Freitag, 5. Februar 2010
Geschichtsrevisionismus am Beispiel Dresden
Die wundersame Verminderung der Anzahl der Opfer –
Angloamerikanisches Terrorbomben auf Dresden 1945
Von Günter Ackermann
Kommunisten-online vom 30. Januar 2010 – „Alles Gute kommt von oben“ steht auf dem Transparent antideutscher Faschisten. Sie verherrlichen den Tod unzähliger Menschen in Dresden, die vom 13. bis zum 14. Februar 1945 im Hagel angloamerikanischer Bomben ums Leben kamen oder von den Bordkanonen amerikanischer Tiefflieger erschossen wurden. Sie arbeiten damit ihren Gesinnungskumpanen, den braunen Faschisten zu. Denn während die einen das mit der Vernichtung von Menschen durch Bomben der Westalliierten bejubeln, benutzen die anderen das Thema um die faschistischen Verbrechen im 2. Weltkrieg zu relativieren und/oder zu leugnen. Es sind zwei Seiten der gleichen Medaille.
Terrorangriffe der Angloamerikaner auf deutsche Städte im 2. Weltkrieg
Die Bombenangriffe der Angloamerikaner folgten immer dem gleichen Muster: Große Industriebetriebe, selbst, wenn sie kriegswichtig waren, wurden nicht bombardiert. Falls sie doch getroffen wurden, dann nur aus Versehen. Stattdessen wurden die Stadtteile angegriffen, in denen die Arbeiter wohnten, also da, wo sehr viele Menschen auf engem Raum lebten.
Und solche Industriebetriebe wurden besonders geschont, an denen Konzerne aus den USA und England beteiligt waren oder die mit diesen in engen geschäftlichen Beziehungen standen. Dass hier zunächst Ford und Opel genannt werden müssen, ist klar – aber auch die der IG-Farben und Mannesmann und andere gehören dazu. Bei denen vermutet man das nicht, denn ihre Produkte waren von großer Bedeutung für den Krieg – ohne sie wäre keine Granate abgeschossen worden, kein KFZ hätte sich bewegt und kein Flugzeug wäre aufgestiegen, wenn die Produkte der IG-Farben nicht zu Verfügung gestanden hätten. Aber ohne diese Produkte hätten die Faschisten auch kein en Juden oder Zigeuner vergasen können. Das Tötungsmittel Zyklon B wurde von der Degesch hergestellt, an der IG-Farben der größte Anteilseigner war.[1]
IG-Farben war eng mit dem US-Chemie-Giganten Dupont verschwistert und wickelte noch im Laufe des Krieges Geschäfte mit diesen über die Schweiz ab. Ähnlich machte es auch Mannesmann und mit Sicherheit auch weitere Konzerne.
Datei:Yalta summit 1945 with Churchill, Roosevelt, Stalin.jpgBei Fabriken von IG-Farben gab es nach der Konferenz von Jalta aber eine wichtige Einschränkung. Alle Fabriken, die in den zukünftigen Westzonen lagen, wurden nach wie vor geschont – nicht aber die im Osten, also in der späteren sowjetischen Besatzungszone.
In Jalta hatten die Alliierten die Grenzen der Besatzungszonen festgelegt. Also konnten die angloamerikanischen Bomber die Leunawerke und die Bunawerke angreifen, taten es aber nicht in Ludwigshafen. Frankfurt-Höchst, Leverkusen usw.
Man wollte den Russen – sie waren immerhin noch Verbündete der Westalliierten – nicht diese wichtigen Industrieanlagen überlassen.
Trotzdem wurden hauptsächlich die dicht besiedelten Wohnquartiere der Arbeiter angegriffen. Man glaubte, man könne damit die Kriegsmoral der Deutschen brechen und damit auch die Wehrmacht schwächen. Tatsächlich aber erreichte man das genaue Gegenteil – sie wurde gestärkt. Die angloamerikanischen Strategen, allen voran der britische Luftmarschall Sir Arthur Travers Harris, setzten die Terrorangriffe selbst dann fort, als sie erkannt hatten, dass damit die Moral der Deutschen nicht zu brechen war.
Der Bombenangriff auf Dresden 13./14. Februar 1945
Vorweg: Ich betrachte es nicht als meine Aufgabe, das zu entschuldigen und zu rechtfertigen, was die Alliierten taten. Festgestellt sei allerdings: Den Krieg zwang das deutsche Großkapital der Welt auf und bediente sich dabei der Nazipartei. Denen gehört die Hauptverantwortung für Krieg und Faschismus.
Wenn aber, wie z.B. in Dresden, eine Stadt aus der Luft angegriffen wurde, deren strategische Bedeutung gering war und, wenn, wie geschehen, die wichtigsten der vorhandenen strategischen Ziele ausgelassen wurden (z.B. Eisenbahnbrücke über die Elbe, Garnison der Wehrmacht), stattdessen die historisch wertvollen Teile und die dicht besiedelten Wohnquartiere der Arbeiter, dann erhebt sich doch die Frage, ob das nicht ein Kriegsverbrechen war. Ich bin der festen Überzeugung, dass es keine Rechtfertigung für die Terrorangriffe der Alliierten auf deutsche Städte gibt. Das trifft nicht nur auf Dresden zu. Es handelte sich um Kriegsverbrechen, der Angriff auf Dresden – elf Wochen vor Kriegsende – war es auch. Wenn einige, die sich als links bezeichnen, nun ins Horn der Herrschenden einstimmen und die Terrorangriffe auf Dresden rechtfertigen, so erledigen sie damit die Geschäfte der Faschisten. Sie treiben denen die Menschen in die Arme, denn man kann es niemanden erklären, dass diese Angriffe notwendig und moralisch vertretbar waren.
Ich beteilige mich nicht an diesem Werk des Leugnens von Kriegsverbrechen, das überlasse ich denen, die ein Interesse an der Verharmlosung dieser Angriffe haben. Das sind die, welche Deutschland in neue kriegerische Abenteuer stürzen wollen – nur diesmal an der Seite jener, die 1945 Dresden in Schutt und Asche bombten und meinen, je harmloser das damalige Geschehen wirkt, umso besser können sie die Deutschen für neue kriegerische Maßnahmen gewinnen.
Wenn die westlichen Alliierten ihre Kraft dazu genutzt hätten, die kriegswichtigen Anlagen – Flughäfen, Fabriken, Kasernen – zu zerstören, wäre ich der Letzte, der ihnen das vorwirft. Stattdessen aber war es so, dass die westlichen Besatzungszonen noch 1945 mehr Industriepotential nach Kriegsende hatten, wie vor dem Krieg das gesamte Großdeutsche Reich – also einschließlich das schlesische Industrierevier und Österreich. Es waren jedoch die Arbeiterquartiere in allen angegriffenen Städten, die mit Bombenteppichen belegt und zerstört wurden.
Hatten die Städte im Ruhrgebiet und Hamburg eine gewisse strategische Bedeutung, war Dresden eine Stadt ohne nennenswerte Bedeutung für die Kriegswirtschaft. Nur die Zeiss-Ikon Werke hatten Bedeutung für die Kriegsführung.
Die Geschichte der Opferzahlen
Nach den Bombenangriffen im Februar 1945 gab es einen Bericht eines Polizeioffiziers. Der Text:
Der höhere Polizei- und SS-Führer
Der Befehlshaber der Ordnungspolizei
Dresden, den 22.3.45
Tagesbefehl Nr. 47
1. Luftangriff auf Dresden.
Um den wilden Gerüchten entgegentreten zu können, folgt nachstehender kurzer Auszug der Schlussaufstellung des Polizeipräsidenten von Dresden über die vier Angriffe am 13., 14., 15.2.1945 auf Dresden.
1. Angriff am 13.2.45 v. 22.09 – 22.35 etwa 3000 Spreng- u. 400 000 Stabbrandbomben
2. Angriff am 14.2.45 v. 01.22 – 01.54 etwa 4500 Spreng- u. 170 000 Stabbrandbomben
3. Angriff am 14.2.45 v. 12.15 – 12.25 etwa 1500 Spreng- u. 50 000 Stabbrandbomben
4. Angriff am 15.2.45 v. 12.10 – 12.50 etwa 900 Spreng- u. 50 000 Stabbrandbomben
Total vernichtet bzw. schwer beschädigt wurden 13 441 Wohngebäude, das sind 36% aller Wohngebäude in Dresden. Weiter wurden total vernichtet bzw. so schwer beschädigt, daß sie nicht mehr benutzt werden können:
30 Banken
647 Geschäftshäuser
31 Waren- und Kaufhäuser
32 größere Hotels
25 größere Gaststätten
19 Kirchen
6 Kapellen
22 Krankenanstalten
75 Verwaltungsgebäude
72 Schulen
6 Theater
18 Lichtspielhäuser
2 Museen
5 Konsulate, darunter das Spanische und Schweizer Konsul
Im Kühlhaus wurden nur 180 Fass (zu je 50 kg) vernichtet, alle anderen Bestände wurden gerettet.
Bis zum 20.3.45 abends wurden 202 040 Tote, überwiegend Frauen und Kinder geborgen. Es ist damit zu rechnen, daß die Zahl auf 250 000 Tote ansteigen wird. Von den Toten konnten nur annähernd 30% identifiziert werden.
