Mittwoch, 4. Juli 2012
Sehnsucht nach dem Alten
Die Mexikaner haben Gewalt und Armut satt. Die Partei des jetzigen Präsidenten Felipe Calderón werden sie deswegen vermutlich abwählen.
von Wolf-Dieter Vogel
MEXIKO-STADT taz | Isalia Sabás Almazán begegnet ihnen täglich: dem Jungen, der sich mit nacktem Oberkörper in Glasscherben legt, der alten Frau, die Kaugummis anbietet, und dem Blinden, der sich singend mit seinem Stock durch die Metro kämpft. Sie muss ihre Pesos nicht in überfüllten Bussen und U-Bahnen erbetteln, aber das Gedränge, die aggressiven Leute und die unerträgliche Hitze kosten auch sie viel Kraft.
Sechs Tage in der Woche ist sie auf dieser Strecke unterwegs, mindestens eineinhalb Stunden dauert die Fahrt aus dem Vorort Chalco in die Viertel, wo die Bessergestellten von Mexiko-Stadt leben, dort, wo die 41-Jährige wäscht, putzt und kocht. „Der Weg ist anstrengender als die Arbeit selbst“, sagt die indigene Frau. Und während sie sich zwischen den Menschen hindurchschlängelt, muss sie plötzlich über ihre eigenen Gedanken lachen: „Am besten wäre es, wenn alle verschwinden.“
Gerade einmal zehn Jahre alt war Isalia Sabás alt, als sie sich mit ihrer Tante aus einer Gemeinde im Bundesstaat Guerrero auf den Weg nach Mexiko-Stadt machte. Seither arbeitet sie als Haushälterin. Vor 25 Jahren ist sie zu ihrer Schwester in das Valle de Chalco gezogen. Hier siedelten sich ab Ende der Siebziger Jahre Landflüchtlinge an, die auf ein besseres Leben nahe der Hauptstadt hofften. Im Jahr 1988 erkor Präsident Carlos Salinas de Gortari die Stadt aus, um sie zum Vorzeigeprojekt der Armutsbekämpfung zu machen.
Die Wahlen
Am 1. Juli wird in Mexiko ein neuer Präsident gewählt. Die Prognosen (nach Umfragen vom 27. Juni):
Enrique Peña Nieto (Partei der Institutionalisierten Revolution, PRI): 41 Prozent
Andrés Manuel López Obrador (Linksbündnis): 30 Prozent
Josefina Vázquez Mota (Partei der Nationalen Aktion, PAN): 26 Prozent
Gabriel Quadri (Neue Allianz): 3 Prozent
15 Prozent sind noch unentschlossen; 40 Prozent glauben nicht, dass die Wahlen sauber ablaufen;
Kontrolliert von der Partei der Institutionalisierten Revolution (PRI) sollten alle anpacken: Beamte, Gemeindeangestellte, Stadtteilverbände. Wer es nicht mit der PRI hielt, hatte wenig Chancen auf ein festes Haus.
„Weder Bauland noch Zement“
Also hat sich Isalia Sabás der PRI-nahen Organisation Antorcha angeschlossen. Diese kümmert sich zum Beispiel darum, dass die Bewohner zu einem Dach über dem Kopf und zu Krediten kommen. „Ohne Antorcha“, sagt sie, „erhält man weder Bauland noch Zement“. Zugleich kontrolliert die Organisation, wer etwa auf dem Markt einen Standplatz oder eine Taxilizenz bekommt. Als jüngst der Präsidentschaftskandidat der Partei, Enrique Peña Nieto, auf seiner Wahlkampftour vorbeikam, mobilisierte auch Antorcha. Es galt, Stärke für die PRI zu demonstrieren.
Das war schon so, als die Partei noch in enger Zusammenarbeit mit Wirtschaft, Militär, Gewerkschaften und kriminellen Gruppen das Land autoritär regierte. Im Jahr 2000 wurde die PRI zwar nach 71 Jahren auf Bundesebene abgewählt, dennoch kann sie weiterhin auf alte Strukturen bauen, in 20 von 32 Bundesstaaten stellt sie ohnehin noch den Gouverneur.
