reichten jetzt Verfassungsklage
ein: Die Ehre eines Landtagsabgeordneten müsse doch höher gewertet
werden als die Meinungsfreiheit! Wer das nachlesen will, kann das
unter
www.projektwerkstatt.de/gen/filz/unterlassung/101020bverfklage.pdf,
meine Antwort auf
www.projektwerkstatt.de/gen/filz/unterlassung/stellungnahme110907bverfg.pdf


Berufungsprozess zur Gatersleben-Feldbefreiung beendet
Drei der sechs AktivistInnen waren trotz des relativ milden Urteils
des Amtsgerichts Aschersleben in Berufung gegangen, um weiter dafür
zu streiten, dass der Ge­nehmigungsbescheid für die Freisetzung in
unmittelbarer Nähe zur Genbank in Gatersleben hinterfragt wird. Die
ersten drei Verhandlungstage waren geprägt von der Zeugenvernehmung.
Die Versuchsleiterin Dr. Weschke musste einige Unregelmäßigkeiten
und Verstöße gegen einen angemessenen Umgang mit einer
Risiko­technologie zugeben.
Am 22.Juli fand nun der letzte Verhandlungstag statt. Die
Angeklagten und ihre VerteidigerInnen hatten etliche Beweisanträge
vorbereitet um dem Gericht (durch die Ladung von Sachverständigen
und Gutachtern) zu verdeutlichen, dass der Genehmigungsbescheid
nichtig und höchst gefährlich gewesen ist. Doch die Kammer ließ sich
auf eine Beschäftigung mit der Brisanz des Falles nicht ein. Fehler,
Schlampereien und die Ignoranz der Vorsorgepflicht interes­sierte
das Gericht nicht. Dies sei für die zu fällende Entscheidung der
Kammer nicht relevant: Für Sachbeschädigung reiche die
Substanzverletzung aus, auf deren Brauchbarkeit, Sinnhaftigkeit oder
gar Gefährlichkeit komme es nicht an. Der Versuch war genehmigt –
und weiter braucht niemand nachzudenken. Eini­ge Beweisanträge
wurden abgelehnt, weil die Feststellung von möglichen Ge­fahren
nicht von Belang seien. „Die Tat war (...) erkennbar nicht geeignet,
eine unterstellte konkrete Gefahr abzuwenden, da die Angeklagten
unter gewollter Einbeziehung eines das Feld ausleuchtenden
Kamerateams begangen haben, so dass von vornherein feststand, dass
die Angeklagten alsbald bei der Tat an­getroffen und eine
vollständige Zerstörung aller Pflanzen verhindert wird.“
Vor der Urteilsverkündung war es für die leider nicht sehr
zahlreichen Anwe­senden noch einmal spannend geworden, als die
Feldbefreier und ihre Verteidi­gerInnen ihre Plädoyers vor trugen.
Wie die Ablehnung der Beweisanträge wurde dann letztendlich auch das
Urteil begründet, welches den Spruch aus der 1.Instanz bestätigte
und die Berufung verwarf. Sowieso sei das Gericht nicht dazu
berufen, über die Gentechnik zu entscheiden. (Quelle:
www.gendreck-weg.de)


Gibt es Demorecht an den bundeseigenen Versuchsflächen?
Es ist schon einige Zeit her und schloss sich an eine Feldbesetzung
an. Die Stadt Braunschweig, deren Spitze selbst in die
Gentechnik-Seilschaften verflochten ist, verbot Demonstration auf
dem großen Gelände an der Bundesallee 50, wo mehrere Bundesbehörden
(z.B. vTI, JKI und BVL) sitzen und ein Genversuchsfeld geplant war.
Ein Eilantrag an das Verwaltungs- und Oberverwaltungsgericht nützte
nichts. Die Polizei baute eine absurde Barrikade vor dem Eingang auf
und so endete die Demo an der Kreuzung davor.
Nun läuft das Hauptverfahren an – und es hat Bedeutung über die eine
Fläche hinaus. Darf sich der Staat auf riesigen Flächen verschanzen
und dort das Versammlungsrecht außer Kraft setzen? Mit einiger
Sicherheit dürfte das Verfahren bis zum Verfassungsgericht gehen –
und dann wird es ähnlich spannend wie bei der Entscheidung, ob in
einem Flughafen, der überwiegend dem Staat gehört, demonstriert
werden darf. Das Verfassungsgericht bejahte das vor einigen Monaten.
Mal sehen, wie es hier ausgeht. Den Auftakt bildet jedenfalls eine
Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht Braunschweig (Am Wendentor 7,
Sitzungssaal 1) am Donnerstag, den 6.10. um 11.30 Uhr.


