Mittwoch, 15. Juni 2022
22.6.: G20-Prozess vor dem Hamburger Amtsgericht – 9 Uhr Solidaritätskundgebung
Am 22.6.22 soll vor dem Hamburger Amtsgericht erneut ein Prozess im Kontext G20-Gipfel 2017 stattfinden. Dem in Spanien lebenden angeklagten Aktivisten wird „besonders schwerer Fall von Landfriedensbruch“ vorgeworfen, die Verhandlung findet vor einem Schöffengericht statt und ihm droht bei Verurteilung eine Gefängnisstrafe.
Der Betroffene befand sich in einer Gruppe, deren Personalien am Samstag des G20-Gipfels innerhalb der so genannten „Roten Zone“ von der Polizei kontrolliert wurden. Nachdem noch vor Ort von der Polizei Videoaufnahmen und Fotos von vorangegangenen Aktionen während des Gipfels verglichen wurden, nahm sie einige Personen der Gruppe für einen Tag in Polizeigewahrsam und leitete offenbar ein Ermittlungsverfahren ein. Im Nachklang kam es bei den Betroffenen auch zu Hausdurchsuchungen.
Um den Angeklagten zu unterstützen findet ab 9 Uhr eine Kundgebung vor dem Gerichtsgebäude am Sievekingplatz statt.
Schluss mit der Repression gegen die Anwältin des Volkes Lenir Correia Coelho!
Bereits im vergangenen November wurde im Zusammenhang mit den Kämpfen der Bauernbewegung das Haus der brasilianischen Rechtsanwältin Lenir Correia von der Polizei Einheit für Repression gegen organisierte Kriminalität durchsucht. Jetzt wird der Anwältin vorgeworfen, die „Führerin“ einer „kriminellen Organisation“ zu sein. In der Anklage wird davon gesprochen, dass diese angebliche Organisation, „in private Ländereien in dem Bundesstaat Rondonia“ eindringt.
Als fadenscheinige Beweise werden dafür Nachrichten der Anwältin sowie ihre Teilnahme als Verteidigerin an einem Beschlagnahmungs-Prozess genannt.
Diese auf Sand gebauten Vorwürfe sind eine direkte Attacke gegen das Recht auf Berufsausübung demokratischer Rechtsanwälte und gegen das Recht des Volkes auf rechtliche Vertretung. Diese Rechte sind sogar in der bürgerlichen Verfassung des reaktionären alten Staates verankert.
Lenir Correia steht nicht vor Gericht, weil sie gegen dieses Recht verstoßen hat, sondern ihre Anklage reiht sich ein in den Kampf des alten brasilianischen Staates gegen die Volks- und Bauernbewegung in Brasilien, welche sich das Land, welches ihnen zusteht, nimmt. Als Anwältin des Volkes steht Lenir Correia seit rund 20 Jahren auf der Seite der Bauernbewegung und unterstützte diese mit ihrer Arbeit. Auch jetzt lässt sie sich nicht von den Repressionen einschüchtern und erklärt, dass die Polizei ihr zwar ihre Arbeit wegnehmen könnte, aber nicht ihre Würde und dass sie nicht aufhören wird, für die Rechte des Volkes zu kämpfen.
Nieder mit der Kriminalisierung des Kampfes für Boden!
Das Land denen, die darauf arbeiten!
Abaixo a criminalização da luta pela terra!
Terra para quem nela trabalha!
Rotes Frauenkomitee BRD
Geschrieben von refa
08. Juni 2022
Aufruf zur massiven Teilnahme an der nationalen Demonstration für die Freilassung von Georges Abdallah
Am 19. Juni wird der Internationale Tag der revolutionären Gefangenen begangen – von Männern und Frauen. die überall auf der Welt beschlossen haben, das Unzulässige abzulehnen und für ein anderes Mögliches zu kämpfen. Unter diesen Kämpfern gibt es in Frankreich einen, der sinnbildlich für dieses Engagement im Kampf und Widerstand steht: es ist Georges Abdallah, ein lebenslanger Kämpfer für ein von den zionistischen Besatzern befreites Palästina und Antiimperialist, aber auch ein voller Revolutionär durch seine unerschütterliche Unterstützung der Kämpfe der Völker gegen
Imperialismus, Kapitalismus und Faschismus.
Seit dieser kleinen Ewigkeit, die die lebenslange Haft darstellt, unterschreibt Georges Abdallah und beharrt darauf, und Tag für Tag trägt in dieser sogenannten Kakophonie der heutigen Welt dazu bei, die Konturen der Antagonismen deutlich abzugrenzen, die die in diesem Klassenkrieg tagtäglich zum Ausdruck kommen. Wie kann man also Georges Abdallah unterstützen und nicht mit ihm zusammen?
die „Kriege der imperialistischen Aggressoren und ihrer regionalen Verbündeten“, „ihre Kriege der Ausplünderung und der Herrschaft“ anzuprangern. Herrschaft“? Wie könnte man nicht mit ihm das Proletariat und die Volksmassen im Kampf „gegen den sozialen Abstieg und die soziale Ausgrenzung“ unterstützen?
den Managementterrorismus der Arbeitgeber und die Arbeitslosigkeit“? Wie kann man Georges Abdallah unterstützen und nicht verstehen, dass das, was in dieser Vertiefung der gegenwärtigen Krise – der wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen – auf dem Spiel steht.
in erster Linie die Krise eines Systems ist, das „in seiner fortgeschrittenen Verwesungsphase moribund“ ist: die des kapitalistischen Systems. Wie kann man außerdem Georges Abdallah unterstützen und nicht mit ihm, seit seiner 38-jährigen Inhaftierung willkürlicher Haft, die Kriminalisierung der laufenden Kämpfe und die staatliche Repression anprangern? Wie kann man schließlich Georges unterstützen Abdallah und nicht die Heuchelei dieses sogenannten „demokratischen Kapitalismus mit menschlichem Antlitz“ entlarven, der sich über die Entscheidungen seiner eigenen Justiz ignoriert und dies im Fall unseres Kameraden nun schon seit über 22 Jahren.