Die Ordnungspolizei Dresden (Schutzpolizei) hat 75 Tote, 276 Vermißte, die zum großen Teil zu den Toten mitgerechnet werden müssen, zu verzeichnen.
Da der Abtransport der Toten nicht rechtzeitig und rasch vonstatten gehen konnte, wurden 68 650 Gefallene eingeäschert, die Asche auf einem Friedhof beigesetzt.
Da die Gerüchte die Wirklichkeit weit übertreffen, kann von den tatsächlichen Zahlen offen Gebrauch gemacht werden.
Die Verluste und Schäden sind schwer genug. Die ganze Schwere der Angriffe liegt darin, daß dieser Umfang der Schäden in wenigen Stunden hervorgerufen wurde.
Für den Befehlshaber der Ordnungspolizei
Der Chef des Stabes, gez. Grosse
Oberst der Schutzpolizei[2]
Dieser, mit der Akribie eines Bilanzbuchhalters mit deutsche Gründlichkeit verfasste Bericht – oder wie soll ich den Satz: „Im Kühlhaus wurden nur 180 Faß (zu je 50 kg) vernichtet, alle anderen Bestände wurden gerettet.“ Verstehen? – basiert auf der Zählung der Bombenopfer durch die Dresdner Polizei. Wenn die Polizei damals von 202 040 geborgenen Toten schreibt, so ist auch diese Zahl sehr detailgenau. Und, wenn „nur annähernd 30% identifiziert werden“ konnten, dann sind das immerhin rund 60.600 Tote, Offiziell aber spricht man heute von insgesamt18.000 Toten. Woher dieser auffällige Schwund?
Ich weiß keinen Grund, am obigen Polizeibericht zu zweifeln. Erstellt wurde er von Leuten, die professionell solche Aufgaben hatten, der Bericht ist sehr detailgenau. Auch die Zählung der Sachschäden lassen sich im Nachhinein überprüfen und wird nicht angezweifelt. Und ausgerechnet in der Zahl der Toten haben die damaligen Behörden so geschlampt, dass sie eine mehr zehnfache Opferzahl errechneten? Also zählten sie jeden Toten zehnfach? Unwahrscheinlich! Und welches politische Interesse sollten die Nazibehörden gehabt haben, die Opferzahlen so hoch zu rechnen? Die Nazis belogen zwar die Öffentlichkeit, nicht aber die eigene Führung. Der Bericht eines Wehrmachtsoffiziers an das Führerhauptquartier spricht von 250.000 Toten.[3]
Allerdings ist der oben angeführte Tagesbefehl der Polizei nicht im Original erhalten, es gibt nur Reproduktionen. Allerdings nennt der Wehrmachtsbericht an das Führerhauptquartie exakt die Zahlen des Tagesbefehls 47. Der Schreiber des Berichtes dürfte ihn gekannt haben.
Ich kenne allerdings einige Gründe der heute Regierenden die Zahlen der Opfer nach unten zu schönen. Was die Stoßrichtung des Runterzählens ist, zeigt folgende Textpassage über die Bombardierung Dresdens: „Ob die sowjetische Besatzungsmacht, die etwa drei Monate nach den Bombenangriffen in Dresden einzog, Unterlagen der Stadtverwaltung oder anderer Behörden beiseite geschafft und nach Rußland verschleppt hat, ist unbekannt, aber nicht unmöglich..“
Unmöglich ist auch nicht, dass ein hungriger Löwe aus dem Zoo im Februar 1945 ausbrach und das Papier des Tagesbefehls Nr. 47 gefressen hat. Jedenfalls wird hier suggeriert, dass wieder einmal die Russen die Schuld tragen.
Es gibt auch Versuche, der UdSSR die Schuld am Bombenangriffe anzudichten. Auch von links.
„Der Angriff auf Dresden wurde den Sowjets durch die US-Militärmission in Moskau vorab mitgeteilt; sie erhoben keine Einwände.[4]
Also warfen die Russen die Bomben, zumindest indirekt – folgt man dem Autor Jürgen Elsässer. Die Hauptverantwortung trägt nicht Churchill oder Bomber-Harris, sondern Stalin und Marschall Shukow. So lügt man die Geschichte um.
Oder, so ein anderer „linker“ Text zu Dresden:
„Dass der Angriff so verheerend war, erklärt sich auch aus dem Zusammenspiel ganz unterschiedlicher Faktoren: Das Wetter war für einen Luftangriff ungewöhnlich gut, die Dresdner Flugabwehr war in das Ruhrgebiet abtransportiert worden (was den Alliierten unbekannt war) und die Dresdner Gauleitung hatte es versäumt, auch nur halbwegs ausreichende Luftschutzmaßnahmen zu ergreifen. Bei einem ähnlich schweren Angriff im März 1945 auf Essen, das ein umfangreiches Bunkersystem hatte, starben unter 1000 Menschen, also vergleichsweise wenige.
Als die Rote Armee schließlich nach Dresden einrückte, wurde sie erbittert bekämpft; der Kampf um die letzten Häuser in Dresden kostete noch einmal etwa 200 russischen SoldatInnen und einer unbekannten Anzahl fanatischer NationalsozialistInnen das Leben – typisch für die letzten Kriegswochen in Sachsen.[5]
Dieser Text ist alles andere als historisch. Auf der offiziellen Homepage Dresdens heißt es hierzu:
„Klar ist, dass mit der Bombardierung hauptsächlich zivile Einrichtungen zerstört wurden, während Kasernen und Materiallager am Rande der Stadt nicht bombardiert wurden. Angeblich sollte mit der Bombardierung auch der Weg für den Einmarsch der Roten Armee frei gemacht werden. Die sowjetischen Truppen erreichten Dresden jedoch erst nach der Kapitulation.“[6]
Mal abgesehen von der Tatsache, dass es damals keine sowjetischen Kampfverbände gab, bei denen Frauen in den Kampftruppen waren (SoldatInnen), ist mir auch unklar, woher der Schreiber die Zahl von 200 im Kampf um Dresden gefallenen Rotarmisten hat? Denn ohne Kämpfe auch keine Gefallenen. Oder sind das sowjetische Kriegsgefangene, die im alliierten Bombenhagel starben?
Die Rote Armee hatte nicht vor, Dresden zu erobern und umging die Stadt. Erst nach der bedingungslosen Kapitulation, am 8. Mai 1945, wurde Dresden besetzt.
Weiter erklärt der Schreiber: „Dass der Angriff so verheerend war, erklärt sich auch aus dem Zusammenspiel ganz unterschiedlicher Faktoren: Das Wetter war für einen Luftangriff ungewöhnlich gut, die Dresdner Flugabwehr war in das Ruhrgebiet abtransportiert worden (was den Alliierten unbekannt war) und die Dresdner Gauleitung hatte es versäumt, auch nur halbwegs ausreichende Luftschutzmaßnahmen zu ergreifen.“
Soso, der Wettergott war dran schuld, Nur: Das Wetter hatte zwischen dem ersten Nachtangriff, den Tagesangriffen bis zur 4. Angriffswelle gewechselt. Es war mal klares Wetter, mal stark bewölkt. Das geht jedenfalls aus den verschiedenen Berichten hervor. Was ist nun das für einen Luftangriff „ungewöhnlich gut“?
Ob die Luftabwehr dran schuld war oder der Mangel an Bunkern, vermag ich nicht einzuschätzen, spielt meines Erachtens auch keine Rolle.
Dass die Opfer so hoch waren, lag vor allem an der Taktik der Bombardierungen:
1. Welle um 22:10 Uhr hauptsächlich Luftminen und Brandbomben. Die Luftminen decken die Häuser ab und geben den Brandbomben das nötige Material zum Anbrennen der Häuser. 22:30 Uhr brennt die gesamte Innenstadt.
Rettungs- und Löschmaßnahmen beginnen. Auf deren Höhepunkt erfolgt die 2. Abgriffswelle zwischen 1:23 und 1:54 Uhr bombardieren 529 Lancaster-Bomber vor allem die äußeren Stadtteile. Das stört die Rettungs- und Löschmaßnahmen erheblich. Das ist gewollt.
In dieser Nacht fallen auf Dresden 200.000 Sprengbomben und 650.000 Brandbomben mit einem Gewicht von mehr als 2.600 Tonnen.
Am nächsten Tag erfolgen zwei Luftangriffe der US-Air Force. Die Bomber werden begleitet von 70 Jäger vom Typ P-51. Letztere machen Jagd auf Menschengruppen an den Ausfallstraßen und im Großen Garten.
Die Opferzahlen und das Herunterrechnen
Noch 1992 schrieb die Stadt Dresden durch die Sachgebietsleiterin des Amtes für Protokoll und Auslandsbeziehungen auf Anfrage folgendes:
LANDESHAUPTSTADT DRESDEN Opferzahl
STADTVERWALTUNG
Amt für Protokoll und
Auslandsbeziehungen
Bearbeiter:
Mitzscherlich Zimmer:
Ihr Schreiben
Ihr Zeichen
Unser Zeichen
Telefon
Datum
0016/Mi
31.7.1992
Sehr geehrter ...,
in den vergangenen Wochen und Monaten erreichte uns eine Flut von Briefen, in denen uns die Absender ihre Zustimmung zu unserem Protest gegen das Denkmal des Luftmarschalls A.T. Harris bekunden und gleichzeitig, wie auch Sie, die Frage nach der tatsächlichen Zahl der Opfer der Bombenangriffe auf Dresden am 13./14. Februar 1945 stellen.