TERMINE

Donnerstag, 29.9. um 19.30 Uhr in der WERKSTATT Mainz-Mombach,
Strunkgasse 11: Ton-Bilder-Schau "Monsanto auf Deutsch -
Seilschaften zwischen Behörden, Forschung und Gentechnikkonzernen"

Donnerstag, 6.10., im Verwaltungsgericht Braunschweig (Sitzungssaal
1): Mündliche Verhandlung zum Demonstrationsverbot auf dem Gelände
des vTI an der Bundesallee. Geklagt hat der Demoanmelder (Jörg
Bergstedt). Er will, dass das bundeseigene Gelände für
Demonstrationen betreten werden darf - sonst könnten sich ja
wichtige Bundesbehörden sowie z.B. Genversuchsfelder einem
öffentlichen Protest entziehen. Die Verhandlung ist öffentlich!


Und damit erstmal wieder ein herzliches „Tschüß“ - für ein freches
Restjahr … Jörg

P.S. Wie immer das Nachwort: Von der Broschüre „Organisierte
Unveranwortlichkeit“ und dem Buch „Monsanto auf Deutsch“ sind noch
genügend Bestände vorhanden. Bestellungen über das Infoformular auf
unserer Internetseite www.biotech-seilschaften.de.vu, unter
www.aktionsversand.de.vu oder in der Projektwerkstatt. Da andere
Verlage – teilweise mit erstaunlich widerlichen Unhöflichkeiten –
die brisanten Botschaften nicht verlegen wollten, wird „Monsanto auf
Deutsch“ wohl erstmal die einzige Enzyklopädie der
Agrogentechnik“mafia“ bleiben.

--
Verfasst in der
Projektwerkstatt Saasen, 06401/90328-3, Fax -5, 01522-8728353
Ludwigstr. 11, 35447 Reiskirchen-Saasen (20 km östlich Giessen)
www.projektwerkstatt.de/saasen
++ Tagungshaus ++ politische Werkstätten ++ Archive und
Bibliotheken ++ Direct-Action-Plattform ++ Bahnanschluß ++
ReferentInnenangebote ++ Sachspenden gesucht: Was gerade fehlt,
steht immer unter www.projektwerkstatt.de/gesucht ++

Sonntag, 31. Juli 2011

Gentechnik-Seilschaften: Newsletter am 28.7.2011

************www.biotech-seilschaften.de.vu**************
DARF GERNE WEITERGELEITET WERDEN ... GANZ ODER TEXTWEISE
*************Verfasst von: Jörg Bergstedt***************

Gentechnikfilz-News vom 29.7.2011
zusammengestellt in der Projektwerkstatt von Jörg Bergstedt (Autor
„Monsanto auf Deutsch“)