Isalia Sabás konnte nicht zum Wahlkampfauftritt gehen, sie musste arbeiten. Aber Antorcha und andere Organisationen mobilisierten Zigtausende Mitglieder. In den roten Hemden der PRI, Parteifahnen schwenkend, jubelten sie Peña Nieto lautstark zu. Und der versprach, was seine Anhängerinnen und Anhänger hören wollten: ein besseres Transportsystem, mehr Sicherheit und eine Gesundheitsversorgung für alle. Ob sie das glaubt? Isalia Sabás denkt einen Moment nach, dann sagt sie: „Die Politiker haben nie eingehalten, was sie angekündigt haben.“
Nicht nur, dass sie sich bis heute durch überfüllte Busse und U-Bahnen quälen muss. Die 41-Jährige hat zwei Kinder alleine großgezogen. Sie weiß, was es heißt, wenn das Geld fehlt, um zum Arzt zu gehen. Falsche Versprechungen hat sie satt, und als hoffe sie trotzdem auf bessere Politiker, fordert Isalia Sabás entschlossen: „Wir wollen endlich Taten sehen.“
PRI, das kleinste Übel
Auf ihrem Heimweg zeigt die Haushälterin auf dunkle Streifen an den Wänden der Häuser, die gleich neben der lärmenden Autobahn liegen. „Über einen Meter hoch steht hier oft das Abwasser.“ Wenn die Regenzeit kommt, überflutet eine stinkende schwarze Kloake die Straßen von Chalco. „Jahrelang hat die Regierung nichts dagegen unternommen“, kritisiert Isalia Sabás. Dafür wäre Peña Nieto zuständig gewesen. Schließlich war er bis letztes Jahr Gouverneur des Bundesstaates Mexiko. Warum sie trotzdem immer die PRI wählt? „Die PRI ist das kleinste Übel.“
Ist es Überzeugung, Gewohnheit oder Zwang, der so viele Menschen für die ehemalige Staatspartei votieren lässt? Der Stadtteilaktivist Rafael Garfíaz glaubt nicht daran, dass sich so viele freiwillig für die PRI entscheiden, wie die Wahlprognosen voraussagen. Der 27-Jährige hat mit einigen Mitstreitern in einer Markthalle in Chalco ein soziales Zentrum eingerichtet. Zwei kleine Räume, in denen sie kostenlos Englischunterricht geben, Filme zeigen und Graffiti-Kurse anbieten. Immer wieder hört er, dass Parteigänger massiv Druck ausüben, damit die Bewohner die PRI wählen.
„Das fängt damit an, dass sie Nahrungsmittel, Gasflaschen oder Baumaterial verschenken. Häufig werden die Leute aber einfach dazu gezwungen, das Kreuzchen am richtigen Ort zu machen“, erklärt Garfíaz und beschreibt das ausgeklügelte System, mit dem PRI-Aktivisten bereits ausgefüllte Wahlzettel verteilen. Und wer sich nicht an den Mobilisierungen von Antorcha beteilige, müsse ewig auf ein Stück Bauland warten. Für ihn ist klar: „Das korrupte System der PRI hat nie aufgehört zu existieren.“
Rafael Garfíaz ist in Chalco groß geworden. Aus dem Vorzeigeprojekt von Salinas sei nichts geworden, heute zähle die 400.000-Einwohner-Vorstadt zu den ärmsten Regionen des Landes, sagt er. „Schon lange gibt es in Chalco wie in jedem Ghetto Kämpfe zwischen Banden. Aber in den letzten Jahren haben sich auch hier die großen Kartelle breitgemacht.“ Isalia Sabás macht sich ebenso Sorgen wegen der vielen Verbrechen. Erst vor Kurzem seien mehrere Kinder und Jugendliche ermordet aufgefunden worden. „Es wird immer schlimmer, aber vielleicht ändert sich das mit Peña Nieto.“
Viele in Mexiko treibt die Hoffnung, mit der PRI könne es eine „pax mafiosa“, einen Frieden mit den Kartellen geben. Schließlich lief zu Zeiten, als die Partei noch an der Macht war, alles wie geschmiert. Hochrangige Politiker kontrollierten die Drogengeschäfte, korrupte Armeeangehörige und Beamte sorgten dafür, dass der Transport und der Schmuggel von Marihuana, Heroin oder Kokain reibungslos über die Bühne ging.
Miserable Bilanz
Doch seit der Präsident Felipe Calderón von der konservativen PAN im Jahr 2006 das Militär gegen die Mafia mobilisiert hat, herrscht große Verunsicherung. Täglich sterben Menschen im Kugelhagel zwischen Soldaten und Kriminellen, werden zerstückelte Leichen oder Massengräber gefunden. Viele ersehnen die alte Ordnung zurück, und die PAN-Präsidentschaftskandidatin Josefina Vázquez Mota hat große Probleme, zu erklären, warum die Amtszeit ihres Parteifreundes ein Erfolg gewesen sein soll.
Trotz 60.000 Toten, 10.000 Verschwundenen und einem sozial zerrütteten Land. In den Prognosen liegt die Politikerin hinter Peña Nieto und dem Linkskandidaten Andrés Manuel López Obrador.