Seit jenem 24. Oktober 1984 war der Weg zur Forderung nach der Freilassung von Georges Abdallah lang und voller Hindernisse, aber Wie kann man trotz allem die Fortschritte übersehen, die in der immer breiter werdenden Unterstützung für Georges gemacht wurden?
unseres Kameraden zeigt. Am 24. Oktober dieses Jahres waren wir über tausend Menschen, die aus ganz Frankreich nach Lannemezan kamen. wo Georges Abdallah inhaftiert ist.
Nun ist es an der Zeit, erneut mit einer einzigen Stimme unsere Entschlossenheit zum Ausdruck zu bringen, dass unser Kamerad bei der landesweiten Demonstration, die wir auch dieses Jahr wieder in Paris organisieren, am Samstag, den 18. Juni, um 15 Uhr, ab
Startpunkt ist der Place des Fêtes.
In einer Zeit, in der der Staat mit allen Mitteln versucht – wie wir besonders in den letzten Monaten gesehen haben -, die Menschen zu knebeln alle abweichenden Stimmen, die den – antifaschistischen oder den heldenhaften Kampf des palästinensischen Volkes unterstützenden – Widerstand unterstützen, zu unterdrücken.
In einer Zeit, in der wir in der Lage waren, uns zur Unterstützung unserer Kameraden vom Palästina-Aktionskomitee und dem Collectif Palestine Vaincra, um ihre Auflösung anzuprangern, dann ihre Klage auf Aussetzung zu unterstützen und uns schließlich. Wir freuen uns über ihren Sieg – ein Beweis dafür, dass sich der Kampf auszahlt!
dazu aufrufen, sich zusammenzuschließen, und jeder verstehen sollte, dass diese „Konvergenz der Kämpfe“, zu der er aufruft, nicht nur ein „Kampf“ ist.
Georges Abdallah dazu aufruft, „diesem System, das nur noch aus Zerstörung und Plünderung besteht, die Stirn zu bieten“, natürlich auch für die auch für seine Freilassung gilt, rufen wir alle Unterstützer von Georges Abdallah – Parteien, Gewerkschaften, Organisationen und Kollektive – auf – am 18. Juni 2022 in Paris zusammenzukommen, wie es in Lannemezan möglich war, um zu demonstrieren massiv unseren Willen zu bekunden, dass unser Genosse Georges Abdallah endlich freigelassen wird.
Georges Abdallah, deine Kameraden sind hier! Alle am 18. Juni 2022 in Paris, um die Freilassung von Georges Abdallah zu fordern!
Er ist Teil unseres Kampfes! Wir sind Teil seines Kampfes!
Palästina wird leben! Palästina wird siegen! Freiheit für Georges Abdallah!
Paris, 11. Mai 2022
Einheitliche Kampagne für die Befreiung von Georges Abdallah
Geschrieben von refa
13. Juni 2022
100 Milliarden Sondervermögen für die Bundeswehr, wirklich nur für die Verteidigung?
Unter tosendem Applaus der Abgeordneten des deutschen Bundestages, gab Bundeskanzler Olaf Scholz am 27. Februar das Sondervermögen von 100 Milliarden Euro bekannt, mit dem die Bundeswehr aufgerüstet werden soll. Die viel erwähnte sogenannte „Zeitenwende“ sei das, was dieses Sondervermögen notwendig machen würde und der Krieg Russlands gegen die Ukraine wurde als Vorwand vorgeschoben. Scholz und Konsorten sprachen immer wieder davon, die Demokratie verteidigen zu müssen. Jetzt hat die Ampel-Regierung in gemeinsamen Verhandlungen mit der CDU die Aufteilung des Sondervermögens beschlossen. Mit Verteidigung hat das was geplant ist aber eher wenig zu tun.
