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Mittwoch, 9. September 2009

Bunte Republik Neustadt 2008 in Dresden

Jedes Jahr findet im piefigsten Kaff ein Sommerfest statt, Stadtteilfest genannt, meist mit Unmengen Alkoholika verbunden... selbstverständlich ist das auch in Sachsen so, und auch in Dresden.

Besonderen Kultstatus geniesst hierbei die "Bunte Republik Neustadt", das Stadtfest im als "alternativ" verschrienem Stadtteil Dresden-Neustadt. Und in der Vergangenheit gab es dort bereits Auseinandersetzungen mit der Polizei, die den friedlichen Musikkonsum im Auftrag von "Ordnung" (siehe "Ordnungsamt" etc.) unfriedlich beendete... was die lokalen Medien dazu nutzten, einen Mythos zu schaffen, der auch heute noch zieht.

Nun denn, das erste, was unsereinem freitagnachmittag bei der Parkplatzsuche (für sich schon ein selbstmörderisches Unterfangen...) auffiel, waren die Einsatzhundertschaften aus Nordrhein-Westfalen... wie schön, alte Heimat... Durchsucht nach Glasflaschen wurden unsere Taschen allerdings von Brandenburger Polizei, nur echt mit dem roten Adler. Zu später Stunde wurde polizeilicherseits denn auch für ein korrektes Ausleuchten des Alaunparks gesorgt.

Dennoch, ich muss gestehen, die Wetterverhältnisse waren so mies, das uns das zu kalt wurde, auf die Favband DEAD KASPAR HAUSERS zu warten (http://www.myspace.com/deadkasparhausers), und wir freitag schon bei Agent Krüger ("komm se her, komm se rüber, wir sind die Jungs von Agent Krüger") wieder abzogen. Schade, die Band wollte ich doch allmählich schon mal live bewundern. Aber irgendwann ergibt sich sicher wieder ´ne Gelegenheit...

Samstag war erstmal Lustwandeln zwischen Konsumständen mit Angeboten wie "portugiesische Fettbemme mit Tomate 2 Teuro fufftsch" und Buttonkauf von Mao Tse Tung über Black Sabbath bis the Cure angesagt... sogar meinen alten Bücherdealer vom "Blauen Buch" hab ich mal wiedergesehen. Am Alaunpark begann es ca. 17 Uhr, angekündigt war zwar 15 Uhr, aber naja... die erste Band fiel ersatzlos aus, keine Böcke, vor leerem Park zu spielen. Nun gibts ja so Bands, die spielen ein breites musikalisches Spektrum von AC/DC bis zu Stones und Beatles runter, letztlich ists davor sitzen und die punkige Nachbarschaft begucken immer noch spannender als meinetwegen betroffene Politikergesichter in der Glotze, weil die Iren die EU nicht so recht liebhaben...

In positiver Erinnerung verblieben natürlich dann erstmal die Creeks, beim Sänger hat sicher jedeR schonmal ein Bier geordert... Und das war fetziger Punk´n´Rotz´n´Roll, sogar ein Lied von Joy Division hab ich erkannt - das "Love will tear us apart" dudelte ja auch öfters mal in den Umbaupausen. JD-Renaissence? Muß mit dem neuen Film zum Thema zu tun haben.

Zu späterer Stunde gab es dann ein Wiedersehen mit den Haudegen von "Truemmer-Pogo-Tapes", dem Punklabel mit den lustigen Aufklebern... es hätte noch Gorilla Monsoon angestanden in der Auftrittsliste, aber das sollte nicht unbedingt sein? Jedenfalls gab´s ´ne Ankündigung, TV Smith würde um 23 Uhr an der Scheune spielen... Gut, der Weg dorthin erinnerte an Schlußverkauf bei C & A in Köln, unmittelbar nach Öffnen der Verkaufsräume... Echt nicht jederfraus Ding, das Nahkampfgedrängel der Fetenfreunde. Gut, aber zumindest ließ sich TV Smith finden! Direkt an der Scheune, "Roof on fire", Akustikgitarre, fetzige Stimme... abgesehen vom Gedränge doch ziemlich der Bringer. Aber der Druck von vier Personen pro Quadratmeter (?!) brachte uns dann doch wieder auf den Nachhauseweg. Vorbei am Heavy Duty, da war auch gutes Programm, bei unserem Vorbeidefilieren spielte grad Steelclad (if I remember right!)...