Lange Zeit schien unumstritten, dass der PRI-Politiker das Rennen machen würde. Auch López Obrador trennten 15 Prozentpunkte von Peña Nieto. Doch in den letzten Wochen holt der Linke zunehmend auf, nachdem Nieto im Fernsehsender Televisa Studenten, die ihn bei einem Auftritt an der Hochschule wegen Menschenrechtsverletzungen in seiner Amtszeit als Gouverneur kritisiert hatten, als bezahlte Provokateure seiner Gegner bezeichnet hatte. Täglich demonstrieren seither Studierende, organisieren Konzerte und andere politische Aktionen.
Den Schönsten wählen
In der Kritik stehen Peña Nieto und das Televisa-Unternehmen, das den Politiker gegen gutes Geld jahrelang gezielt aufgebaut hat. Doch nicht nur im Fernsehen entspricht der smarte Mittvierziger kaum dem Bild eines PRI-Dinosauriers, das seine Gegner zeichnen. Wenn er mit seiner Frau, einer bekannten Schauspielerin aus einer Seifenoper, am Rednerpult steht, gibt Peña Nieto den eloquenten Staatsmann, der Mexiko in eine bessere Zukunft führen wird.
„Wir wählen einfach den Schönsten, wir müssen wir ihn ja die nächsten sechs Jahre im Fernsehen ertragen.“ Wieder muss Isalia Sabás über ihre eigenen Worte lachen. Vor einer halben Stunde ist sie nach Hause gekommen, nun sitzt sie mit ihrer Schwester und den Töchtern am Küchentisch. Auf dem Herd köcheln ein paar Bohnen, im Fernsehen läuft ein Wahlspot nach dem anderen. „Alle fordern dazu auf, wählen zu gehen. Aber wer garantiert, dass mit unserer Stimme gewissenhaft umgegangen wird?“, wirft Schwester Anajeli Silberio Sabás in den Raum.
Wo doch bei der letzten Wahl so viel über gefälschte Stimmzettel und manipulierte Urnen berichtet worden sei. Vielleicht, überlegt sie, bleibt sie deshalb am Wahltag einfach zu Hause. „Denn das ist eine Frage der Würde.“
Mexiko: Im Namen der Verbrechensbekämpfung
Freitag, 29. Juni 2012 | Von: Bettina Hoyer | Mexiko |
Die Amtszeit von Calderón geht 2012 zu Ende. Welche Auswirkungen hat die Strategie eines „Krieges gegen das Verbrechen“, den der frisch gewählte Präsident 2006 ausrief, auf Misshandlungen und Folter durch Sicherheitskräfte?
Folter ist weit verbreitete Praxis
Dieser Frage geht eine kürzlich veröffentlichte 70-seitige Studie nach, die von der französischen Menschenrechtsorganisation ACAT-France gemeinsam mit den mexikanischen Organisationen „Kollektiv gegen Folter und Straflosigkeit“ (CCTI), dem „Menschenrechtszentrum Miguel Agustín Pro Juárez“ (Centro Prodh), dem „Menschenrechtszentrum Fray Bartholome de las Casas“ (Centro Frayba) und dem „Integralen Komitee zur Verteidigung der Menschenrechte“ (Código DH) veröffentlicht wurde. Die Studie wurde mit finanzieller Unterstützung der EU erstellt.
Der Krieg gegen das Verbrechen, so konstatiert die Untersuchung, betreibe einen Diskurs der Normalisierung der Verletzung der Grundrechte und Menschenrechte der mexikanischen Bürger und eine Legitimierung des rechtlichen Ausnahmezustandes. Und, um es vorweg zu nehmen: Die Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass „man bestätigen kann, dass diese Praxis [Folter] leider weiterhin sehr verbreitet ist“.
Gesetze schützen nicht ausreichend vor Folter
Wie viele Menschen tatsächlich gefoltert werden, sei schwer einzuschätzen, da die meisten Opfer während der Folter bedroht werden, dass sie, unter Androhung weiterer Gewalt, über das Erlebte zu schweigen hätten. Die Organisation CCTI geht davon aus, dass nur 10 Prozent der Folteropfer überhaupt eine Anzeige erstatten. Zudem kritisiert die Studie, dass es weder eine bundesweites Register gibt, noch eine einheitliche Definitionen von Folter in den einzelnen Bundesstaaten bzw. im föderalen Bundesrecht. Deshalb seien die verfügbaren Daten überhaupt nicht vergleichbar.
Zudem müssten die Opfer ihre Anzeige bei Angestellten des Innenministeriums machen, also bei Funktionären jener Behörde, die von den Opfern der Folter beschuldigt werden. Aus den oben genannten Gründen könnten diejenigen, die eine Anzeige aufnehmen, den Tatbestand der Folter in den Akten verharmlosen indem ein Fall lediglich als „Amtsmissbrauch“, oder „Körperverletzung“ aufgenommen wird.