Der Bereich, in den am meisten investiert wird, ist die Luftwaffe. 40,9 Milliarden Euro sollen es sein. Dabei gehen mindestens 4 Milliarden Euro schon mal in den Kauf der Kampfjets vom Typ F-35. Diese gelten als die zurzeit stärkste Waffe der Welt. Der Kampfjet ist in der Lage dazu verschiedene Waffensysteme zu tragen, unter anderem auch Atomwaffen. Für die BRD ist er aber vor allem interessant wegen des Nato-Konzeptes der nuklearen Teilhabe. Schon im Koalitionsvertrag hielt die deutsche Regierung fest: „Den Beschaffungs- und Zertifizierungsprozess mit Blick auf die nukleare Teilhabe Deutschlands werden wir sachlich und gewissenhaft begleiten." Mit der Erfüllung des sogenannten 2 Prozent Ziels der Nato macht die BRD sich zum Kandidaten für die Nutzung von Atomwaffen der Yankees. Mit dem F-35 Kampfjet kaufen sie eine Möglichkeit für die Nutzung dieser Atomwaffen. All das, obwohl es der BRD laut „Zwei-Plus-Vier-Vertrag“ von 1990 nicht erlaubt ist, Atomwaffen zu besitzen, geschweige denn sie zu benutzten. So heißt es: „Die Regierungen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik bekräftigen ihren Verzicht auf Herstellung und Besitz von und auf Verfügungsgewalt über atomare, biologische und chemische Waffen. Sie erklären, daß auch das vereinte Deutschland sich an diese Verpflichtungen halten wird.“
Die Marine und die Landstreitkräfte sollen 19,3 und 16,6 Milliarden Euro bekommen. Auch hier ist von Verteidigungswaffen kaum die Rede. Für die Streitkräfte auf See sollen Korvetten vom Typ 130, Fregatten F126 sowie das Jagd-U-Boot 212 CD angeschafft werden. Außerdem sollen Mehrzweckkampfboote das Repertoire der Marine erweitern. Für die Landstreitkräfte sollen vor allem neue Panzer gekauft werden. Diese sollen den Marder Panzer ersetzten. Beim Schützenpanzer Puma sollen Nachrüstungen finanziert werden.
Die Einkaufsliste der deutschen Streitkräfte zeigt eines ganz deutlich: Es geht mit Nichten darum, sich zu „Verteidigen“, es geht darum, die Angriffskapazitäten der deutschen Armee zu verstärken. Wozu sonst braucht es F-35 Kampfjets, hochmoderne Panzer oder Jagd U-Boote. Die deutschen Imperialisten rüsten ihre Armee massiv auf, mit dem Ziel im Hinterkopf selbst wieder imperialistische Supermacht zu werden, wie man es einst in den 30ern und 40ern war.
Geschrieben von refa
01. Juni 2022
Delmenhorst: Bulle verprügelt Mann in Zelle und filmt sich dabei selbst mit Bodycam
Ein Bulle im niedersächsischen Delmenhorst hat sich mit seiner Bodycam kürzlich selbst dabei gefilmt, wie er einen Mann in einer Zelle verprügelte. So hat er den 41-Jährigen, den er zuvor festgenommen hatte, mehrfach mit dem Kopf gegen eine Zellenwand geschlagen. Das Ganze im Beisein seines Vorgesetzten und seines Streifenpartners, die seelenruhig bei dem Gewaltexzess ihres Kollegen zugeschaut haben.
Laut der zuständigen Polizei aus Oldenburg sei das Videomaterial bei der Sichtung durch einen anderen Polizisten aufgetaucht. Dieser habe den Vorfall dann gemeldet, sodass die Bullenführung nicht drumherum kam, den Beamten zumindest zunächst zu suspendieren.
Die Delmenhorster Polizei hat sich mit diesem Fall nicht zum ersten Mal in Sachen Gewalt ausgezeichnet. Allein in den letzten drei Jahren wurden insgesamt neun Verfahren wegen Körperverletzung im Amt gegen das Revier geführt, in dem sich der Vorfall ereignet hat. Besonders im Kopf bleibt aber der Tod des 19-jährigen Qosay Sadam Khalaf, der letztes Jahr im März von Bullen der Delmenhorster Polizei ermordet wurde.
Geschrieben von refa
15. Juni 2022
Neues Stichwort BAYER erschienen / Leseprobe BAYER & mRNA Impfstoffe
]SWB aktuell[
Mit einer Leseprobe aus der neuen Ausgabe
von Stichwort BAYER (SWB) weiter unten.
Neu erschienen:
Aktuelle Ausgabe von
Stichwort BAYER (SWB)
Top-Themen sind:
#BAYER und der Ukraine-Krieg
#BAYERs EU-Lobbying
#Glyphosat und Krebs
#BAYER vernichtet Wohnraum
Weiterhin ist im Heft der aktuelle TICKER enthalten. Mit Kurzmeldungen über alles, was hinter den Konzernmauern geschieht. Eine Leseprobe findet sich weiter unten
Zeitgleich mit dem Erscheinen des neuen Heftes hat die Redaktion das SWB 1/22 online gestellt (stichwort-bayer.de/).
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Aktuelle Leseprobe
„BAYER startet durch / Der Konzern und die mRNA Impfstoffe“
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Jan Pehrke, SWB-Redakteur
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Leseprobe aus SWB 2/2022
BAYER startet durch
Der BAYER-Konzern nutzt die Ungunst der Stunde und bedient sich der mRNA-Impfstoffe als Türöffner für gentechnische Behandlungsmethoden, die wegen ihres Gefährdungspotenzials bisher unter Akzeptanz-Problemen litten.
Von Jan Pehrke
„Hätten wir vor zwei Jahren eine öffentliche Umfrage gemacht und gefragt, wer bereit dazu ist, eine Gen- oder Zelltherapie in Anspruch zu nehmen und sich in den Körper injizieren zu lassen, hätten das wahrscheinlich 95 Prozent der Menschen abgelehnt. Diese Pandemie hat vielen Menschen die Augen für Innovationen in einer Weise geöffnet, die vorher nicht möglich war“, hielt BAYERs Pharma-Chef Stefan Oelrich Ende Oktober 2021 in Berlin auf dem „World Health Summit“ fest. Und der Vorstandsvorsitzende Werner Baumann sprach auf der Bilanzpressekonferenz am 1. März 2022 gar von einer Bio-Revolution.