Sonntag dann gings vor der Lutherstrasse 33 weiter; erstmal checken, was Wahnfried Records so neues im Angebot hat! Die Bühne da und der Platz da sind zwar auch etwas eng, aber man nimmts dann ja doch hin als echter Crustfan. Interessant der neue Look von Kommissar X, alle in hübscher grüner OP-Kleidung, zum zünftigen Hardcore schmeisst der Sänger seinen wild zuckenden Körper wahlweise ins Publikum oder in den mitgebrachten Pappkarton... ein Patient wird frisch besudelt, alles doch recht ansehnlich.

Aber mein eigentlicher Sonntagsfav waren doch die Berliner Crusties M.V.D.; zwar wurden die Wetterverhältnisse grad Sonntag recht eklig, und man mußte schon etwas Restbegeisterung im Blut mitbringen; aber M.V.D. ( http://www.myspace.com/mvdberlin )sind ja nun definitiv nicht von dieser Welt; und ein Klassiker wie "Stamokap" läßt einen auch Kugelblitze und Waschkörbe voll Regen wegstecken. Lecker Sterni Radler zum Runterspülen obligatorischer Schmerztabletten, und die Mit-Punk-Welt begrüssen...**lol**

NO BORDER, NO NATION - STOP DEPORTATION!!

(**slogan zum merken, beim näxten M.V.D.-konzert mitgröhlen!!**)

