Donnerstag, 26. August 2010
Nord-Irland: Wer sind die wahren „Rowdys“?
Quelle: Pressesprecher, Republican Sinn Féin – Büro für internationale Beziehungen Wien, 20. August 2010
Kommunisten-online vom 24. August 2010 –
Am Montag, 16. August 2010, berichtete der Irland-Korrespondent Martin Alioth in der Wiener Tageszeitung Der Standard unter der Überschrift „Verletzte bei Anschlag in Nordirland“, sowie in einem nachstehenden Kommentar „Die Unbelehrbaren“ von den Protesten im Umfeld der sog. „marching season“, der loyalistischen Machtdemonstrationen durch irisch-nationalistische Wohngebiete in den Sommermonaten, sowie einem Anschlag in Lurgan, Co. Armagh.
Beim Anschlag, zu dem sich bis heute keine Gruppierung bekannte, wurden drei Kinder verletzt, so die Medienberichte. „Drei zufällig in der Gegend spielende Kinder wurden von Splittern verletzt. Die Sicherheitskräfte waren dabei, die Gegend nach einer Warnung zu räumen“, berichtet auch Der Standard.
Was geschah am davor gegangenen Wochenende in Lurgan? In einem Mistkübel kam es zu einer kleinen Explosion. Militante republikanische Gruppen wurden sofort beschuldigt. Eine beispiellose Medienkampagne der britischen Polizei PSNI begann, in der erklärt wurde, drei Kinder wurden verletzt, ja hätten gar sterben können. Anwohner berichteten dagegen, die Kinder würden lediglich „unter Schock“ stehen.
Rasch wurde betont, die Bombe sei „ohne Warnung“ explodiert, was von der Polizei aber wieder dementiert werden musste. Tatsächlich ging eine Telefonwarnung ein und die Polizei war am Ort des Geschehens und durchsuchte ein Gebiet um die Bahnstrecke der Zuglinie Dublin-Belfast.
Wieso es trotzdem möglich war, dass sich Zivilisten, vor allem Kinder, in dem Gebiet aufhalten konnten, wird von der Polizei nicht versucht zu erklären.
Ähnliche Fragen werden mit einem im Internet erschienen Video zur Autobombe in Derry aufgeworfen. Vergangene Woche explodierte eine rund 100kg schwere Autobombe vor einer Polizeistation in Derry, die republikanische Gruppe Oglaigh na hÉireann bekannte sich zu dem Anschlag. Ebenso erklärte die Polizei, die Bombe sei nach der Warnung zu rasch explodiert und hätte Zivilisten ermorden können.
Im Internet tauchte nun ein Video von einer Kamera einer gegenüber der Polizeistation sich befindenden Spielhalle auf. Das Video zeigt, dass noch 15 Minuten, nachdem die Telefonwarnung bei der Polizei einging, zivile Autos an der Autobombe vorbeifahren konnten. Im Bild ist ein Taxi zu erkennen, danach ein Fußgänger, der etwas mit sich trägt, was aussieht wie ein Pizzakarton.
Das Video, das vom Unternehmer Donal Doherty ins Internet gestellt wurde, wirft neuerdings ernsthafte Fragen auf, wie von der britischen Polizei auf Bombenwarnungen reagiert wird. Wird von der Polizei in Kauf genommen, dass Zivilisten zu Schaden kommen, um republikanische Gruppen zu beschuldigen? Meinungsmache auf Kosten unschuldiger Zivilisten?
Beide Orte, Lurgan und Derry, sind republikanische Hochburgen. Gerade in Kilwilkee, dem verarmten, irisch-nationalistischen Wohngebiet in Lurgan, ist die britische Polizei ein Feindbild, das nur zu sehen ist, um Häuser zu durchsuchen oder Personen zu verhaften.
Dementsprechend versucht die vor allem jugendliche Bevölkerung, die Polizei aus ihren Wohngebieten fern zu halten. Auch in der Nacht vor der Explosion der Bombe wurden wieder mehrere Polizisten von Molotowcocktails in Lurgan verletzt.
Alioth schreibt von „jugendlichen Rowdys“. Erinnern wir uns an das Vorgehen der britischen Polizei in der nahen Vergangenheit. Im Frühjahr 2009 wurde in Craigavon, nochmals im April 2010 in Armagh City, ganze irisch-nationalistische Wohngebiete eingekesselt, systematisch durchsucht und dutzende Personen verhaftet.