Ähnlich enthusiastisch hatte sich das angehört, als der Leverkusener Multi vor Jahrzehnten seinen Einstieg in die Genmedizin bekannt gab. Aber nach so einigen Rückschlägen blieb davon außer dem Blut-Präparat KOGENATE und dem Augenmittel EYLEA nichts übrig.
Einen zweiten Anlauf nahm der Konzern dann im Jahr 2016. Er wollte die Gentechnik 2.0 für sich erschließen, die sich mit Genscheren wie CRISPR-Cas angeblich präziser am Erbgut zu schaffen macht als frühere Methoden. Die Verfahren bedienen sich dabei eines Abwehr-Mechanismus’ von Bakterien zum Aufspüren von Fremd-DNA, um bestimmte Gen-Abschnitte anzusteuern, und nutzen dann das Cas-Enzym zur Auftrennung der Genom-Sequenz. Anschließend setzt CRISPR-Cas entweder mitgeführte neue Erbgut-Stränge ein oder bringt die Zellen dazu, per Mutagenese selbst Veränderungsprozesse einzuleiten.
Das erschien der Aktien-Gesellschaft aussichtsreich, weshalb sie eine Kooperation mit CRISPR THERAPEUTICS einging. „Es wird sehr spannend, unsere Stärken bei Technologie-Führerschaft, wissenschaftlicher Exzellenz und Patenten zu kombinieren. Wir haben hier die Chance, einen echten Fortschritt für Patienten mit schweren genetischen Krankheiten und für unser Geschäft zu erzielen“, erklärte ein BAYER-Manager damals. Drei Jahre später erfolgte jedoch schon der Abschied auf Raten von der Firma, welche die lange als CRISPR-Cas-Mitentdeckerin geltende und spätere Nobelpreis-Trägerin Emmanuelle Charpentier mitgegründet hatte (1).
BAYER kauft ein
Stattdessen übernahm der Konzern das Unternehmen BLUEROCK THERAPEUTICS ganz, das er gemeinsam mit der Investment-Gesellschaft VERSANT VENTURES ins Leben gerufen hatte. Mit einer „zell-basierten“ Parkinson-Behandlungsart auf der Grundlage von „induzierten Pluripotenten Stammzellen“ (iPSC), welche die Wissenschaftler*innen durch eine „Rückprogrammierung“ normaler Körperzellen gewinnen, stand das Unternehmen zu dem Zeitpunkt bereits kurz vor der klinischen Erprobung. Inzwischen laufen die Tests, bei denen Mediziner*innen den Kranken Neuronen implantieren, die aus pluripotenten Stammzellen gewonnenes Dopamin enthalten.
Im Oktober 2020 schließlich erwarb der Global Player die US-Firma ASKLEPIOS BIOPHARMACEUTICAL (ASKBIO). Zwei Milliarden Euro zahlte der Konzern sofort, weitere zwei Milliarden stellte er bei erfolgreichen Arznei-Kreationen in Aussicht. Als potenzielle Kandidaten dafür gelten bei dem Biotech-Betrieb Pharmazeutika gegen Parkinson, Herz-Insuffizienz und die Stoffwechsel-Erkrankung Morbus Pompe, welche zurzeit die klinische Entwicklung durchlaufen. An anderen Medikamenten arbeitet ASKBIO nicht selbst weiter. Aber die Verträge, die es mit anderen Firmen abgeschlossen hat, garantieren Lizenz-Einnahmen, sollten die Mittel Marktreife erlangen. Überdies gehen durch den Deal 500 Patente in den Besitz des Leverkusener Multis über. Auch eine Tochtergesellschaft, die für externe Auftraggeber Viren zu Gen-Fähren präpariert, gehört zum Paket. „Als einem aufstrebenden Unternehmen auf dem Gebiet der Gentherapien werden uns die Expertise und das Portfolio von ASKBIO bei der Etablierung hochinnovativer Behandlungsoptionen für Patienten unterstützen und unser Portfolio stärken“, frohlockte BAYERs Pharma-Chef Stefan Oelrich.
Bereits zwei Monate später gab der Pillen-Riese dann die Zusammenarbeit mit dem US-Unternehmen ATARA BIOTHERAPEUTICS bekannt, das Krebstherapien auf der Basis von CAR-T-Zellen entwickelt. Dabei werden körpereigene oder fremde Immunzellen im Genlabor mit sogenannten Chimären Antigen-Rezeptoren (CAR) ausgestattet, die Tumor-Zellen anhand bestimmter Eiweiße auf deren Oberfläche orten und zerstören sollen.
Im Jahr 2021 ging die Einkaufstour weiter. Anfang August akquirierte BAYER die US-Firma VIVIDION für 1,5 Milliarden Dollar. Zusätzlich stellte der Global Player noch Erfolgsprämien bis zu einer Höhe von 500 Millionen Dollar in Aussicht. Vor allem hatte er es dabei auf eine von VIVIDION entwickelte Technologie zum Aufspüren krankheitserregender Proteine, an die bisher nicht heranzukommen war, abgesehen. Der Leverkusener Multi erhofft sich davon Durchbrüche bei der Entwicklung von Pharmazeutika gegen Krebs, immunologische Erkrankungen und Reizdarm.