BRN Dresden 2007

Wenn's draußen schön warm geworden ist, will die Welt und hat einen Brauch, das Stadtteilfest. Nachbarn sitzen zusammen im Bierzelt und trinken diverse Alkoholika... Solcherart begibt sich heute (16.6.) z.B. in Coswig... aber es gibt auch das berühmt-berüchtigte Neustadtfest, berüchtigt aufgrund vergangener Auseinandersetzungen zwischen Polizei und diversen notorisch Nicht-Einverstandenen... Alles halb so wild, sollte man meinen. Aber der Mythos des alternativen Stadtteilfestes, "Bunte Republik Neustadt" benötigt solches zur Hebung der Getränkepreise in's Unermessliche... Gestern begab ich mich also nachmittags mittels meines geliebten schwarzen Hollandfahrrades in die verbotene Zone, mit Absperrungen und Polizeiwannen an allen Zufahrten vom Ghetto zum Superghetto befördert... Freitagnachmittag, alles noch im Aufbau, und mich trieb's doch zeitig zu meinen Kumpels im Dunstkreis des Fiasko, jene aufgrund geringer Quadratmeterzahl chronisch überfüllte Konzertkneipe für unpopulärere Konzerte zur Zerstörung herkömmlicher Musik. Düngte mich Hunger, verließ ich das zum netten kurdischen Strassenhändler und seinem Dönerstand ohne Preisauszeichnung, ohne Schafskäse glatt mal 3 Euro 10! Ja, vielerlei beginnt, an's Stadtfest Dresden zu erinnern... Während auch auf der Hauptbühne im Alaunpark etliche Punkbands spielen, machen wir unseren Musikkonsum auf freier Fläche neben dem Fiasko. Der Anfang allerdings war mir persönlich etwas zu soft, eine Band namens "mister singing sunshine club" würde einem freundlicheren Rezensenten vielleicht den Begriff "Indy" o.ä. entlocken, mir kommt da eher "Steppenwolf zu langsam..." Doch immerhin, erste gute Laune vom Sänger in Richtung Publikum, französische Crustpunker in schwarzem Dress werden zu Rock'n'Roll-Tanzschritt-Imitationen motiviert... Und dann, als sich die ersten schwarzen Wolken näherten, die ersten Tropfen Sorgenfalten zauberten und riesige Kondome über die Lautsprecherboxen stülpten, da sah es schon nach Ende aus. Aber im Gegenteil, das Unwetter benötigte noch einige Stunden Pause! Und schon ging es ab, röchelte und röhrte in bester Crustmanier; Human Compost, ein Geheimtip für jeden Freund des Crustpunk: http://www.myspace.com/humancompost Tjä. Danach die obligatorische Umbaupause, auf und ab auf der Konsummeile und unverständiges Begaffen der pseudoalternativen Prolltouris- eine Büchse Red Bull im Spätshop nur noch 2 Euro 50?? Bin ich Rockefeller?? Nja, nee... Die göttlichen Rattenpisse hatten einen eher kurzen Auftritt, schlecht ausgesteuert und daher leider eher unverständliche Texte und zusammengeschrumpftes Publikum... Schade, schade, das Konzert dereinst in der Chemiefabrik ist mir positiv in Erinnerung! Richtig ab hingegen ging es wieder mit Lethargie aus Leipzig, ab ging hier auch erstmalig nennenswert der Pogo! Fetzig und hart, Bombenstimmung! Da nun gegen eins in der Früh gegen Ende der dritten Zugabe sah ich auch die Zeit herangereift, nach Hause zu radeln... Überraschenderweise entschied sich die Feuerwehr, mit Einsatzfahrzeug ohne Martinshorn mitten durch die Menschenmenge (100 Leute) zu müssen, ich also mit Fahrrad hinterher. Nun ganz einfach nach Hause? Pustekuchen! Spätestens da, wo die Technojünger ihre Bodies zu Klanggebräu vom Balkon runter verdrehn, ist mit Fahrrad kein vor und zurück... und nur der ganz lange Umweg, vorbei an Sambatänzerinnen, zwischendurch betrunkene Frauen auf dem Vorderrad, deren Gesichtsausdruck vermuten lässt, sie ihren tatsächlichen Aufenthaltsort vergessen haben... an jeder Strassenecke SEK in Fünfergruppen mit grauen Helmen in der Hand und ratlosem Gesichtsausdruck... Da hilft dann nur noch der ganz große Umweg! Tja, dann die näxte Überraschung in Tolkewitz, das Unwetter bricht los, die guten Turnschuhe brauchen zwei Minuten zur Durchweichung, der Taxifahrer so nett, zusätzlich vollzusauen, mit Karacho vorbeirauschend... husch, zum nächsten Strassenbahnhäuschen und unterstellen! Auch die Polizei macht sich Sorgen, dass man den Heimweg findet und fährt mal bißchen hin und her...*lol* Tja, und nun? Wieder Samstagnachmittag, allmählich höchste Zeit, die Tastatur in die Ecke zu schütten und weiteres BRN-Feeling zu tanken... heut spielen beim Fiasko die bla bla bla's, skr8 (GEIL!!), wake the dead... auf der Hauptbühne als BRN-Höhepunkt zum Schluss wohl Venusshells. Weitere Highlights diesen Monat: Sa. 30.06. in der Chemiefabrik Pogotowie Seksualnie, Feministinnenpunk aus Polen und Roadkillzombies, Trashpunk aus Berlin. ABER: das Ereignis schlechthin, die legendären BRUTAL TRUTH aus NYC in der Chemiefabrik am 10.07. - see ya...

Kleiner Nachtrag: am Samstag bin ich nur bis ca. 22 Uhr geblieben, hab mir nur skr8 angeguckt, beim ersten Lied mit zwei Schlagzeugern, danach mit zwei sich gegenseitig besingenden oder besser: gegeneinander angrunzenden Sängern. Fetzt ohne Ende... Dann am Sonntag zur Abwechslung "Stadtfest Pirna", ganz normales Bratwurstfest... Die 500 "Hooligans", von denen der Polizeisprecher im TV sprach (die die Polizei angegriffen haben sollen...), konnt ich beim besten Willen nicht entdecken. Aber vielleicht liegt das ja daran, dass ich kein Fußballfan bin?? Oder das ich nur einmal an der Hauptbühne war, dieses Wochenende? Jedenfalls kam man Samstag nur nach Taschenkontrolle an den Strassensperren in die Neustadt, ob man da Glasflaschen mitschleppt...