Geiselnehmer soll gedroht haben, Frau anzuzünden
Zahlreiche Polizeikräfte waren am Kölner Hauptbahnhof wegen einer Geiselnahme im Einsatz.
- Ein Mann soll einen Molotowcocktail gezündet und eine Frau massiv bedroht haben. Die Polizei verwundete ihn.
- Ein Terroranschlag sei nicht ausgeschlossen, hieß es bei einer Pressekonferenz der Polizei am Abend.
Der Bahnhof war wegen einer Geiselnahme in einer Apotheke im Gebäude evakuiert und seit den Mittagsstunden gesperrt. Nach Schätzungen der Deutschen Bahn NRW waren Hunderte Züge von der stundenlangen Sperrung betroffen. Fernzüge, Regionalbahnlinien und S-Bahnen sollten umgeleitet werden. Einige Züge endeten vorzeitig.
Ein Spezialeinsatzkommando (SEK) griff ein und brachte den Geiselnehmer laut Polizei „unter Kontrolle“. Dabei wurde er von mehreren Schüssen getroffen. Beim Zugriff soll der Mann „schwerst“ verletzt worden sein, er musste reanimiert werden, schrieb die Polizei auf Twitter. Am Abend wurde er notoperiert.
Ein Terroranschlag sei nicht ausgeschlossen, hieß es bei einer
Pressekonferenz der Polizei am Abend. Zeugen erklärten, dass der Mann
geäußert haben soll, dass er zur Terrormiliz Islamischen Staat (IS)
gehört.
Geiselnahme in Apotheke
Der Geiselnehmer hatte laut Polizei am Mittag einen Molotowcocktail in einem Bahnhofsrestaurant gezündet. Dadurch sei ein 14-jähriges Mädchen verletzt worden. Sie habe Brandverletzungen erlitten und befinde sich im Krankenhaus. Das Auslösen der Sprinkleranlage habe den Täter wohl unter anderem dazu veranlasst, das Restaurant zu verlassen.Später sei der Täter in eine Apotheke am Bahnhof geflüchtet. Dort soll er eine Frau als Geisel genommen haben. Laut Polizei habe er sie massiv bedroht und soll versucht haben, sie anzuzünden. Das konnten Beamte verhindern. Die Geisel wurde befreit. Zuvor soll es zu Verhandlungen mit dem Täter gekommen sein.
Der Geiselnehmer soll nach Angaben der Polizei freien Abzug gefordert haben. Er habe außerdem einen Koffer und eine Reisetasche verlangt, sagte der leitende Polizeidirektor Klaus Rüschenschmidt. Koffer und Tasche habe er zuvor im Café eines Schnellimbisses liegen gelassen, in dem er einen Brandbeschleuniger gezündet hatte. Zudem habe der Mann die Freilassung einer Tunesierin gefordert. Weitere Details seien nicht bekannt.
In der Apotheke wurden nach dem Vorfall Gaskartuschen und Brandbeschleuniger gefunden. Zudem lag am Tatort der Pass eines 55-jährigen Syrers, der seit 2016 in Deutschland geduldet wird. Diese Person sei bereits polizeilich in Erscheinung getreten, unter anderem wegen Diebstahl, Körperverletzung und Hausfriedensbruch. Ob es sich bei dem Täter um die Person auf dem Ausweis handelt, konnte die Polizei noch nicht bestätigen, obwohl es Annahme dazu gebe.
Explosionen durch Blendgranaten
Der Bahnhof wurde nach Beginn des Einsatzes gegen 12.45 Uhr großräumig abgesperrt und geräumt. Es wurde dazu aufgefordert, „auf dem schnellsten Weg das Bahnhofsgebäude zu verlassen“. Am Nachmittag erfolgte der Zugriff durch das SEK. Dabei feuerten die Beamten zwei Blendgranaten ab. Die Explosionen waren auf dem Breslauer Platz auf der Bahnhofsrückseite deutlich zu hören.Der Kölner Hauptbahnhof ist einer der wichtigsten Eisenbahnknoten am Rhein, er liegt im Stadtzentrum direkt neben dem Kölner Dom. Täglich durchströmen ihn rund 1300 Züge und bis zu 280.000 Reisende auf elf Gleisen. Da auch die Schnellstrecke nach Frankfurt nach einem ICE-Brand gesperrt ist, stand nahezu der komplette Bahnverkehr rund um Köln still.
https://www.welt.de/vermischtes/article182111108/Polizeigrosseinsatz-in-Koeln-Geiselnehmer-soll-gedroht-haben-Frau-anzuzuenden.html
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