Anfang 2022 schließlich vereinbarte er eine Zusammenarbeit mit dem Unternehmen MAMMOTH, dessen Geschichte der von CRISPR THERAPEUTICS gleicht, denn hinter jenem steht mit Jennifer Doudna die andere vermeintliche CRISPR-Cas-Entdeckerin und Nobelpreis-Trägerin (2). Und um die Genscheren geht es dem Konzern dann auch. „Die Partnerschaft, die zusätzlich mit einer weiterführenden Option für BAYER kombiniert ist, zielt auf den Einsatz von MAMMOTH BIOSCIENCES CRISPR-Systemen zur Entwicklung von In-vivo-Geneditierungstherapien ab“, ließ er verlauten. Bei diesen In-vivo-Verfahren, die der Pharma-Riese zunächst bei Lebererkrankungen zur Anwendung bringen will, handelt es sich um solche, bei denen die MedizinerInnen die zu behandelnden Zellen nicht außerhalb des Körpers (ex-vivo) genmanipulieren, sondern direkt vor Ort.
„Mehr als zwei Dutzend Allianzen und Akquisitionen“ vermeldete der Leverkusener Multi auf seiner Bilanz-Pressekonferenz Anfang März und eine Beteiligung an „mehr als 50 innovativen Biotech-Startups“. „Wir treiben seit drei Jahren eine grundlegende Transformation unseres Innovationsmodells konsequent und sehr erfolgreich voran“, lautete das Resümee.
Diesen Strategie-Wechsel leitete das Unternehmen Ende 2018 ein – und nicht ganz freiwillig. In dem Jahr musste es nämlich die ersten millionen-schweren Schadensersatz-Urteile in Sachen „Glyphosat“ hinnehmen und sah sich mit zehntausenden weiterer Klagen konfrontiert. Infolgedessen setzte die Aktie zum Dauertiefflug an, was den Finanzmarkt nervös machte. BLACKROCK & Co. mahnten Handlungsbedarf an – und der Global Player lieferte. Er gab die Vernichtung von 12.000 Arbeitsplätzen bekannt. Im Zuge dessen strich die Aktien-Gesellschaft nicht weniger als 900 Jobs in der Pharma-Forschung und erklärte, in Zukunft „eine verstärkte Ausrichtung auch auf externe Innovationen“ vornehmen zu wollen. Auch die jüngste Ankündigung, wieder mehr in hiesige Labore zu investieren, dürfte daran nichts ändern.
Die anderen Pillen-Produzenten schlugen einen ähnlichen Weg ein. Statt Mega-Deals einzufädeln und Konkurrenten zu schlucken, was (siehe MONSANTO) immer auch das Risiko birgt, sich daran zu verschlucken, konzentrieren sie sich lieber auf Kooperationen ohne längerfristige Verpflichtungen. „Solche Pakte bieten großen Unternehmen die Möglichkeit, sich in aufregenden, aber unerprobten Technologien auszuprobieren, ohne einen großen Einsatz zu leisten“, konstatiert die Nachrichten-Agentur Bloomberg. Aus dem Mund von PFIZER-Boss Albert Bourla hört sich das die Zusammenarbeit des Global Players mit BIONTECH betreffend dann so an: „Partnerschaften geben uns genau das, was wir wollen, ohne so viel Kapital aufwenden zu müssen, wie es nötig wäre, wenn wir die Unternehmen erwerben wollten.“
Und wenn die Konzerne sich doch zu Akquisitionen entschließen, pflegen sie einen anderen Umgang mit ihren Neuerwerbungen als früher. Sie integrieren sie nicht mehr länger in ihre Strukturen, sondern lassen sie an der langen Leine selbstständiger operieren. Das „arm’s length“-Prinzip nennt der Leverkusener Multi das in Bezug auf ASKBIO und VIVIDION. „Um den Unternehmer-Geist als wesentliche Grundlage für erfolgreiche Innovation beizubehalten, wird VIVIDION als Tochter-Gesellschaft von BAYER weitgehend unabhängig agieren. VIVIDION wird weiterhin für die Weiterentwicklung seiner Technologie und seines Portfolios verantwortlich sein, profitiert dabei aber von der Erfahrung, Infrastruktur und Reichweite von BAYER als globales Pharma-Unternehmen“, hieß es in der Pressemeldung zu der Transaktion.
Gentherapie-Tote
„Wir erfinden uns neu “, sagt BAYERs Forschungschef Christian Rommel angesichts der Projekte mit CRISPR-Cas, den Gentherapien sowie den CAR-T- und pluripotenten Stammzellen: „Wir sehen heute ganz anders aus als noch vor einem Jahr.“ Nur das mRNA-Verfahren, das in einigen Corona-Impfstoffen zur Anwendung kommt, fehlt da noch im Gentech-Sortiment – vorerst. „Wir werden unseren bisherigen Kurs, was Zukäufe und Allianzen angeht, fortsetzen. Dabei werden wir unter anderem auch neue Technologien wie mRNA im Auge behalten“, bekundete Stefan Oelrich im Handelsblatt.