Zweifelsohne ist eine Aufarbeitung der historischen Tatsachen und Hintergründe und damit eine offizielle Korrektur der in den vergangenen Jahrzehnten von der DDR veröfffentlichten Angaben über die Opfer unerläßlich. Nun, da die Möglichkeiten dazu gegeben sind, ist es nahezu eine Verpflichtung, daß die Historiker dieses Thema unter anderen Aspekten erneut aufgreifen.
Um der geschichtlichen Wahrheit über das Ausmaß der Zerstörung und des Todes in Dresden gerade auch in Großbritannien Geltung zu verschaffen, bedarf es neben den Schätzungen vor allem der Beweisführung, und darin liegt heute die Schwierigkeit.
Gesicherten Angaben der Dresdner Ordnungspolizei zufolge wurden bis zum 20. 3. 1945 202.040 Tote, überwiegend Frauen und Kinder geborgen. Davon konnten nur etwa 30% identi- fiziert werden. Einschließlich der Vermißten dürfte eine Zahl von 250.000 bis 300.000 Opfern realistisch sein. Entsprechende neue Forschungen sind noch nicht abgeschlossen.
Diese Informationen sind sicher nicht allumfassend: dennoch hoffen wir, Ihnen damit geholfen zu haben.
An dieser Stelle möchten wir Ihnen für Ihre Verbundenheit mit der Stadt Dresden danken, die in der Zukunft, und dessen sind wir gewiß, schöner denn je erblühen wird.
Mit freundlichen Grüßen
gez.
Karin Mitzscherlich
Sachgebietsleiterin
http://www.politikforen.net/
Das ist keine Auskunft aus DDR-Tagen. Damals, so behaupten die Rechtfertiger des Bombenangriffs, habe man aus Propagandagründen die Opferzahlen hoch gerechnet. Dies ist eine Auskunft, als Dresden schon längst bundesdeutsch war. Allerdings, als einige Zeit später ein Historiker diese Zahl bestätigt haben wollte, bekam er die Auskunft, man dürfe keine Opferzahlen mehr nennen. Warum wohl?
Wie schon festgestellt: Ich kenne keinen Grund, warum im März 1945 sich die Polizeibehörden Dresdens so verzählt haben sollten, dass sie jeden Toten m zehnmal zählten. Die Angaben sind detailgenau und präzise, fast pedantisch. Auch die Angaben über die identifizierten Toten – und damit auch wohl registrierten – sind präzise. Die angegebene Zahl der Toten war 202040, fast 30% sind eindeutig identifiziert worden. Das sind mehr als 60.000 Tote – weit mehr als die heutige Zahl von 18.000.
Die heutigen Herrschenden haben ein gestandenes Interesse daran, die Terrorangriffe der westlichen Alliierten im 2. Weltkrieg klein zu rechnen. Sie sind ja die heutigen Verbündeten. Mehr noch: Der deutsche Imperialismus beginnt nach der „Wiedervereinigung“ erneut mit kriegerischen Abenteuern. Diesmal aber nicht im Alleingang oder mit anderen Mittelmächten (Japan, Italien), gegen den Rest der Welt, sondern im Schlepptau des USA-Imperiums. Da ist angesagt, die Bombenangriffe herunter zu spielen. In den westdeutschen Städten wurde das erfolgreich seit BRD-Gründung gemacht. Dresden aber ist eine andere Größenordnung. Es war einer der schönsten Städte nördlich der Alpen, die zerstörten Kunstwerke genossen Weltruhm und die Wunden sind immer noch sichtbar.
Daher ging vor einigen Jahren die Stadtspitze Dresdens daran, jetzt eine endgültige Zahl zu nennen – eine möglichst kleine.
weiter
Dresden brennt
Britischer Bomber beim Abwurf von Stabbrandbomben
[Abbildung]
Verbrennung von Leichen in Dresden nach der Bombardierung
Nach den Bombenangriffen
[Abbildung]
Leichenberge
Exkurs:
Der Geschichtsfälscher als Forscher nach der wahren Opferzahl
oder
Der Bock als Gärtner
Man musste dazu jemanden haben, der keine Skrupel vor Fälschungen hat. Den fand m an in Prof. Dr. Rolf-Dieter Müller, einen, zu dessen Job es gehört die deutsche Kriegshistorie im Sinne der Lamettaträger umzulügen. Rolf-Dieter Müller ist Wissenschaftlicher Direktor des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes der Bundeswehr und hat mehrfach Erfahrung in Geschichtsfälschung.
Am 26.01.2009 berichtete der Spiegel, ein Jurist Helmut Kramer habe Rolf-Dieter Müller vorgeworfen, als Gutachter der CDU/CSU gegen die Rehabilitierung von Kriegsverrätern sein vor dem Rechtsausschuss des Bundestages präsentiertes beeindruckendes Paradebeispiel: über General Edgar Feuchtinger gefälscht zu haben.
Es ging um folgendes:
Die Linksfraktion beantragte 2006 im Bundestag, alle jene pauschal zu rehabilitieren, die während des 2. Weltkrieg wegen Kriegsverrats verurteilt wurden. Die CDU/CSU war dagegen und beauftragte Rolf-Dieter Müller ihr ein Gefälligkeitsgutachten zu erarbeiten, dass einen Fall enthält, der nicht rehabilitiert werden durfte. Ohne ins Detail gehen zu wollen folgendes: Was Müller dem Rechtsausschuss vorlegte, war von vorn und hinten nachweislich falsch und zum Teil frei erfunden.
Der Jurist Helmut Kramer schreibt dazu:
„Um dem Antrag der Linksfraktion auf eine pauschale Aufhebung der Urteile entgegentreten zu können, benötigten die Rehabilitierungsgegner wenigstens ein einziges Urteil, das sich auch nach heutigen Maßstäben aufrecht erhalten läßt. Müller machte sich nützlich und lieferte ein Paradebeispiel: das Urteil gegen den General Edgar Feuchtinger. Das habe Wette in selektiver Fallauswahl ignoriert. Feuchtinger sei wegen Kriegsverrat zum Tode verurteilt worden, und zwar mit Recht. Er habe nämlich seiner Freundin, einer Tänzerin, in einem Brief mitgeteilt, mit welchen Aufgaben er während der Ardennenoffensive befaßt war, und er habe ihr eine Benzinbezugsmöglichkeit verschafft.“[7]
Aber Feuchtinger wurde nicht wegen Kriegsverrat verurteilt, sondern wegen Wehrkraftzersetzung, war aber von Hitler höchstpersönlich begnadigt worden und hat nach Kriegsende in der BRD eine gute Generalspension kassiert und hat noch in der Wirtschaft Karriere gemacht.
Weiter Kramer:
„Ähnlich wie weltanschaulich besessene Juristen zur Begründung eines politisch erwünschten Urteils in ergebnisorientierter Argumentation alle methodischen Standards beiseite lassen können, wofür es auch in der Geschichte der bundesdeutschen Justiz einige Beispiele gibt, hat hier ein vergangenheitspolitisch festgelegter Historiker jede Kontrolle über sich verloren. (…) Hier aber wurde eine Tatsachenbehauptung trotz Kenntnis des Gegenteils aufgestellt, und Müller verband diese falsche Behauptung auch noch mit dem massiven Vorwurf, sein Kollege Wolfram Wette habe wissenschaftlich unseriös gearbeitet, indem er das – nicht vorhandene – Kriegsverratsurteil gegen Feuchtinger ignorierte. Damit hat Müller das Urteil wissenschaftlicher Unseriosität über sich selbst gesprochen. Dennoch möchte ich nicht völlig ausschließen, daß er auf der Suche nach der Durchsetzung seiner geschichtspolitischen Positionen letztlich die Wirklichkeit mit einem Wunschbild verwechselt hat.“ [8] (Hervorhebung von mir , G.A,)
Müller scheint Spezialist in politisch erwünschten Urteilen in ergebnisorientierter Argumentation zu sein, der alle methodischen Standards beiseite lässt.
Auch jüngst hat Müller im Auftrag des Berliner Kriegsministeriums ein Gutachten erstellt, in dem er die Verbrechen deutscher Gebirgsjäger im 2. Weltkrieg in Griechenland rechtfertigt und umgelogen werden.
Der war also der Hauptgutachter über die Opferzahlen von Dresden. Ein wahrer vertrauenswürdiger Gutachter!
Ende Exkurs
Der famose Bundeswehr-Historiker ging ans Werk und ließ erstmal die Toten verschwinden, die viele Jahre als gesichert galten: 35.000. Jetzt sind es deutlich weniger. Man habe „keine Beweise oder belastbaren Indizien“ gefunden, so der Kommissionsvorsitzende Professor Rolf-Dieter Müller vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt in Potsdam, dass die Zahl der getöteten bei den Februarangriffen höher als 25.000 liegen könne.