Hallo,
ich muss mich schon wieder melden – die Ereignisse überschlagen
sind. Schon wieder ist wohl ein Feld „befreit“ worden, diesmal das
Monsanto-Rübenfeld bei Nienburg/Saale (siehe
http://linksunten.indymedia.org/de/node/44128). Dann hat die EU eine
neue gv-Pflanze zugelassen – wieder einen Mais von Monsanto
(www.keine-gentechnik.de/news-gentechnik/news/de/24185.html). Nun
werden wir sehen, ob der Verdacht richtig war, dass der MON810 gar
nicht mehr die Traumpflanze des Konzerns war, er also nach
jahrelangem Nerven still und heimlich verschwinden wird (mit oder
ohne irreversible Spuren da draußen in der Natur) – so wie die
Amflora auch, bei der schon länger bekannt ist, dass BASF sie lieber
gestern als heute durch andere Zulassungen ersetzen will. Reichlich
dumm sieht da die Strategie von vielen Umweltverbänden und Parteien
aus, seit Jahren dem MON810 hinterherzulaufen. Das mag einige
Aufmerksamkeit in trägen Medien und manch Spende eingebracht haben –
politisch aber wäre es schlauer gewesen, Neuentwicklungen zu
attackieren mitsamt den AkteurInnen, die diese Entwicklungen
vorantreiben, finanzieren oder durchwinken.
Das Jahrestreffen der Gentechnik-Seilschaften steht vor der Tür!
Am 5. und 6. September 2011 findet am Gentechnikschaugarten Üplingen
(Börde) das wichtigste Treffen der deutschen
Agrogentechnik-Seilschaften statt. Nachdem der Schaugarten durch
eine gut organisierte Feldbefreiung schon entschärft wurde, wollen
GentechnikkritikerInnen nun auch das InnoPlanta-Forum stören. Es ist
seit Jahren das größte und auffälligste Treffen zwischen Konzernen,
Behörden, Lobbyverbänden und sogenannten ForscherInnen in der
Agro-Gentechnik Deutschlands. KWS-Chef von der Bussche war da,
ebenso führende MitarbeiterInnen von Bayer, BASF, Pioneer, Monsanto
und anderen. Matin Qaim, Stefan Rauschen und andere
WissenschaftlerInnen, die sich aus den Millionentöpfen der
Gentechnikförderung bedienen. Betagte und aktuelle JournalistInnen
aus ZDF, MDR und anderen puschten das Treffen. PolitikerInnen und
BehördenvertreterInnen aus zuständigen Ministerien in Sachsen-Anhalt
oder Mecklenburg-Vorpommern bis zu Thomas Leimbach, Chef des
Landesverwaltungsamtes, waren zugegen - letzterer hielt eine
flammende Rede für die Versuchsfelder, die seine Behörde eigentlich
überwachen soll. Rundherum gruppierten sich Geldgeber, LobbyistInnen
und VertreterInnen derer, die mit Grund und Boden die ganze Sache
unterstützten - vom Bürgermeister bis zur Stiftung Braunschweiger
Kulturbesitz (SBK). Anfang September 2011 soll es wieder soweit
sein: Am 5. (Montag Abend) und 6. (Dienstag tagsüber) lädt der
Lobbyverband InnoPlanta unter seinem Vorsitzenden Uwe Schrader (FDP)
zum Stell-Dich-Ein ins kleine Dorf Üplingen ein, wo mit
Fördermitteln der EU und der SBK ein Hofgut als Treffpunkt der
Seilschaften saniert wurde und wird. Wer denkt sich kreative
Aktionen aus? Wer organisiert gemeinsame Anfahrten aus den
verschiedenen Ecken des Landes? Wir suchen regionale
AnsprechpartnerInnen, die das für ihre Gegend übernehmen. Infoseite:
www.biotechfarm-schliessen.de.vu.


Berufung zur Feldbefreiung in Gatersleben abrupt zu Ende!
Welch böse Überraschung: Der Prozess ist zuende. Offenbar hat der
Richter die Angeklagten bzw. ihre VerteidigerInnen über den Tisch
gezogen und mit absurden Drohungen dazu gebracht, den Prozess zu
Ende zu bringen. Ich ärgere mich, dass ich diesen Tag wegen meiner
Veranstaltungsreise durch Österreich als Verteidiger eines der
Feldbefreier passen musste – mit meiner Erfahrung in Sachen
Strafrecht wäre vielleicht noch was zu machen gewesen. So kommt es
nun nicht zu weiteren ZeugInnenvernehmungen, die sicherlich weitere
Skandale, Schlampereien und Rechtsbrüche hervorgebracht hätten – so
wie die Vernehmung der Versuchsleiterin ja vorher auch schon. Eine
Revision werden wir nun noch versuchen, aber da mauern die Gerichte
sich meist ein. Mehr auf www.gendreck-weg.de.


Feldbefreiungen sind Terror?
Im letzten Newsletter hatte ich berichtet, dass sich
Gentechnik-Protagonisten mit immer absurderen Opferbildern
inszenieren – z.B. als vergleichbar Verfolgte wie die Juden im
Dritten Reich. Ähnlich triefend vor fundamentalistischer Ideologie
sind nun die Angriffe auf die unbekannten FeldbefreierInnen der
beiden Hochsicherheitsanlagen in Deutschland, dem AgroBioTechnikum
und der BioTechFarm. Der Ressortchef Wissen der ZEIT (seit langem
ein Hetzblatt pro Gentechnik) nannte solche Aktionen jetzt als
„Ökoterror“. Erinnert sich noch jemand, dass das genau dieselben
Leute sind, die GentechnikkritikerInnen immer Unsachlichkeit und
ideologische Ablehnung der Agrogentechnik nachsagen?
Längere Texte und Debatten zu den Attacken finden sich im übrigen
auf Indymedia (www.de.indymedia.org und
http://linksunten.indymedia.org), auf www.taz.de (gleich mehrere)
und in Freitag
(www.freitag.de/politik/1129-die-neue-militanz-der-gentech-gegner).