Zunahme in Calderóns Amtszeit
Trotz dieser Schwierigkeiten bei der quantitativen Einschätzung von Folter hat die Nationale Menschenrechtskommission CNDH jedoch eine exorbitante und stetige Zunahme von Folter seit 2006 festgestellt. Im ersten Jahr von Calderóns Amtszeit habe es die Kommission nur 6 Anzeigen erhalten und daraufhin eine einzige Empfehlung ausgesprochen. Im Jahr 2011 waren es 42 Fälle. In ganz Mexiko registrierte die CNDH zwischen 2007 und Februar 2012 insgesamt 251 Fälle von Folter. Die Zahl der Empfehlungen der Kommission wegen „unmenschlicher Behandlung, Brutalität und entwürdigender Behandlung“ stieg von 330 im Jahr 2006 auf 1.161 Empfehlungen im Jahr 2010 an – und diesen Zahlen lägen, so die Autoren, vergleichbare Daten zugrund.
Besonders junge Männer würden, so die Studie, im Namen des Krieges gegen das Verbrechen in Arrest genommen und zu Folteropfern. Der Diskurs der Regierung sei dabei diskriminierend gegenüber männlichen Jugendlichen aus den Armenvierteln. Zudem versuche man seitens der Behörden den Eindruck zu erwecken, diese jungen Männer aus einfachen oder armen Verhältnissen und Straftäter seien dasselbe.
Rechtlicher Ausnahmezustand als Regel
Vor allem Angehörige des Militärs und der Bundespolizei werden der Folter beschuldigt. Sie sind es auch, die seit 2006 in großer Zahl im Krieg gegen das Verbrechen eingesetzt werden und deren Methoden der Repression unangemessen angesichts ihrer Aufgabe seien, die öffentliche Ordnung zu wahren und die Bevölkerung zu schützen. Zwischen 2006 und 2009 hat di CNDH eine Zunahme der Anzeigen aus der Bevölkerung gegen das Verteidigungsministerium um 1.000 Prozent registriert.
Folter finde meist zu Beginn einer Verhaftung statt. Deshalb sei dies die bedrohlichste Phase. Für die Außenwelt sei eine Person praktisch „verschwunden“, während Sicherheitskräfte unter Folter versuchten, Geständnisse und Informationen von den Festgesetzten zu erzwingen. Danach würden die Behörden die Folter vertuschen oder sogar fortsetzen. Fälle, in denen die Richter den Anschuldigungen von Folteropfern Gehör schenkten, seien eher die Ausnahme, so die Studie. Die Einsatzkräfte stünden unter Druck, Ergebnisse zu liefern, kritisieren die Autoren. Auch sei es gravierend, dass in Mexiko die Form der vorsorglichen Festnahme sehr weit gefasst sei.
Opferbericht: Fünf Tage Folter
Ein Beispiel aus dem Bericht: „Am 11. August 2010 verließen Noé Fuentes Chavira, Rogelio Amaya Martínez, Víctor Martínez Renteria, Ricardo Fernández Lomeli und Gustavo Martínez Renteria das Haus der ehemaligen Partnerin des Letztgenannten (…), als sie unter Anwendung von Gewalt verhaftet und in die Einrichtungen der Präventiveinheit der Bundespolizei in Ciudad Juárez verbracht wurden. Die Familien suchten diese Polizeieinheit auf, die Polizisten verneinten jedoch, dass die Gesuchten dort inhaftiert seien. Erst am 13. August 2010 wurden die Familien durch einen Fernsehbeitrag darauf aufmerksam, dass die vier Männer beschuldigt wurden, zum Kartell „La Línea“ zu gehören und ein Attentat mit einer Autobombe begangen zu haben. Zu diesem Zeitpunkt waren die Beschuldigten bereits zur Speziellen Unterstaatsanwaltschaft für Organisiertes Verbrechen (SIEDO) nach Mexiko-Stadt überstellt worden. Noé, Rogelio, Ricardo, Víctor und Gustavo beschreiben fünf Tage dauernde Folter, u. a. mit sexuellen Angriffen, Simulation des Erstickens mit einer übergestülpten Plastiktüte, Untertauchen in Wasser und Elektroschocks mit dem Ziel, dass sie ihre Beteiligung an Verbrechen wie Waffen– und Drogenhandel bestätigen sollten. Anschließend blieben sie in Präventivhaft“.
Überflüssig anzumerken, dass die Autoren der Studie ihren Bericht mit vielerlei Empfehlungen abschließen, darunter auch die Forderung nach der Vereinheitlichung der Gesetze. Vor allem aber müssten die Ausnahmeregelungen im Zuge des „Krieges gegen das organisierte Verbrechen“ wieder zurückgenommen werden.