Ist das nicht erfreulich? Und man hat ausgerechnet, dass pro Tonne Bombenlast Dresden gar nicht so schlimm war: nur 7,7 Tote pro Tonne Bombenlast.
Der damalige Stabschef des Dresdner Festungskommandanten, Major Eberhard Matthes, war der Offizier, der damals einen Bericht ans Führerhauptquartier verfasste, dass es sich um etwa 250.000 Tote handelt, wurde vom ach so wahrheitsliebenden Herrn Prof. Müller korrigiert: „Es gibt keine militärische Quelle, die ein höhere Opferzahl nahelegt.“
Dabei ist der Bericht, den Major Matthes damals verfasste, auch eine militärische Quelle und Matthes nennt eine erheblich größere Opferzahl.
Auch konnten, so meint der Müller-Bericht, die Menschen auch nicht im Feuersturm zu Asche werden. Dazu sei die Hitze nicht groß genug gewesen. Hierzu folgender Bericht eines Entkommenen über die Bergung der Leichen seiner Verwandten aus einem Bunker:
„Die Leichen waren in der Form als Menschen erkennbar. Sie zeigten noch genau den Körperbau, die Schädelform, waren aber ohne Bekleidung. Augen und Haare. - also verkohlt und nicht zusammengeschrumpft. Bei Berührung fielen sie zu Asche zusammen und zwar restlos ohne Skelett oder irgendwelche einzelne Knochen. Eine männliche Leiche erkannte ich als meinen Schwiegervater. Sein Arm war von zwei Steinen eingeklemmt. Dort waren Reste seines graumelierten Anzugs erhalten geblieben. Nicht weit daneben saß unzweideutig die liebe Mutter. Die schlanke schmächtige Form und auch die Kopfform ließen keine Täuschung zu“ [9].(hervorgehoben von mir, G.A.)
Also doch zu Asche verbrannt.
Auch die Tieffliegerangriffe der US-Air Force-Piloten gab es nicht – folgt man dem Müller-Kreis. Die Zeitzeugen, die davon berichteten, wären damals Kinder gewesen, die Luftkämpfe zwischen amerikanischen und deutschen Jägern gesehen hätten. Dass im Frühjahr 1945 so gut wie keine deutschen Flugzeuge wegen Treibstoffmangel, auch im Fronteinsatz, aufsteigen konnten, wird geflissentlich übersehen.
Fazit:
Natürlich kenne ich die wahren Zahlen der Opfer auch nicht. Ich meine aber, man soll die Zahlen, die direkt nach den Angriffen genannt wurden, nicht als absurd abtun. Das, was die Müller-Kommission hier abgeliefert hat, erscheint mir dagegen mehr als fragwürdig. Müller ist ein mehrfach erwischter Geschichtsfälscher. Seriosität kann man ihm mit Sicherheit nicht unterstellen.
Und wir Kommunisten?
Es steht außer Zweifel, dass der 2. Weltkrieg vom deutschen Finanzkapital vom Zaune gebrochen wurde. Es war die deutsche Luftwaffe, die die in Dresden angewandte Taktik entwickelt hat.
In Guernica soll es bis zu 2000 Tote gegeben haben. Die Stadt hatte damals 6.000 Einwohner. Es starben also jeder dritte Einwohner der Stadt. Dass das ein Kriegsverbrechen war, wird selbst von Bürgerlchen nicht angezweifelt.
Unsere Klientel sind die werktätigen Massen, allen voran die Arbeiterklasse. Denen klar zu machen, dass es richtig war, bei den Bombenangriffen auf deutsche Städte vor allem die Arbeiterquartiere zu zerstören und die Frauen und Kinder der Arbeiter zu töten, ist unmöglich. Es gibt keine Entschuldigung dafür, am wenigsten die, das sei Kriegsnotwendig gewesen. Das war es nicht in Hamburg, nicht in Köln, nicht in Pforzheim und auch nicht in Dresden.
In Dresden kommt noch hinzu, dass alle wichtigen militärischen Ziele in Dresden unversehrt blieben, weil außerhalb des Bereichs der Bombardierung. Es trifft in Dresden das zu, was Otto Grotewohl, damals Ministerpräsident der DDR, zum 10. Jahrestag des Terrorangriffs sagte;
„Dieses unsinnige Verbrechen diente ebenso wie die Zerstörung von Brücken, Talsperren und anderen lebenswichtigen Einrichtungen durch die SS dem Zweck, eine Trümmerzone zu schaffen, die den siegreichen Sowjetarmeen das weitere Vordringen unmöglich machen sollte.“
Wir sollten den Nazis, die am 13. Februar 2010 in Dresden ihre Krokodilstränen um die Opfer vergießen wollen, entschieden entgegen treten, Wir müssen uns auch gegen jene stellen, die das Verbrechen um Dresden klein reden wollen und es gilt auch jene an den Pranger zu stellen, die die Bombardierung Dresdens bejubeln und sich dann auch noch als Linke bezeichnen.
Die überwiegende Mehrzahl der Opfer von Dresden waren unsere Klassenbrüder und -schwestern. Es waren Arbeiter, Arbeiterfrauen und Arbeiterkinder, die im Bombenhagel zerfetzt und im Feuersturm verglüht sind. Denen zu gedenken und sie zu ehren dürfen wir nicht den Faschisten überlassen.
G.A.
[1] Die „Deutsche Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung m.b.H.“ gehörte in der Zeit des 2. Weltkrieges zu 42,5 % der I.G. Farben, zu 42,5 % der Degussa und zu 15 % der Th. Goldschmidt AG. Die Letzteren sind heute im Besitz der Evonik AG in Essen (so nennt sich heute die Ruhrkohle AG)
[2] siehe http://www.cpgg.info/docs/tagesbefehl_47.htm
[3] . Am 30. April 1945 meldete der Ia (Erster Generalstabsoffizier) von Dresden Oberstleutnant i. G. Mathes an das Führerhauptquartier, die Zahl der Todesopfer habe sich auf 253.000 erhöht. Von ihnen seien 36.000 voll identifiziert, während 50.000 anhand von Eheringen teilidentifiziert, dagegen 168.000 in keiner Weise identifiziert werden konnten. Der Vater von Oberstleutnant Mathes war damals als Verwaltungsdirektor Chef der Dresdner Baupolizei. Er bestätigte die Angaben seines Sohnes. Auch nach dem Krieg war er Baudezernent in Dresden. Nach 1945 seien noch viele zehntausend Leichen geborgen worden.
[4] Jürgen Elsässer: Die Dresden-Lügen siehe
[5] Historisches zum 13. Februar in Dresden, siehe
[6] siehe
[7] in Ossietzky – Zweiwochenzeitschrift für Politik / Kultur / Wirtschaft – Nr. 23 vom 15. November 2008, S. 864-866
[8] ebenda
[9] siehe
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Nachtrag zu Geschichtsfälscher am Werk
Die wundersame Verminderung der Anzahl der Opfer –
Angloamerikanisches Terrorbomben auf Dresden 1945
1. War Dresden eine Nazi-Hochburg?
Eine reine Erfindung um die Terrorangriffe zu rechtfertigen!
Von Günter Ackermann
Kommunisten-online vom 3, Februar 2010 – Ich finde auf einer stockseriösen Internetseite folgenden Text
„Das deutsche Florenz, eine Nazihochburg
Dieses Mal spielt der Chor den Dresdner an sich. Anfangs werden Texte vorgetragen, die den Stolz auf das „deutsche Florenz“ zum Ausdruck bringen, und gleich darauf solche, die den Dresdner als nazitreuen Kleinbürger zeigen. Eine Frau schreibt dem Führer einen Brief, in dem sie sich ein Kind von ihm wünscht. Die Juden werden vom Kurbetrieb ausgeschlossen und am Theater vorauseilend „Kunst für das Reich“ zelebriert. Weshalb Goebbels die erste Reichstheaterwoche eben in Dresden eröffnete. Lösch entlarvt die Legende von der „Unschuld“ der Stadt, in dem er zeigt, was sie war: eine Nazihochburg.“[1]
Mal abgesehen davon, dass das noch immer kein Grund sein kann, die Stadt in Schutt und Asche zu bomben; mal abgesehen davon, dass dann noch lange nicht alle Dresdner Nazis waren, so ist es doch ganz einfach falsch.
Man müsste da wohl einigermaßen objektive Zahlen zu Rate ziehen. Aber in der Nazizeit gab es keine freien Wahlen, noch demoskopische Umfragen und wenn es sie gegeben hätte, wären die Ergebnisse nicht zu brauchen gewesen.
Einigermaßen objektive Eindrücke über die Starke der Nazipartei können nur die Ergebnis der Reichstagswahlen von 1932 und – eingeschränkt – der von März 1933 geben.