In Belfast wurden im März 2010 zwei Republikaner wegen Behinderung der Staatsgewalt angeklagt, da sie auf der Polizeistation ihre Namen in Irisch angaben.
Im Frühsommer 2009 wurde Kevin McDaid in Coleraine von einem loyalistischen Mob, mehrer UDA-Mitglieder zu Tode geprügelt, da er irische Fahnen in seiner Straße aufhängte. Wie Augenzeugen berichteten, wurde der Mord von der Polizei beobachtet, die nicht eingriff.
Am 12. Juli 2010 wurde der Nationalist Joe Brannery in Nord-Belfast mit Ziegeln beworfen und verprügelt. Ein 30-köpfiger loyalistischer Mob verfolgte ihn, als er eine Geburtstagsfeier verließ. Auch hier waren PSNI-Beamte am unteren Ende der Straße und griffen nicht ein.
Nur wenige Tage davor verlor ein 13-jähriges Mädchen mehrere Zähne, als sie von einem Ziegel getroffen wurde, der aus einem loyalistischen Viertel über eine der Trennungsmauern in Belfast in ein nationalistisches Wohngebiet geworfen wurde.
So soll also das „Arrangement, das mühselig in den letzten 17 Jahren aufgebaut wurde“, aussehen, mit dem sich laut Alioth die irischen Nationalisten abfinden sollen. Viel mehr muss sich nach den Vorfällen der Vergangenheit die Frage gestellt werden: Wer sind die wahren Rowdys?
Dieter Blumenfeld
Pressesprecher, Republican Sinn Féin – Büro für internationale Beziehungen Wien, 20. August 2010
Montag, 21. Dezember 2009
Weihnachten im britischen Knast...
Unterstützt die irischen, republikanischen Gefangenen zu Weihnachten!
Der Monat Dezember ist in Irland traditionell der Monat für die politischen Gefangenen.
Vor allem in der Zeit vor Weihnachten, ist es für die Gefangenen und ihre Familien besonders schwer, getrennt voneinander zu sein. Für viele Familienangehörige sind die Anreisekosten zu den Gefängnissen besonders hoch und viele können sich diese nicht leisten.
Republican Sinn Fein versucht daher vor allem im Gefangenen-Monat Dezember Geld für die Gefangenen und ihre Familien zu sammeln.
Mit dem gesammelten Geld werden Geschenke für die Gefangenen gekauft, Anreisekosten für Partnerinnen und Kinder zu den Gefängnissen bezahlt oder finanziell bedürftigen Familien der Gefangenen geholfen.
In den letzten Wochen hat Republican Sinn Féin Kundgebungen in ganz Irland und auch in Schottland und England organisiert.
Jeden Samstag im Dezember veranstaltet RSF Kundgebungen entlang der Falls Road in Belfast. Am 5. September gab es eine Kundgebung vor dem GPO in Dublin. Gestern, am 12. Dezember gab es eine Kundgebung in Mullincar, Co. Westmeath. In den letzten Wochen veranstaltete RSF außerdem Kundgebungen vor dem Gefängnis in Maghaberry und in Kilkenny.
Liederabende wurden mehrmals in Roscommon, Dumbarton, Glasgow, Dublin und London organisiert. Das eingenommene Geld kommt ebenso der Gefangenenhilfsorganisation Cabhair zu.
In den nächsten Tagen und Wochen werden Kundgebungen in Dublin, Kildare, Enniscorthy und Waterford organisiert.
Auch in Nordamerika werden von den Unterstützerinnen und Unterstützern des National Irish Freedom Committee Spenden für Irlands Gefangene und ihre Familien gesammelt.
Am Wochenende des 19. und 20. Dezember werden Mitglieder von RSF und ehemalige politische Gefangene aus Irland an der jährlichen Konferenz für politische Gefangene in London teilnehmen.
Wir rufen alle Leserinnen und Leser, Unterstützerinnen und Unterstützer auf, gerade in der Vorweihnachtszeit an die republikanischen Gefangenen und ihre Familien zu denken und Spenden an Cahbair zu senden.
Alle Spenden werden an die irische Gefangenenhilfsorganisation Cabhair weitergeleitet. Nähere Informationen zu Cabhair finden sich unter folgendem Link: http://irish-solidarity-vienna.blogspot.com
Spenden können an folgendes Konto überwiesen werden:
Name: IREM
Kontonummer: 1071813503
Bank Code: 390 500 00
Sparkasse Aachen
IBAN: DE50 3905 0000 1071 8135 03
BIC: AACSDE33
Verwendungszweck: POW