URL: http://womblog.de/mexiko-im-namen-der-verbrechensbekmpfung
In Oaxaca häufen sich Attentate auf kritische Journalisten
30.06.2012 00:00
Oaxaca. Der Fotoreporter Rafael Said Hernández von der mexikanischen Monatszeitschrift "Tucan" hat am Sonntag einen gezielten Überfall nur knapp überlebt. Drei Personen attackierten Hernández in den frühen Morgenstunden mit Messern vor seinem Haus im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca. Die ernsthaften Verletzungen in der Herzgegend und am Oberschenkel machten zwei Operationen nötig. Die Täter, welche gleichzeitig seine Pressearbeit verunglimpften, konnten von der Polizei umgehend verhaftet werden. Doch wie Familienangehörige des Opfers am Dienstag auf einer Pressekonferenz berichteten, besteht die Gefahr, dass die Täter gegen Kaution auf freien Fuss gesetzt werden.
Die regierungskritische Zeitschrift berichtet häufig über die sozialen Unruhen in Oaxaca. Die letzten beiden Ausgaben hatten die Titel "Paramilitärs machen Jagd auf Aktivisten" und "Der Fall Brad Will". Die Organisation Article 19, die sich für die Pressefreiheit engagiert, hat den Mordversuch verurteilt und die zögerliche Haltung der Lokalregierung bei der Strafverfolgung kritisiert. Die Menschenrechtsorganisation Codigo DH hat eine Eilaktion gestartet, die online unterschrieben werden kann.
Die Gewaltakte gegen Journalisten nehmen auch im Zusammenhang mit den Präsidentschaftswahlen in Mexiko am Sonntag massiv zu. So wurde in Oaxaca die Fotografin Patricia Castellanos von einer PRI-Politikerin geschlagen, als sie die Proteste der Jugendbewegung #YoSoy132 am Rande eines Parteianlasses der PRI dokumentieren wollte. Am Mittwoch machten Journalisten in Oaxaca Stadt mit einer Demonstration auf diese Angriffe auf die Pressefreiheit aufmerksam.
(pger/tucan)
URL: http://amerika21.de/meldung/2012/06/53131/oaxaca-angriffe-journalisten
DIE WIEDERKEHR DES ALTEN MARX
von Genosse Luis Figuera, KP Venezuelas
übersetzt von Jens-Torsten Bohlke
Caracas, 27. Juni 2012, Tribuna Popular (TP). (auf Kommunisten-online am 1. Juli 2012) – „Am 14. März, nachmittags ein Viertel vor drei, hat der größte lebende Denker aufgehört zu denken. Kaum zwei Minuten allein gelassen, fanden wir ihn beim Eintreten in seinem Sessel ruhig entschlummert - aber für immer.“ Mit diesen Worten verabschiedete sich Friedrich Engels von seinem großen Freund Karl Marx.
Eric Hobsbawn gibt wie George Soros erstaunt zu, daß man ihn unverschämterweise nach dem Werk „Das Kapital“ fragte, dessen Verkäufe dermaßen angestiegen sind, daß es in Deutschland zum meistverkauften Buch gekürt wurde. Auf der letzten Internationalen Messe in Madrid hatte „Das Kommunistische Manifest“ dasselbe Glück.
Diese kleinen Geschehnisse könnten unbemerkt vorübergehen. Dennoch sind sie spürbare Anzeichen dafür, daß eine neue Erscheinung bei den traditionellen Geistesschaffenden aufgekeimt ist.
In seiner Grabrede brachte Friedrich Engels zum Ausdruck, was für einige als die zutreffendste Definition des historischen Materialismus gilt: „Marx entdeckte auch das spezielle Bewegungsgesetz der heutigen kapitalistischen Produktionsweise und der von ihr erzeugten bürgerlichen Gesellschaft. Mit der Entdeckung des Mehrwerts war hier plötzlich Licht geschaffen, während alle früheren Untersuchungen, sowohl der bürgerlichen Ökonomen wie der sozialistischen Kritiker, im Dunkel sich verirrt hatten.“
Der lange außer acht gelassene wichtige Teil des ökonomischen Denkens machte unmöglich, daß die informationserfassende Hirnzelle eine zutreffende Diagnose des Gesetzes anbietet, welches die Bewegung des Kapitalismus leitet, und verhindert, die Komplexität der gegenwärtigen Wirtschaftskrise zu verstehen, von welcher vorausgesagt worden ist, daß sie schlimmer als die große Weltwirtschaftskrise von 1929-32 sein kann.
Das Problem zur Lösung der weltweiten Krise wurzelt in der Vielfalt von regionalen Elementen, die diese Vielfalt in jeder Zone oder in jedem Land ausmachen. In Spanien und in Großbritannien ist das Grundproblem die Immobilienblase. In China ist es die Beziehung zwischen den Exporten und dem Verrbrauch, in den USA die Verschuldung der öffentlichen Haushalte.