Prozentanteile einiger Parteien bei den Reichstagswahlen im Wahlkreis Dresden-Bautzen
KPD
SPD
Z
DNVP
NSDAP
19.01.1919
-
50,9
1,8
13,2
-
06.06.1920
1,2
27,4
1,7
17,1
-
04.05./21.09.1924
8,4
34,6
1,2
23,2
4,5
07.12.1924
6,5
37,3
1,5
23,5
1,5
20.05.1928
10,3
39,1
1,4
11,5
1,8
14.09.1930
12,4
34,7
1,4
5,0
16,1
31.07.1932
14,3
31,1
2,1
5,5
39,3
06.11.1932
17,0
29,5
1,9
8,1
33,9
05.03.1933
13,4
28,4
2,0
7,7
43,6
Ich stelle fest: Dresden war nicht die Hochburg der NSDAP. Zum Vergleich: Bei den Reichstagswahlen am 31. Juli 1932 errang die Nazipartei reichsweit ihr bestes Ergebnis bei freien Wahlen und wurde stärkste Partei im Reichstag. In Dresden bekam sie 39,3%, was leicht über dem Gesamtergebnis im Reich von 37,4% war.
Dagegen aber errangen die damaligen linken Parteien in Dresden , KPD und SPD, 45,4%, also erheblich mehr. Zum Vergleich: In der Hochburg der Arbeiterbewegung, in der Ruhrgebietsstadt Bochum, errangen SPD und KPD zusammen 44,1% der Stimmen, also weniger.
Und selbst bei den letzten Reichstagswahlen vom März 1933 bekamen die linken Parteien zusammen 42,8% - die Nazis 43,6%. Also nicht erheblich mehr. Man muss aber dabei berücksichtigen, dass die Wahlen von März 1933 erheblich von den Nazis behindert wurden. Von freien und geheimen Wahlen konnte man nicht m ehr sprechen.
Wenn so die Wahlergebnisse in einer Nazi-Hochburg aussehen, dann wundere ich mich schon sehr.Dass Dresden eine Nazi-Hochburg gewesen sei, ist einfach Unsinn. Die beiden linken Parteien waren über die gesamte Weimarer Republik überdurchschnittlich stark und das bis zu den letzten Wahlen im März 1933. Die NSDAP gewann ihre Stimmen von den bürgerlichen Parteien, die immer mehr in die Bedeutungslosigkeit versanken. Dagegen waren die Wähler der SPD und KPD – das Industrieproletariat – den Nazis gegenüber resistent. Das Schwergewicht deren Wähler verschob sich nur von SPD zur KPD.
Dresden als Nazi-Hochburg ist eine freie Erfindung.
Ergebnisse der Reichstagswahlen 1919-1933 (im Reich)
Stimmenanteil in Prozent; Zahl der Abgeordneten in Klammern
Datum
KPD
USPD
SPD
Zentrum
BVP
DDP
DVP
DNVP
NSDAP
Sonstige
19. Januar 1919 a)
--
7,6
(22)
37,9
(165)
19,7
(91)
--
18,6
(75)
4,4
(19)
10,3
(44)
--
1,5
(7)
6. Juni 1920
2,1
(4)
17,9
(84)
21,6
(102)
13,6
(64)
4,2
(21)
8,4
(39)
14,0
(65)
15,1
(71)
--
3,1
(9)
4. Mai 1924
12,6
(62)
0,8
(0)
20,5
(100)
13,4
(65)
3,2
(16)
5,7
(28)
9,2
(45)
19,5
(95)
6,6b)
(32)
8,5
(29)
7. Dez. 1924
9,0
(45)
0,3
(0)
26,0
(131)
13,7
(69)
3,7
(19)
6,3
(32)
10,1
(51)
20,5
(103)
3,0b)
(14)
7,5
(29)
20. Mai 1928
10,6
(54)
0,1
(0)
29,8
(153)
12,1
(62)
3,1
(16)
4,9
(25)
8,7
(45)
14,2
(73)
2,6
(12)
13,9
(51)
14. Sept. 1930
13,1
(77)
0,03
(0)
24,5
(143)
11,8
(68)
3,0
(19)
3,8
(20)
4,5
(30)
7,0
(41)
18,3
(107)
14,0
(72)
31. Juli 1932
14,6
(89)
--
21,6
(133)
12,5
(75)
3,2
(22)
1,0
(4)
1,2
(7)
5,9
(37)
37,4
(230)
2,6
(11)
6. Nov. 1932
16,9
(100)
--
20,4
(121)
11,9
(70)
3,1
(20)
1,0
(2)
1,9
(11)
8,8
(52)
33,1
(196)
2,9
(12)
5. März 1933 c)
12,3
(81)
--
18,3
(120)
11,3
(73)
2,7
(19)
0,9
(5)
1,1
(2)
8,0
(52)
43,9
(288)
Datum
KPD
USPD
SPD
Zentrum
BVP
DDP
DVP
DNVP
NSDAP
Sonstige
[1] siehe
zurück
2. Die Sache mit der Null oder
Der Geschichtsfälscher bezichtigt andere der Geschichtsfälschung
Von Günter Ackermann
Kommunisten-online vom 3, Februar 2010 – „Der Fall Dresden zeichnet sich durch eine Besonderheit aus. Es gab ja eine eingespielte Organisation im "Reich", die nach solchen Großangriffen in Aktion getreten ist, es gab klare Zuständigkeiten, und da gab es also nach jedem größeren Luftangriff, ob auf Hamburg, Pforzheim oder eben Dresden einen Abschlussbericht., der sehr detailliert für interne Zwecke Auskunft gab, wie viel Bomben sind abgeworfen, wie viel Gebäude sind zerstört worden, wie viele Menschen sind ums Leben gekommen. Nun gab es also sechs Wochen nach dem Angriff auf Dresden einen solchen vorläufigen Abschlussbericht, der eben eine Opferzahl von 25.000 insgesamt summierte. Und dieser Abschlussbericht ist nach 1945 verschwunden, er tauchte dann Anfang der 50er als dreiste Fälschung wieder auf, wo man aus diesem Bericht Zahlen zitiert, wo schlichtweg eine Null angehängt worden ist, wo aus geschätzten 25.000 Opfern 250.000 werden und auch Zahlen, die sich zu diesen 25.000 summieren bekommen schlichtweg eine Null angehängt."[1]
Das sagte der Militärhistoriker im Solde der Bundeswehr, Prof. Dr. Rolf-Dieter Müller. Müller ist Chef jener Kommission, die die „wahre Zahl“ der Opfer der Bombenangriffe auf Dresden herausfinden sollte, im Deutschlandradio am 22.01.2009.
Es fällt schon schwer, der Nachkriegsgeneration die Bombenangriffe auf deutsche Städte durch Alliierte Flugzeuge zu erklären, der Zerstörung Dresdens ist überhaupt nicht vermittelbar. Und es ist das Problem, denn jene, die diese Barbarei begingen, sollen jetzt unsere Alliierten in Afghanistan, Jugoslawien und anderen Teilen der Welt sein. Es stört ganz einfach das famose Bild von der westlichen Wertegemeinschaft. Da man aber die Realität der Angriffe auf Dresden nicht leugnen kann, muss man die Opferzahlen runter rechnen. Das warf der Zweck dieser Kommission unter Leitung des Herrn Müller.
Der famose Bundeswehrprofessor ist nämlich die personifizierte Wahrheitsliebe. (siehe)
Seine Gutachten nehmen es offenbar mit der Wahrheit nicht so genau, er erfindet schon mal frei.
Auch hier kann man die freie Erfindung bei genauem Hinsehen erkennen: „Nun gab es also sechs Wochen nach dem Angriff auf Dresden einen solchen vorläufigen Abschlussbericht, der eben eine Opferzahl von 25.000 insgesamt summierte. Und dieser Abschlussbericht ist nach 1945 verschwunden, er tauchte dann Anfang der 50er als dreiste Fälschung wieder auf, wo man aus diesem Bericht Zahlen zitiert, wo schlichtweg eine Null angehängt worden ist, wo aus geschätzten 25.000 Opfern 250.000 werden und auch Zahlen, die sich zu diesen 25.000 summieren bekommen schlichtweg eine Null angehängt.“
Hat Herr Müller je die verschwundene Urform des Polizeiberichts über die Opfer im Original gesehen? Hat er natürlich nicht, er kennt nur die angebliche Fälschung.
Woher weiß er, dass da eine Null hinten dran gehängt wurde um die Zahl der Opfer zu erhöhen?
Wer hat diese Fälschung gemacht?
Und warum wurde gefälscht?
Hier suggeriert Müller, dass die Fälscher die Kommunisten der DDR im Verein mit Goebbels gewesen seien: „Es ist einerseits, wie ich meine, der letzte Propagandasieg von Joseph Goebbels, dem es gelungen ist, unmittelbar nach dieser Katastrophe der Stadt in die internationale Öffentlichkeit hinein das Beispiel Dresden anzuprangern und mit spekulativ hohen Operzahlen zu verbinden. Das hat sich fortgesetzt zu Zeiten der DDR, wo man diese Propaganda jetzt gewendet hat gegen die, wie man so sagte, "angloamerikanischen Luftgangster", die sich jetzt mit Hitlers ehemaligen Generalen in der NATO zu einer erneuten Aggression gegen die "friedliebende DDR" und damit auch die Stadt Dresden rüsten.“
Natürlich in trauter Gemeinsamkeit mit Goebbels. Wie auch sonst?
Aber Müller kommt an anderer Stelle auf einen weiteren Fälscher. Und zwar den Adjutanten des Wehrmachtskommandeurs con Dresden, ein Major Matthes. Der schrieb nämlich in einem Bericht ans Führerhauptquartier, dass es 250 000 Tote gegeben habe. Aber Matthes schrieb nicht den Polizeibericht. Es ist nicht mal bekannt, ob Mathes den je gelesen hat. Wie kann Mathes der Fälscher sein?