Sie wissen es selbst: Gentechnik unkontrollierbar und unnütz
Angesichts dieser Parolen sei daran erinnert, dass es über die
Agrogentechnik eigentlich gar keine Meinungsunterschiede gibt. Auch
die BefürworterInnen räumen in ihren eigenen Papieren ein, wie
nutzlos und unbeherrschbar die Agrogentechnik ist, z.B. Monsanto:
„Die Möglichkeiten, eine Pflanze durch gentechnische Veränderungen
zu verbessern, sind gering. Dies ist einer Reihe von Ursachen
geschuldet. So lassen sich die Effekte eines spezifischen Gens auf
das Wachstum der Pflanze, deren Entwicklung und Reaktionen auf die
Umwelt nicht genau vorhersagen. Dazu kommt die geringe Erfolgsrate
bei der gentechnischen Manipulation, der Mangel an präziser
Kontrolle über das Gen, sobald es in das Genom eingebaut worden ist,
und andere ungewollte Effekte, die mit dem Geschehen bei der
Gentransformation und dem Verfahren der Zellkultur zusammenhängen.“
Das Gleiche gilt für die Frage von Koexistenz und Auskreuzung – die
ProtagonistInnen der Agrogentechnik wissen genau, dass ihre bunten
Flyer, Sonntags- und Wahlkampfreden frei erfundener Unsinn sind:
„Ein Null-Prozent-Schwellenwert ist ebenso wie eine 100%ige
Produktreinheit unerreichbar“, schrieb der Bundesverband deutscher
Pflanzenzüchter, und einer der hochrangigsten Wissenschaftler, der
Ex-Forschungsgemeinschaftspräsident Ernst-Ludwig Winnacker,
ebenfalls Gentechnikbefürworter, fügte an: „Absurd sind auch die
Abstandsregelungen für Versuchsfelder etwa von MON810, denn der
Maispollen fliegt kilometerweit.“ Auch bei den Umweltauswirkungen
wissen die GentechnikstreiterInnen, was Sache ist: Uwe Schrader,
Chef des Lobbyverbandes InnoPlanta, beschrieb 1999 als Gründ für die
Ausbreitung von Gentechnik im landwirtschaftlichen Bereich "die
Aussicht, in dem stagnierenden Pflanzenschutzmittelmarkt durch
Anwendung der Pflanzenbiotechnologie Positionsverbesserungen zu
erzielen". Alle Quellen und mehr Zitate sind unter
www.biotech-seilschaften.de.vu genau zu finden.


Wieder illegales Feld in Graz entdeckt
Fast alle Forschungsfelder werden mit falschen Angaben beantragt und
genehmigt - sowohl bei der Genehmigungsbehörde wie auch bei der
Förderung. Reine Propagandafelder werden zu Forschungsarbeiten
umdeklariert, Methoden- und Produktentwicklung als
Umweltbegleitforschung ausgegeben, um an den wichtigen Geldtopf
"Biosicherheit" heranzukommen. Mitunter werden Felder sogar komplett
illegal, d.h. ohne Genehmigung angelegt, so 2009 ein
Reserve-Gengerstenfeld der Uni Gießen. Nun wurde ein Feld der
Universitäten Würzburg und Graz im Botanischen Garten der
österreichischen Stadt entdeckt – und damit war auch der Glaube, die
Alpenrepublik hätte kein Gentech-Feld, dahin. Mehr:
www.keine-gentechnik.de/news-gentechnik/news/de/24158.html.