Die finanzielle Instabilität der Euro-Zone, das Problem des Kapitalismus in den USA, die Notlagen in Deutschland, Italien, Frankreich, Großbritannien, der Bankrott Griechenlands und Spaniens sind Ausdruck einer viel tiefer liegenden und komplexeren Erscheinung, die eine Reaktion bezüglich der Produktionsweise erfordert.
Das Brutto-Inlandsprodukt der Welt wird auf 48,1 Trilliarden Dollar hochgerechnet. Das in Umlauf gebrachte Geld weltweit sind 151,8 Trilliarden Dollar. Dies bedeutet, die in Umlauf befindliche Geldmenge liegt um das Dreifache über dem Brutto-Inlandsprodukt. Es wird eingeschätzt, daß die reale Wirtschaft mit 50 Trilliarden Dollar arbeitet. Das heißt, 66,2% dieser Geldmenge bestehen aus leeren Titeln, wertlosen Gutscheinen und wertlosem Geld.
Das GlobalEurope Anticipation Bulletin Nummer 66 vom 20. Juni 2012 hebt unter den Risikofaktoren hervor: Die Zerbrechlichkeit der Finanzmittel als souveräne Schulden.
Bei all dem erhalten die größten Banken in Griechenland „Rettungsgelder“ zu einem Zinssatz von 1%, die weiterverkauft werden, um die souveränen Schulden von anderen Ländern zu kaufen, die höhere Zinsen erzielen. Dies erzeugt eine Art Kreislauf-Spiel, welches die gesamte Finanzstruktur Europas gefährdet.
Das allgemeingültige Gesetz, welches die wirtschaftliche Welt gemäß der von Marx gemachten Entdeckung leitet, ist richtig. Bei all dem können seine Analysen über die weltweite Katastrophe kurzgefasst werden. Die gegenwärtig von uns durchlebte Krise ist mal gerade ein kalter Windstoß gegenüber dem eisigen Sturm, den die Sachverständigen vorhersagen.
Quelle:
http://www.tribuna-popular.org/
Aufruf gegen die Internationale der Staatsstreiche
*Aufruf gegen die Internationale der Staatsstreiche und gegen die
Assoziierungsvereinbarung zwischen Europa und Zentralamerika!*
*Honduras / Deutschland, 28.06.12
In Solidarität mit den Kämpfen in Mittelamerika, unterstützen wir, die
wir auch in unseren Ländern und Städten gegen die kapitalistische
Durchdringung aller Lebensbereiche kämpfen, folgenden Aufruf von Berta
Cáceres vom Rat der Indigenen Völker von Honduras COPINH, diesjährige
Preisträgerin des Eichstätter Shalom Preises, die im Juni an vielen
Städten Europas Konferenzen zum Thema gegeben hat. Es ist eine
Beleidigung für die honduranische Bevölkerung, gerade in Tegucigalpa zum
3. Jahrestag des Putsches die Assoziierung mit der Europäischen Union
zum Abschluss bringen zu wollen.
Zum Gipfel des Zentralamerikanisches Integrationssystems SICA am 28./29.
Juni in Tegucigalpa erklären wir:
Nach der bitteren Erfahrung, die die honduranische Bevölkerung mit dem
Freihandelsvertrag mit USA und Kanada erlitten hatte, schließt nun die
Putschregierung unter Porfirio Lobo ein neues Freihandelsabkommen mit
der EU ab, das den Namen Assoziierungsvereinbarung trägt, und verletzt
damit erneut die Souveränität der honduranischen Bevölkerung. Das
besagte Abkommen bedeutet einen Anschlag auf die Naturgüter, Wasser,
Strände, öffentliche Dienste und Energie zum Wohl der transnationalen
Konzerne Europas. Demagogisch ist von ³Fortschritt und Demokratie² die
Rede, in Wirklichkeit jedoch sind die honduranische sowie die
zentralamerikanische Bevölkerung die Leidtragenden des Abkommens.
Wir wollen keine Patente, Genmanipulation, REDD+ (kapitalistische
Verwertung der Wälder), Modellstädte, Monokulturen für Agrartreibstoff,
Hotelindustrie, Verwandlung der Natur in eine Ware, Invasion der
kleinbäuerlichen Landwirtschaft, Durchsetzung einer Agrarindustrie
transnationaler Unternehmen, Monopole, Verlust ursprünglichen Saatguts,
Weltmarktfabriken, Verletzung der Menschenrechte, Neoliberalismus und
gewaltsame Ausplünderung!
