Schöne neue Arbeitswelt: Prekarisierung. Über die Bedingungen von Widerstand unter prekären Verhältnissen
“«Man
vernutzt uns hier wie Maschinen», sagte ein Leiharbeiter, den ich im
Rahmen eines Forschungsprojekts interviewen konnte, über seine
Arbeitssituation. Leistung würde sich nicht lohnen, führe nicht zu einer
unbefristeten Anstellung – von Anerkennung durch Vorgesetzte im Betrieb
kaum eine Spur. Der Lohn war so niedrig, dass er noch einen Nebenjob
brauchte. Eingesetzt wurde er in einem Lager des Großhandels. Ein auch
nicht gerade üppig bezahlter Stamm von fest Beschäftigten wurde dort
dauerhaft durch einen breiten Rand von Zeitarbeitskräften ergänzt,
Befristungen galten bereits als ganz «normaler» Einstieg in das
Unternehmen. Die Belegschaft – der «betriebliche Gesamtarbeiter» – war
nicht nur sozial gespalten, der flexible Rand wurde von den
Betriebsräten und aktiven GewerkschafterInnen vor Ort auch gleichzeitig
mal als Sicherheitspuffer für die eigene Kernbelegschaft, mal als
Bedrohung betrachtet. Die soziale Spaltung in Beschäftigte, die über
unterschiedlich «gute» Verträge und Arbeitsbedingungen verfügten,
verband sich so mit einer politischen. (…) Kämpfe in Betrieben, in denen
stark prekär beschäftigt wird, zeigen allerdings, dass Erwartungen,
Arbeiterpolitik würde so ganz nebenbei verhindert, zu pessimistisch
waren. Soziologische Untersuchungen haben außerdem gezeigt, dass in
prekarisierten Belegschaften zum Teil erhebliche Unzufriedenheit nicht
nur mit der eigenen Arbeits- und Beschäftigungssituation entstanden ist,
sondern auch zunehmend Politik und Wirtschaftseliten misstraut wird. Es
ist also Druck im Kessel, aber es ist offen, wozu das führt. Ein Teil
der Unterprivilegierten neigt nach rechts, aber ein anderer ist auch
nach links offen…” Artikel von Thomas Goes in der Soz Nr. 02/2020
Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=162552
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