Der Euphorie des Leverkusener Multis zum Trotz hat sich am Risiko-Potenzial der Genmedizin jedoch nichts geändert. Von Gentherapien, wie ASKBIO sie in Sachen „Parkinson“ erprobt – die ForscherInnen führen mittels Erkältungsviren ein Gen in das Gehirn der PatientInnen ein, das eine „Regeneration von Mittelhirn-Neuronen“ anstoßen soll – hatte die Industrie nach einer Reihe von Zwischenfällen lange die Finger gelassen. Der spektakulärste ereignete sich im Jahr 1999 bei einer Studie. Der 18-Jährige Jesse Gelsinger litt an einer seltenen Stoffwechsel-Krankheit, und die Mediziner wollten in seine Leber ein Enzym einschleusen, das diese Gesundheitsstörung behob. Aber die Milliarden als Gen-Fähren benutzten Adeno-Erkältungsviren infizierten nicht nur wie vorgesehen die Leber-Zellen, sondern griffen auch Abwehr-Zellen an. Diesem Ansturm zeigte sich das Immunsystem des Jungen nicht gewachsen; es kam zu einem multiplen Organ-Versagen.
Im Jahr 2002 dann diagnostizieren die MedizinerInnen bei einem der zehn Kinder, die in Frankreich an einem Gentherapie-Test zur Behandlung ihrer Immunschwäche-Krankheit X-SCID teilgenommen haben, Leukämie. Später erkranken zwei weitere VersuchsteilnehmerInnen. Das eingeschmuggelte Gen hatte den Krebs ausgelöst.
Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA reagierte schließlich und empfahl, Gentherapie-Versuche auf bislang unheilbare Krankheiten zu beschränken. Das alles bremste die Euphorie merklich. Aber die Forscher*innen gaben nicht auf. So setzen sie jetzt statt auf Adeno-Viren vermehrt auf bloß noch adeno-assoziierte Viren (AAV), wie sie nun auch ASKBIO nutzt.
Trotzdem sterben immer wieder PatientInnen. AUDENTES informierte im August 2020 über den dritten Todesfall bei einer Versuchsreihe mit Kindern, die aufgrund eines defekten MTM1-Gens an der neuromuskulären Erkrankung „Myotubuläre Myopathie“ leiden. Erste Tests mit adeno-assoziierten Viren, die eine korrekte Version des Gens in die Muskelzellen einbrachten, verliefen vielversprechend. Daraufhin hob AUDENTES die Dosis an und schraubte sie auf eine bisher bei solchen Erprobungen nur selten erreichte Höhe. Drei der 17 Probanden vertrugen die Injektion nicht und entwickelten eine Sepsis. Ihr Immunsystem identifizierte die AAV als fremde Eindringlinge und mobilisierte alle Abwehrkräfte. Dabei konnte es nicht mehr zwischen Freund und Feind unterscheiden und zerstörte so den ganzen Organismus.
Zwei Monate danach meldete LYSOGENE den Tod einer Fünfjährigen, die gemeinsam mit 19 weiteren ProbandInnen an einer Arznei-Prüfung mit dem Gentherapie-Präparat LYS-SAF302 teilgenommen hatte. Das Mädchen litt an der Erbkrankheit Mucopolysaccharidose.
Aufgrund eines defekten SGSH-Gens produzierte ihr Körper ein Enzym, das in den Zellen bestimmte Stoffe abbaut, nicht in ausreichendem Maße, so dass es zu Ablagerungen kam, die den zellulären Stoffwechsel störten. Die Prozedur aber, dieses Gen mittels adeno-assoziierten Viren durch ein funktionstüchtiges zu ersetzen, vertrug die Patientin nicht. Sie verstarb einige Monate nach der Gabe des Pharmazeutikums.
Tote bei CAR-T-Therapien
Auch die immunologischen Krebstherapien auf der Basis von CAR-T-Zellen sind nicht ohne. Bei den Verfahren, die vorerst nur bei solchen PatientInnen zur Anwendung kommen, denen kein anderes Mittel geholfen hat, ereignen sich immer wieder schwere Zwischenfälle. So starb im Februar 2022 ein Proband, der an einer Brustfellkrebs-Studie von BAYERs Neuerwerb ATARA teilgenommen hatte. Er war der erste von sechs PatientInnen, der nach einem reibungslosen Durchlauf mit 1x106 Zellen/kg bzw. 3x106 Zellen/kg eine höhere Dosis erhalten hatte. Das mit der Durchführung der Tests beauftragte „Memorial Sloan Kettering Cancer Center“ stoppte die klinische Prüfung daraufhin. Eine CAR-T-Versuchsreihe im selben Monat, die CELYAD verantwortete, forderte sogar zwei Todesopfer. Und bei Erprobungen von JUNO und CELLECTIS ließen ebenfalls ProbandInnen ihr Leben. Die Steuerung von CAR-T-Zellen fällt nämlich schwer. Sie greifen mitunter auch intaktes Gewebe an, da sich die Eiweiße, die ihnen als Andock-Stelle dienen, nicht nur auf den Tumor-Zellen finden. Zudem ist die Reaktion des Körpers auf die Zellen schwer vorhersehbar. Nicht selten lösen sie einen lebensgefährlichen Zytokin-Sturm im Immunsystem aus, das sogenannte cytokine release syndrome (CRS).