Hinzu kommt, dass der Major Matthes, der es nach dem Krieg bei der Bundeswehr zum Oberstleutnant brachte, sein Leben lang die Opferzahl von 250000 bestätigte. Und Matthes hatte einen Vater, der bei der Dresdner Stadtverwaltung eine leitende Funktion hatte – auch noch nach dem Krieg – und der ging auch von dieser Opferzahl aus.
Wer also ist der Fälscher? Des scheint mir wahrscheinlicher, dass es der Professor Müller ist. Schon allein deshalb, weil der schon mehrfach beim Fälschen erwischt wurde.
G.A.
[1] Deutschlandradio
Mittwoch, 30. Dezember 2009
Aufruf zum 13. Februar 2010 in Dresden
Keine Versöhnung mit Deutschland!
2010 in Dresden
Das Dresden-Gedenken scheint wichtig, so wichtig, dass
die neue sächsische Staatsregierung eigens für den
bevorstehenden 65. Jahrestag das Versammlungsrecht
noch schnell erheblich einschränken will. Schließlich
ruinieren "Extremisten" schon seit Jahren die
Gedenkstimmung rund um den 13. Februar und gefährden
Sicherheit, Ruhe und Ordnung. Unterdessen versucht eine
Handvoll Dresdner Kultur- und Kirchenprominenz ein
weiteres Denkmal zur Erinnerung an die Bombardierung
und das Wiedererstehen der Stadt zu erstreiten. Zwar
wurde erst 2009 eine neue Erinnerungsstelle in der
Altstadt eingeweiht, aber Mahnmale für Dresden kann
es in Dresden nicht genug geben. Mit kaum verhohlener
revanchistischer Rhetorik wird das Denkmal in der
Sächsischen Zeitung beworben; es zeigt einen
"gestürzte[n] Mensch[en], der sich aufbäumt, ein
Gefallener, der aus eigener Kraft aufersteht. So
wie die Dresdner, so wie ihre Stadt." Die
Oberbürgermeisterin bemüht sich derweil, eine dem
Jahrestag angemessene Gedenkatmosphäre zu schaffen
- laute Musik oder Demonstrationen sind dabei
sehr hinderlich, denn das erwünschte Gedenken
soll als unpolitischer und damit unhinterfragbarer
Akt wahrgenommen werden. Mit Hilfe einer Menschenkette
um die historische Altstadt soll ein "Zeichen gegen
Extremismus" gesetzt und gleichzeitig der Zerstörung
der Stadt gedacht werden. Business as usual in Dresden.
Wenn von "Extremisten" die Rede ist, sind vor allem
diejenigen gemeint, die Kritik am Gedenken äußern,
deutschen Opfermythen widersprechen oder gegen den
Aufmarsch tausender Nazis mehr als nur symbolisch
und nicht zur Verteidigung des "wahrhaften Gedenkens"
protestieren. Weniger gemeint sind die Nazis. Ihnen
soll durch das Gesetz ein Aufmarsch durch die historische
Dresdner Altstadt verboten werden, also etwas, worauf sie
bereits 2009 verzichteten. Ihnen wird auch weiterhin mit
der Floskel begegnet, sie würden das Gedenken "missbrauchen".
Übergangen wird dabei geflissentlich, dass die Nazis sich
in ihrer Grundaussage nicht vom bürgerlichen Gedenken
unterscheiden - sie erinnern genauso an vermeintlich
unschuldige deutsche Opfer.
Für eine emanzipatorische Linke bedeutet das viel Arbeit.
Es heißt vor Ort zu sein und die unbequemen Fragen zu
thematisieren. Es heißt deutlich zu machen, dass allen
Formen des Gedenkens eben dieser gemeinsame
geschichtsrevisionistische Kern innewohnt.
Die Mythen um Dresden
Dresden gilt als "Sinnbild der Zerstörung und der zivilen
Kriegsopfer"
weil sich seine Zerstörung "von den Zerstörungen anderer
deutscher Städte deutlich unterschied" und "nur kurze Zeit
vor Kriegsende, als besonders viele Flüchtlinge in der
Stadt waren, was die Zahl und das Gewicht der menschlichen
Opfer weiter erhöhte" stattfand, heißt es im eingangs
angeführten Gesetzentwurf der sächsischen Staatsregierung.
Doch wie entstand diese Vielzahl von Mythen, denn um nichts
anderes handelt es sich hierbei? Sie gehen auf eine
NS-Propagandakampagne zurück, die einerseits darauf
zielte, den Volkssturm im Inland zu stärken, und
andererseits die Alliierten im Ausland zu diskreditieren.
Zur Dramatisierung wurden einfach die Totenzahlen,
die bei höchstens 25 000 lagen, verzehnfacht. Auch die
Tiefflieger entsprangen schlicht der Phantasie der
NS-Propaganda. Ebenso ist es mit der unschuldigen
Kunst- und Kulturstadt nicht weit her. Dresden war
die zweitgrößte Garnisonsstadt und wichtiger
Standort der Rüstungsproduktion des Dritten Reiches.
Zudem leisteten die Dresdner_innen gleichermaßen wie
der Rest der deutschen Bevölkerung ihren Beitrag zur
Umsetzung und Verteidigung der Volksgemeinschaft, in
dem sie sich aktiv oder zumindest passiv beteiligten.
Bis zuletzt wurden Jüdinnen und Juden verfolgt. Noch
während und kurz nach der Bombardierung Dresdens wurden
ehemalige KZ-Insassen auf Todesmärschen durch Dresden
getrieben. Die Mythen um Dresden spielen nach wie vor
keine unerhebliche Rolle im Gedenken zum 13. Februar.
So veröffentlichte die sächsische Landeszentrale für
politische Bildung unlängst ein Buch, in dem verschiedene
Zeitzeug_innen in unkommentierter Form jene Mythen
zum Besten geben und fortschreiben.
Gleichzeitig ist im offiziellen Gedenken seit einiger
Zeit eine Veränderung wahrzunehmen. In den Reden, die
am 13. Februar 2009 gehalten wurden, sind inhaltliche
Verschiebungen auszumachen. Es findet eine
geschichtliche Einordnung der Ereignisse am
13. und 14. Februar 1945 statt; an Stelle der
bekannten Dresdenmythen werden wissenschaftliche
Fakten benannt. Statt Verdrängung und Leugnung
findet sich die Betonung, dass die Bombardierung
Dresdens als Folge der "nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft" zu sehen sei. So formuliert die
Dresdner Oberbürgermeisterin Orosz: "Wie Dresden
mussten tausende andere Menschenorte in Schutt und
Asche sinken, ehe denen, die diesen Krieg angezettelt
hatten, der nationalsozialistischen Verbrecher-Clique,
Einhalt geboten war."
Die ausgemachte "Versachlichung" und Benennung
geschichtlicher Zusammenhänge gibt jedoch
keinerlei Anlass, von der Kritik am jährlich
in Dresden zelebrierten Gedenken abzurücken. Im Gegenteil.
Opfermythos 2.0
Dass es möglich ist, jenen Deutschen zu gedenken,
welche selbst zum Großteil die nationalsozialistische
Ideologie teilten und involviert waren in das
mörderische System, gleichzeitig aber die
Ablehnung des NS und die gelungene Aufarbeitung
der Vergangenheit zu propagieren, ohne dabei in
Konflikt zu geraten, liegt in der Art und Weise
der Betrachtung des NS und der Beschreibung des
"Kontextes". Ein Beispiel: In den immer gleichen
hohlen Phrasen wird betont, dass jener Krieg,
der 1939 von Deutschland ausging, im Februar
1945 zurückgeschlagen habe.
Von wem ging der Krieg aus?
Wahlweise von der "nationalsozialistischen Verbrecher-
Clique", von "Hitler und seinen Helfern" oder aber
ganz abstrakt von "den Nazis". Losgelöst von diesen
Schuldigen, wird eine unschuldige, unbeteiligte
deutsche Zivilbevölkerung konstruiert, die so
nie existierte. Der NS war in seiner Systematik,
seiner Ideologie und seinen Verbrechen auf die
aktive oder zumindest passive Beteiligung der
"ganz normalen Deutschen" angewiesen. Es ist
die gern übergangene historische Tatsache, dass
der Großteil der Deutschen die Ideologie von
Volksgemeinschaft und Herrenrasse, vom unterdrückten
deutschen Volk und vom notwendigen Krieg teilte und
das nationalsozialistische Projekt unterstützte.
Dieses fand nicht heimlich statt, gesteuert von
"ein paar Fanatikern", sondern war in Zeitungen
nachzulesen, auf der Straße und in der Wochenschau
zu sehen und bereits in Kinderliedern zu hören.
Wenn nun aber die "ganz normale deutsche Bevölkerung"
von jeglicher Beteiligung am Nationalsozialismus
freigesprochen wird, erscheint diese im Dresden-
Gedenken perfiderweise als "Opfer des NS" und nicht
als wesentlicher Garant für dessen Gelingen. Diese
behaupteten "normalen" Deutschen hätten selbst unter
der "Hitlertyrannei", welche die Bombardierung
verursacht hat, gelitten. Dresden habe mit
seiner Zerstörung für die Verbrechen "der Nazis"
büßen müssen und sei nun aufgrund der eigenen
Leiderfahrung geläutert. So kann sich Dresden
auch zum 65. Jahrestag der Bombardierung einmal
mehr als das darstellen, was es so gern sein
möchte - das Symbol für Frieden und Versöhnung.
