Dienstag, 14. Februar 2017

Putschversuch im Juli 2016 in der Türkei


[Türkei] Nein, wir gehen nicht! Entlassene Akademiker*innen im 
Widerstand - und unter Beschuss

Angesichts der Entlassungszahlen, die inzwischen in der Türkei in die 
Hunderttausend gehen, fällt das neueste Dekret kaum weiter auf: 
weitere 4.464 Entlassungen aus dem Staatsdienst, davon 330 
Akademiker*innen und 2.585 Lehrer*innen, lautete die Entschiedung vom 
späten Dienstag abend (7.2.17). Insbesondere bei den nunmehr 
entlassenen Akademiker*innen handelt es sich allerdings ganz dezidiert 
um Linke - Unterzeichner*innen vom Friedensappell aus dem Januar 2016, 
Mitglieder der linken Bildungsgewerkschaft Egitim Sen, Autor*innen 
alternativer Medien (wie unserer Schwesterseite sendika.org). Allein 
an der Uni in Ankara sind 72 Akademiker*innen betroffen. Hier fällt 
der Widerstand entsprechend gründlich aus. Bereits am Morgen nach dem 
Dekret versammelten sich die Betroffenen und ihre Unterstützer*innen 
vor den Toren der Universität und erklärten, dass sie durchaus zu 
bleiben vorhaben. Für den heutigen Freitag hatte die 
Bildungsgewerkschaft Egitim Sen zu einer Großversammlung eingeladen. 
Die Polizei versuchte, den Zutritt zur Universität zu verhindern, 
setzte Wasserwerfer, Tränengas und Gummigeschosse ein. Mehrere 
Menschen wurden verletzt, 11 festgenommen. Das Forum fand dennoch 
statt. Die Akademiker*innen beschlossen, ihre Büros nicht wie 
angeordnet zu räumen, sondern mit Beginn des neuen akademischen Jahres 
eine Boykott-Aktion sowie eine Kampagne gegen die Universitätsleitung 
zu starten. Die Universitätsleitung hatte die Namensliste unliebsamer 
Akademiker*innen an den Hochschulrat durchgegeben, worüber sie Eingang 
in die Entlassungsliste aus dem neuesten Dekret fand. Einstweilen hat 
die Architektenkammer ihre Pforten geöffnet, damit Lehrende und 
Studierende den Unterricht fortsetzen können, weitere Aktionen von 
Gewerkschaften, Berufsverbänden und den Betroffenen selbst sollen 
folgen. Siehe zur aktuellen Situation einige Beiträge unserer 
KollegInnen von sendika
http://www.labournet.de/?p=111598

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