Montag, 13. Februar 2017
Gewerkschaften: Eine halb geheime Macht
"Fast alle Gewerkschaften legen offen, wie viele Mitglieder sie zum
Jahresende hatten. Nur eine weigert sich - damit Arbeitgeber nicht
wissen, wie stark ihr Gegner ist. (...) Was sich zusammenfassend
feststellen lässt: Die Berufsgewerkschaften sind tendenziell stabil
oder wachsend. Die meisten Branchengewerkschaften haben jedoch
weiterhin Mühe, die Zahl ihrer Mitglieder zu halten. Manchmal liegen
die Gründe dafür bei ihnen selbst: Gerade die DGB-Gewerkschaften haben
eine maskulin geprägte Tradition. Die prägenden Figuren, die von ihnen
etablierten Rituale - alles männlich. Sie verbreiten ein Lebensgefühl,
das Frauen und Jüngeren oft fremd ist. Sie haben vor allem zu Beginn
der Nullerjahre die Interessen spezieller Berufsgruppen etwas aus dem
Blick verloren: von Ärzten, Lokführern, Flugbegleitern. Die sind zu
Berufsgewerkschaften abgewandert, fühlen sich dort wohl und kommen
nicht zurück. (...) Viele Gewerkschaften wissen zudem, dass sie in den
kommenden Jahren unausweichlich schrumpfen werden - weil unter ihren
Mitgliedern sehr viele Rentner sind. Bei Verdi ist es jeder Vierte,
bei der IG Bau fast jeder Dritte. Viele Gewerkschaften messen ihren
Erfolg daher nicht daran, ob sie die Zahl ihrer Mitglieder halten
können, sondern wie sich die Relation bei den Berufstätigen
entwickelt. Verdi ist, so gesehen, erfolgreich: Im vergangenen Jahr
gab es in dieser Mitgliedergruppe zum neunten Mal nacheinander mehr
Ein- als Austritte. Die IG Bau hingegen hat hier ernsthafte Probleme:
13 000 Eintritte, 18 000 Austritte. Die Baubranche hat es derzeit
besonders schwer, ihre Fachkräfte zu halten. Und damit auch die
Baugewerkschaft." Artikel von Detlef Esslinger vom 9. Februar 2017 bei
der SZ online
http://www.sueddeutsche.de/politik/gewerkschaften-eine-halb-geheime-macht-1.3372144
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