Deshalb rufen wir auf, sich am 28. und 29. gegen die Internationale der
Staatsstreiche und gegen die Assoziierungsvereinbarung zwischen Europa
und Zentralamerika zu protestieren und sich diesem Aufruf anzuschließen.
*Oganizaciones firmantes:*
¡Alerta! - Lateinamerika Gruppe Düsseldorf
ACODEHU Costa Rica
Attac Düsseldorf
CADEHO Berlin
Guatemala Komitee Berlin
Honduras-Koordination Hamburg
Honduras-Delegation, Berlin
Informationsbüro Nicaragua e.V. Wuppertal
Queeres Bündnis Walter Tróchez, Berlin
Zapapres Mexiko-Nachrichten-Import, Hamburg
Tom Clancy’s Ghost Recon – Future Soldier: Das virtuelle Schlachtfeld
IMI-Studie 2012/10
Die Story – Der Hintergrund – Die Produktion
http://www.imi-online.de/2012/07/03/tom-clancys-ghost-recon-future-soldier-das-virtuelle-schlachtfeld/
Michael Schulze von Glaßer (3. Juli 2012)
Einleitung:
„Erlebe die Zukunft des Krieges“ – unter anderem mit diesem Spruch wirbt
der französische Videospiel-Hersteller UbiSoft für seinen Ende Mai 2012
erschienenen neuen Taktik-Shooter „Ghost Recon – Future Soldier“. Und um
es gleich vorweg zu sagen: nein, erleben kann man Krieg mit dem
Videospiel – glücklicherweise – nicht, dafür gibt das Spiel aber einen
guten Eindruck von heutigen und zukünftigen Militärmissionen und den
Waffentechnologien der Zukunft: „Um der wachsenden Zahl von Bedrohungen
in der Welt von morgen Herr zu werden, hat das US Special Operations
Command eine neue Spezialeinheit ins Leben gerufen: die Group for
Specialized Tactics. Hervorgegangen ist diese Elitetruppe aus der
legendären D Company, 1st Battalion, 5th Special Forces Group. Sie ist
die erste Task-Force für alle Aktionen, die maximale Schlagkraft
erfordern und keine Spuren hinterlassen dürfen. Diese unaufhaltsamen,
nicht verfolgbaren Soldaten werden die Ghosts genannt“, heißt es im
Handbuch des Spiels. Nachdem die US-Regierung im realen Leben
angekündigt hat, den Einsatz militärischer Spezialeinheiten massiv
auszuweiten und aufgrund des Szenarios aus Waffenhandel, Terrorismus und
einem Putsch in Russland, lohnt sich deshalb eine nähere
Auseinandersetzung mit dem Spiel.
Allerdings muss diese aus einer für Videospiele eher unüblichen Sicht
erfolgen: Heutige Fachmagazine schreiben viel über Grafik, Sound und
Gameplay von Videospielen. Und wenn über virtuelle Spiele in
Nachrichten-Medien berichtet wird, dann kreist die Debatte in
Deutschland oft nur um die Frage der dargestellten Gewalt. Was die
Spiele für politische Aussagen verbreiten, spielt in der öffentlichen
Diskussion im Gegensatz dazu kaum eine Rolle. Es wird über äußere
Formen, nicht aber über den Inhalt der Videospiele diskutiert. Dabei
sind die in den Spielen erzählten Geschichten und Darstellungen oft
hochbrisant. Daher folgt diese Studie meiner Vorherigen über den
First-Person-Shooter „Battlefield 3“ und soll „Ghost Recon – Future
Soldier“ vor allem aus politikwissenschaftlicher Sicht kritisch
reflektieren.
Zwar ist die Geschichte im neuen Ghost Recon-Videospiel weit weniger
brisant als die in „Battlefield 3“, dafür ist die dargestellte
Militärtechnik aber umso interessanter. Getreu dem Titel „Future
Soldier“ werden Soldaten der nahen Zukunft mit Technik der nahen Zukunft
in die Einsätze geschickt. Und das in den Wohn- und Kinderzimmern auf
der ganzen Welt: Die Verkaufszahlen in den USA lagen von der
Veröffentlichung am 22. Mai bis Mitte Juni bei 400.000 Exemplaren (plus
ein Vielfaches an nicht autorisierten Kopien). Das ist zwar nicht wenig,
liegt allerdings doch weit hinter den Zahlen andere Blockbuster-Titel
wie „Battlefield 3“ – von dem Spiel wurden weltweit bereits eine Woche
nach Veröffentlichung fünf Millionen verkauft, alleine in Deutschland
gingen binnen zwei Wochen nach Verkaufsstart 500.000 Exemplare über die
Ladentheken. Allerdings darf bei den Zahlen nicht vergessen werden, dass
„Ghost Recon – Future Soldier“ zunächst ab Ende Mai – in Deutschland
erschien es am 24. Mai – nur für die Konsolen „Sony Playstation 3“ und
„Microsoft Xbox 360“ verfügbar war und erst Ende Juni auch für den PC
erschien („Battlefield 3“ wurde zeitgleich für alle Systeme veröffentlicht).