Dieses CRS ist dann auch die häufigste tödliche Nebenwirkung der schon zugelassenen CAR-T-Therapien von NOVARTIS und GILEAD. Zu diesem Ergebnis kam ein chinesisches ForscherInnen-Team um Changjing Cai von der „Central South University“ in Hunan, das sich dabei auf die Datenbanken der Weltgesundheitsorganisation und die Zahlen aus den Zulassungsstudien stützte. Am zweithäufigsten sterben die PatientInnen an Störungen des Nervensystems, konstatieren die WissenschaftlerInnen in ihrem Aufsatz „A comprehensive analysis of the fatal toxic effects associated with CD19 CAR-T cell therapy“. „Wir beobachteten eine hohe Sterblichkeitsrate bei einigen toxischen Wirkungen und frühe Todesfälle aus unterschiedlichen Gründen, was es erforderlich erscheinen lässt, dass das an der Umsetzung der CD19-CAR-T-Zelltherapie beteiligte Klinik-Personal der Beobachtung und Behandlung dieser tödlichen Effekte mehr Aufmerksamkeit schenkt“, lautet ihr Resümee.
Bei neueren Forschungsprojekten zur Krebsbehandlung mit gen-veränderten Immunzellen setzen die Unternehmen jetzt auf Genscheren wie CRISPR-Cas oder Talen, weil sie präziser arbeiten. Ob das jedoch die Risiken der CAR-T-Therapien senkt, steht noch dahin.
Genscherereien
Der BAYER-Konzern will diese Technologie über die Kooperation mit MAMMOTH „mit einem ersten Schwerpunkt bei Zielstrukturen in der Leber“ anwenden. Dabei baut er vor allem auf die ultrakleinen CRISPR-Cas-Scheren, die das US-Unternehmen entwickelt hat, da diese angeblich „hoch spezifische“ Schnippeleien „in Kombination mit gezielter systemischer Anwendung“ erlauben. Allerdings tun sich auch bei CRISPR-Cas so einige Risiken und Nebenwirkungen auf. So führte der Versuch, mittels dieser Methode defekte Embryo-Zellen zu reparieren, zu einem Verschwinden ebendieser, wie eine im Dezember 2020 in der Zeitschrift Cell veröffentlichte Studie dokumentierte. Zudem schnitt die Genschere nicht nur an dem eigentlich vorgesehenen Ort, sondern tat sich auch in der Umgebung um. „Off Target“ lautet die Bezeichnung für diese unbeabsichtigte Ausweitung der Schnippelzone. Die ForscherInnen rieten deshalb dringend davon ab, diese Technologie weiter an Embryonen zum Einsatz kommen zu lassen.
Aber es gibt nicht nur richtige Schnitte an falschen Orten, sondern auch falsche Schnitte an richtigen Orten. Solche „On Target“-Effekte können das ganze Innenleben der Zelle durcheinanderwirbeln. Und just eine solche drastische Veränderung – eine Chromothripsis – haben WissenschaftlerInnen jüngst an Embryonen beobachtet und in der Zeitschrift Nature Biotechnology beschrieben. Sie machten „eine extrem schädliche Form der genomischen Umstrukturierung, die aus der Zertrümmerung einzelner Chromosomen und dem anschließenden Wiederzusammenfügen der Teile in einer zufälligen Reihenfolge resultiert“ aus und warnten vor einer Krebs-Gefahr.
Eine andere Studie nennt dieses Phänomen einen „katastrophalen Mutationsprozess“, der nie ganz vermeidbar und umso problematischer ist, da er an der eigentlich beabsichtigten Stelle auftritt, weshalb in diesen Fällen auch kein Nachschärfen der Genschere hilft. In der endgültigen Fassung der Untersuchung fehlt diese Formulierung allerdings. Dort heißt es lediglich: „Da Genome Editing in der Klinik eingesetzt wird, sollte das Potenzial für umfangreiche chromosomale Veränderungen berücksichtigt und überwacht werden.“
Die ForscherInnen lassen wohl nicht zuletzt deshalb Vorsicht walten, weil es sich schon längst nicht mehr um einen Fachdisput handelt. Wissenschaftliche Arbeiten zu CRISPR-Cas & Co. haben mittlerweile wirtschaftliche Auswirkungen, da diese „Zukunftstechnologie“ an den Börsen hoch gehandelt wird. So warnt dann der Investment-Informationsdienst SEEKING ALPHA auch davor, dass die neuen Daten zur Chromothripsis die langfristigen Aussichten von Unternehmen mit Aktivitäten auf dem Genscheren-Gebiet beeinträchtigen könnten, wie GMWATCH berichtete. „Angesichts der unsicheren Aussichten sollten Anleger ihre Positionen in Unternehmen, die DNA-Doppelstrangbrüche zur Bearbeitung des Genoms einsetzen, neu bewerten“, rät die Firma.