Der Krieg schlug zurück?
Die Bombardierung Dresdens war kein Zurück-
schlagen des von den Deutschen geführten
Vernichtungskriegs, sondern ein militärisches
Mittel zur Niederschlagung der national-
sozialistischen Barbarei und bedeutete für
deren Opfer ein Schritt in Richtung Befreiung.
Nur indem menschliches Leid in einer unpolitischen
und nur noch moralischen Sicht per se zum einzigen
Ausgangspunkt in der Betrachtung des 2. Weltkriegs
wird, ist die Rede vom zurückschlagenden Krieg
möglich. Eine Auseinandersetzung mit Schuld und
Täterschaft, ja überhaupt mit Historie, wird
dabei umgangen. Hier macht der Krieg alle
gleichermaßen zu Täter_innen und Opfern und
einzig Leid wird zum universellen Maßstab.
Diese indifferente Betrachtungsweise ermöglicht
und legitimiert das Gedenken an die vermeintlichen
deutschen Opfer, weil sie die Frage nach der
Spezifik deutscher Verbrechen und nach den
Voraussetzungen für deren Durchführung nicht
stellt. Dass die Deutschen einen Vernichtungs-
krieg in Osteuropa führten, in dem sie bewusst
ganze Landstriche verwüsteten und die Bevölkerung
auslöschten, um ihren Plan der Gewinnung neuen
"Lebensraums" für die deutsche Volksgemeinschaft
zu verwirklichen, dass die Deutschen systematisch
Millionen Jüdinnen und Juden in ganz Europa
zusammentrieben, deportierten und in
Vernichtungslagern töteten, dass dem
deutschen Rassenwahn Sinti und Roma,
Homosexuelle, Behinderte zum Opfer fielen -
all das verschwindet in der Rede vom
"zurückschlagenden Krieg". In ihr werden
Verallgemeinerung und Moralisierung betrieben,
welche schlussendlich nur der Verharmlosung und
Relativierung Deutscher Schuld dienen.
Mit einer solchen Benennung der "Vorgeschichte"
der Bombardierung wird eine Interpretation der
Ereignisse angeboten, die es ermöglicht, einen
deutschen Opfermythos ins modernisierte Gedenken
zu übersetzen und so nutzbar zu machen für die
Konstruktion einer modernen Dresdner, aber auch
deutschen Identität.
"Vergangenheitsbewältigungsweltmeister"
Diese Form der Relativierung ist nicht neu.
Auf bundespolitischer Ebene setzte ein solcher
Wandel in der Erinnerungspolitik und im Umgang
mit der nationalsozialistischen Vergangenheit
Deutschlands bereits Ende der 90er Jahre ein.
"Nicht trotz sondern wegen Auschwitz" - so
die Begründung Joschka Fischers - führten
deutsche Soldaten 1999 in Jugoslawien
erstmalig wieder Krieg. Aus der vorbildlichen
Aufarbeitung der Geschichte ergäbe sich die
Befähigung und die moralische Verantwortung
überall dort auf der Welt auch militärisch
einzugreifen, wo Unrecht geschieht. Die
Aufarbeitung der eigenen "dunklen Geschichte"
wird stolz vor sich her getragen und als
moralischer Pluspunkt innerhalb der
europäischen und internationalen
Gemeinschaft nutzbar gemacht. Seit Rot-Grün
ist Deutschlands Umgang mit seiner Vergangenheit
nicht mehr durch Verdrängung, Leugnung und
Schlussstrichdenken gekennzeichnet, sondern
vielmehr durch Anerkennung und Integration,
geradezu Einverleibung der nationalsozia-
listischen Vergangenheit in die bundesdeutsche
Identität. Die einzigartige "Aufarbeitung"
Deutscher Schuld bestärkt das Selbstbild als
moderne und geläuterte Nation. Der Umgang mit
der deutschen Geschichte spielt für die
Identitätskonstruktion eine grundlegende Rolle
- der Diskurs um die "deutschen Opfer des
Krieges" durch Bombardierung oder Vertreibung;
das Paradigma der freiheitsliebenden Deutschen,
welche die zweite Diktatur auf deutschem Boden
- so der gleichmacherische Jargon der
Totalitarismustheorie - in einer "friedlichen
Revolution" von sich abschüttelten.
Gezeichnet wird das Bild einer normalen,
aufgeklärten Nation, einer Nation, die
zu ihren Fehlern steht und daraus gelernt
hat. Deutsche Täterschaft wird anerkannt,
verschwindet jedoch im abstrakten Jahrhundert
der Kriege, im allgemeinen Leid, hinter einer
Clique von Naziverbrechern. Die Dresdner
Erzählung von den Deutschen als Opfer ist
ein Baustein in dem Versuch, eine ungebrochene
deutsche Identität zu gewährleisten, denn das
Gedenken bezieht sich positiv auf eine
vermeintlich unschuldige Zivilbevölkerung.
Eine tatsächliche Auseinandersetzung mit dem
NS jedoch hieße zu erkennen, dass es eine
solche nicht gegeben haben kann. Ein positiver
Bezug auf Deutschland verböte sich - insbesondere
angesichts der planmäßigen Entrechtung, Verfolgung
und Vernichtung der europäischen Jüdinnen und Juden
als Konsequenz eines deutschen Antisemitismus, in
dem sich eine ganze Gesellschaft zusammenfand.
Es ist der von Moishe Postone geforderte "konstante
d.h. in fortwährender Auseinandersetzung zu
vollziehende Bruch", der als einzige Konsequenz
aus der Vergangenheit der Deutschen zu ziehen ist.
Kein Fortschreiben einer bruchlosen deutschen
Identität, sondern ein Bruch mit den Kontinuitäten
nationalsozialistischer Ideologie. Ein Bruch mit
Deutschland!
Seit Goebbels nichts Neues
Anknüpfend an das bürgerliche Gedenken etablierten
die Nazis ihren Aufmarsch zum 13. Februar. Er
entwickelte sich in den letzten Jahren zu einem
der größten Naziaufmärsche nach 1945. Zwar gibt
es auch in anderen deutschen Städten Nazi-
Erinnerungsveranstaltungen, die Größenordnun
g Dresdens wird dabei aber nicht einmal
annähernd erreicht. Zu beantworten ist also die
Frage, warum gerade Dresden so attraktiv für die
bundesweite Nazisszene ist?
Der 13. Februar erlaubt den Nazis heute ein
direktes Anknüpfen an ihre historischen
Vorbilder. Viele der Dresdner Mythen haben
ihren Ursprung in der propagandistischen
Ausschlachtung der Bombardierung durch das
Reichspropagandaministerium, welches den
Grundstein für eine Täter_innen-Opfer-
Umkehr legte. Darüber hinaus fand die
Darstellung, die die Bombardierung als
alliiertes Kriegsverbrechen brandmarkte,
große Resonanz in der Bevölkerung. Die
Mythen wurden in die lokale "oral history"
integriert und in der Nachkriegszeit,
sowie in DDR und später BRD unzählige Male
reproduziert. Sie sind so im kulturellen
Gedächtnis verfestigt, dass die Mythen
noch heute immer wieder im Diskurs
anzutreffen sind und in weiten Teilen
der Bevölkerung zum common sense gehören.
Für die Nazis ergibt sich hieraus eine
Situation, in der sich ihre Position
großflächig mit der hegemonialen öffentlichen
Meinung überschneidet und ihnen ein
unkompliziertes Mitmachen ermöglicht.
Sie können sich in Bezug auf den 13. Februar
ohne weiteres als Teil der gesellschaftlichen
Mitte sehen. Bestärkt wird diese Sicht durch
die in Dresden geläufige Position, die Nazis
würden - zwar aus falschen Gründen - das
Richtige tun: trauern.
Im Unterschied zum bürgerlichen Gedenken
nehmen die Nazis in ihrer Form des Gedenkens
jedoch ganz offen Bezug auf die NS-Ideologie.
Argumentativer Bezugspunkt ist die deutsche
Volksgemeinschaft. So spricht der sächsische
NPD-Abgeordnete Jürgen Gansel davon, dass der
"deutsche Volkskörper" von einem
"eliminatorischen Antigermanismus" bedroht
gewesen sei, die Deutschen also aufgrund
ihres Deutschseins bombardiert worden wären.
Es findet letztendlich eine Umdeutung des
Krieges statt, so dass eben nicht Deutschlands
Vernichtungskrieg im Fokus steht, sondern, dass
die Alliierten einen Krieg gegen Deutschland
entfacht hätten, um die "deutsche Rasse" zu
vernichten. Daran anschließend wird ein
vermeintlicher Tabubruch eingefordert, der es
endlich ermögliche, um "deutsche Opfer" zu
trauern und sich von der "moralischen Holocaustkeule"
zu lösen. Damit wird ein unverhohlener Antisemitismus
deutlich, der sich durch die gesamte Argumentation zieht.