Im ersten Teil wird die Geschichte des Spiels Level für Level
wiedergegeben und auch der Kooperations- und Multiplayer-Modus
abgehandelt. Anschließend werden einzelne Punkte der Geschichte
aufgegriffen und genauer erläutert: Welche Feindbilder vermittelt das
Spiel? Welche Helden werden geschaffen? Stellt das Spiel auch moralische
Fragen? Darüber hinaus wird die Darstellung zukünftiger Waffentechnik
und die Zusammenarbeit der Spieleentwickler mit dem Militär Thema sein.
Weitere Abschnitte beschäftigen sich mit dem noch im Beta-Stadium
befindlichen sozialen Netzwerk „Ghost Recon Network“, der
Vermarktungsstrategie von UbiSoft und dem für das Spiel geltenden
Jugendmedienschutz. Am Ende folgt ein kritisches Fazit.
Inhaltsverzeichnis
1. Die Story
1.1 Einzelspieler-Kampagne
1.2 Kooperations-Modus
1.3 Multiplayer
2. Der Hintergrund
2.1 Feindbild
2.2 Ärger mit Pakistan
2.3 Politische und moralische Fragen
2.4 Heldentum
2.5 Mythos „Spezialeinheit“
2.6 High-Tech Militärgerät
3. Die Produktion
3.1 Ghost Recon Network
3.2 Verbindungen zur Rüstungsindustrie
3.3 Promotion
4. Fazit: „Ghost Recon – Future Soldier: Das virtuelle Schlachtfeld“
Die ganze Studie findet sich hier:
http://www.imi-online.de/download/10_2012_glasser_web.pdf
IMI-List - Der Infoverteiler der
Informationsstelle Militarisierung
Hechingerstr. 203
72072 Tübingen
imi@imi-online.de
Übersicht über neue Texte auf der IMI-Homepage
IMI-Standpunkt 2012/034 - in: UZ, 29.6.2012
Bis an die Zähne hochgerüstet
Saudi Arabien, Garant der Konterrevolution und mehr
http://www.imi-online.de/2012/07/03/bis-an-die-zahne-hochgerustet/
Arno Neuber (3. Juli 2012)
IMI-Standpunkt 2012/033
Unbestimmt in den Syrien-Krieg?
Rückendeckung der NATO für die türkische Eskalationsstrategie
http://www.imi-online.de/2012/06/27/unbestimmt-in-den-syrien-krieg/
Christoph Marischka (27. Juni 2012)
IMI-Standpunkt 2012/032
“Schnöggersburg” im Gefechtsübungszentrum
Zum Bau einer europaweit einzigartigen Einrichtung zur Ausbildung für
Krieg und Kampfeinsätze
http://www.imi-online.de/2012/06/26/schnoggersburg-im-gefechtsubungszentrum/
Michael Haid (26. Juni 2012)
IMI-Analyse 2012/011 - gekürzt in: ak (analyse&kritik) 573
Im Interesse des Nordens
Die Atalanta-Mission führt zur Ausweitung des Kriegs am Horn von Afrika
http://www.imi-online.de/2012/06/20/im-interesse-des-nordens/
Jonna Schürkes (20. Juni 2012)
Pressebericht - in: n24.de, 16.6.2012
Von Robocops und Mini-Drohnen
http://www.imi-online.de/2012/06/18/von-robocops-und-mini-drohnen/
DPA / Andreas Seifert (18. Juni 2012)
IMI-Standpunkt 2012/031
Kinder sind immer die Opfer der Anderen
Zum jüngsten Bericht des UN-Generalsekretärs über Kinder in bewaffneten
Konflikten
http://www.imi-online.de/2012/06/14/kinder-sind-immer-die-opfer-der-anderen/
Bernhard Klaus (14. Juni 2012)
IMI-Standpunkt 2012/030 - in: Das zerbrochene Gewehr, Mai 2012 (No. 92)
Universitäten, Bundeswehr und „Vernetzte Sicherheit“
http://www.imi-online.de/2012/06/11/universitaten-bundeswehr-und-%e2%80%9evernetzte-sicherheit/
Christoph Marischka (11. Juni 2012)
IMI-Standpunkt 2012/029
Kassel entrüsten!
Aktionswoche gegen Rüstungsindustrie und Militarisierung während der
dOCUMENTA(13) in Kassel
http://www.imi-online.de/2012/06/11/kassel-entrusten/
Malte Lühmann (11. Juni 2012)
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