Hohe Umsätze
Die in letzter Zeit entwickelten Gentech-Pharmazeutika kosten Unsummen. So verlangt der NOVARTIS-Konzern für seine CAR-T-Therapie 320.000 Euro pro PatientIn und für sein Medikament zur Behandlung einer seltenen Muskel-Erbkrankheit sogar noch mehr. Mit 2,1 Millionen Dollar schlägt ZOLGENSMA zu Buche. Solche Beträge möchten auch alle anderen Pillen-Riesen einfahren. Darum verstärkt die ganze Branche seit einiger Zeit ihre Anstrengungen auf diesem Gebiet massiv. Und BAYER durfte da natürlich nicht fehlen. „Wir werden keine laufenden klinischen Studien abbrechen und mit dem Faktor-IX-Programm auch noch eine weitere große Studie mit sehr hohen Patienten-Zahlen starten. Aber tendenziell werden sich die Prioritäten in Richtung hochspezialisierter Therapien verschieben“, sagte Stefan Oelrich dem Handelblatt.
Noch dazu locken bei den sogenannten Orphan Drugs nicht nur geldwerte Vorteile. Die klinischen Prüfungen erfordern keinen so großen Aufwand. Sie können – unter Inkaufnahme vieler Risiken (s. o.) – mit einer kleineren ProbandInnen-Zahl erfolgen und wegen der kürzeren Behandlungszeiten schneller abgewickelt werden, wie BAYERs Pharma-Chef der Zeitung erläuterte. Damit nicht genug, räumen die Zulassungsbehörden diesen Mitteln dann auch noch einen Sonderstatus ein und ermöglichen beschleunigte Genehmigungsverfahren.
Aber vielleicht kommen „dank Corona“ bald schon viel mehr Präparate in diesen Genuss. Mit Verweis auf den angeblich großen Erfolg der in Windeseile entwickelten und auf den Markt gebrachten Covid-Impfstoffe dringt Big Pharma nämlich darauf, eine solche Verfahrensweise auf Dauer zu stellen und auszuweiten. „Für klinische Studien ist es wichtig, dass die Politik Rahmenbedingungen schafft, dass es von der Planung bis zur Studie schneller losgehen kann“, sagt etwa BAYER-Managerin Heike Prinz. Und der vom Leverkusener Multi gegründete „Verband der forschenden Arzneimittel-Hersteller“ sekundiert: „Die Vielzahl der nötigen Genehmigungen und Zustimmungen, insbesondere bei Datenschutz und Ethik, macht alles sehr bürokratisch, aufwendig und manchmal auch langsam.“
Die Ungunst der Stunde bzw. „die riesigen Chancen der Biorevolution“ (O-Ton BAYER) bescheren dem Leverkusener Multi also viele Gelegenheiten, sich neue lukrative Geschäftsfelder zu erschließen, Akzeptanz-Probleme zu lösen und Deregulierungen zu erreichen. Und die Aussichten für weitere Corona-Gewinnmitnahmen stehen gut. „2022 wird mutmaßlich wieder ein aufregendes Pharma-Jahr“, konstatierte die FAZ im Januar.
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Stichwort BAYER (SWB) ist das einzige existierende konzernkritische Magazin. SWB enthüllt und deckt auf, was Konzerne treiben, wie die Profite der Konzerne zustande kommen. SWB berichtet über Konzern-Widerstand und Gegenwehr gegen Konzern-Willkür. Alles am Beispiel des BAYER-Konzern. Stellvertretend für alle Konzerne.
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LuXemburg 2/2022: »UNANGEPASST« – neues Heft zu Klimafolgen
Liebe Leser*innen,
der Sommer ist da, doch die Freude etwas getrübt. Durstige Bäume und trockene Böden zeugen von den vergangenen Hitzejahren. Wetterextreme nehmen zu, ökologische Systeme geraten aus dem Gleichgewicht.
„Alle reden vom Wetter – wir nicht“ war ein berühmtes SDS-Plakat der 1960er Jahre. Das können wir uns heute nicht mehr leisten. Als Linke müssen wir übers Wetter reden, und zwar dringend. Unser neues Heft dreht sich um die Frage, wie wir uns vorbereiten können auf die Klimafolgen, die jetzt schon unvermeidlich sind. Die herrschende Politik und das kapitalistische System versagen darin, Menschen zu schützen und vorzusorgen – sie sind völlig UNANGEPASST. Den Preis zahlen die, die am wenigsten haben, global, aber auch hierzulande.
Höchste Zeit, über Klimaanpassung nachzudenken. Hinter dem sperrigen Begriff steckt die Frage, wie wir leben wollen und wessen Leben zählt – es ist die soziale Frage der kommenden (Heiß-)Zeit.
LuXemburg 2/2022 blickt auf Deutschland 2050, auf Fluthilfe von unten, auf die globalen Kämpfe gegen Klimakolonialismus und auf Abgründe der Abschottungspolitik. Wir finden konkrete Ansätze für eine solidarische Klimaanpassung – und Gründe, trotz allem Hoffnung zu haben.
Außerdem greifen wir die Debatte um #Metoo auf und fragen nach den Möglichkeiten und Grenzen des (Arbeits-)Rechts im Umgang mit sexuellen Übergriffen.
Und wir haben Alex Demirovic, Urgestein unserer Redaktion, zu seinem 70. Geburtstag gefragt, was Sozialismus für ihn bedeutet – und was wir heute noch damit anfangen können.
Wir wünschen viel Freude bei der Lektüre, egal bei welchem Wetter!
Hannah Schurian für die Redaktion
https://api.zeitschrift-luxemburg.de/uploads/LUX_22_02_ONLINE_klein_3808300d49.pdf
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