So ist auch in bewusster Anlehnung an die Begriffe
aus dem Gedenken an die Opfer der Shoa vom
"alliierten Bombenholocaust" die Rede.
And now? Action!
Auch am 13. Februar 2010 werden in Dresden wieder
mehrere tausend Antifaschist_innen gegen den
Nazi-Großaufmarsch protestieren. Wir rufen dazu
auf, dieses Anliegen nicht losgelöst von einer
grundlegenden Kritik des Gedenkens zu betrachten
und den Fokus linksradikaler Aktivitäten auch
auf das städtische Gedenken zu richten. Ein
Ansatz, der zugunsten einer breiten Mobilisierung
allein den Naziaufmarsch in den Mittelpunkt rückt,
übergeht allzu leicht den geschichtsrevisionistischen
Kern sämtlicher 13. Februar-Gedenkenformen.
Die Folgen sind unangenehm aber vorhersehbar:
Subsumierung ins Dresden-Gedenk-Ringelpiez und
Eingemeindung in die Dresdner Bürgerschaft,
die das Ansehen Dresdens und das Gedenken
gegen einen "Missbrauch" verteidigen will.
Folgerichtig sollte sich eine radikale Linke
bemühen, eine gedenkkritische Position
sicht- und wahrnehmbar zu machen und darauf
verzichten, sich ausschließlich an den Nazis
abzuarbeiten. Das heißt zuallererst, die
Differenzen zwischen dem bürgerlichen
Gedenken und dem der Nazis richtig einzuschätzen:
sie sind vorhanden, aber nur vordergründiger Art
und spätestens mit dem Hauptanliegen, der
Trauer um vermeintliche deutsche Opfer,
erschöpft. Genau hier gilt es anzusetzen
und Kritik zu üben. Unterbleibt diese, etwa
aus Sorge um die Anschlussfähigkeit der
eigenen Position, wird weiterhin die
sowohl im bürgerlichen als auch im Nazi-
Spektrum kursierende Erzählung von den
Deutschen als Opfer des Zweiten Weltkriegs
gestärkt und damit auch ein neuer deutscher
Nationalismus legitimiert. Eine Linke, die
solche geschichtspolitische Kritik aufgibt,
würde sich selbst überflüssig machen.
Selbstverständlich folgt hieraus nicht, die
Nazis rechts liegen zu lassen. Ein Aufmarsch,
der ein offen nationalsozialistisches
Weltbild propagiert, außerdem Shoa und
Vernichtungskrieg relativiert darf nicht
unwidersprochen stattfinden. Ihm
kompromisslos entgegenzutreten ergibt sich
schon allein aus dessen Größenordnung und
dem damit einhergehenden ganz realen Gefahrenpotential.
Deswegen heißt es auch 2010: Keine Versöhnung mit
Deutschland. Gegen jeden Geschichtsrevisionismus.
Deutsche Täter_innen sind keine Opfer. Naziaufmarsch verhindern.
Demonstration gegen deutsche Opfermythen
13. Februar 2010:
Aktionen gegen Gedenken und Nazis
Eine Torte bleibt eine Torte
Das Oberlandesgericht in Hamm verhandelt dann über den Revisionsantrag der
Staatsanwaltschaft Bochum. Letzere hatte den verantwortlichen Redakteur
von bo-alternativ.de angeklagt, zur gefährlichen Körperverletzung
aufgerufen zu haben, indem das nebenstehende Plakat veröffentlicht wurde.
Im Prozess vor dem Bochumer Amtsgericht machte der Richter von Anfang an
klar, dass die Veröffentlichung des Plakates keine Straftat ist. Der
Vertreter der Staatsanwaltschaft - der allerdings nicht aus der
Politabteilung der Staatsanwaltschaft kam - plädierte dann ebenfalls auf
Freispruch. Es gab also einen Freispruch erster Klasse. Die Politabteilung
der Staatsanwaltschaft gab aber keine Ruhe und ging in Revision. Das
Oberlandesgericht muss nun entscheiden, ob in der ersten Instanz
juristisch alles richtig bedacht worden ist. Wenn es Mängel erkennt, geht
das Verfahren zurück an das Amtsgericht Bochum. Dann darf sich eine andere
Richterin oder ein anderer Richter damit befassen. Mehr zum Tortenprozess
bei bo alternativ
http://www.bo-alternativ.de/2009/12/06/eine-torte-bleibt-eine-torte/
Freitag, 9. Oktober 2009
Gegen Nazidemos Februar 2010 in Dresden!
Aktionskonferenz am 06./07. November 2009 in Dresden
Programm
Freitag, 06.11.2009
Ort noch offen
19.00 - 19.30 Uhr
Begrüßung und Einstieg
19.30 - 21.30 Uhr
Auftaktveranstaltung "Dresden 2010: Naziaufmarsch stoppen! Aber wie?"
Podium:
• Vertreter_in No Pasarán! (Berlin)
u.a. zu Bilanz 2009 und Perspektiven 2010
• Ralf Hron, DGB Dresden und GehDenken-Bündnis
u.a. zu Bilanz 2009 und Perspektiven 2010
• Peter Strutynski, Sprecher Bundesausschuss Friedensratschlag (Kassel)
u.a. zu Nazi-Überfall 2009, Notwendigkeit der Zusammenarbeit und Blockadeerfahrungen der Friedensbewegung
• Nora Goldenbogen, Vorsitzende Jüdische Gemeinde Dresden und Jugendbildungsreferentin Verein HATiKVA
u.a. zu Entwicklung der Nazi-Aufmärsche und Gegenproteste in den letzten Jahren sowie dem Verhalten (in) der Stadt Dresden und Schlussfolgerungen für die Zivilgesellschaft
• Albrecht Schröter, Oberbürgermeister der Stadt Jena
u.a. zu: Andere Städte - anderer Umgang mit Nazi-Veranstaltungen
Samstag, 07.11.2009
DGB-Haus (Schützenplatz 14)
10.00 - 13.00 Uhr
Workshops
A: "Nazis blockieren: Rechtliche Situation, Ängste und Aufklärung"
mit Peer Stolle / Rechtsanwalt (Berlin) und Vertreter_innen des Netzwerkes bewegungsorientierter Aktions-Trainer_innen "skills for action"
B: "Dresden 2010: Aktiv werden im Vorfeld"
mit Vertreter_in der Antifa und Sven Richwin / Rechtsanwalt (Berlin)
C: "Erfolgreich gegen Nazis: Beispiele aus Köln, Berlin,..."
mit Vertreter_in Interventionistische Linke zum Bündnis hingesetzt.mobi (Anti-Islam-Kongress Köln, September 2008) und Vertreter_in Bündnis „Gemeinsam gegen Rechts“ Berlin (Aktionen gegen die NPD am 1. Mai 2009)
D: "Gemeinsam gegen Nazis: Spektrenübergreifende Zusammenarbeit"
mit Olaf Schwede, DGB-Jugendsekretär HH (angefragt) und Julia Bonk, MdL DIE LINKE. (angefragt)
E: "Jedes Jahr noch mehr Nazis in DD - Wie konnte das passieren?"
m it Johannes Lichdi, MdL Bündnis 90/Die Grünen (Dresden), mit Grit Hanneforth, Kulturbüro Sachsen und Vertreter_in der Antifa
F: "'Trauma Dresden': Gedenken vs. Anti-Nazi-Protest"
mit Hildegart Stellmacher, Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit (Dresden) und Vertreter_in NoPasaran!
13.00 - 14.30 Uhr
Mittagspause
ab 14.30 Uhr
Präsentation der Workshop-Ergebnisse, "Wie geht's weiter?" und Abschlussveranstaltung
Kontakt
Wenn ihr zur Aktionskonferenz kommen wollt, dann gebt uns bitte per Mail Bescheid, wer und wie viele ihr seid – so können wir besser planen.
Die Teilnahme ist für euch kostenfrei, über Spenden freuen wir uns.
Über konferenz@no-pasaran.mobi könnt ihr zu uns Kontakt aufnehmen.
Die Aktionskonferenz wird veranstaltet vom bundesweiten Bündnis NoPasaran!
Donnerstag, 1. Oktober 2009
Und sehn wir uns nicht in dieser Welt, dann sehen wir uns in Bitterfeld...
Bitterfeld
„Im Rahmen der Mobilisierung gegen eine Nazidemo am 03.Oktober in
Bitterfeld (Sachsen Anhalt) wurde der Mobi-Blog http://abw.blogsport.de
der zu Gegenaktionen zum Naziaufmarsch aufrief gesperrt. Hintergrund ist
ein Ermittlungsverfahren gegen die Seite durch die Polizeidirektion
Sachsen-Anhalt Ost wegen Verstoß gegen § 21 Versammlungsgesetz in
Verbindung mit § 111 STGB (Aufruf zu Straftaten)…“ Bericht vom 29.09.2009
bei indymedia, dort auch Aufruf für die Gegenaktionen zum Naziaufmarsch am
03. Oktober in Bitterfeld
http://de.indymedia.org/2009/09/262197.shtml
Siehe auch den Aufruf des Aktionsbündnis gegen den Naziaufmarsch am
dritten Oktober in Bitterfeld
http://ab-03oktober.blogspot.com/