Mal wieder Grüne an der Macht
Eine neue Tragödie grünen Versagens in der Realpolitik bahnt sich
an. Ulrike Hoefken, vormals im Bundestag für die Grünen mit dem
Thema Agro-Gentechnik befasst und dort bemerkenswert desinteressiert
an den als Forschungsfelder deklarierten Freisetzungen, verbunden
mit einer penetranten Missachtung von GentechnikgegnerInnen, die zu
diesen Feldern arbeiteten, wurde Umwelt- und
Landwirtschaftsministerin in Rheinland-Pfalz. Dort liegt die Firma
BASF - und so, also müsste Hoefken von Beginn an deutlich machen,
dass Grüne in der Regierung zu nichts taugen, ließ sie gleich
Garantien für die Firma von Stapel (Focus online am 23.7.2011 und
agrarheute, 27.7.2011): "Höfken will die Gentechnik-Forschung der
BASF in Rheinland-Pfalz nicht behindern. "Es gibt von unserer Seite
keinerlei Intention, die Forschung einzuschränken. Die Forschung ist
frei", betonte Höfken. Der Bereich Biotechnologie stehe nicht
infrage. Die Agro-Gentechnik sei nur ein winziger Teil davon."


Südtour der Veranstaltung „Monsanto auf Deutsch“ ist vorbei
Acht Tage lang bin ich durch Bayern und Österreich gefahren – und es
hat, neben der Anstrengung, jeden Abend eine zweistündige,
theatralische Ton-Bilder-Schau zu präsentieren, verdammt Spaß
gemacht. Immer wieder wurden auch gerade Berichte von direkten
Aktionen auf und an Feldern mit Szenenapplaus bedacht. Die Wut war
jeden Abend greifbar – und die LügnerInnen und BetrügerInnen unter
dem Deckmantel von Wissenschaft und Behörden müssen sich hoffentlich
immer wärmer anziehen.
Die nächsten Veranstaltungstouren sind vor dem InnoPlanta-Forum,
Anfang November in Nordrhein-Westfalen und zum Monatswechsel
November/Dezember wieder im Süden geplant. Wer da noch Interesse
hat, sollte sich melden (gerade Sachsen-Anhalt wäre noch schön
Anfang September). Im Oktober kann sogar noch eine ganze Tour durch
andere Regionen hinzukommen, Termine in Hessen sind auch
zwischendurch möglich, da die Anfahrt da nicht so lang sind.
Die bisherige Terminliste:
Samstag, 3.9., 19 Uhr in Braunschweig (voraussichtlich Brunsviga)
Sonntag, 4.9., 15 Uhr auf dem Hoffest des Biolandbetriebes Lindenhof
in Eilum östlich von Wolfenbüttel
5./6.9. in Üplingen (Bördekreis): InnoPlanta-Forum – hoffentlich mit
bunten Protesten
Freitag, 4.11. in Wuppertal (Näheres folgt)
Samstag, 5.11. in Düsseldorf auf der Jahresversammlung der
Coordination gegen Bayer-Gefahren
Sonntag, 6.11. in Düren
Montag, 7.11. um 19.30 Uhr in Köln (Ateliergemeinschaft "Irgendwas
mit Kunst", Leyendeckerstr. 16, 50825 Köln)


Und damit erstmal wieder ein herzliches „Tschüß“ - bleibt unruhig,
wütend und frech … Jörg


P.S. Wir überlegen, ob wir dieses Jahr noch ein Seminar zur
Einführung in die Gentechnikkritik, die Seilschaften und
Aktionsmöglichkeiten machen – falls an solch einer Art Grundkurs
genügend Menschen Interesse haben. Wer Lust drauf hat, sollte sich
deshalb melden ...

Wie immer das Nachwort: Von der Broschüre „Organisierte
Unveranwortlichkeit“ und dem Buch „Monsanto auf Deutsch“ sind noch
genügend Bestände vorhanden. Bestellungen über das Infoformular auf
unserer Internetseite www.biotech-seilschaften.de.vu, unter
www.aktionsversand.de.vu oder in der Projektwerkstatt. Da andere
Verlage – teilweise mit erstaunlich widerlichen Unhöflichkeiten –
die brisanten Botschaften nicht verlegen wollten, wird „Monsanto auf
Deutsch“ wohl erstmal die einzige Enzyklopädie der
Agrogentechnik“mafia“ bleiben.


--
Verfasst in der
Projektwerkstatt Saasen, 06401/90328-3, Fax -5, 01522-8728353
Ludwigstr. 11, 35447 Reiskirchen-Saasen (20 km östlich Giessen)
www.projektwerkstatt.de/saasen
++ Tagungshaus ++ politische Werkstätten ++ Archive und
Bibliotheken ++ Direct-Action-Plattform ++ Bahnanschluß ++
ReferentInnenangebote ++ Sachspenden gesucht: Was gerade fehlt,
steht immer unter www.projektwerkstatt.de/gesucht ++